Grundsätzlich folgt das deutsche HGB dem Konzept des Gläubigerschutzes und führt daher tendenziell eher zu einer vorsichtigen Bewertung des Vermögens und der Schulden eines Unternehmens. Bei den IFRS stehen dagegen die Informationen für Investoren im Mittelpunkt, denen es ermöglicht werden soll, auf Basis des Jahresabschlusses Entscheidungen zu treffen. Dies führt im Vergleich zum HGB bei Wertpapieren zu einer zeitnäheren und realistischeren Bewertung. Für den Ansatz und die Bewertung von Wertpapieren gelten im HGB die allgemeinen Vorschriften für Vermögensgegenstände. Diese sind in der Bilanz als einzeln veräußerbares und bewertbares Vermögen anzusetzen und höchstens zu Anschaffungskosten zu bewerten. Diese ergeben sich aus den historischen Kaufkursen. Gesunkene Kurse werden durch außerplanmäßige Abschreibungen berücksichtigt. Dabei ist die Zugehörigkeit der Wertpapiere zum Anlage- oder Umlaufvermögen entscheidend. Bei Wertpapieren des Umlaufvermögens gilt das strenge Niederstwertprinzip. Es verlangt, dass bei einer Wertminderung die Wertpapiere auf den niedrigeren beizulegenden Wert abzuschreiben sind. Gleiches gilt für Wertpapiere des Anlagevermögens bei einer dauerhaften Wertminderung. Ist die Wertminderung dagegen nur von vorübergehender Wirkung, besteht das Wahlrecht von einer Abschreibung abzusehen. Dies wird als gemildertes Niederstwertprinzip bezeichnet.
Die IFRS unterscheiden drei Arten von Wertpapieren. Handelspapiere werden erworben, damit Gewinne aus kurzfristigen Preisschwankungen erzielt werden können. Fälligkeitspapiere werden mit der Absicht erworben, diese bis zur Endfälligkeit zu halten und Veräußerungspapiere sind Wertpapiere, welche keiner anderen Kategorie zugeordnet werden können. Bei der Erstbewertung sind alle Wertpapiere mit ihren Anschaffungskosten zu bewerten. Erst bei der Folgebewertung ist die Einteilung in die drei Gruppen ausschlaggebend. Handelspapiere und Veräußerungspapiere sind mit dem beizulegenden Zeitwert zu bewerten. Auf diese Weise wird im Gegensatz zum HGB auch eine höhere Bewertung als zu den Anschaffungskosten ermöglicht. Bewertungsänderungen bei Handelspapieren werden erfolgswirksam verbucht. Bei Veräußerungspapieren besteht hingegen ein Wahlrecht für eine erfolgsneutrale oder erfolgswirksame Verbuchung. Fälligkeitspapiere wiederum werden zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet. Eine entsprechende Einteilung der Wertpapiere in verschiedene Kategorien kann dem HGB jedoch nicht entnommen werden.
Inhaltsverzeichnis
A. Hinführung zum Thema
I. Bedeutung von HGB und IFRS
II. Abgrenzung von Wertpapieren gegenüber Finanzinstrumenten
B. Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach HGB
I. Ansatz und Ausweis von Wertpapieren nach HGB
II. Bewertung von Wertpapieren nach HGB
C. Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach IFRS
I. Ansatz von Wertpapieren nach IFRS
1. Allgemeine Ansatzvorschriften
2. Zu Handelszwecken gehaltene Wertpapiere
3. Bis zur Endfälligkeit zu haltende Wertpapiere
4. Zur Veräußerung verfügbare Wertpapiere
II. Bewertung von Wertpapieren nach IFRS
1. Erstmalige Bewertung von Wertpapieren
2. Folgebewertung von Wertpapieren
III. Umwidmung von Wertpapieren in eine andere Kategorie
D. Abschließende Betrachtung – Vergleich zwischen HGB und IFRS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit verfolgt das Ziel, die bilanzielle Behandlung von Wertpapieren unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anforderungen des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) und der internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) gegenüberzustellen und kritisch zu analysieren.
- Bedeutung und theoretische Unterschiede von HGB und IFRS
- Abgrenzung von Wertpapieren und Finanzinstrumenten
- Vorschriften zur Bilanzierung und Bewertung nach HGB
- Kategorisierung und Bewertung nach IFRS (IAS 39)
- Vergleich der Auswirkungen auf den Jahresabschluss
Auszug aus dem Buch
II. Abgrenzung von Wertpapieren gegenüber Finanzinstrumenten
Eine einheitliche Legaldefinition für den Begriff Wertpapier ist im deutschen Zivilrecht nicht zu finden. Nach der herrschenden Meinung handelt es sich bei einem Wertpapier um eine Urkunde, in der ein privates Recht in der Weise verbrieft ist, dass zur Geltendmachung des Rechtes das Innehaben der Urkunde erforderlich ist. Bezogen auf ihre wirtschaftlichen Funktionen lassen sich Wertpapiere in Papiere des Zahlungs- und Kreditverkehres (z.B. Scheck, Wechsel), Effekten und Kapitalmarktpapiere (z.B. Aktien, Inhaberschuldverschreibungen) sowie Papiere des Güterumlaufes (z.B. Ladeschein) unterteilen.
IAS 32.11 definiert ein Finanzinstrument als einen Vertrag, der gleichzeitig bei einem Unternehmen zu einem finanziellen Vermögenswert („financial asset“) und bei einem anderen Unternehmen zu einer finanziellen Verbindlichkeit („financial liability“) oder einem Eigenkapitalinstrument („equity instrument“) führt. Finanzinstrumente in diesem Sinne umfassen grundsätzlich die gesamte Bandbreite an Geld-, Kredit- und Kapitalmarktgeschäften. Hierunter fallen sowohl originäre Finanzinstrumente (Kassageschäfte), wie z.B. festverzinsliche Wertpapiere (Bonds) und Aktien, als auch derivative Finanzinstrumente (Derivate), wie z.B. Zinsswaps und Aktienoptionen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Globalisierung der Märkte und die daraus resultierende Notwendigkeit, HGB und IFRS im Kontext der Wertpapierbilanzierung zu verstehen.
B. Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach HGB: Es werden die spezifischen deutschen Ansatzvorschriften sowie die Bewertungsgrundsätze für Wertpapiere im Anlage- und Umlaufvermögen unter Anwendung des Niederstwertprinzips dargelegt.
C. Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach IFRS: Dieses Kapitel behandelt die Klassifizierung von Finanzinstrumenten nach IAS 39 und deren Bewertung basierend auf dem beizulegenden Zeitwert sowie fortgeführten Anschaffungskosten.
D. Abschließende Betrachtung – Vergleich zwischen HGB und IFRS: Es erfolgt eine zusammenfassende Gegenüberstellung, die verdeutlicht, dass IFRS auf entscheidungsnützliche Informationen für Investoren abzielen, während das HGB primär dem Gläubigerschutz und der Vorsicht verpflichtet ist.
Schlüsselwörter
Wertpapiere, Bilanzierung, Bewertung, HGB, IFRS, Finanzinstrumente, Anschaffungskosten, Beizulegender Zeitwert, Niederstwertprinzip, Vorsichtsprinzip, IAS 39, Handelsbestand, Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Gläubigerschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die vergleichende Analyse der Bilanzierung und Bewertung von Wertpapieren nach deutschem HGB und internationalen IFRS-Standards.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die regulatorischen Unterschiede zwischen dem deutschen Handelsrecht und dem IAS/IFRS-Regelwerk sowie deren Einfluss auf die Unternehmensberichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die unterschiedlichen Zielsetzungen (Gläubigerschutz vs. Investoreninformation) in der Bewertung von Wertpapieren in der Bilanz niederschlagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtsvergleichende und bilanzanalytische Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Auswertung maßgeblicher Standards basiert.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die HGB-spezifischen Regeln zum Niederstwertprinzip und die komplexere IAS-39-Kategorisierung von Finanzinstrumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Wertpapiere, Anschaffungskostenprinzip, Fair Value, Vorsichtsprinzip und IAS 39.
Wie unterscheiden sich die Bewertungsziele von HGB und IFRS?
Das HGB fokussiert auf den Gläubigerschutz und tendiert zu niedrigeren, vorsichtigen Gewinnermittlungen, während IFRS eine entscheidungsnützliche Darstellung der tatsächlichen Marktwerte anstreben.
Was versteht man unter dem "Recycling"-Verfahren bei IFRS?
Dies bezeichnet die Umbuchung von erfassten Wertänderungen aus dem Eigenkapital in das Periodenergebnis (GuV), sobald der Vermögenswert ausgebucht wird oder eine Wertminderung eintritt.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Laws (LL.B.) Christian Schultka (Autor:in), 2012, Bilanzierung von Wertpapieren nach HGB und IFRS – vergleichende Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198681