Pankraz ist eine Figur, die nicht nur durch ihr Schmollen gekennzeichnet ist, sondern auch durch verschiedene andere psychologische Aspekte. Es ist jedoch festzuhalten, dass das Schmollen eines der interessanteren Phänomene ist. Was löst dieses Schmollen aus? Welche Grundlagen gibt es in der Natur Pankraz‘ und warum ist er, wie er ist?
Um diese Frage umfassend zu beantworten, bedarf es mehrerer Ansätze, die verein-zelt schon in der Literatur versucht wurden zu erklären. Bisher wurde jedoch noch kein verstärktes Augenmerk darauf gelegt, welche Rolle die Frauenfiguren in seinem Verhalten spielen. Gewiss wurde die Position der Lydia von vielen Seiten gedeutet – das wird in dieser Hausarbeit ebenfalls geschehen -, jedoch fehlt es oft an anderen Blickwinkeln. Welche Rolle spielt die Mutter und seine Schwester? Es gibt nur drei Frauen, die Pankraz‘ Leben beeinflusst haben, und diese drei gilt es, soweit es geht, zu beleuchten.
Neben der Rahmenhandlung wird in dieser Hausarbeit die Psychologie Pankraz‘ dargestellt. Es werden Erklärungsansätze gegeben, die das Schmollen verständli-cher machen sollen. Dies kann unter anderem mit den Schriften Freuds gelingen, die eine Analyse ermöglichen. Hier knüpfe ich an die Ergebnisse aus dem Seminar an und beziehe diese Ergebnisse auf Pankraz.
Inhaltsverzeichnis
1. Entwicklung der Fragestellung
2. Einleitung
3. Charakterisierung der Frauenfiguren
3.1. Mutter
3.2. Esther
3.3. Lydia
4. Pankraz
5. Schmollen in der Psychologie
6. Lust- und Realitätsprinzip
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Hintergründe der Titelfigur Pankraz aus Gottfried Kellers Novelle „Pankraz, der Schmoller“, wobei ein besonderer Fokus auf dem Einfluss der Frauenfiguren in seinem Leben liegt. Ziel ist es, das Phänomen des „Schmollens“ mittels tiefenpsychologischer Ansätze, insbesondere unter Rückgriff auf die Schriften Sigmund Freuds, zu analysieren und zu erklären.
- Analyse der Frauenfiguren (Mutter, Schwester Esther, Lydia) als zentrale Identifikations- und Reibungspunkte.
- Untersuchung des Protagonisten Pankraz hinsichtlich seiner psychologischen Entwicklung und Verhaltensmuster.
- Interpretation des „Schmollens“ als Ausdruck von innerer Kränkung und als Instrument zur Bedürfnisbefriedigung.
- Anwendung des Lust- und Realitätsprinzips nach Freud zur Erläuterung der Identitätskrisen von Pankraz.
- Hinterfragung der Subjektivität des Protagonisten bei der Wahrnehmung der Realität.
Auszug aus dem Buch
3.3. Lydia
Pankraz lernt Lydia in Indien kennen. Sie ist die einzige Tochter eines Kommandanten. Aufgrund der Fremde in dem Land, haftet an ihr sofort der Glanz des Exotischen. Sie ist keine gewöhnliche Frau, wie Pankraz sie in Seldwyla hätte treffen können. Deshalb misst er sie auch nicht mit gewöhnlichen Maßstäben, sondern verfällt ihr vollkommen, indem er sie als Frau idealisiert. Er stellt Ansprüche an sie, die sie niemals erfüllen kann, da die Person Lydia nicht deckungsgleich ist mit dem Phantasma Lydia. Diese Phantasie von der perfekten Frau gründet unter anderem darauf, dass Pankraz nie gelernt hat, was Realität bedeutet. Er flüchtete sich in seiner seldwyler Zeit immer in Träumereien oder verfiel ins Schmollen. Sein bisheriger Standpunkt Frauen gegenüber verändert sich hier. Er verfällt ihr regelrecht. Bisher hatten in Pankraz‘ Leben nur zwei Frauen Platz. Das war seine Mutter, die er primär als Ernährer sah und seine Schwester Esther, die er mit Argwohn betrachtete, da sie seine militärische Ordnung während des Essens immer wieder störte und ihn zur Schmollerei brachte.
Die Beziehung die sich zwischen Pankraz und Lydia aufbaut verändert sich mit der Zeit. Zu Beginn ist Pankraz gerne in ihrer Nähe, spricht jedoch nicht von Verliebtheit, sondern sieht in ihr einen Freund. Dieses Gefühl ändert sich jedoch, als Lydia beginnt, ein Verhalten zu zeigen, das Pankraz gänzlich unbekannt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entwicklung der Fragestellung: Das Kapitel erläutert die zentrale Fragestellung und den Fokus auf Pankraz' Psychologie und das Phänomen des Schmollens unter Einbeziehung der Frauenfiguren.
2. Einleitung: Hier wird der novellistische Kontext in „Die Leute von Seldwyla“ dargelegt und die Ausgangssituation von Pankraz' Leben sowie die Bedeutung seiner Rückkehr nach Seldwyla skizziert.
3. Charakterisierung der Frauenfiguren: Dieses Kapitel analysiert die Rollen von Mutter, Schwester Esther und Lydia, die den Protagonisten maßgeblich prägen oder mit ihm interagieren.
4. Pankraz: Eine Charakterstudie des Protagonisten, die seine Entwicklung vom schmolllenden Jugendlichen zum Soldaten und seine gescheiterte Suche nach Idealen untersucht.
5. Schmollen in der Psychologie: Dieser Abschnitt beleuchtet das Schmollen als psychologisches Phänomen und dessen Funktionen innerhalb zwischenmenschlicher Konflikte sowie dessen Übertragung auf Pankraz.
6. Lust- und Realitätsprinzip: Die Anwendung der freudschen Psychoanalyse zeigt auf, wie Pankraz an der Realität scheitert und sich in ein Wunschdenken flüchtet, um sein Lustprinzip zu wahren.
7. Fazit: Die Arbeit resümiert die Analyseergebnisse und weist auf Möglichkeiten für weiterführende literaturwissenschaftliche Forschungen hin.
Schlüsselwörter
Pankraz der Schmoller, Gottfried Keller, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Lustprinzip, Realitätsprinzip, Schmollen, Frauenbilder, Seldwyla, Novelle, Literaturanalyse, Identitätsentwicklung, Geschwisterrivalität, Wunschdenken, Aggressionsverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Novelle „Pankraz, der Schmoller“ von Gottfried Keller aus psychologischer Sicht, um das Verhalten des Protagonisten besser zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Phänomen des „Schmollens“, die psychologische Charakterisierung von Pankraz und die Auswirkungen der Frauenfiguren in seinem Leben auf seine Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für das schmolllende Verhalten von Pankraz zu ergründen und aufzuzeigen, wie seine Unfähigkeit, zwischen Realität und Phantasie zu unterscheiden, seine Lebensgeschichte bestimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch tiefenpsychologische Ansätze, vor allem basierend auf Sigmund Freuds Theorien zum Lust- und Realitätsprinzip, ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Charakterisierung der Frauenfiguren, eine Analyse von Pankraz' Persönlichkeit, eine allgemeine psychologische Betrachtung des Schmollens sowie eine Anwendung psychoanalytischer Prinzipien auf den Novellentext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pankraz der Schmoller, Psychologie, Lust- und Realitätsprinzip, Identität, Geschlechterbeziehungen und die literarische Analyse von Gottfried Kellers Werk.
Welche Rolle spielt Lydia für Pankraz?
Lydia fungiert als Projektionsfläche für Pankraz' Idealvorstellungen einer perfekten Frau, an denen er letztlich scheitert, da sie nicht mit der Realität korrespondieren.
Warum spielt das „Kartoffelbrei-Essen“ eine wichtige Rolle in der Analyse?
Diese Szene dient als zentrales Fallbeispiel für familiäre Dynamiken, in denen sich Pankraz' Geltungsbedürfnis, sein Hang zur „militärischen Ordnung“ und seine emotionale Unreife in Form von Schmollerei zeigen.
- Arbeit zitieren
- Christian Riebeler (Autor:in), 2012, Frauenfiguren in Gottfried Kellers „Pankraz, der Schmoller“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198680