Tourneemanagement in der Praxis - dargestellt anhand eines Beispiels aus dem semi-professionellen Bereich


Hausarbeit, 2003

25 Seiten, Note: siehe Kommentar


Leseprobe

Inhalt

I) Einleitung

II) Tourneemanagement
A) Was ist Tourneemanagment ?
B) Die Durchführung einer Tournee in der Praxis
1) Die Planungsphase
a) Das ‚Booking’
b) Logistische und technische Planung
c) Die Verträge
d) Werbung/ Promotion
2) Die Durchführung der Tournee
a) Letzte Vorbereitungen
b) ‚On Tour’
c) Die Abrechnung

III) Schlussgedanken

I) Einleitung

In dieser Hausarbeit soll dem Leser das Management von Band-Tourneen näher gebracht werden. Hierzu wird der Autor persönliche Erfahrungen wiedergeben, sowie gesammelte Informationen[1] präsentieren, die anhand eines Beispiels näher erläutert werden sollen. Bei diesem Beispiel handelt es sich um die Tourneeerlebnisse- bzw. erfahrungen der Band C*Clay, die auf semi-professioneller Ebene eigenständig mehrere Tourneen in den Jahren 2001 und 2002 organisierte.

Die 5-köpfige Combo aus Hameln im Weserbergland startete ihre Karriere 1999. Nachdem die Band im Herbst 2000 ein Studioalbum in Österreich aufgenommen hatte, ging es darum, dieses publik zu machen. Mit einer (zunächst nur) Deutschland-weiten Clubtournee im Frühjahr 2001 sollten einerseits die A&R’s der Plattenfirmen auf die Band aufmerksam werden, andererseits auch das Interesse der Öffentlichkeit auf C*Clay gezogen werden. Auf Grund des Erfolges dieser Tournee, entschloss sich die Band im Herbst 2001 eine weitere Tournee durchzuführen. Zur Unterstützung wurde diesmal eine Booking-Agentur engagiert. Da die Band mit der Zusammenarbeit, insbesondere mit der Auswahl der Venues[2] nicht zufrieden war, wurde die darauf folgende Tournee des Jahres 2002 wieder in Eigenregie veranstaltet. Diesmal wurde auch das Ausland (Österreich, Schweiz) mit einbezogen.

Kurz bevor C*Clay zum vierten Mal auf Tournee gehen wollten, mussten zwei Mitglieder die Band kurzfristig verlassen, und die Tournee wurde kurzerhand abgesagt. Mittlerweile hat sich die Band leider endgültig aufgelöst.

Da der Autor einen persönlichen Kontakt zu den ehemaligen Mitgliedern von C*Clay hegt, bot es sich an, die Band für diese Hausarbeit über ihre Tourneeerfahrungen zu befragen, und diese in die Ausführungen mit ein zu beziehen. Es zeigte sich, dass auf semi-professioneller Ebene, trotz gravierender Unterschiede hinsichtlich der Dimensionen, doch erstaunlich viele Gemeinsamkeiten im Vergleich zu Großtourneen bezüglich des Organisationsablaufes erkennbar sind. Da die Band ihre Tourneen selbst veranstaltete, wird sie in den folgenden Ausführungen sowohl als Künstler, sowie auch als Tourneeveranstalter betrachtet.

II) Tourneemanagement

A) Was ist Tourneemanagement ?

Erstaunlicherweise existiert heutzutage immer noch kein konkreter Beruf des ‚Tourneemanagers’ oder ‚Tourneeveranstalters’[3]. Obwohl er Kultur für Millionen präsentiert, und dafür hochqualifizierte, sowie sehr vielseitige Fähigkeiten benötigt, gibt es keine Lehre und kein Studium welche(s) für diesen Beruf entsprechend ausbildet. Tatsächlich hat sich mehr aus Abenteuerlust, Risikobereitschaft, Mäzenatentum und natürlich der Leidenschaft für Musik eine Branche entwickelt, die stetig wächst, und Generationen von Menschen aller Altersklassen kulturell beglückt. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte sein, dass man die eigentliche Qualifikation für diesen Beruf erst durch die Praxis erhält, und theoretische Grundlagen zwar hilfreich sein können, aber doch eher zweitrangig sind. ‚Lerning by Doing’ lautet hier das Stichwort. Ein Tourneemanager/-veranstalter bezieht sein Wissen und Können aus den Erfahrungen der Praxis, und aus dem ‚sich-in-der-Szene-bewegen’. Das Beobachten des globalen Musikmarktes, neuer Künstler und Veröffentlichungen gehört ebenso dazu, wie Konzertbesuche oder die Verfolgung der Medienlandschaft in dieser Branche. Gespräche mit den Akteuren des Musikbusiness, Agenten, Managern, Künstlern, Verlegern, Labelvertretern, Journalisten und dem Publikum können wichtige Aufschlüsse bringen, um erfolgreich Tourneen planen und durchführen zu können.

Des Weiteren ist für den Beruf des Tourneemanagers/-veranstalters eine gewisse soziale Kompetenz von Nöten, die keine Lehre, kein Studium, oder eine sonstige Ausbildung so einfach vermitteln kann. Persönliche Kontakte sind oft die Grundlage für eine Zusammenarbeit, bzw. das Zustandekommen einer Tournee, und bestimmen mitunter den Erfolg eines Unternehmens dieser Branche. Das Herstellen und Pflegen von Kontakten ist essentiell, damit sich Vertrauen zwischen den einzelnen Parteien entwickeln kann, und somit die Basis für eine Zusammenarbeit geschaffen werden kann.

Bis vor ca. 20 Jahren war der Weg hierbei noch relativ eindeutig: Künstler- Agent – (Tournee)Manager, unter Einbeziehung von Plattenfirmen und Verlegern. Heute ist der Weg diffuser und dorniger geworden, feste Strukturen lösen sich immer mehr auf. Viele Künstler managen sich selbst (zum Beispiel über das Internet) und Wirtschaftsberater und Anwälte spielen eine immer wichtigere Rolle. Die Landschaft ist unübersichtlicher geworden, und die Anforderungen an den Tourneemanager/-veranstalter in den letzten Jahren weiter angewachsen.

Im Gegensatz zu den Managern der Schallplattenindustrie hat der Tourneemanager/-veranstalter keinen Vertragsbestand, der über eine Tournee hinausgeht. Damit wird eine langfristige Planung zum Puzzlespiel und jeder Tourneemanager/-veranstalter ist nur so gut, wie sein aktuelles Künstlerangebot. Die Vergangenheit zählt wenig, und nichts welkt in dieser Branche so schnell wie der Ruhm vergangener Tage. Eine einzige schlecht gelaufene Tournee, kann das positive Image eines Unternehmens ruinieren. Diversifikation kann hier ein möglicher Ausweg sein. Musical- und Theaterproduktionen, Sport- und Entertainmentveranstaltungen, Promotionevents und Künstlermanagement weisen Auswege aus diesem Dilemma und können das unternehmerische Risiko abpuffern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es heutzutage nur noch sehr wenige Unternehmen gibt, die sich ausschließlich mit der Organisation von Tourneen befassen.

Im Folgenden soll nun das Tourneemanagement in der Praxis näher erläutert werden. Hierzu wurde eine Unterteilung in die einzelnen Phasen einer Tournee vorgenommen.

B) Die Durchführung einer Tournee in der Praxis

1) Die Planungsphase

Die Tourneeplanung ist die Phase, in der die Rahmenbedingungen für eine Tournee abgesteckt werden. Dazu gehören die Akquise des Künstlers, die Auswahl der Venues bzw. der örtlichen Veranstalter, mit denen kooperiert werden soll, und eine grobe Kalkulation des technischen Aufwandes (Logistik, Equipment, etc.), bzw. der entstehenden Kosten (Gagen, Technik, Werbung, usw.). In der Regel wird mit der Planung einer Tournee etwa ein halbes Jahr, bei Groß-Tourneen sogar bis zu einem Jahr im Voraus begonnen.

Die größte Herausforderung für den Tourneemanager ist es in dieser Phase, einen Künstler zu akquirieren, bzw. lukrative Verträge mit ihm und den örtlichen Veranstaltern auszuhandeln. Die Konkurrenz unter den Tourneeveranstaltern ist sehr groß, die Terminpläne der Künstler sehr eng, und die Gagen teilweise sehr hoch. Deshalb gestalten sich solche Verhandlungen meist sehr schwierig, und führen auch oft zu keinem Ergebnis. Im Durchschnitt wird nur etwa eine von zehn angedachten Tourneen tatsächlich durchgeführt.

a) Das ‚Booking’

Zunächst einmal muss natürlich festgelegt werden, mit welchem Künstler eine Tournee veranschlagt werden soll. Die Entstehung einer Idee für eine Tournee mit einem bestimmten Künstler hat oft unterschiedliche Hintergründe. Zum Beispiel, wenn eine Band ein neues Album veröffentlicht. Manchmal ist auch eine persönliche Vorliebe des Tourneemanagers für einen bestimmten Künstler der Beweggrund für die Aufnahme von Verhandlungen. Einen Überblick über den aktuellen Musikmarkt zu haben, ist hierbei in jedem Fall essentiell. Andererseits kann natürlich auch eine Plattenfirma der Initiator sein, weil sie aus Promotions-Zwecken eine Band, einen Sänger, etc. auf Tour schicken will. Wichtig für den Tourneeveranstalter ist hierbei immer abzuwägen, ob eine Tournee mit einer bestimmten Band erfolgreich sein könnte. Informationen über Plattenverkäufe können hierbei sehr hilfreich sein. Bei den Tourneen von C*Clay war die Intention einen höheren Bekanntheitsgrad zu erlangen, und die selbst aufgenommene CD zu promoten.

Die Verhandlungen über eine mögliche Tournee, laufen mit populären Bands eigentlich immer über einen Agenten, auf semi-professioneller Ebene, wie bei C*Clay, erledigt das oft eines der Bandmitglieder[4], oder eine Person aus dem Bekanntenkreis. Der jeweilige Verhandlungspartner nennt die Gagenforderung der Band inklusive der Produktionskosten pro Auftritt. In dieser Phase wird mit dem Künstler eine Art mündlicher Vertrag abgeschlossen, in welchem die Rahmenbedingungen nur grob vereinbart sind.

Bei den C*Clay-Tourneen sah es meistens so aus, dass der örtliche Veranstalter die Gage festlegte. Dies lag daran, dass die Band einen nicht so hohen Bekanntheitsgrad besaß, und somit eine schwache Verhandlungsbasis hatte. Die fünf Musiker konnten teilweise froh sein, überhaupt Engagements zu bekommen.

Wichtig bei C*Clay war auch noch die Frage, ob lokale Vorbands mit dazu gebucht werden sollten, um so mehr Stammpublikum zu ziehen. Diese Bands organisiert meistens der örtliche Veranstalter (auch bei größeren Tourneen). C*Clay selber wurden auch zweimal als Vorband gebucht, einmal für die Gruppe ‚Blackmail’ und einmal für die Band ‚Big Bang’, zwei deutschlandweit bekannte Combos. Die Gagen bei diesen beiden Auftritten waren zwar sehr gering, trotzdem aber waren die Bedingungen verhältnismäßig gut, da es oft so ist, dass kleinere Bands den örtlichen Veranstalter sogar bezahlen müssen, um im Vorprogramm von namhaften Gruppen spielen zu können. Außerdem hatte man die Gelegenheit mit zwei bekannten Gruppen in renommierten Venues, und vor größerem Publikum zu spielen, und so den Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

Für den Erfolg eines Konzertes ist es sehr wichtig, dass Vorbands ausgewählt werden, die stilistisch zum Hauptact passen. Hierbei sollte unbedingt Absprache mit dem örtlichen Veranstalter gehalten werden. Es ist schon oft vorgekommen, dass Fans auf Grund einer schlechten Vorband bei einem Konzert zu randalieren begannen, und somit einen erheblichen Schaden für den Veranstalter verursachten.

b) Logistische und technische Planung

Zur logistischen und technischen Planung zählen die Auswahl der Veranstaltungsorte bzw.- partner, die Erstellung eines Tourneeplans, die Organisation der Transport- und Übernachtungsmöglichkeiten für die ‚Tourenden’, und –falls notwendig- die Bereitstellung von technischem Equipment. Bei Tourneen ist oftmals ein enormer technischer Aufwand gegeben, gerade in Bezug auf die Bühnentechnik (Licht, Ton, Bühnenaufbauten, etc.). Außerdem ist eine Vielzahl von Personen (Band, Crew, Helfer, usw.) in den gesamten Ablauf involviert, weshalb eine gute Planung im Vorfeld sehr wichtig ist. Bei kleineren Tourneen, wie der von C*Clay sind viele Dinge natürlich überschaubarer, und einfacher zu planen.

[...]


[1] Quelle war hier ausschliesslich das persönliche Wissen des Autors

[2] i.e. ‘Location’, zum Beispiel Club, Halle, etc.

[3] Im Folgenden sollen beide Begrifflichkeiten als gleichbedeutend verstanden werden

[4] in diesem Fall einer der beiden Gitarristen (Christian Krämer)

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Tourneemanagement in der Praxis - dargestellt anhand eines Beispiels aus dem semi-professionellen Bereich
Hochschule
Universität Lüneburg  (Lehrstuhl für Musik)
Note
siehe Kommentar
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V19892
ISBN (eBook)
9783638239219
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit erhielt standardmäßig keine Note. In einer Nachbesprechung wurde sie mündlich mit sehr gut bewertet! Ein weiterer Punkt, der diese HA sehr wertvoll macht ist, daß es zu diesem Thema (Konzert- und Tourneemanagement) so gut wie keine wissenschaftlichen Arbeiten gibt! Die Arbeit wurde ausschließlich, basierend auf dem persönlichen Wissen und den persönlichen Erfahrungen des Autors, geschrieben. Sie enthält daher kein Literaturverzeichnis.
Schlagworte
Tourneemanagement, Praxis, Beispiels, Bereich
Arbeit zitieren
Dominik Schnölzer (Autor), 2003, Tourneemanagement in der Praxis - dargestellt anhand eines Beispiels aus dem semi-professionellen Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19892

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