Beurteilung der Qualität der Risikoberichterstattung der DAX-30 Unternehmen


Seminararbeit, 2011

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rechtliche Risikoberichterstattung

3 Risikoberichterstattung - Quo Vadis

4 Empirische Untersuchung
4.1 Vorgehensweise
4.2 Bestimmung der Grundgesamtheit
4.3 Ergebnisse

5 Schlussbemerkung

Verzeichnis der Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsanweisungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Scoring-Modell zur Qualitätsbeurteilung

Abb. 2: Verteilung der Qualitätswerte

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Zusammensetzung des DAX-30 zum 14.10.2011

Tab. 2: Ergebnisse der Auswertung der Risikoberichte der DAX-30 Unternehmen

Tab. 3: Prozentuelle Erfüllung der Risikokriterien 2007-2010

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Verlauf der letzten Jahre, und besonders während und nach der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008, hat sich das Publizitätsverhalten im Bezug auf die Risikoberichterstattung von Unternehmen deutlich verändert. Neben geänderter gesetzlicher Vorschriften für Konzernlageberichte, für das nach 31.12.2006 beginnende Geschäftsjahr, im Rahmen des Art. 62 EGHGB i.V.m. § 315 Abs. 1 Satz 6 dHGB konnte auch konjunkturbedingt ein gesteigerter Umfang festgestellt werden. [1] EISENSCHMIDT und LEITNER- HANETSEDER/WINKLER stellen in diesem Zusammenhang eine positive Korrelation zwischen Qualität und Quantität der Risikoberichterstattung in den Jahren 2007-2009 bzw. 2007-2008 fest. [2] EISENSCHMIDT weist daneben aber auch auf mögliche Redundanzen und information overload hin. [3] Nach herrschender Literaturmeinung sind der Informationsgehalt und die Detailausgestaltung von Risikoberichten weiterhin eher gering und es besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. [4]

Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden, ob sich die allgemeine Qualität der Risikoberichte innerhalb der Konzernlageberichte im Berichtsjahr 2010 der Deutschen Aktien Index (DAX)-30 Konzerne verbessert hat. Angelehnt an die Ergebnisse und die Forschungsmethodik von EISENSCHMIDT, die auf den gesetzlichen Sollmaßstäben der Risikoberichterstattung beruhen, wird eine Einordnung in das ungewichtete Scoring -Modell vorgenommen. Dabei wird besonderer Wert auf die Vergleichbarkeit der Ergebnisse gelegt werden, da der Untersuchungszeitraum von EISENSCHMIDT mit 2009 endet. [5] Alle untersuchten Unternehmen werden dabei nach Rang aufgelistet und bewertet, um am Ende ein best practice und ein worst practice Beispiel zu ermitteln.

Bei der Auswertung wird erwartet, dass sich deutliche Verbesserungen im Vergleich zu den Vorjahren ergeben. Diese Annahme basiert auf den ausgegebenen Prüfungs- schwerpunkten der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), die besonderes Augenmerk auf den Konzernlagebericht samt Risikobericht nach § 315 Abs. 1 dHGB legen will. [6]

Ausgehend von der Darlegung der Problemstellung in der Einleitung werden gesetzliche Rahmenbedingungen der Risikoberichterstattung aufgezeigt; gefolgt von einer Auflistung der DAX-30 und der Einschränkung der Grundgesamtheit. Danach erfolgt ein Überblick über den Stand der empirischen Forschung. Den Hauptteil der Arbeit bildet eine empirische Untersuchung der Konzernlageberichte der DAX-30 des Geschäftsjahres 2010. Die empirische Studie verfolgt neben der Erhebung der Qualität der Risikoberichterstattung in DAX-30 Unternehmen die Zielsetzung best practice und worst practice Beispiele zu identifizieren. Die Arbeit schließt mit einem kritischen zusammenfassenden Fazit.

2 Rechtliche Risikoberichterstattung

Die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernlageberichts samt Risikobericht ergibt sich aus § 315 Abs. 1 Satz 5 dHGB. Konkrete Punkte, auf die eingegangen werden soll, sind „Risikomanagementziele und -methoden des Konzern“ und „ Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken“. [7] Des Weiteren ist Folgendes bei der Erstellung zu beachten: „Risiken haben sich auf den Konzern als Ganzes zu beziehen“, [8] wobei bei der Darstellung von Chancen und Risiken keine Saldierungen vorgenommen werden dürfen. Begründet wird dies mit den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) nach § 246 Abs. 2 dHGB. [9] Weiter konkretisiert werden die Regelungen zur Risikobericht- erstattung durch den Deutschen Regulierungs Standard (DRS) 5, der wiederum DRS 15 „Lageberichterstattung“ ergänzt. [10] Darin wird eine Risikokategorisierung nach „Umfeldrisiken und Branchenrisiken”, „unternehmensstrategische Risiken”, „leistungswirtschaftliche Risiken”, „Personalrisiken”, „informationstechnische Risiken”, „finanzwirtschaftliche Risiken” und „sonstige Risiken“ empfohlen. [11]

Daneben ergeben sich Sonderbestimmungen und -vorschriften die ausschließlich für Banken und Versicherungen relevant sind. Diese Branchen finden die gesonderten Regelungen in DRS 5-10 „Risikoberichterstattung von Kredit- und Finanz- dienstleistungsinstituten” bzw. DRS 5-20 „Risikoberichterstattung von Versicherungs- unternehmen”.

Auf internationaler Ebene wird innerhalb der IFRS von „Angaben über Risiken und Unsicherheiten“ gesprochen, die im Anhang angegeben werden können. [12] Konkreter werden Risiken i.V.m. Finanzinstrumenten innerhalb des IFRS 7 beschrieben. Sie sind quantitativ und qualitativ zu umschreiben und in die Kategorien „Kreditrisiko“, „Liquiditätsrisiko“ und „Marktrisiko“ einzugliedern. [13]

Zuletzt ließ der DSR per Pressemitteilung verkünden, dass die Risikoberichterstattung Teil der Prüfungsschwerpunkte für das Geschäftsjahr 2010 sein wird. Damit wird womöglich auf die in der Literatur bereits seit längerem diskutieren, unzureichenden Erfüllung der Kriterien der Risikoberichterstattung reagiert. [14]

3 Risikoberichterstattung -Quo Vadis

Mit der Einführung des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) am 01.05.1998 wurde der Grundstein für eine erweiterte Unternehmenspublizität gelegt. Der Offenlegung von Informationen zur Risikolage wurde bis vor Einführung des Gesetzes nur ungenügend entsprochen, was eine geringe Qualität zur Folge hatte. [15] Ergänzend dazu musste ab 31.12.2000 DRS 5 bei der Erstellung von Risikoberichten beachtet werden. Ziel war Ermessensspielräume zu verkleinern und Konkretisierungen für die sehr offen formulierten Gesetzestexte des dHGB vorzunehmen. [16] Im Berichtsjahr 1999 konnte eine Aufwertung der Lageberichte trotz der Anwendungsverpflichtung des KonTraG nicht festgestellt werden. Es wird bezweifelt, dass gegebene Informationen entscheidungsrelevant waren. Weiter werden Stimmigkeiten zwischen Bericht und Wirklichkeit bezweifelt. [17]

Empirische Erhebungen zwischen 2000 und 2003, direkt nach der verpflichtenden Anwendung von DRS 5 und DRS 15, kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Es werden durchweg positive Entwicklungstendenzen bescheinigt. Einteilungen in Risikokategorien erfolgte innerhalb der Risikoberichte. Daneben nahm der Umfang zu und starke Divergenzen zwischen einzelnen Berichten traten auf. [18]

Untersuchungen nach 2008, zehn Jahre nach der Einführung des KonTraG, kommen weiterhin zum Schluss des erheblichen Verbesserungsbedarfs in der Risiko- berichterstattung. [19] Besonders kritisiert werden unkonkrete Formulierungen, wie etwa „beherrschbare“-, „begrenzte“- oder „überschaubare“ Risiken gesehen. [20] Weitere sehen starke Abweichungen der Risikoberichterstattung nach oben und unten, also ein uneinheitliches Bild, als kritisch. [21] Bezogen auf die Weltwirtschaftskrise ab dem Berichtsjahr 2008 konnten Verbesserungen in der Qualität der Risikoberichterstattung bei kapitalmarktorientierten Unternehmen festgestellt werden. Begründet wird die positive Entwicklung mit einem volatilen Unternehmensumfeld und der damit einhergehenden Prognoseunsicherheit. [22]

Auch der DPR konnte in der Zeit von 2005 bis 2009 Fehler in der Konzern- lageberichtserstattung ausmachen. Diese Unregelmäßigkeiten führten zu einem Prüfungsschwerpunkt für das Geschäftsjahr 2010. Die Fehlerfeststellung in den Konzernlageberichten betrug 10% der Gesamtheit der Fehlerfeststellungen. [23] Gravierende Unterschiede wurden zwischen den einzelnen Risikoberichten festgestellt. So variierte die Länge zwischen 1,5 und 62 Seiten, wobei von der Länge nicht auf inhaltliche Qualität geschlossen werden kann. WITHUS favorisiert hier die in England und Frankreich gültigen Grundsätze zur Risiko- und Prognoseberichterstattung. Die An- forderungen sind im Vergleich zu den Vorschriften des dHGB und des DRS konkreter ausgestaltet. Des Weiteren wird in Frankreich die Berichterstattung in regelmäßigen Abständen von der zuständigen Börsenaufsicht kontrolliert und kritisch hinterfragt. [24]

Die Qualität der Risikoberichterstattung ist in vielen empirischen Untersuchungen definiert als „Grad der Übereinstimmung der realisierten Beschaffenheit der Risikoberichte mit den Anforderungen“. [25] Dieser Grundlage folgen sämtliche in diesem Bereich veröffentlichten Publikationen mit Scoring -Modellen. [26] Hierin werden Kri- terien festgelegt, die idealtypisch in einem Risikobericht behandelt werden sollten. Der score ist je nach Übereinstimmungsgrad höher oder niedriger. Ein hoher score beschreibt eine hohe Übereinstimmung mit dem Ideal. Daraus wird eine hohe Qualität eines Risikoberichts gefolgert. Analog dazu wird ein niedriger score mit niedriger Qualität interpretiert. [27]

Neben dieser Methodik werden bspw. von EISENSCHMIDT, LEITNER- HANETSEDER/WINKLER und LENZ/DIEHM quantitative Methoden der Qualitäts- ermittlung genutzt. [28] Dabei wird der Umfang des Risikoberichts anhand der Wort und/oder Seitenzahl bestimmt. Obwohl eine positive Korrelation zwischen Länge und Qualität der Risikoberichte festgestellt werden konnte, [29] wird teilweise auch auf Schwächen dieser Methodik hingewiesen. Eine Begründung liegt im information overload, der die Qualität von Risikoberichten schmälern könnte. [30] Sehr kritisch dazu begründen EWELT u.a. den Sachverhalt. Es wird ein „abnehmender Grenznutzen der Anzahl der Worte postuliert“ und auch mit einer baldigen Änderung des DRS 15 und des DRS 5 gerechnet. Eine Anpassung soll einer negativen Umfangsentwicklungen vorzubeugen. [31]

Aufgrund einer derart kritischen Betrachtung wird von einer quantitativen Erhebung in dieser empirischen Untersuchung abgesehen. Es erfolgt eine Anlehnung an EISENSCHMIDT und das darin vorgestellte und verwendete ungewichtete Scoring Modell.

[...]


[1] Vgl. LENZ, H./DIEHM, J. (2011), S. 394.

[2] Vgl. LEITNER-HANETSEDER, S./WINKLER, J. (2010), S. 567.

[3] Vgl. EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 212.

[4] Vgl. unter anderem EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 211; LEITNER-HANETSEDER, S./WINKLER, J. (2010), S. 567; LENZ, H./DIEHM, J. (2011), S. 385; STEIN, T. (2011), S. 121.

[5] Vgl. EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 205ff.

[6] Vgl. DPR (2010).

[7] § 315 Abs. 2 Satz 2 dHGB.

[8] SCHMIDT, K. (Hrsg.) (2008), § 315 dHGB, Rz. 43.

[9] Vgl. SCHMIDT, K. (Hrsg.) (2008), § 315 dHGB, Rz. 45.

[10] Vgl. DRS 5.2.

[11] DRS 5.17. Siehe auch „4 Empirische Untersuchung“ zu den in dieser Arbeit verwendeten Kriterien der Risikoberichterstattung.

[12] IFRS F.21.

[13] GRÜNDBERG, D. (2009), S. 339.

[14] Vgl. EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 203.

[15] Vgl. STEIN, T. (2011), S. 111 f.

[16] Vgl. STEIN, T. (2011), S. 122.

[17] Vgl. KAJÜTER (2001) zitiert nach STEIN, T. (2011), S. 127.

[18] Vgl. KÜTING/HEIDEN (2002) und KAJÜTER/WINKLER (2004) zitiert nach STEIN, T. (2011), S. 129 ff.

[19] Vgl. unter anderem EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 211; LEITNER-HANETSEDER, S./WINKLER, J. (2010), S. 567; LENZ, H./DIEHM, J. (2011), S. 385; STEIN, T. (2011), S. 121.

[20] EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 210.

[21] Vgl. unter anderem LEITNER-HANETSEDER, S./WINKLER, J. (2010), S. 566 u. WITHUS, K.-H. (2010), S. 238.

[22] Vgl. LENZ, H./DIEHM, J. (2011), S. 394.

[23] Vgl. WITHUS, K.-H. (2010), S. 237.

[24] Vgl. WITHUS, K.-H. (2010), S. 238.

[25] EWELT, C. u.a. (2009), S. 709.

[26] Siehe dazu bspw. die Anwendung von Scoring -Modellen in den Veröffentlichungen von EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 203 oder LEITNER-HANETSEDER, S./WINKLER, J. (2010), S. 563.

[27] Siehe zur genauen Anwendung auch 4.1.

[28] Vgl. EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 203; LEITNER-HANETSEDER, S./WINKLER, J. (2010), S. 567; LENZ, H./DIEHM, J. (2011), S. 389.

[29] Vgl. EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 203 u. LEITNER-HANETSEDER, S./WINKLER, J. (2010), S. 567.

[30] Vgl. EISENSCHMIDT, K. (2011), S. 212 u. EWELT, C. u.a. (2009), S. 715.

[31] EWELT, C. u.a. (2009), S. 715.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Beurteilung der Qualität der Risikoberichterstattung der DAX-30 Unternehmen
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Institut für Unternehmensrechnung und Wirtschaftsprüfung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V198856
ISBN (eBook)
9783656253525
ISBN (Buch)
9783656253594
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Risikoberichterstattung, Wirtschaftsprüfung, DAX, Berichtsjahr 2010, HGB, KonTraG, Konzernlagebericht, DRS 5, Geschäftsjahr 2010
Arbeit zitieren
Manuel Kapfer (Autor), 2011, Beurteilung der Qualität der Risikoberichterstattung der DAX-30 Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198856

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