Nicht erst seit der aktuellen Wirtschaftskrise sind Unternehmen bestrebt, Kostensenkungspotentiale und Effizienzsteigerungen zu verwirklichen. Die Möglichkeiten diese Ziele zu erreichen sind unzählig und reichen von Personalabbau über Prozessoptimierung entlang der Wertschöpfungskette bis hin zu einer Organisationsumstrukturierung. Häufig lassen sich die Maßnahmen nicht voneinander abkoppeln. So geht eine konzerninterne Neuausrichtung in den häufigsten Fällen einher mit einer Verringerung der Mitarbeiterzahlen. Wird bei einer Umstrukturierung versucht Synergie- und Skaleneffekte zu erzielen, bedeutet das implizit, dass die gleiche Arbeit effizienter bzw. gleichbedeutend mit weniger Personal ausgeführt werden soll. Das sich gerade durch Umgestaltungen der Infrastruktur für administrative Unternehmensbereiche wie die IT-Abteilung ungeahnte Effizienzsteigerungspotentiale liegen zeigt eine Studie von Deloitte.
Im Laufe der industriellen Geschichte gab es unterschiedliche Ansätze zur Unternehmensorganisation. In den 80er Jahren lautete die Lösung Dezentralisation. Dabei wird eine übergeordnete zentrale Organisationseinheit aufgelöst und die Kompetenzen und Aufgaben auf untergeordnete Ebenen verteilt. Dieses System erschwerte jedoch eine
Gesamtunternehmenssteuerung durch die weit verteilten Prozesse erheblich. Ein neuerer Lösungsansatz zur Steuerung der IT-Unterstützung ist die Wahl zwischen teilweiser oder gesamtheitlicher Vergabe von IT-Services an externe Dienstleister im Rahmen des Outsourcings. Doch schwerwiegende Nachteile des Outsourcings wie z.B. die Abhängigkeit von Dritten sowie der Umgang mit sensiblen Finanz-, Kunden- und Personaldaten und sich daraus ergebenden datenschutzrechtlichen Problemen, führten zu neuen Organisationsansätzen. In den letzten Jahren richtete sich der Fokus der wissenschaftlichen Diskussion auf die Ausgründung von IT-Einheiten in eigene ITServicegesellschaften. Damit verbunden ist eine zunehmende Bedeutung des SSC Modells für international tätige
Unternehmen. Unter dem Begriff Shared Service, wird eine wettbewerbsorientierte, vorrangig konzerninterne Bereitstellung von unterstützenden – also nicht wertschöpfenden – Aktivitäten, wie z. B. IT-Leistungen, für mehrere Konzernunternehmungen oder -einheiten mittels gemeinschaftlicher Nutzung von Ressourcen verstanden. Die organisatorischen Einheiten, welche diese IT-Leistungen für mehrere konzerninterne Einheiten erbringen, werden als SSC bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Gang der Untersuchung
1.3. Stand der Forschung
2. Das Shared Service Center Konzept
2.1. Entstehung und Geschichte
2.2. Grundlagen zum SSC
2.3. Abgrenzung verwandter Organisationsformen
2.3.1. Zentralisation und Dezentralisation
2.3.2. Outsourcing
2.4. Abgrenzung des SSC-Ansatzes von anderen Modellen
2.5. Ziele von SSC
2.5.1. Finanzielle Ziele
2.5.2. prozessbezogene Ziele
2.5.3. Mitarbeiterbezogene Ziele
2.5.4. Kundenbezogene Ziele
2.5.5. Einordnung der Zielgruppen
3. Einordnung des SSC in das unternehmerische Gesamtkonzept
3.1. Standort
3.2. Beteiligungsverhältnis
3.3. Wirtschaftliche Verantwortung und Gestaltungsvarianten
3.4. Entwicklungsstufenmodell eines SSC
3.5. Service Level Agreements
3.5.1. Definition
3.5.2. Ausgestaltungsmerkmale von SLA
3.5.3. Gestaltungsprozess von SLA
3.5.4. Standardisierung von IT-Leistungen mit ITIL
3.6. Preisgestaltung
3.6.1. Bedeutung von Verrechnungspreisen
3.6.2. Funktionen von Verrechnungspreisen und Anforderungen an Preismodelle
3.6.3. Verrechnungspreis-Modelle
3.6.3.1. Marktorientierte Preise
3.6.3.2. Kostenorientierte Preise
3.6.3.3. Verhandelte Preise
3.6.4. Bedeutung der Verrechnungspreismodelle
3.7. Methoden der Leistungsverrechnung
3.7.1. Grundlagen der Leistungsverrechnung
3.7.2. Ziele der Leistungsverrechnung
3.7.3. Umlage als Verrechnungsmethode
3.7.4. Leistungsverrechung als Verrechnungsmethode
3.7.5. Entwicklungen und Besonderheiten der IT-Leistungsverrechnung
3.7.5.1. Produktbildung in der IT-Leistungsverrechnung
3.7.5.1.1. IT-Leistungskatalog in Anlehnung an ITIL
3.7.5.1.2. IT-Produktkatalog
4. Controlling des IT-SSC
4.1. Wertbeitrag der IT aus Unternehmenssicht
4.2. Problematik der Messung des Wertbeitrags bei internen Dienstleistungen
4.3. Methoden zur Messung des Wertbeitrags der IT
4.4. Die IT-Balanced Scorecard als Performance Measurement System
5. Aufbau des Konzerns
5.1. Geschäftsfelder
5.2. Das SSC des Unternehmens
5.2.1. Gestaltungsparameter des SSC
5.2.2. Führung des SSC
5.2.3. Regelprozess zur Gestaltung der Rahmenbedingungen des SSC
5.2.4. Aufbau des IT-SSC
5.2.5. SLA und Preisgestaltung im IT-SSC
5.2.6. Produktbildung im IT-SSC
5.2.7. Controlling des IT-SSC
6. Fazit
7. Handlungsempfehlung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Shared Service Center (SSC) Konzept und dessen Implementierung am Beispiel der IT-Abteilung eines global tätigen Industriekonzerns. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Ausgestaltungsmöglichkeiten des SSC-Modells darzustellen und aufzuzeigen, wie ein gezieltes IT-Controlling zur Effizienzsteigerung und zur Messung des Wertbeitrags der IT im Unternehmen beitragen kann.
- Theoretische Grundlagen des SSC-Modells und Abgrenzung zu anderen Organisationsformen.
- Gestaltungsparameter wie Standortwahl, Beteiligungsverhältnisse und Service Level Agreements (SLA).
- Methoden der Leistungsverrechnung und Preisgestaltung für interne IT-Dienstleistungen.
- Aufbau und Implementierung eines IT-Controllings sowie die Anwendung von Kennzahlensystemen wie der IT-Balanced Scorecard.
Auszug aus dem Buch
2.1. Entstehung und Geschichte
Die Konzeption des SSC wird häufig als neues Modell zur Bündelung von unterstützenden Unternehmensleistungen verstanden. Diese Ansicht ist in der Sache richtig, doch der Grundstein für diese Überlegungen wurde schon zu früheren Zeiten gelegt.
Als der schottische Ökonom Adam Smith 1776 sein Werk „Wohlstand der Nationen – Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen“ veröffentlichte, war nicht abzusehen, welchen Einfluss diese Erkenntnisse auf heutige Formen von Unternehmensorganisationen haben würde. In diesem Buch beschrieb Smith am Beispiel der Nadelproduktion, dass ein Arbeiter, der durchgängig gleichartige Tätigkeiten ausübt, produktiver ist als derjenige Arbeiter, der wechselnde Tätigkeiten verrichtet. Frederick W. Taylor, ein gelernter Wergzeugmacher und Maschinist, erweiterte Ende des 19. Jahrhundert diesen Gedanken mit dem „Prinzip der funktionalen Arbeitsteilung“. Darin konnte er experimentell eine signifikante Verbesserung der Produktivität durch getaktete Fließfertigung nachweisen. Erstmals in der industriellen Produktion umgesetzt hat diese Ablauforganisation Henry Ford bei der Herstellung des T-Modells in der Automobilindustrie. Als Erfinder des Shared Services können diese Forscher nicht bezeichnet werden, doch mit Ihren Forschungsergebnissen zur Arbeitsteilung und deren Umsetzung legen sie die Grundlage für die Begründung des Shared Service.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Beweggründe für Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen durch SSC und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
2. Das Shared Service Center Konzept: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung und die grundlegenden Definitionen des SSC-Konzepts sowie dessen Abgrenzung zu Zentralisation und Outsourcing.
3. Einordnung des SSC in das unternehmerische Gesamtkonzept: Es werden zentrale Gestaltungsparameter wie Standortwahl, Service Level Agreements (SLA) und Methoden der internen Leistungsverrechnung detailliert beschrieben.
4. Controlling des IT-SSC: Dieses Kapitel befasst sich mit der wertorientierten Steuerung und der Messung des IT-Beitrags mittels Instrumenten wie der IT-Balanced Scorecard.
5. Aufbau des Konzerns: Der Praxisteil beschreibt die Organisationsstruktur des untersuchten Konzerns und die Einbindung des IT-SSC in diese Struktur.
6. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und bewertet die Umsetzung der Konzepte im untersuchten Unternehmen.
7. Handlungsempfehlung: Hier werden konkrete Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Prozesse und Controlling-Instrumente im betrachteten Unternehmen ausgesprochen.
Schlüsselwörter
Shared Service Center, IT-Controlling, Leistungsverrechnung, Service Level Agreement, ITIL, Prozessoptimierung, Kostenreduktion, IT-Balanced Scorecard, Wertbeitrag der IT, Unternehmensorganisation, Kosten-Nutzen-Analyse, IT-Governance, Effizienzsteigerung, Interne Dienstleistungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit analysiert das Konzept des Shared Service Centers (SSC) insbesondere im IT-Bereich und untersucht, wie dieses Modell effizient im Rahmen eines Industriekonzerns gesteuert und kontrolliert werden kann.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die organisatorische Einbettung von SSC, die Gestaltung von Service Level Agreements (SLA), Methoden der IT-Leistungsverrechnung sowie Ansätze für ein modernes IT-Controlling.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, theoretische Ausgestaltungsmöglichkeiten für ein IT-SSC aufzuzeigen und durch eine Untersuchung in einem Industriekonzern zu veranschaulichen, wie IT-Leistungen transparent und marktorientiert innerhalb eines Konzerns erbracht werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu SSC-Modellen und IT-Controlling-Ansätzen sowie der Fallstudien-Methodik zur Implementierung dieser Konzepte in einem realen Industriekonzern.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Erläuterung der Gestaltungsparameter von SSC sowie die praktische Implementierung inklusive Preisgestaltung, Leistungsverrechnung und Controlling-Instrumenten wie der IT-Balanced Scorecard.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Shared Service Center, IT-Leistungsverrechnung, Service Level Agreements (SLA), Kosten-Nutzen-Optimierung und IT-Controlling geprägt.
Warum ist die Standortwahl für ein SSC strategisch relevant?
Die Standortwahl bindet langfristig Ressourcen und beeinflusst die Kostenstruktur maßgeblich; zudem hängt die Wahl oft von Faktoren wie der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal und der Nähe zu den internen Kunden ab.
Wie trägt die IT-Balanced Scorecard zur Steuerung bei?
Die IT-Balanced Scorecard dient als Instrument zur Messung des Wertbeitrags der IT, indem sie quantitative und qualitative Kennzahlen über mehrere Perspektiven hinweg verknüpft und so eine strategische Ausrichtung der IT-Organisation ermöglicht.
- Quote paper
- Sandro Schulz (Author), 2010, Das Shared Service Konzept und Möglichkeiten des Controllings im IT-Bereich am Beispiel eines deutschen Industriekonzerns, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198383