Wenn man bedenkt das… … in einer Minute mehrere Millionen von US-Dollar für die Rüstung der Armeen dieser Welt ausgegeben werden und jede Stunde so viele Kinder sterben, wie manch mittleres Dorf an Einwohnern hat.
… es jeden Tag eine Tier- oder Pflanzenart weniger auf unserem blauen Planeten zu bewundert gibt und es in den 80er Jahren so viele Verfolgungen, Folterungen oder sonstige menschenunwürdigen, willkürlichen und zu verachtenden Maßnahmen durch verbrecherische, rückständige Regime kam wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit (sieht man einmal von der Zeit des durch Nazideutschland verursachten 2. Weltkrieg ab). …die Schulden der Dritten Welt jeden Monat um gigantische 7,5 Milliarden Dollar anwachsen und so den Berg der schon bestehenden Schulden in eine utopische Höhe treiben. …die jährliche Fläche an abgeholzten Regenwald entspricht der Fläche, die ¾ mal so groß ist wie das Land Korea.1
Sicherlich sind diese Punkte nur ein kleiner Teil von Gründen, die einer allgemein gültigen Ethik, so etwas wie die Retterrolle aus dem weltweiten Dilemma zuschreiben. Dennoch kann man die Frage nach dem Weltethos nicht ohne einen Blick in die noch nicht allzu ferne Vergangenheit beantworten. So muss doch eine fundamentale Frage lauten: Wie konnte es soweit kommen? Oder etwas anders gefragt, hat die Menschheit versäumt die Weichen in eine andere, gar bessere Zukunft zu stellen?
Inhaltsverzeichnis
1. Wieso ein globales Ethos?
1.1 Von der Moderne zur Post-Moderne
1.2 Das Jahr 1918
1.3 Vergebene Chancen
2. Wozu eigentlich Ethik?
2.1 Gut und Böse
2.1.1 Das Böse
2.1.2 Das Gute
2.2 Ethik und Demokratie
2.3 Ethik und die Zukunft
2.4 Der Faktor Mensch
2.5 Keine Weltordnung ohne Weltethos
3. Moral ohne Religion
4. Der Status Quo
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit eines globalen Ethos angesichts aktueller weltpolitischer Krisen und des Übergangs von der Moderne zur Post-Moderne. Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob und wie eine allgemeingültige Ethik als Grundlage für eine friedlichere Zukunft und eine gerechtere Weltordnung dienen kann.
- Historische Betrachtung der "welthistorischen Wasserscheide" von 1918.
- Ethische Reflexion über das Spannungsfeld von Gut und Böse in der Gesellschaft.
- Analyse der Rolle von Religion und Moral in einem pluralistischen Weltbild.
- Zusammenhang zwischen demokratischen Werten, Verantwortungsethik und Weltethos.
Auszug aus dem Buch
1.2 Das Jahr 1918
Mit dem Ende ersten global verbreiteten Krieges, der mit dem Zusammenbruch des alteingesessenen bürgerlichen Systems und der eurozentrischen Weltanschauung endete, fand der „grundlegende Einbruch der Moderne“4 statt. War Europa, in dessen 1000jähriger Geschichte das deutsche Kaiserreich als dessen Zentrum nicht minder die Geschichte prägte, eigentlich der Mittelpunkt der Welt, so manifestierte sich jetzt eine neue Weltanschauung. Dies war die Geburtsstunde der Polyzentrik, in deren globalen Machtgefüge Amerika, Japan und auch Sowjetrussland das alte europäische Gefüge ablösten. Durch den Wegbruch der alten Wertvorstellungen und Staatsgefüge, kann man behaupten das nicht die Epoche „Post-Moderne“ wichtig ist, sonder eher die „Tatsache eines globalen Epochenumbruchs“4.
Zu diesem Zeitpunkt des Epochenübergangs hätte man die „zusammengebrochene Welt der Moderne“4 durch eine durchdachte Neuordnung in die Post-Moderne überschwappen lassen können. Man hätte ahnen können welche fatalen folgen der technische Fortschritt, nicht nur in der Kriegsführung, sondern auch im Alltagsleben haben wird. Wäre eine vernünftige Unterstützung der damaligen Friedensbewegung vorhanden gewesen, hätte man die Fehler der folgenden Kriege verhindern können. Diese Beispiele zeigen auf, das die heutige Zeit bis zu einem gewissen Maße, hätte in bessere Bahnen gelenkt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wieso ein globales Ethos?: Einleitende Analyse der globalen Krisen und die Frage, ob die Menschheit die Weichen für eine bessere Zukunft verpasst hat.
1.1 Von der Moderne zur Post-Moderne: Betrachtung des Paradigmenwechsels und die Einordnung der historischen Zäsur des Jahres 1918.
1.2 Das Jahr 1918: Analyse des Zusammenbruchs der eurozentrischen Weltanschauung und des Beginns der globalen Polyzentrik.
1.3 Vergebene Chancen: Untersuchung der versäumten Möglichkeiten einer besseren Weltordnung nach den Weltkriegen und der deutschen Wiedervereinigung.
2. Wozu eigentlich Ethik?: Grundlegende Definition und ethische Einordnung alltäglicher menschlicher Handlungen.
2.1 Gut und Böse: Differenzierung ethischer Grundkonzepte und die Frage, warum Menschen entgegen moralischer Prinzipien handeln.
2.1.1 Das Böse: Hinterfragung von Egoismus, Rassismus und technischem Missbrauch in der menschlichen Gesellschaft.
2.1.2 Das Gute: Untersuchung der Notwendigkeit von Vernunft, Rücksichtnahme und einem friedlichen Miteinander.
2.2 Ethik und Demokratie: Diskussion des Spannungsfeldes zwischen individueller Freiheit und der Pflicht eines demokratischen Staates, Menschrechte zu schützen.
2.3 Ethik und die Zukunft: Plädoyer für eine Ethik der Verantwortung nach Max Weber, die historische Zusammenhänge und die Natur miteinbezieht.
2.4 Der Faktor Mensch: Analyse der Rolle des Menschen als Hindernis bei der Etablierung eines Weltethos durch mangelnde Vernunft.
2.5 Keine Weltordnung ohne Weltethos: Kritik an einer rein gesetzlich-formalen Ordnung und Forderung nach einer moralisch vereinheitlichten Weltsicht.
3. Moral ohne Religion: Erörterung der Möglichkeit, ein autarkes Gewissen und eine Grundethik unabhängig von einer Religionszugehörigkeit zu entwickeln.
4. Der Status Quo: Kritischer Rückblick auf das Scheitern globalen Zusammenwachsens zu Beginn des neuen Jahrtausends und ein Appell zur Änderung der aktuellen Situation.
Schlüsselwörter
Globales Ethos, Weltethos, Ethik der Verantwortung, Post-Moderne, Paradigmenwechsel, Menschenrechte, Moral ohne Religion, Friedensbewegung, Polyzentrik, Verantwortungsethik, Gesinnungsethik, Demokratie, soziale Gerechtigkeit, globale Ordnung, Zukunftsethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit eines globalen Ethos, um den Herausforderungen der Post-Moderne zu begegnen und ein friedliches Zusammenleben der Menschheit zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Zäsur des Jahres 1918, das Spannungsfeld zwischen Ethik und Demokratie, die Verantwortung gegenüber der Natur sowie die Möglichkeit einer Moral ohne Religion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum eine globale ethische Grundlage notwendig ist und inwiefern der Mensch selbst durch mangelnde Vernunft und Verantwortung die Umsetzung eines solchen Weltethos erschwert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen diskursiven Ansatz, der auf geschichtswissenschaftlichen Analysen (insbesondere zum Epochenbruch 1918) und philosophischen Theorien, wie der "Verantwortungsethik" von Max Weber, basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Moderne, die Bedeutung ethischer Grundeinstellungen im Alltag, das Verhältnis von Demokratie zu Menschenrechten und die Notwendigkeit, Prävention statt Schadensverwaltung zu betreiben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Weltethos, Verantwortungsethik, Post-Moderne und globale Gerechtigkeit charakterisieren.
Warum ist laut Autor die bloße Gesetzgebung für eine Weltordnung unzureichend?
Der Autor argumentiert, dass Gesetze ohne eine gelebte moralische Grundordnung (Sitten) nicht ausreichen, da sowohl Individuen als auch Staaten dazu neigen, Vorschriften zu missachten, wenn sie ihren eigenen Interessen widersprechen.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Religion für ein zukünftiges Weltethos?
Der Autor betont, dass ein moralisches Leben auch ohne Religionszugehörigkeit möglich ist und fordert eine Verbindung von Gläubigen und Ungläubigen, um gemeinsam an einer besseren Zukunft auf Basis der Menschenrechte zu arbeiten.
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- Dipl. Sozialpädagoge (FH) Dirk Lieske (Author), 2003, Warum ist ein globales Ethos notwendig?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19891