Frauen und Terrorismus am Beispiel der RAF und der Bewegung 2. Juni


Seminararbeit, 2012
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

Vorwort

1. Stellung der Frauen in den 60er und 70er Jahren
1.1 Gesellschaftliche Stellung
1.2 Politische Stellung

2. Frauen in der RAF
2.1 Frauenanteil in der RAF und der Bewegung 2.Juni
2.2 Stellung der Frauen innerhalb der RAF
2.3 Gewaltbereitschaft der RAF-Terroristinnen

3. Gründe für den Terrorismus
3.1 Vorbilder
3.2 Beitrittsgründe der Frauen
3.3 Gemeinsamkeiten von Terroristinnen und Terroristen

4. Biografie einer typischen Terroristin der RAF und der Bewegung 2.Juni

5.Darstellung der Terroristinnen in den Medien

6.Schluss

Quellenverzeichnis

Vorwort

Die Regierung zu dieser Zeit unterdrückte die parlamentarische Opposition, verabschiedet Notstandsgesetze und die Angst vor einem erneuten NS-ähnlichen Staat griff vor allem in den Kreisen der Studenten um sich. Die Konflikte zwischen der "Nazi-Generation" und der Jugend waren schier unüberbrückbar. Während die Generation des 2.Weltkrieges nach Ruhe und Ordnung strebte und das erlebte zu vergessen versuchte, kämpfte die Jugend mit aller Kraft gegen die Unterdrückung des Erlebten. Sie strebte nach politischer und gesellschaftlicher Veränderung. Hauptsächlich Studenten gingen auf die Straßen um gegen die Ungerechtigkeit in ihrem Land, aber auch die in der ganzen Welt zu demonstrieren. Doch wurden diese Demonstrationen immer öfter mit Polizeigewalt niedergeschlagen. Die Angst vor einem Polizeistaat wurde größer!

Am 2. Juni 1967 wird der Student Benno Ohnesorg bei einer Demonstration von einem Polizisten erschossen. Ob absichtlich oder aus Notwehr bleibt jedoch weitgehend ungeklärt. Dies war der Beginn der außerparlamentarischen Opposition, welche die Unterlegenheit der parlamentarischen Opposition kritisierte, die zustande gekommen war, da die zwei größten Parteien eine Koalition gegründet hatten.

Aus dieser außerparlamentarischen Opposition gründeten sich nach kurzer Zeit die radikaleren linksterroristischen Gruppen, unter welchen die Bedeutendsten die RAF und die Bewegung 2. Juni waren. Ihre Überzeugung, " dass der Kapitalismus ein Werkzeug zur Ausbeutung und Unterdrückung der Schwachen und damit ein Grundübel der Menschheit sei"[1], war so stark, dass sie hauptsächlich in der RAF viele Jahre überdauerte. Insgesamt kämpfte die Rote Armee Fraktion 28 Jahre lang, in drei Generationen, gegen die Regierung. Dabei schlossen sich nicht nur Männer, sondern auch erstaunlich viele Frauen dieser Gruppen an. Dieses Phänomen war der Bundesrepublik Deutschland zu dieser Zeit völlig neu. In Palästina gab es schon ähnliche Gruppen, wie die terroristische Vereinigung um Abu Hani, welche auch später Kontakte zur RAF hatte. Die Entführung des Flugzeuges "Landshut" am 13. Oktober 1977[2] war ein Resultat aus diesen Kontakten. Dabei waren unter den vier palästinensischen Entführern zwei Frauen, die ebenso, wie ihre männlichen Genossen bewaffnet waren und ihre Waffen bei der Befreiungsaktion durch die GSG 9 einsetzten. In Irland kämpften Frauen an der Seite der Männern in der Irisch-Republikanischen Armee und mordeten ebenso brutal und effektiv wie diese.[3] Diese Seminararbeit beschäftigt sich dabei allein mit den Frauen der RAF und der Bewegung 2.Juni, da sie eine Besonderheit zu ihrer Zeit waren. Die Frage dabei ist: Warum engagierten sich plötzlich so überdurchschnittlich viele Frauen in terroristischen Vereinigungen, welche Vorteile aber auch Nachteile zogen sie daraus?

1. Stellung der Frauen in den 60er und 70er Jahren

1.1 gesellschaftliche Stellung

Nach Ende des zweiten Weltkrieges, besaßen die Frauen in der BRD eine tragende Rolle. Ihre Männer waren zum Teil im Krieg gefallen, verletzt oder schwer traumatisiert worden. Während viele Soldaten noch etliche Jahre in russischer oder französischer Gefangenschaft verbrachten, begannen die Frauen ihr Deutschland wieder aufzubauen. Schon während des Krieges hatten die Frauen Teile der Männerwelt übernommen. Aus Arbeitermangel ersetzten die Frauen ihre Männer in den Fabriken. Trotzdem wurden sie von ihren Männern und der Gesellschaft in ein Rollenbild gesteckt, in welches sie sich zu fügen hatten. Eine arbeitende Frau wurde nicht gern gesehen, schon gar nicht, wenn sie Ehefrau und Mutter war. Die Fabrikarbeiterinnen kehrten jedoch nach Ende des zweiten Weltkrieges still und protestfrei an den heimischen Herd zurück. Vergessen waren die aufopfernden Jahre am Fliesband und der Männerarbeit. An eine erneute Frauenbewegung wie es sie Anfang des 20. Jahrhunderts gegeben hatte und die gewaltsam durch die Verfolgung und Ermordung ihrer Verfechter geendet hatte, war nicht mehr zu denken. Es ging darum Deutschland wieder aufzubauen und dabei sah die Bevölkerung keinen Platz für den erneuten Kampf um die Gleichstellung und Anerkennung der Frau. In der 1948 gegründeten Verfassung hieß es zwar in Artikel 3 des Grundgesetzes:" Männer und Frauen sind gleichberechtigt", die eigentliche Gleichberechtigung unter Aufsicht des Gesetzes wurde jedoch erst 1994 durch den Zusatz "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin"[4] gesichert.

Inge Viett, ein Mitglied der Bewegung 2. Juni, welche später zur RAF überlief beschrieb die damaligen Verhältnisse als " gesellschaftlichmoralische[] Zwänge" die sie selbst als "erdrückend" wahrnahm.[5] Wer diesen Maßstäben nicht entsprechen wollte, oder konnte und sein Leben anders gestaltete, als es die Gesellschaft von ihm verlangte, dem würde sein Fehlverhalten vor Augen geführt werden.[6] Eine Frau hatte nur bestimmte Berufe auszuüben, wie Kinderpflegerin oder ähnliche im Sozialwesen verankerte Beschäftigungen.[7] Nicht nur in der Arbeitswelt wurden dem weiblichen Geschlecht Rollenbilder vorgeschrieben, auch in der Ehe und Familie galt die Frau als dem Mann untergeordnet. So hat demnach der Prototyp Mann in den 50er und 60er Jahren von seiner Frau "absoluten Gehorsam und Unterordnung abverlangt[] und dies für den ihm selbstverständlich gebührenden Respekt [gehalten]"[8].Frauen war es zwar rein rechtlich erlaubt zu studieren, aber das Vorurteil sie würden die Universität nur aus dem Grund besuchen, einen wohlhabenden Heiratskandidaten ausfindig machen zu können, verhinderte, dass sie wirklich ernst genommen wurden.[9] Erst ab 1970 begann die Zeit der Frauen, in der sie sich endlich durchsetzten konnten und sich das Bild der Frau in der Öffentlichkeit endlich zu wenden begann. In Berlin wurde das erste Frauenzentrum gegründet und auch in anderen Städten wurden Vereine zur Unterstützung von Frauen gegründet.[10]

1.2 politische Stellung

Die politische Stellung der Frau war nur die Folge aus ihrer gesellschaftlichen Stellung heraus. Als fürsorgliche Frau, die dem Willen ihres Mannes ihre höchste Aufopferung entgegen zu bringen, und für warme Mahlzeiten und die Kindererziehung zu sorgen hatte, kam es gar nicht erst in Frage, dass sich Frauen an politischen Entscheidungen beteiligten. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung waren in den 60er Jahren 27 Prozent der Männer für eine Beteiligung von Frauen an der Politik. Doch kann man nicht allein den Männern Vorwürfe machen, da ein großer Teil der Frauen sich in das ihnen vorgegebene Rollenbild fügte und nur 32 Prozent der weiblichen Befragten für Frauen in der Politik stimmten.[11] Diese Aussage spiegelt den Zustand der von Männern dominierten Politik wieder. Von den 65 stimmberechtigten Mitgliedern des parlamentarischen Rates waren gerade einmal vier Frauen: Frieda Nadig, Helene Wessel, Elisabeth Selbert und Helene Weber .[12] Ihnen war es zu verdanken, dass Artikel 3 des Grundgesetzes verabschiedet wurde, in welchem die Gleichberechtigung von Mann und Frau vorgeschrieben wird. Trotz diesem Artikel war es den Frauen bis Ende der 70er Jahre nicht möglich die tatsächliche Gleichberechtigung in der Gesellschaft durchzusetzen. Frauen, welch sich politisch engagierten wurden gesellschaftlich geächtet.[13] Frauen hatten in der Politik nichts zu suchen. Sie wurden missachtet und belächelt.

Dies zeigt auch die Reaktion der Medien auf das ausschließlich weibliche Präsidium des Deutschen Bundestages im März 1966. Die Bielefelder "Freie Presse" beispielsweise beschrieb die Situation folgendermaßen: "Schmunzelnd und dann mit offener Heiterkeit beugten sich gestern die männlichen Abgeordneten im Bundestag weiblicher Vorherrschaft".[14]

2. Frauen in der RAF

2.1 Frauenanteil in der RAF und der Bewegung 2.Juni

Ein überaus großer Anteil an RAF-Terroristen waren Frauen. Allein 1977 nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und dem Vorstandssprecher der Dresdner Bank Jürgen Ponto wurden sechzehn Terroristen mittels Fahndungsplakaten gesucht und davon waren allein zehn Frauen.[15] Dabei war das Ponto-Attentat von sechs Mitgliedern geplant und von vier direkt ausgeführt worden. Die Gruppe setzte sich aus Peter-Jürgen Boock, Christian Klar, Brigitte Monhaupt, Sieglinde Hofmann, Elisabeth von Dyck und Susanne Albrecht zusammen, wobei die eigentliche Tat von Susanne Albrecht, Brigitte Monhaupt und Christian Klar ausgeführt wurde[16]. In den Nachrichten am Abend nach der Tat wurden ausschließlich Frauen als gesuchte Terroristen gesucht.[17] Das zeigt die deutliche Präsenz der Frauen innerhalb der RAF. Insgesamt wirkten mehr Frauen als Männer bei den Anschlägen im Jahr 1977 mit. Allein nach dem "deutschen Herbst" (Mitte 1977), welcher die Entführung und Ermordung Hans-Martin Schleyers beinhaltet hatte, waren von 18 gesuchten Terroristen 13 Frauen.[18] Dieses Phänomen galt auch für die Bewegung 2.Juni. Diese entführte 1977 den österreichischen Industriellen Walter Palmers, wobei unter den Tatverdächtigen hauptsächlich Frauen waren: Gabriele Rollnik, Juliane Plambeck, Inge Viett, Ina Siepmann, Gabriele Kröcher-Tiedmann, Ingrid Barbas, Klaus Viehmann, Christian Möller und der österreichische Staatsbürger Thomas Gratt.[19]

[...]


[1] Pflieger Klaus (2011) " Die Rote Armee Fraktion", S. 17

[2] nach Pflieger (2011), S. 170f.

[3] nach McDonald Eileen(1994):"Erschießt zuerst die Frauen!", S.176ff

[4] http://egora.uni-muenster.de/pbnetz/verfassung/frames/gleich_sach04.htm (Stand: 21.12.2011)

[5] Viett Inge (1997) "Nie war ich furchtloser", S.57

[6] nach Viett, a.a.O., S.58

[7] nach Viett, a.a.O., S.54

[8] ebd.

[9] nach ebd.

[10] nach Schulz Kristina (2008): Ohne Frauen keine Revolution. 68er und Neue Frauenbewegung. http://www.bpb.de/themen/LIBTTI,1,0,Ohne_Frauen_keine_Revolution.html (Stand: 21.12.2011)

[11] nach Hoecker Beate ( ? ): 50 Jahre Frauen in der Politik: späte Erfolge, aber nicht am Ziel. http:www.bpb.de/publikationen/6022K5,1,0,50_Jahre_in_der_Politik%3A_sp%E4te_Erfolge_aber_nicht_am_Ziel.html (Stand: 09.11.2011)

[12] nach Schröder Kristina (2011, 4.Auflage): Mütter des Grundgesetzes. http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/muetter-grundgesetz,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf (20.12.2011)

[13] nach Die Zeit (2007, Nr 40): RAF Die Waffen der Frauen. Warum zur RAF erstaunlich viele Frauen gehörten. Begegnungen mit drei Terroristinnen. www.zeit.de/2007/40/RAF (Stand: 28.10.2011)

[14] Hoecker Beate ( ? ): 50 Jahre Frauen in der Politik: späte Erfolge, aber nicht am Ziel. http:www.bpb.de/publikationen/6022K5,1,0,50_Jahre_in_der_Politik%3A_sp%E4te_Erfolge_aber_nicht_am_Ziel.html (Stand: 09.11.2011)

[15] nach Bundeszentrale für politische Bildung ( 2007): Die Geschichte der RAF. Frauen in der

RAF. http://www.bpb.de/themen/XXH74N,0,0,Frauen_in_der_RAF.html

[16] nach Pflieger (2011), S.99

[17] nach Der Spiegel (1977): Frauen im Untergrund: Etwas Irrationales. http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1977-33.html (Stand: 26.11.2011)

[18] nach Pflieger (2011),S.23

[19] nach Diewald-Kerkmann (2006): Bewaffnete Frauen im Untergrund. Zum Anteil der Frauen in der RAF und der Bewegung 2.Juni. http://www.zeitgeschichte-online.de/portals/_rainbow/documents/pdf/raf/diewald_kerkmann_kraushaar.pdf (Stand: 03.01.2012)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Frauen und Terrorismus am Beispiel der RAF und der Bewegung 2. Juni
Hochschule
Staatliche Berufliche Oberschule Fachoberschule / Berufsoberschule Kaufbeuren
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V198310
ISBN (eBook)
9783656245759
ISBN (Buch)
9783656247319
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen, terrorismus, beispiel, bewegung, juni
Arbeit zitieren
Yvonne Diewald (Autor), 2012, Frauen und Terrorismus am Beispiel der RAF und der Bewegung 2. Juni, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198310

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