Die Unterschiede der philosophisch-ethischen Motive von Minnesang und Sangspruchdichtung


Seminararbeit, 2011

32 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einordnung
2. 1. Begriffliche Einordnung der Formen
2. 2. Entstehung und Verbreitung
2. 3. Erhaltung und Überlieferung der Texte

3. Musikalische Einordnung
3. 1. Allgemeine musikalische Entwicklung im Mittelalter
3. 2. Aufbau, Kennzeichen und Gattungen der Formen
3. 3. Aufführungsformen

4. Philosophische und ethische Motive in Minnesang und Sangspruchdichtung
4. 1. Liebesmotiv
4. 2. Treuemotiv
4. 3. Reinheitsmotiv
4. 4. Rechtsmotiv
4. 5. Schmerzmotiv

5. Zusammenfassung der Ergebnisse und Auswertung der Fragestellung

6. Schlussfolgerung

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ich saz ûf eime steine

und dahte bein mit beine;

dar ûf sazte ich den ellenbogen,

ich hete in mîne hant gesmogen

mîn kinne und ein mîn wange.“

(Walther von der Vogelweide, Codex Manesse, um 1320, Reichston L8,4)

Dieses Zitat einer Sangspruchdichtung von Walther von der Vogelweide gehört zu den ältesten Versen der deutschen Literatur und wird im Zuge seiner Bekanntheit oft als der Anfang eines Minnesangs verkannt. Doch liegt genau hier die Problematik: Die Unterscheidung zwischen der Sangspruchdichtung und der wesentlich geläufigeren Minne ging in unserem Literaturverständnis mit der Zeit verloren. Was allerdings noch viel tiefgreifender wirkt, ist, dass der musikalische Hintergrund, welcher für beide Gattungen unabdingbar war, heute völlig außer Acht gelassen wird, da im Laufe der Jahrhunderte Sangspruchdichtung und Minne eher auf literarische Weise interpretiert und untersucht wurden, als in ihrer ursprünglichen musikästhetischen Bedeutung. Ebenso wird auch den philosophischen Kerninhalten der Werke heute nicht mehr der Umfang an Aufmerksamkeit entgegengebracht, zu welchem sie einst gedichtet wurden. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, im Rahmen des Seminars „Musik und Philosophie“ die Fragestellung näher zu beleuchten, worin sich die Sangspruchdichtung vom Minnesang, vor allem hinsichtlich der thematisierten philosophisch–ethischen Motive, unterscheidet. Dazu ordne ich beide Gattungen zunächst historisch ein, um anschließend etwas differenzierter auf Vorbilder, die Ausbreitung in Europa, sowie Überlieferungen eingehen zu können. Im Anschluss daran nehme ich eine musikalische Kategorisierung vor, bei der hauptsächlich die Kennzeichen, verschiedene Gattungen, sowie die Aufführungsweise dokumentiert werden. Außerdem möchte ich diese musikalischen Elemente vor dem Hintergrund der allgemeinen Musikentwicklung im Mittelalter, auf Grundlage von Enrico Fubinis „Abhandlung zur Musikästhetik“, untersuchen. Im dritten Teil der Arbeit werde ich dann die Sangspruchdichtung und die Minne entsprechend philosophischer und ethischer Themengebiete, wie dem Liebesmotiv, dem Treue- und Reinheitsmotiv, sowie dem Rechts- und Schmerzmotiv analysieren. Das alles belegen Vertreter der Epoche und deren Werke, sowie Erörterungen der ethisch-moralischen Konzeption des Mittelalters. Abschließend stelle ich die Ergebnisse noch einmal vergleichend gegenüber, um eine Schlussfolgerung für meine Fragestellung ziehen zu können. Doch zunächst gehe ich auf die Historie der beiden Formen näher ein.

2. Historische Einordnung

2. 1. Begriffliche Einordnung der Formen

Sangspruchdichtung beschreibt, wie das wörtliche Verständnis erahnen lässt, den gesungen Vortrag der mittelalterlichen literarischen Gattung des Spruchgedichtes. Nach Böttcher und Geerdts wurden in den philosophischen Themenkomplexe der Werke nicht nur Adlige und Geistliche angesprochen, sondern vor allem das einfache Volk, welchem falsche und korrekte Handlungsmuster für ein mit Gott harmonisierendes Leben aufgezeigt werden sollten.(vgl. Böttcher und Geerdts 1981, S. 39) Aus dieser Liebe zu Gott bildete sich dann die Minne, welche sich in ihrer literarischen Entwicklung jedoch auf die Liebe zu einem Weib spezialisierte. Damit wurde die Minne zu einer rein höfisch-ritterlichen Lyrikform, wobei es auch hier zu Konkurrenzkämpfen wie bei der Sangspruchdichtung kam. Diese fanden allerdings nicht zwischen zwei Gruppen Vortragender statt, sondern als Teil des ritterlichen Turniers, um die Gunst der Königstochter zu erhalten, was nach dem Autorenduo einen großen Einfluss auf die Stellung des Gewinners oder Verlierers des Zweikampfes hatte. (vgl. ebd., S. 37) So könnte man auch schlussfolgern, dass die Sangspruchdichtung, aufgrund der sie ausübenden fahrenden Referenten, welche mit der Gunst ihres Publikums Geld verdienten, einen eher kommerziellen Hintergrund hatte, wohingegen die Minne als fester Bestandteil der intellektuellen Bildung und als Maßstab für gesellschaftliches Ansehen galt.

Literarisch könnte man festhalten, dass unter die Spruchdichtung alle Lyrikarten des Mittelalters fallen, die inhaltlich nichts mit der Liebeslyrik der Minne zu tun haben, sondern ethische, gesellschaftliche und persönlichkeitsnahe Thematiken behandeln, beispielsweise die Totenklagen, Adelspreisungen oder –klagen, weltliche und kirchliche Gegenstände bis hin zu den Heldenepen des Spätmittelalters. Die historischen Entstehung und Ausbreitung der beiden Formen werden im nächsten Abschnitt genauer untersucht.

2. 2. Entstehung und Verbreitung

Wie viele andere Bereiche des Mittelalters hat auch das literarische Kulturgut seinen Ursprung in Frankreich. Wie dieses Land, das zu Beginn des 10. Jahrhunderts noch in viele Fürstentümer zersplittert war, den Grundstein für das geistige Schaffen der damaligen Zeit legen konnte, begründet Leopold Génicot in seinem Werk „Das Mittelalter“ durch die Vereinigung der Kleinststaaten zu einem zentral geführten Staat:

„Sie schaffen dadurch eine Reichsmitte, Paris, der von nun an die lebendigen Kräfte des ganzen Landes ja des gesamten Abendlandes zustreben und wo daher die verschiedensten Begabungen und mannigfaltigsten Gestaltungen zusammentreffen und miteinander verschmelzen.“ (Génicot 1950, S. 262)

Durch diesen „geistigen Sammelpunkt der mittelalterlichen Kunst“ (ebd., S. 262) wird das literarische und musikalische Schaffen des gesamten Landes vorangetrieben und so kam es Anfang des 12. Jahrhunderts in Südfrankreich zu ersten dichterischen Zusammenschlüssen, genannt die Troubardours. Sie waren die ersten Sangspruchdichter, die vor allem dadurch revolutionierten, dass sie anstatt in Latein auf Provenzalisch schrieben und rezitierten, wodurch sie als Vorfahren oder Ursprung der deutschsprachigen Minnesänger einzuordnen sind. Génicot beschreibt dieses Aufblühen einer völlig neuen Lyrik wie folgt: „Ungezwungenheit des Stils, klarer Aufbau, Fülle der Sprache, Sinn für den Rhythmus im Satz und für die Musik der Verse, eine Einfachheit, die sich vom Zuviel des Gekünstelten fernhält – all dies deutet auf Schriftsteller beachtlicher Begabung hin [..]“ (ebd., S 268) So war es evident, dass sich die Sangspruchdichtung über ganz Frankreich ausbreitete. Im Norden nannten sich die Troubardours zu jener Zeit Trouvères, um sich von der Nutzung des Dialekts „okzitanischer Koin“ (Böttcher und Geerdts 1981, S. 37) klar abzugrenzen und die Verwendung ihrer eigenen Dialektarten, wie dem Wallonischen, Ausdruck zu verleihen. Später überschritten sie den Rhein und erreichten somit auch die deutschen Gefilde.

Hierzulande gab es, im Gegensatz zu Frankreich, eine klare Einteilung des historischen Verlaufs der gesungenen Lyrik in drei Phasen: Die erste Phase „Minnesangs Frühling“, die klassische Phase, sowie die Spätphase. (vgl. Böttcher und Geerdts 1981, S. 39) In der ersten Phase, welche den Anfang bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts umfasst, kam es zur Herausbildung zweier geografischer Zentren der Sangspruchdichtung und des anfänglichen Minnesangs: dem Donauländischen und dem Rheinländischen. Dabei übte nach den Autoren Kurt Böttcher und Hans Jürgen Geerdts die Donaugruppe, zu welcher die Grafen Meinloh von Sevelingen und Dietmar von Aist gehörten, eine recht volksliedhafte Lyrik aus, bei der es um eine naturhafte, handfeste Liebe ging, in der vor allem die Frau begehrende Aktivitäten übernahm. (vgl. Böttcher und Geerdts 1981, S. 40) Da bei dieser Gruppierung jedoch nichts von der Hochstilisierung des Frauenbildes zu spüren war, konnte von Minne im eigentlichen Sinne zu dieser Zeit noch nicht gesprochen werden. Aber auch die rheinländische Lyrik war, nach den Autoren, weniger auf die Liebesthematik geprägt als viel mehr auf die Vagantenlyrik ihrer Vorbilder, der nordfranzösischen Trouvères. (vgl. ebd., S. 41) Der Hauptvertreter ist Heinrich von Veldeke und er pflegte eine Sangspruchdichtung, in der vor allem der Frohsinn und das Naturbild thematisiert wurden. Dies stellt einen klaren Gegensatz zur frühen französischen Vagantenlyrik dar, in der vor allem Klage und Trauer über ein unerfülltes Leben Ausdruck fanden. Im Zuge der klassischen Phase, welche sich vom Ende des 12 Jahrhunderts bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts erstreckte, kam es zur Herausbildung der Liebesthematik und damit zur Entstehung der eigentlichen Minne. In der Ausdrucksweise der Liebesliteratur fällt dem Autor Génicot ein bemerkenswerter Unterschied zwischen den deutschen, wie auch den französischen Gebieten auf:

„Früher schon hatten sich die scharfen Unterschiede zwischen Norden und Süden auf dem Gebiet der Literatur in der Volkssprache durch den Anklang ausgedrückt, den hier das Epos und dort die lyrische Dichtung fand. Sie tritt uns besonders in dem Bilde entgegen, das der Dichter von der Liebe entwirft, die hier als derb und hemmungslos zustoßender Trieb, dort als hochgezüchtete Blüte des Gefühls erscheint.“ (Génicot 1950, S. 269)

Die Verwendung der Volkssprachen, wie im deutschen Raum das Mittelhochdeutsche, ist ein sehr wichtiger Punkt für den großen Erfolg sowohl der Minne als auch der Sangspruchdichtung. Zu deren Nutzung wurden die hiesigen Literaten hauptsächlich dadurch ermutigt, dass auch im Nachbarland die einzelnen französischen Dialekte in der Dichtung großen Anklang fanden. Leopold Génicot belegt dies wie folgt:

„Auch hier haben die Nationalsprachen an Feinheit und Treffsicherheit des Ausdrucks gewonnen, und oft, in Nachahmung von Frankreichs provenzalischem, romanhaften, satirischen und antikisierendem Stil, mitunter auch in die Erschließung eigenen Kunstvermögens, haben die Nationalliteraturen sich hier rasch entfaltet. Überall im Abendland geht der Zug der Entwicklung dahin, dem Lateinischen nur noch als Sprache der Kirche und Wissenschaft einen Platz zu belassen.“ (ebd., S. 277)

Durch die stilistische Verfeinerung der eigenen Sprache kam es zu einer gewissen literarischen Vereinheitlichung der Lyrik und damit bildeten sich auch die charakteristischen Merkmale des Minnesangs heraus, wie die Einleitung durch Naturdarstellungen, die konsequente Nutzung der Ich-Form des lyrischen Ichs beziehungsweise der Wechselgesang zwischen dem werbenden Mann und der angebeteten Frau. Bei diesem Ideal spricht man auch von der Hohen Minne, welche sich dadurch auszeichnete, dass sie hauptsächlich von Adligen oder Angehörigen des Ritterstandes praktiziert wurde (als Teil der ritterlichen Ausbildung) bzw. eine hochstilisierte Form von Liebe vertrat, bei der es nicht um fleischliche Genüsse, sondern vorwiegend um eine platonische Liebe zwischen zwei Menschen oder eines Menschen zu Gott ging. (vgl. Böttcher und Geerdts 1981, S. 40) Im Gegensatz dazu blieb die Sangspruchdichtung weiterhin in den Händen des Fahrenden Volkes, welches in Städten oder an Höfen auftrat und in Abhängigkeit von adligen Gönnern lebte. Ihr dichterischer Schwerpunkt lag in der Vermittlung ethisch-moralischer Normen, wie einem tugendhaften Leben, im Einklang mit Gott und der Welt zu sein, sowie Weisheit und Kunst zu schätzen und zu praktizieren. (vgl. ebd., S. 41) Ein Minnesänger, der die Thematik der Sangspruchdichtung häufig in die Minne überführte und durch seine Bagatellisierung der Liebesthematik die Niedrige Minne prägte, ist Walther von der Vogelweide. Dabei ist zu beachten, dass diese Einteilung in Hohe und Niedrige Minne zu jener Zeit nicht existierte und erst durch Literaturforscher in der Romantik geprägt wurde. Walther postulierte in seinen Texten die begehrenswerte Liebe, welche zu jener Zeit aufgrund der kirchlichen Dogmatik als Tabuthema galt, und ist somit als Schöpfer der Werbe- oder Mädchenlieder bekannt geworden. Aber auch er vermischte die politisch-gesellschaftlichen Bereiche der Sangspruchdichtung mit der Liebeslyrik, um die bewegenden Tagesereignisse zum Ausdruck zu bringen. Somit beschritt er eine neue Formstufe des Minnegesangs, die im späteren Verlauf noch einmal angesprochen wird.

Mit Walther von der Vogelweide ist zu dieser Zeit bereits der Höhepunkt der feudalhöfischen Lyrik erreicht und es kam ab der Mitte des 13. Jahrhunderts zur Endphase der Minne. Vor allem Vortragende wie der bayrische Ministeriale Neithart von Reuenthal trugen einen großen Teil dazu bei, indem sie anfingen die Liebeslyrik im Sinne der Vollziehung des Geschlechtsaktes zu parodisieren. Hierfür nutzte er hauptsächlich die lyrische Umgebung der einfachen Bauernschaft anstelle des fürstlichen oder königlichen Hofes und kehrte die konventionelle Rollenverteilung des Minnesangs um, indem das lüsterne Bauernmädchen versucht die Männer zu verführen. (vgl. ebd., S. 41) Jedoch darf an dieser Stelle nicht die Auffassung entstehen, dass die Minne der Spätphase antifeudalen Charakter besäße, denn diese wird auch von Böttcher und Geerdts widersprochen: „Die feudal-kulturelle Minneidee wird in Frage gestellt, doch die bäuerliche Welt erscheint keineswegs als positive Gegenexistenz; sie wird vielmehr ironisch akzentuiert und gleichfalls abgewertet.“ (ebd., S. 46) Dieser Sittenverfall in den Gedichten markiert das Ende der mittelalterlichen Minnelyrik. Die Sangspruchdichtung hingegen hatte noch eine Weile Bestand, verschmolz aber immer weiter mit der Gattung der Großepen im Spätmittelalter. (vgl. ebd., S. 47) Doch die Erhaltung der reichhaltigen Sammlung an Sangesstücken über die Jahrhunderte hinweg soll im Folgenden noch genauer thematisiert werden.

2. 3. Erhalt und Überlieferung der Texte

Der Codex Manesse, aus welchem das Eingangszitat entnommen wurde, stellt die größte Sammlung an mittelalterlichen Sangspruch- und Minnegedichten dar. In der Bibliothek der Heidelberger Universität steht dazu geschrieben, dass er 1300 bis 1340 in Zürich gefertigt wurde und sein ältester Text bis ins Jahre 1150 zurück reicht, wodurch diese Sammlung den ältesten erhaltenen deutschen Text besitzt. (Universitätsbibliothek Heidelberg) Insgesamt enthält der Codex handschriftliche Aufzeichnungen von 140 verschiedenen Dichtern (u. a. Walther von der Vogelweide, Reinmar der Alte, etc.), über die man in der Bibliothek weiterhin lesen kann:

„Berühmt wurde die Handschrift vor allem durch ihre farbenprächtigen, ganzseitigen Miniaturen, die den Strophen von 137 der Sänger vorangestellt sind (eine weitere, die keinem Dichter zugeordnet werden kann, ist nur bis zur Federzeichnung gediehen). Die Miniaturen zeigen die Dichter in idealisierter Form bei höfischen Aktivitäten und gelten als bedeutendes Dokument oberrheinischer gotischer Buchmalerei.“ (ebd.)

Weiterhin gibt es noch kleine Textsammlungen, beispielsweise die Jenaer oder Würzburger Liedhandschriften, die für die Überlieferung der Texte äußerst wichtig waren. Jedoch geriet der musikalische Aspekt, welcher die gesungenen Vorträge der mittelalterlichen Zeit so besonders machte, durch die schriftlichen Aufzeichnungen völlig in Vergessenheit. Zwar wird sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wieder intensiv mit der mittelalterlichen Literatur auseinander gesetzt, jedoch kommt es zum gesungenen Vortrag und damit zur Überlieferung im eigentlichen Sinne in Deutschland erst wieder seit den 70er Jahren des 20 Jahrhunderts, als die ersten Gründungen mittelalterlicher Spielmannsvereinigungen stattfanden. Allerdings ist auch hier zu beachten, dass eher von Interpretationen der Lieder gesprochen werden muss, da von zeitgenössischem Melodiematerial, in welchem der Gesang durch Neumen und Kontrafakturen dargestellt wurde, nur Bruchteile erhalten sind beziehungsweise, die Minnelieder gänzlich ohne diese Notationen überliefert wurden.

Zusammenfassung: Hinsichtlich ihrer Begrifflichkeit unterscheiden sich Sangspruchgedicht und Minnelied vor allem durch ihre Themenverarbeitung. Dabei befasst sich das Minnelied, als Teil der höfisch-ritterlichen Kulturerziehung, besonders mit der Liebesproblematik und damit einhergehend mit dem Werben um eine unerreichbar scheinende Frau. Das Sangspruchgedicht hingegen verarbeitet ethische Themenkomplexe und bisweilen bezieht es sogar politisch Stellung, wodurch der Dichter den Menschen einen rechten und moralischen Lebensweg aufzeigen will. Historisch ist die Dreiteilung der Epochen in „Minnesangs Frühling“, also der Entstehungsphase des Minnesangs sowie auch der Sangspruchdichtung in Deutschland, der klassischen Hochphase der Formen, sowie der Spätphase im 13. Jahrhundert zu beachten. In ihren unterschiedlichen Entwicklungsphasen kommt es zur Herausbildung des klassischen Formaufbaus der Minne, wie auch zu inhaltlichen Differenzierungen und somit zur Entstehung der, erst später definierten, Hohen und Niederen Minne. Die Sangspruchdichtung hingegen bleibt fester Bestandteil des fahrenden Volkes und ist, aufgrund ihrer erzieherischen Funktion, in ihrem Aufbau und der Themenverarbeitung viel komplexer gegliedert. Den Erhalt der umfangreichen Sammlung hat man Werken, wie dem Codex Manesse oder den kleinen Heidelberger Liedhandschriften zu verdanken, welche in kunstvoller Weise das Lyrikreportoir des Mittelalters überliefern und somit das Aufstreben der mittelalterlichen Literaturforschung im 18. Jahrhundert begünstigten.

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Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die Unterschiede der philosophisch-ethischen Motive von Minnesang und Sangspruchdichtung
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Praktische Philosophie)
Veranstaltung
Musik und Philosophie
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
32
Katalognummer
V198908
ISBN (eBook)
9783656253969
ISBN (Buch)
9783656255765
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterschiede, motive, minnesang, sangspruchdichtung
Arbeit zitieren
Kirsten Vetter (Autor), 2011, Die Unterschiede der philosophisch-ethischen Motive von Minnesang und Sangspruchdichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198908

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