Im Seminar Musikalische Professionalisierung und die Wiederkehr des Amateurs wurde sich mit Themen vielfältiger Art auseinandergesetzt. Trotz deren unterschiedlicher Schwerpunktsetzung stand immer die Beantwortung folgender Frage im Mittelpunkt: „Wie äußert sich in diesem oder jenem Zusammenhang eine Professionalisierung?“ Zunächst wurden einige Begriffe, geschichtliche Entwicklungen und wissenschaftliche Abhandlungen mit mehr oder weniger starkem Bezug zur Professionalisierung vorgestellt. Den darauf aufbauenden spezielleren Themen wurden somit gemeinsame Ausgangspunkte verschafft. Da die Betrachtungsweisen der Themen nicht selten von soziologischer Art waren, lohnte es sich, vorab zu diskutieren, ob eine Musiksoziologie bereits als eigenständiger Forschungsbereich etabliert sein könnte. Für die weiteren Untersuchungen spielte auch
der soziale und historische Wandel der Ausdrücke Kenner, Liebhaber und Dilletant eine Rolle. Die schon auf das 18. Jahrhundert zurückgehende Forderung nach Einfachheit in der Musik war eng verknüpft mit der Frage zur Begabung semiprofessioneller Musiker in
der populären Musik. Im Gespräch über Musikwettbewerbe schließlich stellte sich heraus, wie sehr es auch auf Verkaufsaspekte ankommt. Die zuvor in einem anderen Zusammenhang erörterten Schwierigkeiten, die sich aus dem Kulturgut Musik und der Durchsetzung als Produkt
in einer Warenwirtschaft ergeben, konnten an dieser Stelle untermauert werden.
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Professionalisierung in der Clubkultur auseinander. Grundlage dafür bildet die Dissertation von Sabine Vogt aus dem Jahr 2005 sowie die Seminarsitzung vom 15.12.2011. Nachdem zuerst das Forschungsziel und die Vorgehensweise erläutert werden, erfolgt eine Vorstellung der im Buch behandelten
Personen. Anschließend werden genauere Bezüge zur Professionalisierung hergestellt. Eine Verknüpfung der gewonnenen Erkenntnisse mit Aussagen weiterer wissenschaftlicher Schriften soll die Spannweite des auf den ersten Blick doch sehr speziellen Themas verdeutlichen. Schließlich werden Fragen, Verständnisprobleme und
Diskussionsansätze aufgezeigt, die sich innerhalb des Seminars entwickelt haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zum Inhalt
2.1 Forschungsziel und -methodik
2.2 Personenvorstellung
2.3 Die Professionalisierung in der Clubkultur
3 Zusammenhänge zu weiterer Literatur
4 Diskussionsansätze
5 Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Prozess der Professionalisierung innerhalb der Clubkultur am Beispiel verschiedener musikalischer Laufbahnen und setzt sich kritisch mit den Definitionen von Professionalität und musikalischem Schaffen auseinander.
- Qualitative Forschungsmethoden in der Musiksoziologie
- Entwicklung von musikalischen Präferenzen und Spezialisierung
- Der Übergang von der Freizeitbeschäftigung zum Beruf in der Clubkultur
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Professionalisierung
- Interaktion zwischen DJ, Technik und Publikum
Auszug aus dem Buch
2.1 Forschungsziel und -methodik
In „Clubräume - Freiräume“ wird der Umgang Jugendlicher und junger Erwachsener mit Musik und Medien untersucht. Begleitet wird dieses Ziel von der generellen Frage, welche Jugendszenen sich in Berlin gebildet haben. Weil Sabine Vogt selbst in Berlin aufgewachsen ist, interessiert sie besonders die kulturelle Entwicklung unter Berücksichtigung der Bedingungen, die im Zuge der deutschen Wiedervereinigung viele Veränderungen in der ehemals geteilten Stadt ausgelöst haben. Die räumliche Reduzierung auf Stadtteile, die sich an den Schnittpunkten zwischen Ost und West aufhalten, rechtfertigt sich aus dieser Interessenlage heraus. Ebenfalls wurde das Forschungsfeld zeitlich abgesteckt. Eine Eingrenzung auf die Stile Techno, Hip-Hop und elektronische Clubmusik setzte einen zusätzlichen Rahmen, in dem sich die Forschungsarbeit abspielen konnte.
Musiksoziologie hat „die Aufgabe, Musikkulturen aus ihrem inneren Zusammenhang zu untersuchen.“ Da sie diesen Anspruch an ihre Arbeit stellt, hat Frau Vogt sich für eine empirische Vorgehensweise entschieden, die sich qualitativer Methoden bedient. Für die Untersuchung der Clubkulturen aus ihrem Inneren heraus fiel die Wahl auf ein ethnografisches Vorgehen mit einer „Fremderfahrung als Selbsterfahrung“ oder anders ausgedrückt einem „Verstehen durch Erleben“.
Eine derartige Praktik setzt die aktive Teilnahme in der zu beobachtenden Szene voraus, was sich als Hauptproblem herausstellte. Will man plötzlich in einen Kreis aufgenommen werden, dem man vorher ferngeblieben ist, so gestaltet es sich sehr schwierig, überhaupt erste Kontakte zu knüpfen. Und die Autorin musste in diesen Kreis aufgenommen werden, denn nur als gleichberechtigte Akteurin konnte sie gewährleisten, dass es zu keiner Verzerrung der Ergebnisse kommen konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Professionalisierung ein und skizziert den Rahmen, in dem sich die Arbeit auf Basis soziologischer Betrachtungen und bestehender Literatur bewegt.
2 Zum Inhalt: Dieses Kapitel erläutert die Forschungsziele, die methodische Vorgehensweise mittels qualitativer Forschung sowie die Charakterisierung der betrachteten Personen und deren Professionalisierungswege.
3 Zusammenhänge zu weiterer Literatur: Hier werden Bezüge zu soziologischen und musiktheoretischen Ansätzen wie denen von Adorno, Attali und Mackensen hergestellt, um die Beobachtungen zur Clubkultur theoretisch zu kontextualisieren.
4 Diskussionsansätze: Dieses Kapitel greift kritische Fragen auf, die sich aus der Anwendung qualitativer Methoden ergeben, und diskutiert das Verständnis von Professionalität und musikalischer Arbeit.
5 Zusammenfassung der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden in vier Entwicklungsstufen strukturiert: Präferenzbildung, Spezialisierung, Professionalisierung und Monetarisierung.
Schlüsselwörter
Professionalisierung, Clubkultur, Musiksoziologie, DJ-Tätigkeit, qualitative Forschung, Spezialisierung, Monetarisierung, musikalische Präferenzen, ethnografische Methode, Musikkulturen, Musikproduktion, Karrierewege, Identitätsbildung, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Professionalisierungsprozess innerhalb der Clubkultur, basierend auf einer Untersuchung musikalischer Lebensentwürfe und der theoretischen Einordnung des Begriffs „Professionalität“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die musikalische Sozialisation, der Übergang vom Hobby zum Beruf, die Rolle von DJs in der Clubkultur sowie die methodischen Herausforderungen der teilnehmenden Beobachtung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Stufen der musikalischen Entwicklung bis hin zur beruflichen Professionalisierung aufzuzeigen und dabei die Unschärfe des Begriffs „Professionalisierung“ in diesem Kontext kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativer, ethnografischer Forschungsansatz verfolgt, der auf teilnehmender Beobachtung und Interviews basiert, um ein „Verstehen durch Erleben“ zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Untersuchungsmethode, eine detaillierte Analyse individueller Akteure, die theoretische Einordnung durch relevante Literatur sowie die Diskussion methodischer und definitorischer Unstimmigkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Professionalisierung, Clubkultur, Musiksoziologie, DJ-Tätigkeit, qualitative Forschung und Monetarisierung.
Welche Rolle spielt die „Fremderfahrung als Selbsterfahrung“ für die Autorin?
Diese Methode ist entscheidend, da die Autorin nur als voll integrierte Akteurin innerhalb der Szene authentische Daten erheben kann, ohne die Dynamik durch eine distanzierte Beobachterrolle zu verfälschen.
Warum wird zwischen Professionalisierung und Monetarisierung unterschieden?
Während Professionalisierung die Qualität und Ernsthaftigkeit der Tätigkeit beschreibt, bezieht sich die Monetarisierung speziell auf den Prozess, durch den die musikalische Aktivität zur wirtschaftlichen Lebensgrundlage wird.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Steffen Peise (Author), 2012, Professionalisierung in der Clubkultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198513