Der Reformprozess Griechenlands

Beschreibung und Bewertung


Hausarbeit, 2012
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ausgangssituation
2.1 Entwicklung volkswirtschaftlicher Kennzahlen Griechenlands
2.2 Die Stabilisierungsaufgabe des Staates
2.2.1 Fiskalpolitik durch Erhöhung der Staatsausgaben
2.2.2 Fiskalpolitik durch Steuersenkung
2.2.3 Auswirkungen für Griechenland

3 Reform- und Rettungsprozess
3.1 Der EURO-Rettungsschirm - Maßnahmenpaket zur Stabilisierung
3.1.1 Europäischer Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM)
3.1.2 Maßnahmen des IFW und der EZB
3.1.3 Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM)
3.1.4 Schuldenschnitt
3.2 Griechische Sparmaßnahmen
3.2.1 Erstes Sparpaket
3.2.2 Zweites Sparpaket
3.2.3 Drittes Sparpaket
3.2.4 Weitere Maßnahmen der griechischen Regierung
3.2.5 Bewertung der griechischen Sparpakete
3.2.6 Politische Auswirkungen der Spar- und Rettungspakete

4 Kann ein Staat Pleite gehen?
4.1 Möglichkeit 1 - Staatsbankrott ohne Euroaustritt
4.2 Möglichkeit 2 - Staatsbankrott mit Euroaustritt
4.3 Auswirkungen / Ausblick einer Staatspleite Griechenlands

5 Schlussfolgerung

6 Anhang
6.1 Ländersteckbrief Griechenland
6.2 Abbildungsverzeichnis
6.3 Quellen
6.3.1 Literaturverzeichnis
6.3.2 Internetquellen

1 Einleitung

Die griechischen Staatsfinanzen geben schon seit einigen Jahren Anlass zur Sorge. Im No- vember 2004 stellt die Europäische Union fest, dass Griechenlands Schulden höher sind als offiziell gemeldet. Es wird ein Defizitverfahren gegen Griechenland eingeleitet, jedoch 2007 wieder eingestellt. Das Ausmaß des Defizits wurde jedoch erst nach und nach bekannt. Griechenland hat jahrelang die wahre Höhe des Haushaltsdefizits und der Verschuldung verschleiert um die Kriterien zur Einführung des Euros zu erfüllen. Griechenland hat nur durch fingierte Haushaltszahlen die Aufnahmekriterien erfüllt. Eine Aufnahme mit den realen Zahlen wäre nicht möglich gewesen.

Im Oktober 2009 korrigierte die griechische Regierung nochmals das Staatsdefizit nach oben. Die griechischen Staatsschulden erreichten die Rekordmarke von 300Mrd. Euro.

Im Dezember 2009 stufte die Ratingagentur Fitch, aufgrund dieser Entwicklung, die Kreditwürdigkeit Griechenlands erstmals herab. Weitere Ratingagenturen wie Standard & Poor folgen. Als Folge daraus muss Griechenland den Käufern der eigenen Staatsanleihen eine höhere Rendite, für das gestiegene Ausfallrisiko, zahlen.

Banken und Hedgefonds spekulieren auf einen Staatsbankrott Griechenlands und somit letztendlich auch gegen den Euro und die Europäische Union.

Griechenlands Schulden werden zum Problem für die gesamte Euro-Zone. Die EUKommission zieht die Notbremse und verordnet einen strikten Sparkurs. Hilfsmilliarden der europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds sollen der Regierung in Athen helfen die drohende Staatspleite abzuwenden.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Und was passiert, wenn ein Staat pleitegeht?

Nachfolgende Ausarbeitung soll genau diese Fragen klären und zusätzlich eine Bewertung der eingeleiteten Rettungsmaßnahmen, sowie einen Ausblick auf weitere notwendige Maßnahmen geben.

2 Ausgangssituation

Der im Anhang aufgeführte Ländersteckbrief bietet einen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen Griechenlands und einen ersten Anhaltspunkt für weitere, näher zu betrachten- de volkswirtschaftlich relevante Kennzahlen. Hauptproblem ist das Defizit zwischen Staats- einnahmen und Staatsausgaben. Die geringen Staatseinnahmen begründen sich zum einen aus sehr geringen Steuersätzen auf Einnahmen und Gewinne, einer hohen Schattenwirt- schaft und einer überdurchschnittlichen Quote an Steuerhinterziehungen. Die hohen Staats- ausgaben begründen sich dem gegenüber aus der expansiven Haushalts- und Wirtschaftspolitik Griechenlands nach Einführung des Euros im Jahr 2002. Diese neuen Schulden wurden aber für unproduktive Zwecke gemacht und nur in geringen Umfang nach- haltig investiert. Große Summen des Staatshaushaltes wurden für überdurchschnittliche Lohnerhöhungen, einen überdimensionierten Staatsapparat (bis zu 24% der Arbeitnehmer sind im Öffentlichen Dienst beschäfftigt) und hohe Militärausgaben verwendet. Es deutet sich anhand der vorliegenden Zahlen an, dass das relativ niedrige Bruttosozialprodukt und das negative Wirtschaftswachstum einen entscheidenden Faktor beim Verständnis und der Be- wältigung der Krise Griechenlands darstellen könnten. Aus diesem Grund werden diese Kennzahlen nachfolgend näher betrachtet.

2.1 Entwicklung volkswirtschaftlicher Kennzahlen Griechenlands

Wie nachfolgend dargestellt, verläuft die Entwicklung des griechischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) seit 2008 negativ. Insbesondere das Jahr 2011 hat mit einer Veränderung von - 7,5% gravierend zur Verschärfung der Krise beigetragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Entwicklung des BIP Griechenlands1

In Abhängigkeit der negativen Entwicklung des BIP hat sich auch die Staatsverschuldung Griechenlands entwickelt. Im Jahr 2009 wurde die Marke von 300 Mrd. Euro überstiegen.

Aufgrund der vorliegenden Kennzahlen kann die griechische Finanzkrise als eine Haushaltsund Staatsschuldenkrise bezeichnet werden. Dies bedeutet, dass der Staatshaushalt Griechenlands langfristig ein hohes jährliches Defizit aufweist und Griechenland sich jedes Jahr, zur Deckung der Ausgaben, neu verschulden muss. Dabei überschreitet das Haushaltsdefizit seit vielen Jahren deutlich den in der EU geltenden Grenzwert der Neuverschuldung von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Realschulden Griechenland2

Die Staatschulden in Abhängigkeit zum BIP werden nachfolgend dargestellt. Es zeigt sich, dass die griechischen Staatsschulden das BIP bereits seit 2007 deutlich übersteigen. Ein weiterer Anstieg auf bis zu 140% im Jahr 2010 zeigt deutlich die Probleme Griechenlands, steigende Schulden und ein sinkendes BIP. Die griechische Staatsschuldenkrise zeigt sich deutlich im stetig steigenden Niveau der Schulden. Es wird nicht mehr davon ausgegangen, dass Griechenland in der Lage ist, diese ohne Hilfe der EU-Partner oder mittels eines Schul- denschnittes vollständig zurückzahlen zu können. In der Folge hat Griechenland wegen der Abstufung seiner Kreditwürdigkeit durch mehrere Ratingagenturen keinen bzw. nur noch erschwerten Zugang zum Kapitalmarkt. Griechenland kann sein Haushaltsdefizit somit kaum noch finanzieren bzw. refinanzieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Schuldenstandsquote der EU-Mitgliedsstaaten3

Im Gegensatz zu Griechenland liegen die deutschen Schulden im Verhältnis zum BIP deut- lich niedriger. Jedoch verletzt auch Deutschland mit Bruttoschulden von über 80% des BIPs den Euro-Stabilitätspakt4. Dieser schreibt eine Maximalverschuldung von 60% des BIPs vor. Bei einem übermäßigen Haushaltsdefizit (Defizitquote ≥ 3%, Schuldenstandsquote ≥ 60% des BIP) kann die Europäische Kommission gemäß § 104 EG-Vertrag ein Verfahren einlei- ten. Dieses sieht in mehreren Schritten vor, dass Sanierungsmaßnahmen mit dem Rat der Wirtschafts- und Finanzminister (Ecofin-Rat) abgesprochen und diese auch überwacht und beurteilt werden. Als letzte Stufe der Sanktionen ist gemäß §104 (11) EU-Vertrag eine Hin- terlegung von unverzinslichen Einlagen bzw. die letztendliche Umwandlung dieser Einlage in eine Geldbuße vorgesehen.

Ob die Sanktionierung einer übermäßigen Staatsverschuldung mit Geldbüßen sinnvoll ist, mag bezweifelt werden. Der Eingriff in die innerstaatliche Wirtschafts- und Haushaltspolitik erscheint mir als angemessener. Die Maßnahmen der Europäischen Kommission, am Beispiel Griechenland, möchte ich nachfolgend in Kapitel 3 vorstellen und bewerten.

2.2 Die Stabilisierungsaufgabe des Staates

Laut der keynesianischen Theorie soll und muss der Staat regulierend in den Wirtschaftskreislauf eingreifen, da die Selbstheilungskräfte des Marktes begrenzt sind. Eine hohe Arbeitslosigkeit ist immer mit politischen, sozialen und fiskalischen Folgen verbunden. Insbesondere die Kosten für die Arbeitslosigkeit belasten den Staatshaushalt. Hauptziel eines Staates sollte es also sein, der Unterbeschäftigung entgegenwirken und somit ein Vollbeschäftigungsgleichgewicht einzustellen.5

Die Instrumente der Fiskalpolitik zur Erreichung dieser Ziele sind die Staatsausgaben (G), die Steuern (T) und der Steuersatz (t). Es ergeben sich somit die beiden nachfolgend aufgezeigten Möglichkeiten steuernd einzugreifen.

2.2.1 Fiskalpolitik durch Erhöhung der Staatsausgaben

Die Erhöhung der Staatsausgaben kann zur Vollbeschäftigung führen. Rechnerisch stellt sich der Sachverhalt wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es lässt sich, wie in Abbildung 4 verdeutlicht, ein Multiplikator beim Einfluss der Staatsaus- gaben feststellen. Dieser lässt sich dadurch erklären, dass in diesem Beispiel bei einer Zu- nahme des Einkommens von 6 auf 8 auch eine zusätzliche Konsumausgabe von 1 entsteht. Somit ergibt eine Erhöhung der Staatsausgaben um 1 eine Erhöhung des Gleichgewicht- soutputs von 2.6

[...]


1 http://ahk.de/fileadmin/ahk_ahk/GTaI/griechenland.pdf (stand 22.03.2012)

2 ebd.

3 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VGR/EUStabilitaetspakt/Tabellen/ DefizitEurostat.pdf?__blob=publicationFile (stand 22.03.2012)

4 Art. 126 AEU-Vertrag (Stand 31.03.2012)

5 vgl. Peter Bofinger - Grundzüge der Volkswirtschaftslehre (2011) S.360 ff

6 ebd.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Reformprozess Griechenlands
Untertitel
Beschreibung und Bewertung
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V198250
ISBN (eBook)
9783656245148
ISBN (Buch)
9783656246039
Dateigröße
859 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reformprozess, Griechenland, Rettungsschirm, Troika, europäisch, Europa, EU, ESM, Rettungsprozess, Sparpaket, Sparpakete, Staatsbankrott, Pleite, Staatspleite, Euro, Austritt
Arbeit zitieren
Dirk Walter (Autor), 2012, Der Reformprozess Griechenlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198250

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Reformprozess Griechenlands


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden