Kleists Aufsatz ‚Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden‘ und Shakespeares Hamlet-Tragödie ODER Reden oder Nicht-Reden, das ist (hier) die Frage


Hausarbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. (Bühnen)Darbietung für Heinrich von Kleist

3. Schlussbetrachtung

Quellen-/Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit geht es um Heinrich von Kleists Aufsatz ‚Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden‘ und um William Shakespeares ‚Die Tragödie von Hamlet, Prinz von Dänemark‘.

Kleists Aufsatz auf die Hamlet-Tragödie zu beziehen, war nach einer gewissen Angelegenheit ein spontaner Einfall von mir gewesen und die Idee ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Im ersten Moment kann es durchaus als absurd erscheinen, diese zwei Werke miteinander zu verbinden bzw. verbinden zu wollen – bei meiner Vorarbeit (z. B. Arbeit mit beiden Texten, Randbemerkungen bei beiden Texten, spontane Gedanken[gänge] bzw. geistiges Konzept, zunächst völlig chaotisch und durcheinander geschriebene Notizen/persönliche Meinungen kreuz und quer auf einem gewöhnlichen Blatt Papier…) nahm jene spontane Idee jedoch immer mehr Gestalt an bzw. sah ich mich dann – zumindest ist das meine persönliche Ansicht – darin bestärkt, dass man erstens sehr wohl einen Bezug herstellen kann und dass selbiger durchaus oder eventuell plausibel sein könnte.

Etwas konkreter: In dieser Hausarbeit wird zu erkennen sein, dass ich den Äußerungen Kleists oft widerspreche bzw. sie nur teilweise oder manchmal so sehe. Was die Auswahl der Textstellen betrifft (daran ist schon mal deutlich geworden, dass ich mich ‚lediglich‘ auf gewisse Textpassagen beschränken werde und ergo unmöglich alles aus jeweils beiden Werken abhandeln kann): Ich möchte bestimmte Textaussagen des Kleistschen Aufsatzes zunächst allgemein einführen und sie analysieren und sie anschließend durch bestimmte Textstellen/-beispiele aus der Hamlet-Tragödie weitgehend kritisch zu hinterfragen und zu widerlegen versuchen – zum Einsatz kommen also persönliche sowie aus Sekundärliteratur stammende Ansichten und Argumente als auch Prinz Hamlets persönliche Hilfestellung.

Wie oben schon ersichtlich (das Verb versuchen ), möchte ich meine schriftliche Abhandlung vorsichtigerweise eher als (m)einen persönlichen Versuch bezeichnen, diverse Thesen Kleists kritisch zu betrachten, da ich nicht sicher sagen kann, ob es mir und Hamlet überzeugend gelingen wird, es geistig und verbal mit Herrn Kleist aufzunehmen.

Zu erwähnen sei noch, dass (zusammenfassende) Inhaltsangaben beider Werke, Biographisches zu den Autoren und Aspekte zur Entstehungszeit der Werke nicht erfolgen werden – es geht um die reine Arbeit mit den Texten.

Auch habe ich mir in dieser Hausarbeit erlaubt (siehe Gliederung), dem Gliederungspunkt 2 (sprich: dem Hauptteil) keine weiteren Gliederungsunterpunkte anzufügen, da ich es für sinnvoll erachtet habe, dieses Thema als eine einzige komplexe Einheit darzustellen.

2. (Bühnen)Darbietung für Heinrich von Kleist

„Stil ist richtiges Weglassen von Unwichtigem.“[1] Da Stil ein wichtiger Bestandteil der Redekunst (sowohl schriftliches als auch mündliches Reden) ist, soll dieses Zitat als Unterstützung und Rechtfertigung dienen, jetzt und sofort bzw. ohne Umschweife mit der direkten Textarbeit zu beginnen.

Zu Beginn stehen zunächst folgende drei Textaussagen Kleists im Mittelpunkt (erst einmal allgemein – Hamlet mischt sich später ein):

(1) „Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen.“[2]
(2) „Und siehe da, wenn ich mit meiner Schwester davon rede, welche hinter mir sitzt und arbeitet, so erfahre ich, was ich durch ein vielleicht stundenlanges Brüten nicht herausgebracht haben würde.“[3]
(3) „Nicht, als ob sie es mir, im eigentlichen Sinne sagte; denn sie kennt weder das Gesetzbuch, noch hat sie den Euler, oder den Kästner studiert. Auch nicht, als ob sie mich durch geschickte Fragen auf den Punkt hinführte, auf welchen es ankommt (…).“[4]

Die erste Aussage stellt ‚lediglich‘ einen persönlichen Ratschlag, eine Empfehlung dar. Sprachlich auffällig ist in der zweiten Aussage, dass der letzte Teilsatz im Konjunktiv verfasst ist – das lässt durchaus eine eventuelle Unsicherheit seiner eigenen Behauptung erkennen; es besteht ja immerhin die Möglichkeit, dass man ebenso nach stundenlangem Brüten alleine auf einen ‚Aha-Effekt‘ kommt (eventuell sollte man stundenlanges Grübeln einfach mal selbst ausprobiert haben). Das Wort ‚Meditation‘ bedeutet Nachdenken bzw. sinnende Betrachtung – Kleist sagt durch seinen Wortlaut aus, dass man sich einen Gesprächspartner suchen soll, wenn man mit alleinigem Nachdenken nicht weiterkommt; kognitiv gesehen (zu Kognition gehören z. B. Denken, Wahrnehmen, Lernen, Erinnern, Sprache) denkt der Mensch erstens innerlich immer (nach) (Denkprozesse sind sowohl bewusst als auch unbewusst) und zweitens denkt er folglich auch immer alleine nach, denn innerliches Denken ist alleiniges Denken, d. h. innerliches alleiniges Denken setzt ja nicht aus, während man mit jemandem laut redet bzw. jemandem laut seine Gedanken mitteilt. Das alleinige (Nach)Denken kann zwar im Gespräch mit anderen beeinflusst und angeregt werden und man kann auch zusammen über ein gewisses Thema laut nachdenken, aber das alleinige, innerliche Nachdenken kann man nicht abstellen, weil jeder aufgrund seines individuellen Bewusstseins Dinge anders wahrnimmt.

[...]


[1] Zitat von: Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach, dt. Rechtsgelehrter (1775 – 1833).

[2] Müller-Salget, Klaus (Hrsg.): Heinrich von Kleist. Erzählungen Anekdoten Gedichte Schriften. Frankfurt a. M. 1990, S. 534.

[3] Ebd., S. 535.

[4] Ebd., S. 535.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kleists Aufsatz ‚Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden‘ und Shakespeares Hamlet-Tragödie ODER Reden oder Nicht-Reden, das ist (hier) die Frage
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V198464
ISBN (eBook)
9783656247838
ISBN (Buch)
9783656248613
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kleists, aufsatz, verfertigung, gedanken, reden‘, shakespeares, hamlet-tragödie, oder, reden, nicht-reden, frage
Arbeit zitieren
Ann Drechsler (Autor), 2010, Kleists Aufsatz ‚Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden‘ und Shakespeares Hamlet-Tragödie ODER Reden oder Nicht-Reden, das ist (hier) die Frage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198464

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