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Von Seriellen Verben zu Auxiliaren

Die Grammatikalisierung von Verben in Adamawasprachen

Titre: Von Seriellen Verben zu Auxiliaren

Mémoire de Maîtrise , 2010 , 142 Pages , Note: 1.3

Autor:in: Magister Artium Holger W. Markgraf (Auteur)

Science de Langue / Linguistique (interdisciplinaire)
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Résumé Extrait Résumé des informations

Die vorliegende Magisterarbeit stellt zunächst eine Bestandsaufnahme von Seriellen Verbkonstruktionen in Adamawasprachen (Volta-Kongo) dar und betrachtet in einem zweiten Schritt die Schnittstelle zwischen Seriellen Verbkonstruktionen und Auxiliarkonstruktionen im Blickwinkel der Grammatikalisierung. Dabei sind die Verben 'gehen' und 'kommen' in den Adamawasprachen, wie in vielen anderen Sprachen auch, von besonderer Bedeutung, da sie eine Vielzahl semantischer Funktionen übernommen haben, von ihrer Eigenschaft als direktionale Verben in narrativen Seriellen Verbkonstruktionen bis hin zu Tempus-Markern.

Serielle Verbkonstruktionen und Auxiliarkonstruktionen stehen aufgrund ihrer syntaktischen und semantischen Eigenschaften in einem engen definitorischen Verhältnis. Aus ihrer historischen Entwicklung betrachtet sind Serielle Verbkonstruktionen, neben Verb-Komplement Strukturen, die häufigste Quelle zur Entstehung von Auxiliarkonstruktionen (Anderson 2006: 11). Aufgrund dieses historischen Zusammenhangs ist es im Bereich der Seriellen Verbkonstruktionen problematisch eine klare Grenze zwischen seriellen Verben und Auxiliaren zu ziehen.

Dem Ansatz von Heine (1993) und Kuteva (2001) entsprechend können serielle Verben und Auxiliare auf einer Grammatikalisierungsskala, einer sogenannten „grammaticalization-chain“ angesiedelt werden, in der jedes Glied dieser ‚Kette‘ eine Stufe des Auxiliarisierungsprozesses repräsentiert, wobei die vorherigen und die nachfolgenden Funktionen sowie deren linguistische Realisierungen nebeneinander in Gebrauch sind. Daraus ergibt sich eine überlappende Zwischenstufe, die durch semantische und/oder syntaktische Ambiguität gekennzeichnet ist (Kuteva 2001: 138).

Anderson, G.D.S. 2006. Auxiliary Verb Constructions. Oxford: Oxford University Press.
Heine, B. 1993. Auxiliaries. Cognitive forces and Grammaticalization. New York: Oxford University Press.
Kuteva, T. 2001. Auxiliation. An Enquiry into the Nature of Grammaticalization. Oxford: Oxford University Press.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Verbserialisierung

2.1.1 Historischer Abriss

2.1.2 Die „seriellen Parameter“ nach Aikhenvald (2006) sowie van Staden und Reesink (2008)

2.1.3 Serielle Verben in der Role and Reference Grammar (RRG)

2.2 Auxiliare

2.3 Grammaticalization-chains: von seriellen Verben zu Auxiliaren

2.3.1 Fallstudie Mundang

2.3.2 Panchronie

2.3.3 Verb-zu-TAM-Ketten

3. Klassifikation und Verbreitung der Adamawasprachen

4. Serielle Verbkonstruktionen in Adamawasprachen: Eine Bestandsaufnahme

4.1 Darlegung einer Argumentationsbasis

4.2 Symmetrische SVC

4.2.1 Vorbemerkung

4.2.2 Narrative SVC

4.2.3 Motion SVC

4.2.4 Switch-function SVC

4.2.5 Resultative SVC

4.3 Asymmetrische SVC

4.3.1 Vorbemerkung

4.3.2 Valenzerweiternde SVC

4.3.2.1 Direktionale SVC

4.3.2.2 Dativ

4.3.2.3 Benefaktiv

4.3.2.4 Instrumental

4.3.3 Aspekt und Modalität

4.3.3.1 Resultativ

4.3.3.2 Iterativ

4.3.3.3 Habituativ

4.3.4 Komparativ

4.3.5 Adverbiale SVC

4.4 Zusammenfassung

5. Die Grammatikalisierung von Verben zu Auxiliaren

5.1 Zwei Strategien zur clause union: Verbserialisierung und Verbkomplementierung

5.2 Grammatikalisierung von Tempus-/Aspektmarkern

5.2.1 Vorbemerkung

5.2.2 Aspekt

5.2.2.1 Resultativ, Perfektiv

5.2.2.2 Progressiv, Habituativ, Repetitiv (und Futur)

5.2.3 Tempus (motion SVC > Futurauxiliar)

5.2.4 Zusammenfassung

6. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen seriellen Verbkonstruktionen (SVC) und Auxiliarkonstruktionen (AVC) in den Adamawasprachen, um diese als Entwicklungsstadien auf einem Grammatikalisierungskontinuum zu verorten. Das Ziel ist die Erstellung eines umfassenden Korpus serieller Verbkonstruktionen dieser Sprachfamilie und deren Analyse im Hinblick auf ihre Rolle bei der Entstehung von Tempus- und Aspektmarkern unter Verwendung der Role and Reference Grammar (RRG).

  • Grammatikalisierung von Verben zu Auxiliaren
  • Typologie und Verbreitung der Adamawasprachen
  • Analyse serieller Verbkonstruktionen (symmetrisch vs. asymmetrisch)
  • Anwendung der Role and Reference Grammar auf komplexe Verbalsyntagmen
  • Rolle von Bewegungsverben als Quelle für Futur- und Aspektmarker

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Die „seriellen Parameter“ nach Aikhenvald (2006) sowie van Staden und Reesink (2008)

Aikhenvald (2006) gibt in Anlehnung an Durie (1997) einen detaillierten Überblick über die Eigenschaften, die eine SVC aufweisen muss, um als solche analysiert werden zu können:

A serial verb construction (SVC) is a sequence of verbs which act together as a single predicate, without any overt marker of coordination, subordination, or syntactic dependency of any other sort. Serial verb constructions describe what is conceptualized as a single event. They are monoclausal; their intonational properties are the same as those of a monoverbal clause, and they have just one tense, aspect and polarity value. SVCs may also share core and other arguments. Each component of an SVC must be able to occur on its own. Within a SVC, the individual verbs may have same, or different, transitivity values. (Aikhenvald 2006: 1)

Auch wenn nicht alle ihrer „seriellen Parameter“ für sämtliche Sprachen der Erde zutreffend sind – beispielsweise können in einigen Sprachen serielle Verben unterschiedliche Aspekte oder eine andere Polarität aufweisen, je nach Definition und Betrachtung des Autors (Senft 2008, vgl. Mead und Youngman 2008) –, so hat sich Aikhenvalds Definition dennoch als nützlich erwiesen, um grundsätzlich serielle von nicht-seriellen Strukturen zu unterscheiden. Van Staden und Reesink (2008) fassen die Kenntnisse von SVC in einer Kreolsprache (Ambon Malay), sieben austronesischen Sprachen und neun Papua-Sprachen der Nusantara-Kontaktzone in einer typologischen Studie zusammen. Die Terminologie dieser Studie unterscheidet sich von der Aikhenvalds, hat jedoch den Vorteil der strikten Trennung zwischen Bezeichnungen syntaktischer und semantischer Eigenschaften von SVC, weshalb diese Studie in dieser Arbeit ebenfalls Berücksichtigung gefunden hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das definitorische Verhältnis zwischen seriellen Verbkonstruktionen und Auxiliaren ein und formuliert das Ziel, ein Korpus der Adamawasprachen zu erstellen sowie deren Grammatikalisierungsprozesse zu untersuchen.

2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert den Forschungsüberblick zur Verbserialisierung, diskutiert das Modell der „grammaticalization-chain“ und erläutert die Anwendung der Role and Reference Grammar zur Analyse komplexer Satzstrukturen.

3. Klassifikation und Verbreitung der Adamawasprachen: Hier werden die Adamawasprachen geografisch verortet, sprachgenetisch klassifiziert und in ihrem Kontext als Teil des Niger-Kongo-Sprachzweigs beschrieben.

4. Serielle Verbkonstruktionen in Adamawasprachen: Eine Bestandsaufnahme: Dieser Hauptteil systematisiert die in den Sprachen gefundenen seriellen Verbkonstruktionen in symmetrische und asymmetrische Typen und diskutiert methodische Schwierigkeiten bei deren Identifikation.

5. Die Grammatikalisierung von Verben zu Auxiliaren: In diesem Kapitel wird der historische Prozess der Grammatikalisierung von Verben zu Auxiliaren analysiert, wobei insbesondere Bewegungsverben als Quelle für Futur- und Aspektmarker im Fokus stehen.

6. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse zur SVC-Vielfalt in den Adamawasprachen und betont die Notwendigkeit weiterer empirischer Feldstudien zur Verifizierung der theoretischen Analysen.

Schlüsselwörter

Verbserialisierung, Grammatikalisierung, Adamawasprachen, Auxiliare, Role and Reference Grammar, Tempus, Aspekt, Modalität, Sprachwandel, Syntax, Semantik, Mundang, Mbum, Samba Leko, Doyayo.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das sprachwissenschaftliche Phänomen der seriellen Verbkonstruktionen (SVC) in verschiedenen Adamawasprachen und deren Rolle bei der Entstehung von Auxiliarkonstruktionen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von SVC und Auxiliaren, die sprachgenetische Klassifizierung der Adamawasprachen sowie die diachrone Grammatikalisierung von Verben zu funktionalen Markern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist der Aufbau eines Korpus für serielle Verbkonstruktionen in den Adamawasprachen und die Untersuchung, ob und wie diese Konstruktionen als Vorstufen für TAM-Auxiliare (Tempus, Aspekt, Modalität) fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit nutzt einen funktional-kognitiven Ansatz und stützt sich terminologisch und analytisch stark auf die "Role and Reference Grammar" (RRG) zur Beschreibung syntaktischer und semantischer Strukturen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Bestandsaufnahme der SVC-Typen (symmetrisch vs. asymmetrisch) in den untersuchten Sprachen und eine anschließende detaillierte Analyse ihrer Grammatikalisierung zu Auxiliaren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Verbserialisierung, Grammatikalisierung, Adamawasprachen, Auxiliare und die RRG-Theorie.

Warum wurden gerade die Adamawasprachen für diese Studie ausgewählt?

Die Wahl fiel auf diese Sprachgruppe, da sie im afrikanischen Kontext bisher vergleichsweise schlecht dokumentiert ist und die Arbeit einen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke leisten will.

Wie geht die Arbeit mit der Ambiguität zwischen seriellen Verben und Auxiliaren um?

Der Autor verzichtet auf eine strikte Trennung und betrachtet beide als Stufen eines kontinuierlichen Grammatikalisierungsprozesses ("verb-to-TAM-chain"), was die oft schwierige Klassifizierung in den Daten besser abbildet.

Welche Rolle spielt das "Verbalnomen" in der Analyse der Adamawasprachen?

Das Verbalnomen stellt eine Herausforderung für die Analyse dar, da es als nominalisierte Verbform oft zur Markierung von Aspekten dient; der Autor argumentiert jedoch, es weiterhin als Verb-Form innerhalb eines Finitheits-Kontinuums zu führen.

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Résumé des informations

Titre
Von Seriellen Verben zu Auxiliaren
Sous-titre
Die Grammatikalisierung von Verben in Adamawasprachen
Université
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Ethnologie und Afrikawissenschaften)
Note
1.3
Auteur
Magister Artium Holger W. Markgraf (Auteur)
Année de publication
2010
Pages
142
N° de catalogue
V198238
ISBN (ebook)
9783656242833
ISBN (Livre)
9783656246411
Langue
allemand
mots-clé
Verbserialisierung Auxiliar Linguistik Adamawa Niger-Kongo RRG Role and Reference Grammar Afrikanistik serielle Verben SVC AVC Serialverbconstruction Grammatikalisierung
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Magister Artium Holger W. Markgraf (Auteur), 2010, Von Seriellen Verben zu Auxiliaren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198238
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Extrait de  142  pages
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