Militärische Berufsethik

Die Ethik des Soldaten der Bundeswehr: Hat der Bundeswehrsoldat eine eigene Ethik?


Seminararbeit, 2010
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Betrachtungen

2. Ethik in den Streitkräften

3. Zur Besonderheit des Soldatenberufs
3.1 Neue Herausforderungen fordern Reaktionen
3.2 Innere Führung - ein Relikt?
3.3 Eine neue Individualethik

4. Die Ethik des Soldaten der Bundeswehr im Vergleich

5. Abschließende Gedanken

Verzeichnis verwendeter Quellen

Verzeichnis verwendeter Literatur

1. Einleitende Betrachtungen

„Er wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte“ - ist auf dem Grabstein von Johann Friedrich von der Marwitz zu lesen, der als Generalmajor und Kommandeur des „Garde-Regiments Gensdarmes“ einen Plünderungsbefehl verweigerte. Gerade dieser Satz verdeutlicht die immense Wichtigkeit der ethischen Festigung von Soldaten.

Ferner ist auch der Zweite Weltkrieg von Soldaten gezeichnet, die von Idealismus und Vertrauen getrieben, an einer tadellosen ethischen Überzeugung festhielten. Nicht nur, dass die Bundeswehr in ihrer Entstehungsgeschichte auf Namen wie de Maizière oder Baudissin verweisen kann, ebenso handelte auch die Mehrheit der „Landser“ nach bestem Gewissen. Erziehung und Ausbildung fundamentierten die Grundwerte soldatischen Denkens um Leistungsfähigkeit, Tapferkeit, Gehorsam und Kameradschaft. Doch gerade dieses elitäre Bewusstsein führte zu einem loyalen Vertrauen in die Politik, welche 60 Millionen Tote forderte.

Die Bundeswehr begründet sich daher in ihrer Tradition weder auf die Wehrmacht, noch auf die herausragenden persönlichen Leistungen um Mut und Tapferkeit der Soldaten. Vielmehr stellt sie sich bewusst durch das Soldatengesetz, die Innere Führung und das Bild des Staatsbürgers in Uniform als Neubeginn dar, eingebettet in den rechtlichen Rahmen des Grundgesetzes.1

Doch die alten Fragen um eine soldatische Ethik bleiben: Woran hat sich soldatisches Handeln auszurichten? Sind es Rechtsnormen des Völkerrechts oder doch individuelle Aspekte, die dieses Denken lenken? Hat der Bundeswehrsoldat eine ihm eigene Ethik - und ist dieses Ideal mit anderen modernen, als auch historischen Armeen vergleichbar? Diese Aspekte sollen im Folgenden nähere Betrachtung finden, wobei nicht auf eine detailierte Herausstellung von Vorgesetzten und Offizieren eingegangen wird.

Zur Bearbeitung dieser Fragen werden vor allem in der Fachliteratur erschienene Aufsätze verschiedenster Geisteswissenschaftler verwendet. Hierbei soll das Sammelband „Innere Führung für das 21.Jahrhundert. Die Bundeswehr und das Erbe Baudissins“ hervorgehoben werden, herausgegeben von Elmar Wiesendahl. Dieses ermöglicht einen gezielten Einblick in moderne Aspekte der Inneren Führung und stellt gleichsam Lösungsansätze heraus, die zum Verständnis der Probleme grundlegend sind. Weiterhin wird in dieser Arbeit auf themenbezogene Werke der Kirchen zurückgegriffen, da diese die militärische Ethik besonders gut beleuchten.

Zunächst wird die Besonderheit der Ethik in den Streitkräften dargestellt, worauf sich die Besonderheiten des Soldatenberufs in Anbetracht der neuen Herausforderungen aufbauen. Die Innere Führung wird folgend unter Aspekten der Praxisbezogenheit untersucht, auch bezugnehmend auf die sich anschließende Individualethik. Ein abschließender Vergleich mit der ethischen Umsetzung anderer Streitkräfte bildet die inhaltlichen Abschluss.

2. Ethik in den Streitkräften

Eine Auseinandersetzung mit Ethik eröffnet die Frage nach einem sinnvollen, richtigen und guten Leben. Damit ist auch das Handeln und Unterlassen verbunden, da die Ethik das Problem aufwirft, warum gerade die eine Entscheidungsalternative einer anderen vorzuziehen ist. Hierbei wird der Verstand und im christlich-theologischen Sinn auch die Erkenntnismöglichkeit des religiösen Bewusstseins gefordert.2

Daher ist die ethische Bildung und Festigung ein elementarer Grundauftrag moderner Armeen. Dies bedingt nicht nur die zunehmende Heterogenität der ohnehin pluralistischen Gesellschaft, auch die Notwendigkeit einer sozialen Auseinandersetzung mit Werten erfordert die Herausbildung einer sittlichen Urteilsgabe. Viele Entscheidungssituationen sind in ihrer Komplexität nur durch Kenntnis der Voraussetzungen und Auswirkungen des eigenen Handelns abzuschätzen. Dieses Verständnis wird in Anbetracht militärischer Mittel zunehmend wichtiger, da Entscheidungen über diese ebenso andere Menschen beeinflussen.3 Daher muss das Prinzip der Gottesebenbildlichkeit eine Voraussetzung hierbei sein, um alle Menschen gleichermaßen zu berücksichtigen. Die menschliche Mittelpunktstellung in der Welt als Person mit Verstand, Phantasie und zielorientierten Handlungsabsichten muss hierbei als funktionaler Aspekt Erwähnung finden. Er ist unter Gleichen und muss somit im Sinne der Partnerschaft ethisch handeln, wobei der Mensch sich mit den Handlungsumständen vertraut machen, die Konsequenzen reflexiv betrachten und zur Verantwortungsübernahme bereit sein muss.4 Moderne Armeen haben zum Zweck der Politik um Frieden und Sicherheit den Umgang mit Gewaltmitteln reflektierend zu betrachten. Denn nicht nur die Politik trägt Verantwortung - gleichermaßen sind die Streitkräfte ethisch gebunden.

Hierbei hat die Bundeswehr durch das Konzept der Inneren Führung einen Raum der Freiheit geschaffen, sich mit diesen friedensethischen Aspekten auseinanderzusetzen - wobei die Pluralisierung der Werte und die Individualisierung der Gesellschaft weiterhin eingebettet werden muss. Ebenso stellen die Auslandseinsätze die Bundeswehr vor neue Herausforderungen.5

3. Zur Besonderheit des Soldatenberufs

Die Notwendigkeit von Richtlinien des Handelns birgt die Achtung vor dem eigenen Leben und dem Leben aller Menschen. Zur Schaffung dieses Leitfadens erklärte sich auch die Bundesrepublik Deutschland zur Einhaltung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bereit, mit dem Ziel der Schaffung einer Welt nach Grundsätzen der politisch-philosophischen Ethik, in der alle Menschen, Völker und Staaten nach Prinzipien des Gemeinwohles eingebunden sind.6 Dies garantiert den Bürgern Rechte, nimmt diese jedoch auch gleichzeitig in die Pflicht. Es ist vor allem die Aufgabe der Soldaten, dieses Recht für jedermann zu garantieren. Daher muss eine soldatische Ethik diesen Aspekt besonders betrachten, da dieser in der Ausübung des Dienstes mit dem Einsatz des eigenen Lebens verbunden ist.7

Gleichermaßen trägt der Soldat jedoch auch Verantwortung für seine eigene Familie, sodass er in einen durch seinen Beruf verursachten Konflikt gerät. Er wird zum Vermittler zwischen häufig gestellten Anforderungen im Beruf und Familie, wobei eine enorme Flexibilitätsleistung erbracht werden muss.8 Hierbei ist der Begriff der Verantwortungsethik hervorzuheben: Die ethische Irrationalität der Welt ist mit der Bürde der Folgen des eigenen Handelns verbunden. Gleichsam werden diese Folgen akzeptiert und individuell getragen. Daher ist jeder einzelne Soldat vor sich selbst verantwortlich, indem er für sein Handeln einsteht und ebenso bereit ist, dieses zu verteidigen. Diese innere Akzeptanz kann allerdings nur eintreten, wenn der Blick auf die Welt rücksichtslos real ist. Die Verantwortung des Soldaten vor der Politik erfordert somit die Rückstellung eigener Interessen, um das Wohl des Staates und der Menschen zu fördern. Dies bedingt auch die Auseinandersetzung mit Verwundung, Sterben und Tod.9

Durch das breite Aufgabenfeld findet sich der Soldat häufig in Extremsituationen wieder, in denen er zielsicher und reflektierend Entscheidungen treffen muss, die die Erfüllung seines Auftrags begünstigen. Dieser Forderung kann nur durch eine ethische Festigung entsprochen werden, auch in dem Bewusstsein der eigenen Bedeutung für die Gesellschaft. Denn auch in Zeiten der Ignoranz liegt es an den Streitkräften, stabilisierend für Sicherheit und Frieden einzutreten - die obersten Ziele des Einsatzes.

Weiterhin muss sich der Soldat bewusst sein, dass er nicht nur seiner Nation dient, sondern der ganzen Menschheit. Jeder Mensch hat dieselben Rechte und ist daher in seiner Würde zu achten. Andere Kulturen und Religionen sind als gleichberechtigt zu betrachten und die Zivilbevölkerung ist stets zu schützen. Trotzdem muss der Soldat bereit sein, die eigenen Staatsgrenzen vor äußeren Feinden zu verteidigen und im selben Maße humanitäre Intervention im Ausland zu leisten.

[...]


1 Vgl. Storbeck, Siegfried F.: Politik und die Ethik des Soldaten. Gedanken zum Soldatsein im Wechsel unserer Geschichte, In: Das Schwarze Barett Nr.42, Bonn 2010, S. 25-27.

2 Vgl. Berger, Johann: Reflexionen eines gewissenhaften österreichischen Soldaten zu Soldat - Religion - Ethik, In: Prüfert, Andreas (Hg.): Soldat - Religion - Ethik, Munster 1990, S. 15.

3 Vgl. Bischof Dr. Ackermann, Stephan: Grundsatz: Ethische Ausbildung - ein unverzichtbarer Auftrag auch in den Streitkräften, http://www.katholische-militaerseelsorge.de/index.php?id=178, letzter Zugriff 15.Juli 2010.

4 Vgl. Junghans, Rudolf: Zur Ethik des Verteidigungsauftrages, In: Prüfert, Andreas (Hg.): Soldat - Religion - Ethik, Munster 1990, S. 85-88.

5 Vgl. Bischof Dr. Ackermann: [FN3].

6 Vgl. Berger: [FN2], S. 16.

7 Vgl. Auer, Ernst: Der Soldat zwischen Eid und Gewissen, (= Österreichische Schriftreihe für Rechts- und Politikwissenschaften, Band 7), Wien 1983, S. 48-49.

8 Vgl. Collmer, Sabine: Der flexible Soldat: Vom Landesverteidiger zum Soldaten im Einsatz, In: Wiesendahl, Elmar (Hg.): Innere Führung für das 21.Jahhundert. Die Bundeswehr und das Erbe Baudissins, Paderborn 2007, S. 147.

9 Vgl. Micewski, Edwin R.: On the Philosophical Framework for the Ethical Debate in Professional Military Education, In: Micewski, Edwin R./Annen, Hubert (Hg.): Military Ethics in Professional Military Education - Revisited, (= Studies for Military Pedagogy, Military Science & Security Policy, Volume 9), Frankfurt am Main 2005, S. 13-16.

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Details

Titel
Militärische Berufsethik
Untertitel
Die Ethik des Soldaten der Bundeswehr: Hat der Bundeswehrsoldat eine eigene Ethik?
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Institut für Theologie und Ethik)
Veranstaltung
Militärische Berufsethik
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V198222
ISBN (eBook)
9783656243380
ISBN (Buch)
9783656246602
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufsethik, Ethik, Militär, Militärische Berufsethik, Bundeswehr, Soldat
Arbeit zitieren
Eric Kresse (Autor), 2010, Militärische Berufsethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198222

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