Mobbing im Beruf - speziell in der Finanzverwaltung


Seminararbeit, 2012

31 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Definition
2.1. Unterschiede zwischen Mobbing und anderen Konflikten
2.2. Mobbing-Handlungen
2.3. Beweggründe

3. Verlauf und Inhalt des Geschehens
3.1. Altes Phasen-Modell nach Leymann
3.2. Neues Phasen-Modell nach Esser/Wolmerath
3.2.1. Vorlaufphase
3.2.2. Eigentliche Mobbingphase
3.2.3. Endzustand
3.3. Beteiligte und ihre Rolle
3.3.1. Staffing
3.3.2. Vertikales Mobbing
3.3.2.1. Bossing (Mobbing durch Vorgesetzte)
3.3.2.2. Mobbing gegen den Vorgesetzten
3.4. Cybermobbing als spezielles Phänomen

4. Folgen von Mobbing
4.1. Opfer
4.2. Mobber
4.3. Betrieb / Finanzverwaltung
4.4. Gesellschaft

5. Maßnahmen
5.1. Rechtslage
5.2. Intervention
5.2.1. Intervention seitens des Opfers
5.2.2. Intervention seitens Vorgesetzte / Kollegen
5.2.3. Intervention seitens Personal-/Betriebsrat
5.3. Prävention
5.3.1. Individuelle Prävention
5.3.2. Prävention seitens der Unternehmensführung

6. Schlussbemerkung

II. Literaturverzeichnis

Brinkmann, Ralf D., Mobbing, Bullying, Bossing,

2.Auflage, Heidelberg, 2002

Dambach, Karl E., Wenn Schüler im Internet mobben,

1. Auflage, München, 2011

Engbers, Renate, Mobbing,

1. Auflage, Hannover, 2005

Esser, Axel / Wolmerath, Martin, Mobbing,

6. Auflage, Frankfurt am Main, 2005

Fehlau, Eberhard G., 30 Minuten gegen Mobbing am Arbeitsplatz,

1. Auflage, Offenbach, 2007

Jannan, Mustafa, Das Anti-Mobbing-Buch,

1. Auflage, Weinheim und Basel, 2008

Kampka, Anka, Keine Angst vor Mobbing!,

1. Auflage, Stuttgart, 2007

Kolodej, Christa, Mobbing,

1. Auflage, Wien, 2005

Kratz, Hans-Jürgen, Mobbing,

2. Auflage, Wien, 2000

Leymann, Heinz, Mobbing,

1. Auflage, Reinbek, 1993

Leymann, Heinz (Hrg.), Däubler, Wolfgang, Der neue Mobbingbericht,

1. Auflage, Reinbek, 1995

Internetrecherche vom 27.12.2011:

Forum 1 http://forum.mobbing.net/showthread.php/

2081-Mobbing-im-%C3%96ffentlichen-Dienst

Forum 2 http://forum.mobbing.net/showthread.php/

1345-Mobbing-im-%C3%B6ffentlichen-Dienst Forum 3 http://forum.mobbing.net/showthread.php/ 3245-Bossing-im-%C3%96ffentlichen-Dienst

Forum 4 http://forum.mobbing.net/showthread.php/

1518-Mobbing-im-%C3%96ffentlichen-Dienst

Forum 5 http://forum.mobbing.net/showthread.php/

1750-Mobbing-im-%C3%B6ffentlichen-Dienst- (l%C3%A4ngere%20Story)

Ein Mensch erlebt den krassen Fall,

Es menschelt deutlich überall -

Und trotzdem merkt man, weit und breit oft nicht die Spur von Menschlichkeit. (Eugen Roth)

1. Vorbemerkung

„Mobbing“ als Wort ist aus dem deutschen Sprachgebrauch nicht mehr weg zu denken. Leider wird es als Kunstwort, einer Modeer- scheinung gleich, viel zu oft und unangebracht verwendet. Dabei beschreibt es die für Betroffene verheerendste Art einer meist ein- seitig gefochtenen Konfliktkette mit wenig Chance auf Schlichtung. Losgelöst von allen geflügelten „Pausenhof“-Verwendungen, wo dieser Begriff als Verallgemeinerung von Schülerstreitigkeiten steht, soll in dieser Arbeit auf die gesundheitlichen und betriebs- wirtschaftlichen Folgen des Mobbing hingewiesen werden, speziell im öffentlichen Dienst anhand des Beispiels Finanzverwaltung. Mobbing existiert längst nicht nur in Schulklassen, sondern kann allgegenwärtig in Erscheinung treten, wo harmonisierende und/oder homogene Personengruppen und ein Individuum aufei- nander treffen, welches fremdes Verhalten zeigt. Somit tritt Mob- bing auch oder vor allem in der Arbeitswelt auf.

2. Definition

Der Begriff „Mobbing“ ist sprachwissenschaftlich dem Englischen entlehnt und leitet sich von „to mob“ ab, was mit „über jemanden herfallen, anpöbeln, attackieren“ übersetzt werden kann. Erstmals prägte der Verhaltensforscher Konrad Lorenz den Begriff Mobbing als Bezeichnung für Angriffe einer unterlegenen Tiergruppe gege- nüber einem überlegenen Feind. Jedoch festigte erst Heinz Ley- mann die besondere sozialwissenschaftliche Bedeutung und for- mulierte eine derzeit noch gebräuchliche Definition. Den Ausfüh- rungen von Esser / Wolmerath zufolge ist diese Definition aller- dings nicht weitreichend genug, da sie den vielfältigen Aspekten der Berufswelt nicht vollständig Rechnung trägt und beispielswei- se das Dienstverhältnis auf Lebenszeit im öffentlichen Dienst nicht mit abdeckt. (Esser / Wolmerath, Mobbing, 2005, S. 22) Danach definiert sich der Begriff Mobbing hinreichend wie folgt: „Mobbing ist ein Geschehensprozess in der Arbeitswelt, in dem destruktive Handlungen unterschiedlichster Art wiederholt und über einen längeren Zeitraum gegen Einzelne vorgenommen wer- den, welche von den Betroffenen als eine Beeinträchtigung und Verletzung ihrer Person empfunden werden und dessen ungeb- remster Verlauf für die Betroffenen grundsätzlich dazu führt, dass ihre psychische Befindlichkeit und Gesundheit zunehmend beeint- rächtigt werden, ihre Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz zunehmen, dagegen die Chancen auf eine zufriedenstellende Lö- sung schwinden und regelmäßig im Verlust ihres bisherigen beruf- lichen Wirkbereichs endet.“ (Esser / Wolmerath, Mobbing, 2005, S. 22, Abb. 1)

2.1. Unterschiede zwischen Mobbing und anderen Konflikten

Konflikte liegen in der Natur des Menschen. Allerdings sollte die Menschheit bestrebt sein, ihre Konflikte nach fairen Regeln auf der Grundlage von Moral und Verstand auszutragen. (Leymann, Mob- bing, 1993, S. 21) Streitigkeiten entstehen durch unterschiedliche Meinungen, die im Rahmen von Kommunikation aufeinandertref- fen und dass die jeweiligen voneinander abhängigen Parteien ge- willt sind, ihren Standpunkt weitestgehend durchzusetzen. Dabei kann ein Konflikt, für sich genommen, sich immer intensiver bis zur Eskalation hin entwickeln, aber auch für einen positiven Lö- sungsdruck sorgen. (Kratz, Mobbing, 2000, S. 21) Es handelt sich jedoch fortwährend um ein und denselben Konflikt.

Im Gegenzug ist Mobbing die Aneinanderreihung von negativen Handlungen - viele kleine Konflikte, bei denen es zwar zu einer Einzellösung kommen kann, aber sich eine Eigendynamik aus der Sache heraus entwickelt und das Ziel, das Individuum (Mobbing- opfer) dauerhaft von der Gruppe zu trennen, ständig neue Konflik- te veranlasst.

Mobbing charakterisiert sich durch: ein Kräfteungleichgewicht, bei dem ein Opfer mehreren Tätern gegenübersteht und dabei das Kräfteverhältnis durch die Tatsache, dass Angriffe auch verdeckt (heimlich / anonym) ausgeführt werden, noch weiter zugunsten des Täterkreises kippt. Konflikte werden mit erhöhter Häufigkeit produziert und aufgegriffen. Die Attacken erfolgen über einen län- geren Zeitraum; das Opfer kann sich nicht selbständig aus seiner Lage befreien und das Mobbing beenden. Möglicherweise ist das Ziel, das Opfer dauerhaft zu vertreiben, ein fünftes Merkmal. (Jan- nan, Anti-Mobbing-Buch, 2008, S. 26)

Im direkten Vergleich von Konflikt und Mobbing hebt sich hervor, dass sowohl der Streitgegenstand, die Beteiligten, die Ursachen, als auch die „Spielregeln“ beim Mobbing (für das Opfer) zumeist unbekannt sind. (Fehlau, Mobbing am Arbeitsplatz, 2008, S. 20)

Auf jeden Fall ist ein entscheidendes Indiz „bei einem eskalierenden Konflikt, dass eine der beiden Konfliktparteien den Konflikt gar nicht lösen will“. (Kampka, Mobbing, 2007, S. 69)

2.2. Mobbing-Handlungen

Auf den ersten Blick stellen die in der Literatur mittlerweile ein- schlägig aufgezählten Mobbing-Handlungen teilweise nur boshafte Lappalien dar. Genau dieser Umstand erschwert es Mobbing prä- ventiv zu erkennen oder Mitläufern die potentiellen psychischen und physischen Schäden des Opfers vor Augen zu führen, dass die Hemmschwelle zur Intervention früher, beziehungsweise über- haupt überschritten wird. Interviews mit Betroffenen, sowohl Opfer, als auch Täter und Mitläufer, zeigen die perfide Kreativität auf, die in Menschen geweckt werden kann, die motiviert sind zu mobben.

Mittlerweile existiert ein ganzer Katalog an Mobbing-Handlungen.

Wo es Leymann in den Anfängen seiner Recherchen „nur“ auf 45 Handlungen brachte, ergänzten Esser / Wolmerath die Sammlung an Negativ-Aktivitäten auf über 100.1 (Esser / Wolmerath, Mobbing, 2005, S. 25) [Anh. IV, Forum 1, S. 1]

Dabei lassen sich die Angriffe, die stets als gemeinsames Merk- mal die schädigende, niemals aufbauende Wirkung gegenüber dem Opfer teilen, fünf Gruppen zuordnen, die sich hinsichtlich der Auswirkungen beim Gemobbten unterscheiden. (Leymann, Mob- bing, 1993, S. 23) Die Angriffe zielen beim Opfer entweder auf die Möglichkeit ab, sich mitzuteilen, auf die sozialen Beziehungen, auf das soziale Ansehen, auf die Qualität der Berufs- und Lebenssi- tuation oder auf die Gesundheit. Das Mobbingopfer soll möglichst in seinem gesamten Wirkungsraum beschnitten und demontiert werden, ohne Rücksicht auf die geistige und körperliche Gesund- heit und das Privatleben. Auch durch sogenannte indirekte Hand- lungen oder Nicht-Handlungen kann gemobbt werden, da ein Un- terlassen von Hilfeleistungen ebenfalls regelmäßig negativ behaf- tet ist. (Leymann, Mobbing, 1993, S. 25) [Anh. IV, Forum 1, S. 3] Die Handlungen sind in Intensität und Gewaltpotential unter- schiedlich zu bewerten. Ihr Vorkommen richtet sich nach dem Fortschritt des Mobbingablaufs und der jeweiligen Begebenheiten bezüglich Umfeld und individueller Persönlichkeit der Akteure. Na- turgemäß verlaufen die Attacken von schwach nach stark. An- fangs verzögern persönliche Geduldspanne und Hemmungen den Beginn des Mobbings und die Steigerung der Mobbinghandlungen wird unbewusst oder bewusst an der Toleranz und Resonanz beim unmittelbaren Publikum ausgetestet. Trifft der Täter auf kei- ne nennenswerte Gegenwehr, lernt dieser aufgrund von falschen Verhaltensweisen, dass er seine Ziele auf diesem Weg leichter erreichen kann. Das Mobbing kann sich dann willkürlich auf der Gewaltskala steigern. (Jannan, Anti-Mobbing-Buch, 2008, S. 14)

2.3. Beweggründe

Ein mögliches Motiv für den Täter zu mobben, wie eben bereits erwähnt, kann eine falsche Verhaltensweise sein. In der Phase der Persönlichkeitsentwicklung wurde bei der Erprobung unter- schiedlicher Wege Ziele zu erreichen versäumt, den Verhaltens- weisen entgegen zu wirken, die gesellschaftlich ungeeignet oder moralisch verwerflich sind. Ziele werden dann auf dem Weg des geringsten Widerstands verfolgt.

In der Arbeitswelt ist ein solches eher kindliches Verhaltensmuster weniger häufig anzutreffen, so dass hier nach anderen Beweggründen gesucht werden muss.

Der häufigste Anlass zur Ausgrenzung von Mitmenschen ist jede andersartige Verhaltensweise oder Eigenschaft, die die einzelne Person nicht mit der Gruppe gemein hat. Dieses Merkmal kann aus Religion, Herkunft, Vorlieben, Sprache, körperliche Fitness, Aussehen, Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Alter, sexuel- le Neigungen oder Geschlecht resultieren. Die Aufzählung ist da- bei nicht abschließend. (Fehlau, Mobbing am Arbeitsplatz, 2008, S. 25)

Im Beruf ist es aber auch teilweise allein der Vergleich von Arbeitskraft und Arbeitstempo unter direkten Kollegen, der zu Neid, Missgunst oder Existenzängsten bei Mitstreitern oder Vorgesetzten führen kann. Konkurrenz stellt jenseits der Vollbeschäftigung immer eine Bedrohung dar. Somit geraten auch leistungsstarke, selbstbewusste Beschäftigte ins Visier für Mobbingintrigen. (Fehlau, Mobbing am Arbeitsplatz, 2008, S. 24)

Letztendlich kann die Angst zum Mobbingopfer zu werden, ebenfalls Antrieb zum aktiven Mobben oder Dulden einer laufenden Mobbinghandlung sein.

Im öffentlichen Dienst, speziell in der Finanzverwaltung, trifft die Existenzangst als Mobbingmotiv immer weniger zu, da der Trend weg von den Tarifangestellten und hin Richtung Lebenszeitbeam- ten geht. Die Existenzangst kann dann später jedoch wieder als Folge des Mobbings auftreten, wenn das Opfer derartig in Verruf gebracht wurde, das eine Aberkennung des Beamtenverhältnisses in Frage kommt.

3. Verlauf und Inhalt des Geschehens

3.1. Altes Phasenmodell nach Leymann

Leymann beschreibt beim Studium seiner untersuchten Fallgeschichten ständig wiederkehrende Gemeinsamkeiten, die alle Opfer teilen. Alle Praxisfälle hatten eine später schon vorhersehbare Reihenfolge der Geschehnisse gemein, die Leymann in vier Phasen einteilte.2 (Leymann, Mobbing, 1993, S. 58)

Zu Beginn stehen einzelne Konflikte, Unverschämtheiten (1), die erst in ihrer Verkettung die eigentliche Mobbinghandlung bilden und Psychoterror auslösen (2). Die einzelnen feindlichen Aktionen sind anfangs in ihrer Absicht oft schwer nachweisbar und einzeln eher unbedeutend. (Engbers, Mobbing, 2005, S. 21) Es kommt der Punkt, an dem nicht nur sittliche, sondern auch rechtliche Grenzen überschritten werden und die Personalverwaltung ver- sagt (3), indem sie das Opfer als Querulanten verkennt. Schließ- lich wird das Opfer auf verschiedenstem Wege aus der Arbeitswelt verdrängt. Sei dies durch Verrentung, Kündigung, Versetzung oder aus gesundheitlichen Gründen.3

Dabei benennt Leymann dieses Phasenmodell zwar als vorhersehbar, aber nicht als starr. Ist das System verstanden, lässt es sich leicht verändern, wenn die Akteure es wirklich wollen. (Leymann, Mobbing, 1993, S. 59)

[...]


1 siehe Anhang I Auszug aus Katalog der Mobbinghandlungen nach Esser/Wolmerath (Esser/Wolmerath, Mobbing, 2005, S. 25 ff.)

2 siehe Anhang II Schaubild Phasenmodell nach Leymann (Leymann, Mobbing, 1993, S. 59)

3 Im Mobbing-Report 1995 erweiterte Leymann sein Phasenmodell um „Fehldiagnosen von Ärzten und vergebliche juristische Schritte“ (Leymann, Mobbing, 1995, S. 21). Aus Vereinfachungsgründen wurde auf diese Phase verzichtet.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Mobbing im Beruf - speziell in der Finanzverwaltung
Hochschule
Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Schleswig-Holstein
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
31
Katalognummer
V198670
ISBN (eBook)
9783656250876
ISBN (Buch)
9783656252986
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbing, Bossing, öffentlicher Dienst, Finanzverwaltung, Finanzamt, Beamte
Arbeit zitieren
Rocco Mehnert (Autor), 2012, Mobbing im Beruf - speziell in der Finanzverwaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198670

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