"In den letzen Jahrzehnten hat sich die Lebensphase "junge Frau" verlängert, umstrukturiert und individualisiert." so Barbara Keddi in einem Aufsatz mit dem Titel Junge Frauen: Vom doppelten Lebensentwurf zum biografischen Projekt. Demnach unterlagen auch die Lebensentwürfe junger Frauen in den letzten Jahrzehnten einem stetigen Wandel. In vielerlei Hinsicht kann hier von einer Modernisierung gesprochen werden, jedoch bestehen dennoch auch trotz angestrebter Gleichberechtigung der Geschlechter tradierte Hierarchien und Disparitäten im Verhältnis der Geschlechter. Zwar entscheiden sich immer mehr Frauen für eine berufliche Selbstverwirklichung, doch nehmen sie dabei in Sachen Familie meist eine Doppelbelastung auf sich.
Vor dem gerade ausgeführten Hintergrund und der Tatsache, dass Mädchen und junge Frauen im Zuge der Bildungsexpansion im Durchschnitt besser abschneiden als altersgleiche Jungen bzw. junge Männer, scheint es unverständlich, dass Frauen weiterhin beim Übergang in die Berufswelt häufig in Berufe gelangen, welche als typische Frauenberufe bezeichnet und in Relation zu typischen Männerberufen eine schlechtere Bezahlung und nur geringen Aufstiegsmöglichkeiten aufweisen.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit versuche ich nun darzulegen, was die Berufswahl von Mädchen und jungen Frauen bedingt, indem ich den Berufsfindungsprozess und verschiedene diesen bedingende äußere Faktoren untersuche. Hierfür werde ich im Folgenden zunächst auf die veränderten Geschlechterverhältnisse eingehen und den "doppelten Lebensentwurf" junger Frauen thematisieren, bevor ich ausführlich auf den Berufsfindungsprozess junger Frauen und Mädchen, hierin besonders auf deren Stellung im Bildungs- und Ausbildungssystem, das gesellschaftliche Bild typischer Frauen- oder Männerberufe und Maßnahmen gegen diese Stereotypisierung eingehen werde. Letztlich werde ich die Auswirkungen der Sozialisationsinstanzen Schule und Eltern betrachten, um letztlich zu einem umfassenden abschließenden Fazit zur Betrachtung der Problematik zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Wegfall traditioneller Strukturen
3. Weibliche Lebensentwürfe und Berufsorientierungen
4. Mädchen und junge Frauen im Berufswahlprozess
4.1 Bildung und Ausbildung junger Frauen und Mädchen
4.2 Frauenberufe und Männerberufe?
4.3 Die Initiative "Girlsday": Maßnahmen zur Erweiterung des Berufsspektrums
5. Die Sozialisationsinstanzen Eltern und Schule
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einflussfaktoren auf den Berufsfindungsprozess junger Frauen und Mädchen. Dabei steht die Frage im Zentrum, warum Frauen trotz gestiegener Bildungsniveaus weiterhin häufig in sogenannten "Frauenberufen" mit geringeren Aufstiegschancen und schlechterer Bezahlung landen und welche Rolle soziale Instanzen wie Elternhaus und Schule dabei spielen.
- Wandel der Lebensentwürfe junger Frauen
- Strukturelle Hürden im Berufsfindungsprozess
- Geschlechtsspezifische Stereotypisierung in der Berufswahl
- Einfluss von Sozialisationsinstanzen auf Berufsorientierungen
- Fördermaßnahmen zur Erweiterung des Berufsspektrums (z.B. Girlsday)
Auszug aus dem Buch
4.2 Frauenberufe und Männerberufe?
Stets gibt es Berufe, die scheinbar typischerweise von Frauen oder Männern ausgeübt werden. Die heutigen "Frauenberufe" im Bereich des Sozialwesens entstanden hierbei meist dadurch, dass vormals ehrenamtliche Berufe und in der Familie ausgeübte Tätigkeiten eine Professionalisierung erfuhren. Ebenso gibt es Berufe, die einen Geschlechtswechsel durchlebten. Beispielhaft können hier Berufe in Büro und Handel genannt werden, welche nun zu den modernen Frauenberufen gehören.
Die Einteilung in Frauen- und Männerberufe erfolgt des weiteren meist anhand traditioneller Zuordnungen. Schon allein die Bezeichnung in der deutschen Sprache, denke man nur an die Krankenschwester, aber den Dachdecker, ist hierfür sinnbildlich. Statistisch gesehen hingegen, müsste man nach der Anzahl von Frauen und Männern in den jeweiligen Berufsgruppen gehen. Auffallend bei dieser Betrachtung ist, dass es hiernach eine geringere Vielzahl an typisch weiblichen Berufen gibt, was letztlich meine Ausführungen zur Ausbildungsplatzwahl junger Frauen und Mädchen ebenso wieder spiegelt, wie die Tatsache, dass sich diese Berufe auf den Sektor der personenbezogenen Dienstleistungen beschränken. Zudem bieten die meisten Frauenberufe trotz Weiterbildungsmöglichkeiten keine Aufstiegschancen, was sie zu regelrechten "Sackgassenberufen" macht.
Mädchen und junge Frauen arrangieren sich mit der Realität und passen sich ihr an. Sie versuchen nicht, die Gegebenheiten passend zu machen oder darauf zu warten, bis sie die für sie passenden gefunden haben. Sie wollen die Chance zum Eintritt in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt nicht verpassen. Als Orientierung dienen Frauen, die im Berufsleben stehen. Dadurch dass der Frauenanteil in einem Beruf groß ist, wird davon ausgegangen, dass Frauen die Anforderung wie Erwerbstätigkeit und gleichzeitige Versorgung der Familie gelingt. Weiter kann davon ausgegangen werden, dass für Frauen in diesen Berufen reelle Ausbildungs- und Einstellungschancen bestehen, dass Frauen hier Ansprüche auf soziale Kontakte, Arbeitsinhalte und Kommunikation an einen Arbeitsplatz erfüllt finden und dass sie ihre Fähigkeiten einbringen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass trotz verbesserter Bildungschancen für Mädchen und junge Frauen weiterhin eine geschlechtsspezifische Segregation auf dem Arbeitsmarkt existiert.
2. Der Wegfall traditioneller Strukturen: Das Kapitel beleuchtet den demographischen und sozioökonomischen Wandel, der die Lebensentwürfe von Frauen grundlegend umstrukturiert hat.
3. Weibliche Lebensentwürfe und Berufsorientierungen: Hier wird das Dilemma der Vereinbarkeit von Familie und Beruf thematisiert und wie dieses die biographischen Entscheidungen junger Frauen beeinflusst.
4. Mädchen und junge Frauen im Berufswahlprozess: Dieses Kapitel untersucht die zentrale Rolle der Berufswahl und die strukturellen Rahmenbedingungen, die Frauen oft in bestimmte Berufsfelder drängen.
4.1 Bildung und Ausbildung junger Frauen und Mädchen: Es wird analysiert, warum die schulischen Erfolge junger Frauen nicht automatisch in äquivalente berufliche Platzierungen münden.
4.2 Frauenberufe und Männerberufe?: Das Kapitel hinterfragt die historische und soziale Konstruktion geschlechtsspezifischer Berufsbezeichnungen und deren Auswirkungen auf die Karrierechancen.
4.3 Die Initiative "Girlsday": Maßnahmen zur Erweiterung des Berufsspektrums: Hier werden gezielte Maßnahmen vorgestellt, die Mädchen den Zugang zu technischen und naturwissenschaftlichen Berufsfeldern erleichtern sollen.
5. Die Sozialisationsinstanzen Eltern und Schule: Es wird aufgezeigt, wie Eltern und Schulen durch ihre Rollenbilder und Erwartungen den Berufswahlprozess junger Frauen maßgeblich mitprägen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert verstärkte Bemühungen in Politik und Gesellschaft, um geschlechterspezifische Benachteiligungen abzubauen.
Schlüsselwörter
Berufsfindungsprozess, junge Frauen, Mädchen, Berufswahl, Geschlechterverhältnis, Sozialisation, Bildungssystem, Frauenberufe, Männerberufe, Vereinbarkeit, Karriere, Girlsday, Rollenverständnis, Arbeitsmarkt, Geschlechtergerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem geschlechterspezifischen Berufsfindungsprozess junger Frauen und analysiert die Ursachen, warum Frauen trotz besserer Bildungsabschlüsse häufiger in schlechter bezahlte Berufe mit geringeren Aufstiegschancen gelangen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen der Wandel weiblicher Lebensentwürfe, der Einfluss von Elternhaus und Schule als Sozialisationsinstanzen sowie die gesellschaftliche Strukturierung von Männer- und Frauenberufen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Faktoren zu entwickeln, die die Berufswahl von jungen Frauen bedingen, und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese Prozesse positiv beeinflusst werden können.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die sich auf vorhandene wissenschaftliche Literatur, Studien zu Berufsfindungsprozessen und die Analyse von Maßnahmen wie dem Girlsday stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden der Wegfall traditioneller Strukturen, die Bildungssituation, die Einteilung in Berufsfelder sowie die prägende Rolle von Familie und Bildungseinrichtungen detailliert erörtert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Berufsfindungsprozess, Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt, Sozialisationsinstanzen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie definiert.
Welchen Einfluss haben laut der Arbeit Eltern auf die Berufswahl ihrer Töchter?
Eltern fungieren als Vorbilder und vermitteln bereits im Kindesalter Ansichten über geschlechtsspezifische Eignungen, wodurch sie unbewusst oft "frauentypische" Berufswahlen ihrer Töchter fördern.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Schule in Bezug auf geschlechtsspezifische Stereotype?
Die Arbeit kritisiert, dass Schulen in der Berufsvorbereitung die geschlechtliche Arbeitsteilung oft nicht thematisieren und durch das Verhalten von Lehrkräften oder Unterrichtsgestaltung bestehende Rollenbilder eher reproduzieren als aufzubrechen.
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- Teresa Schalhorn (Author), 2007, Der geschlechterspezifische Berufsfindungsprozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198760