Professionalisierung in der Clubkultur


Seminararbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum Inhalt
2.1 Forschungsziel und -methodik
2.2 Personenvorstellung
2.3 Die Professionalisierung in der Clubkultur

3 Zusammenhange zu weiterer Literatur

4 Diskussionsansatze

5 ZusammenfassungderErgebnisse

II. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Seminar Musikalische Professionalisierung und die Wiederkehr des Amateurs wurde sich mit Themen vielfaltiger Art auseinandergesetzt. Trotz deren unterschiedlicher Schwerpunktsetzung stand immer die Beantwortung folgender Frage im Mittelpunkt: „Wie auBert sich in diesem oder jenem Zusammenhang eine Professionalisierung?“ Zunachst wurden einige Begriffe, geschichtliche Entwicklungen und wissenschaftliche Abhandlungen mit mehr oder weniger starkem Bezug zur Professionalisierung vorgestellt. Den darauf aufbauenden spezielleren Themen wurden somit gemeinsame Ausgangspunkte verschafft.

Da die Betrachtungsweisen der Themen nicht selten von soziologischer Art waren, lohnte es sich, vorab zu diskutieren, ob eine Musiksoziologie bereits als eigenstandiger Forschungsbereich etabliert sein konnte.1 Fur die weiteren Untersuchungen spielte auch der soziale und historische Wandel der Ausdrucke Kenner.; Liebhaber und Dilletant eine Rolle.2

Die schon auf das 18. Jahrhundert zuruckgehende Forderung nach Einfachheit in der Musik3 war eng verknupft mit der Frage zur Begabung semiprofessioneller Musiker in der popularen Musik.4

Im Gesprach uber Musikwettbewerbe schlieBlich stellte sich heraus, wie sehr es auch auf Verkaufsaspekte ankommt.5 Die zuvor in einem anderen Zusammenhang erorterten Schwierigkeiten, die sich aus dem Kulturgut Musik und der Durchsetzung als Produkt in einer Warenwirtschaft ergeben, konnten an dieser Stelle untermauert werden.6

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Professionalisierung in der Clubkultur auseinander. Grundlage dafur bildet die Dissertation von Sabine Vogt aus dem Jahr 2005 sowie die Seminarsitzung vom 15.12.2011. Nachdem zuerst das Forschungsziel und die Vorgehensweise erlautert werden, erfolgt eine Vorstellung der im Buch behandelten Personen. AnschlieBend werden genauere Bezuge zur Professionalisierung hergestellt. Eine Verknupfung der gewonnenen Erkenntnisse mit Aussagen weiterer wissenschaftlicher Schriften soil die Spannweite des auf den ersten Blick doch sehr speziellen Themas verdeutlichen. SchlieBlich werden Fragen, Verstandnisprobleme und Diskussionsansatze aufgezeigt, die sich innerhalb des Seminars entwickelt haben.

2 Zum Inhalt

2.1 Forschungsziel und -methodik

In „Clubraume - Freiraume“ wird der Umgang Jugendlicher und junger Erwachsener mit Musik und Medien untersucht. Begleitet wird dieses Ziel von der generellen Frage, welche Jugendszenen sich in Berlin gebildet haben.7

Weil Sabine Vogt selbst in Berlin aufgewachsen ist, interessiert sie besonders die kulturelle Entwicklung unter Berucksichtigung der Bedingungen, die im Zuge der deutschen Wiedervereinigung viele Veranderungen in der ehemals geteilten Stadt ausgelost haben.8 Die raumliche Reduzierung auf Stadtteile, die sich an den Schnittpunkten zwischen Ost und West aufhalten, rechtfertigt sich aus dieser Interessenlage heraus. Ebenfalls wurde das Forschungsfeld zeitlich abgesteckt. Eine Eingrenzung auf die Stile Techno, Hip-Hop und elektronische Clubmusik setzte einen zusatzlichen Rahmen, in dem sich die Forschungsarbeit abspielen konnte.

Musiksoziologie hat ,,die Aufgabe, Musikkulturen aus ihrem inneren Zusammenhang zu untersuchen.“9 Da sie diesen Anspruch an ihre Arbeit stellt, hat Frau Vogt sich fur eine empirische Vorgehensweise entschieden, die sich qualitativer Methoden bedient. Fur die Untersuchung der Clubkulturen aus ihrem Inneren heraus fiel die Wahl auf ein ethnografisches Vorgehen mit einer „Fremderfahrung als Selbsterfahrung“ oder anders ausgedruckt einem „Verstehen durch Erleben“.10

Eine derartige Praktik setzt die aktive Teilnahme in der zu beobachtenden Szene voraus, was sich als Hauptproblem herausstellte. Will man plotzlich in einen Kreis aufgenommen werden, dem man vorher femgeblieben ist, so gestaltet es sich sehr schwierig, uberhaupt erste Kontakte zu knupfen. Und die Autorin musste in diesen Kreis aufgenommen werden, denn nur als gleichberechtigte Akteurin konnte sie gewahrleisten, dass es zu keiner Verzerrung der Ergebnisse kommen konnte.11

Hinzu kamen weitere Faktoren, die die Forschung zusatzlich erschwerten. Das Beobachten der Clubkulturen konnte sich groBtenteils nur in der Nacht abspielen, weil zu diesem Zeitpunkt die einschlagigen Partys stattfanden. AuBerdem birgt gerade in der empirischen Forschung die Personlichkeit des Wissenschaftlers ein Problem fur die Zuverlassigkeit, was sich hier schon allein in der Dichotomie der Geschlechter zeigte.12 Obwohl diese zahlreichen Hurden das Gelingen ihres Vorhabens zunachst in Frage stellten, konnte Frau Vogt schlieBlich doch einen ersten Kontakt knupfen, was eine immer groBer werdende Kette neuer Bekanntschaften zur Folge hatte. So baute sie sich einen „Freundes“kreis auf, in welchem sie die teilnehmende Feldforschung unternehmen konnte. Auf eine andere, abgegrenzte Gruppe wandte sie die Methode des Interviews an, um Antworten zu thematischen Schwerpunkten zu erhalten.13

2.2 Personenvorstellung

Die Namen der Charaktere wurden verandert, um deren Anonymitat auch nach der Erhebungszeit zu schutzen. Es werden insgesamt funf Personen - groBtenteils einzeln, aber auch paarweise - vorgestellt. Der Spannungsbogen ist dabei so aufgebaut, dass im Verlauf der Lebensgeschichten eine Weiterentwicklung der zuerst reinen Interessen und Neigungen uber Spezialisierungen und Professionalisierung bis hin zur Monetarisierung sichtbar wird.

Falk und Trixi, die Figuren, an denen die Ausbildung musikalischer Praferenzen veranschaulicht wird, sollen dabei nicht als Negativbeispiele dargestellt werden, die keinen Bezug zu eigenem kreativen Schaffen haben und somit gegenuber den folgenden Personen abgewertet werden. Kreatives Verhalten lasst sich bei alien Menschen und uberall im Alltag nachweisen, nur werden Bedurfnisse am Schopferischen in unterschiedlichen Zusammenhangen ausgebildet.14 Vielmehr geht es darum, ihre Sozialisation aufzuzeigen, welche fur die derzeitigen Praferenzen von pragender Bedeutung war.

Der musikalischen Sozialisation beider Personen ist gemeinsam, dass sie im Kindes- und Jugendalter vornehmlich durch Familienangehorige erfolgte. Dabei begann Falk immer wieder, fur kurze Zeit ein neues Instrument zu erlernen, wahrend Trixi ihre instrumentale Begabung von vornherein als zu niedrig einstufte. Trotz der fehlenden

Disziplin zum dauerhaften Erlernen eines Instruments zeigte sich dennoch eine ausgepragte Affmitat zum Gebiet der Musik. Falk und Trixi horen beide bewusst Musik und tanzen gerne dazu, jedoch nur zu Hause. Entgegen einiger kulturpessimistischer Ansichten zeigt sich also, dass auch bei scheinbar wenig musikalisch gebildeten Menschen eine intensive Auseinandersetzung mit musikalischen Inhalten moglich ist.

Wenn man so will, kann die Spezialisierung beim Umgang mit Musik als eine hohere Stufe angesehen werden als die bloBe Praferenzbildung. Diese Stufe zeigt sich bei Grit. Die Sozialisation auBerte sich in ihrer Kindheit u.a. in Geigen- und Blockflotenunterricht. Ihr Leben in Berlin ist gepragt von einem Nebeneinander aus Arbeit am Abend und Partys in der Nacht. Frau Vogt hat in den Gesprachen herausgefunden, dass Grit eine vom Mann unabhangige Frauenrolle lebt.15 Diese Rolle wird in dem versetzten Tagesablauf und dem ansonsten zuruckgezogenen Leben deutlich, was mit einer Partnerschaft kaum in Einklang zu bringen ware.

Zu Grits Atmosphare, die sie in ihrem Wohnraum schafft, gehort auch eine klangliche Komponente, fur die sie gezielt ausgesuchte Musikstile einsetzt. So kann sie sich zur Selbstfindung in ihren Wohnraum zuruckziehen, Entspannung, Trost und Erholung finden. Ihren eigenen Raum mochte sie moglichst niemand anderem zuganglich machen. Lieber trifft sie sich bei Freunden, die ihre Wohnzimmer als eine Art Club eingerichtet haben. Darin sieht sie den Vorteil, dass Konversationen gefuhrt werden konnen, die angesichts der hohen Lautstarke in einem „richtigen“ Club fast unmoglich sind.

Obwohl ihr die Moglichkeit zu Gesprachen wichtiger ist als das Tanzen, besucht Grit mit ihren Arbeitskollegen auch Tanzclubs, in denen Housepartys stattfinden. Bei dieser Musik tanzt sie ausschlieBlich mit sich selbst, um ,,in der anonymen Menge ungestort“16 sein zu konnen. Interessant ist vor allem ihre Aussage uber die Bedeutung der Musik beim Tanzen. Sie empfindet Housemusik namlich nur dann als interessant, wenn die Bassanteile laut genug sind. Die „Klange fullen sie wie einen Resonanzkorper.“17 Die erwahnte Spezialisierung beim Umgang mit Musik bedeutet bei Grit konkret, dass die Erfahrung der gehorten Musik an und im ganzen Korper stattfindet (sowohl im Club als auch im Wohnraum). Das Tanzen kann als Form des Musikmachens anerkannt werden.18

[...]


1 SiehehierzuKaden(1997), Sp. 1618-1670.

2 HierzuSponheuer(1996), Sp.31-37.

3 HierzuMackensen (2006), S.273-297.

4 Hierzu Hemming (2002).

5 Hierzu Helms (2005).

6 Hierzu Napierala / Reitz (2005), S. 461-481.

7 Vgl. Vogt (2005), S. 14.

8 Vgl. ebd., S. 12.

9 Ebd., S. 14.

10 Ebd., S. 25.

11 Vgl. ebd., S. 33.

12 Vgl. Vogt (2005), S. 35 f.

13 Vgl. ebd., S. 44.

14 Vgl. ebd., S. 22 f.

15 Vgl. Vogt (2005), S. 78.

16 Ebd., S. 87.

17 Ebd., S. 88.

18 Vgl. ebd., S. 105 ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Professionalisierung in der Clubkultur
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Systematische Musikwissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V198513
ISBN (eBook)
9783656247456
ISBN (Buch)
9783656248446
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
professionalisierung, clubkultur
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Steffen Peise (Autor), 2012, Professionalisierung in der Clubkultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198513

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