Naives und Sentimentalisches im Faust


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung1

2. Begriffsklärung
2.1 Natur
2.2 Naives
2.3 Sentimentalisches

3. Analyse Goethes
3.1 Goethe als naiver Dichter
3.2 Goethe als sentimentalischer Dichter

4. Schlussfolgerung

5. Literaturverzeichnis
5.1 Primäriteratur
5.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Schillers Abhandlung Über naive und sentimentalische Dichtung stellt eine kulturphilosophische Schrift dar, welche sich mit den Begriffen des Naiven und Sentimentalischen auseinandersetzt.

In erster Linie geht es Schiller in dieser Schrift darum, die Dichtung genauer zu definieren, ihre Aufgabe in der Literatur zu erklären und ihre Auswirkung auf den Dichter und den Menschen zu deuten. Obwohl er sehr tiefgreifend in diese Thematik eingeht und einige Beispiele zur Verdeutlichung seiner Thesen benennt, bleibt es problematisch, die schillerschen Begriffe ausreichend zu differenzieren und sie auf den Dichter und seine Werke zu übertragen.

Schiller versuchte in seiner Arbeit unter anderem Goethe zu verstehen, der sich von ihm selbst sehr unterschied. Goethe bezeichnete er nämlich als naiven Dichter, sich selbst ordnete er dem Sentimentalischen zu. Zwar behauptet Schiller in seiner Abhandlung, dass ein naiver Dichtergeist im sentimentalischen Zeitalter gar nicht existieren kann, dennoch gesteht er Goethe die Eigenschaften eines naiven Dichters zu und versucht dahingehend dieses Phänomen zu erläutern und Goethe, wie auch andere Dichter in ihrem Schaffen zu analysieren.

Dies soll auch die Aufgabe dieser Seminararbeit sein, wobei auch auf Goethes Faust. Der Tragödie Erster Teil gegriffen wird. Damit wird erreicht, dass entweder bestätigt werden kann, ob Goethe tatäschlich ein naiver Dichter ist, oder ob diese These widerlegt werden muss. Um dies erreichen zu können, wird zum einen Schillers Abhandlung behandelt, wodurch das Naive und das Sentimentalische näher erläutert wird, zum anderen wird eine Charakterisierung der einzelnen Figuren und des Werks selbst erfolgen, um so auf Goethes Empfindungen und Eigenschaften schließen zu können. Das heißt, dass auch Goethe selbst in seinem Schaffen erörtert wird – es soll verstanden werden, warum gerade er als naiver Dichter empfunden wird.

2. Begriffsklärung

Friedrich Schiller war im 18. Jahrhundert Zeitgenosse einiger Aufklärer, sodass nicht verwunderlich ist, dass er auf kantische Texte gestoßen ist. Entscheidenden Einfluss auf seine Schrift hatte deshalb vor allem Kants Kritik an der Urteilskraft, auf die in dieser Seminararbeit nicht ausreichend eingegangen werden kann. Der Text Kants gab ihm, soviel sei aber erwähnt, Anregung genug, sich auf die Problematik der Abgrenzung von Naivem und Sentimentalischem einzulassen, denn auch er beschäftigte sich, ähnlich wie Schiller, mit den Begriffen der Ästhetik, der Kunst und der Natur und untersuchte verschiedene menschliche wie dichterische Empfindungsweisen.[1]

Die Begriffe naiv und sentimentalisch, mit denen Schiller die Dichtung und den Dichter selbst beschreibt, werden durch die Natur erklärt, und diese wird auch sogleich zu Beginn in Schillers Abhandlung erwähnt und gedeutet. Dementsprechend sollte auch hier zunächst von dem Begriff Natur ausgegangen werden, bevor auf die Bedeutung und die Funktion der zwei Empfindungsweisen näher eingangen werden kann.

2.1 Natur

Schillers Verständnis von Natur ist nicht das selbe, welches der heutige moderne Leser hat. Zwar begegnet ihm die Natur ebenfalls in „Pflanzen, Mineralien, Tieren, Landschaften“[2], aber er fand sie auch in der „menschlichen Natur in Kindern, den Sitten des Landvolks, und der Urwelt“[3]. Sie achtet und liebt der Dichter, weil sie reine, wahre Natur sind. Anders als für uns ist also die Natur nicht unbedingt ein rein stofflicher Gegenstand, sondern vielmehr der Zustand, in dem sich der Dichter befindet und zu befinden sucht, je nachdem ob er naiv ist oder sich zu einem sentimentalischen Dichter entwickelt hat. Dieser empfundene oder angestrebte Zustand ist „rein, frei, beständig“[4]. Der empfindende Mensch hat ein moralisches Wohlgefallen und Interesse an der Natur, da ihr „freiwillige[s] Daseyn, das Bestehen der Dinge durch sich selbst, die Existenz nach eignen und unabänderlichen Gesetzen“[5] eine Idee vermittelt. Somit entsteht kein ästhetisches Interesse an der Natur, da dieses lediglich durch die Betrachtung der Form erzeugt wird, wie es bei der Kunst der Fall ist, die absichtsvoll ein bestimmtes Ziel zu erfüllen sucht.

Damit vom moralischen Interesse gesprochen werden kann, muss die Natur naiv sein, was aber erst unter zwei Bedingungen erreicht wird: Schiller erklärt, dass ein Gegenstand erstens „Natur sei oder doch von uns dafür gehalten wird“[6] und zweitens, dass „er (in weitester Bedeutung des Worts) naiv sei“[7]. Erreicht wird dies dadurch, dass „die Natur mit der Kunst im Kontraste stehe und sie beschäme“[8], denn die „Natur [muss] Recht, die Kunst aber Unrecht haben“[9].

Wichtig ist der Begriff der Natur für beide Empfindungsweisen, sowohl für die Hinführung zum Naiven als auch zum Sentimentalischen.

2.2 Naives

Der naive Mensch steht im Einklang mit der Natur. Die Gegenstände, die der naive Mensch nachahmt und in seiner naiven Dichtung verwendet, sind immer und ausschließlich die der Natur: Er „kann also seinen Gehalt nicht verfehlen, sobald er sich nur treu an die Natur hält“[10]. Er lebt in Harmonie mit ihr, ist mit ihr eins, empfindet sich selbst als Natur, da er sie von sich selbst nicht unterscheiden kann. Diese Eigenschaft ist auch bei Kindern zu finden, die sich selbst nicht als Teil der Natur verstehen, sondern sich als Naturganzes betrachten. Bewusst sind sie sich dessen nicht, da sie den Unterscheid nicht kennen. Diese Eigenschaft meint Schiller auch bei den Menschen der Antike erkennen zu können.

[...]


[1] Franz Burkard, Peter Kunzmann, Franz Wiedmann (2002): dtv-Atlas Philosophie. München: dtv, 145.

[2] Friedrich Schiller (o.J.): Über naive und sentimentalische Dichtung. Im Internet: http://www.wissen-im-netz.info/literatur/schiller/prosa/25-01.htm. Download vom: 2.6.2011.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Naives und Sentimentalisches im Faust
Hochschule
Univerziteta u Sarajevu
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V198985
ISBN (eBook)
9783656254027
ISBN (Buch)
9783656255031
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Schiller, Faust, Naiv, Sentimentalisch, Natur, Ueber Naive und Sentimentalische Dichtung
Arbeit zitieren
Dalila Kolasinac (Autor), 2010, Naives und Sentimentalisches im Faust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198985

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