Nach Humes Ansicht wird unser menschliches Verhalten nicht durch die Vernunft gesteuert, sondern durch Affekte und Gefühle. Dabei basiert seine Moralphilosophie auf zwei Prinzipien der subjektiven Empfindungen: Selbstliebe und Sympathie (Mitgefühl). Das diese beiden Begriffe sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern sogar bedingen, zeigt Hume im Buch III seines Werkes "Ein Traktat über die menschliche Natur" auf. Der Autor sieht in Mitgefühl die Quelle aller Wertschätzung und die Basis zur Entwicklung von Gefühlen, die für die Moral entscheidend sind.
Die Hausarbeit untersucht den Begriff des Mitgefühls als moralische Instanz bei Hume. Als Gegengewicht zur Humes Sympathieethik fließt die Kritik von Max Scheler mit ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriffsklärung: Affekte
1.2 Begriffsklärung: Mitgefühl
2. Mitgefühl als Basis von moralischen Gefühlen
2.1 Mitgefühl als gesellschaftlicher Vorteil
2.2 Mitleid – Mitgefühl
2.3. Unterscheidung von Fremden und Nahestehenden
2.4 Sympathie bei Tieren
3. Schelers Kritik an der Sympathieethik
4. Fazit: Die Sympathie als Voraussetzung für moralisches Handeln
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff des Mitgefühls bei David Hume und analysiert die Rolle der Sympathie als fundamentale Voraussetzung für ethisches Handeln. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit Humes Konzept der Sympathie als Basis einer tragfähigen Moralphilosophie dienen kann, und dieses mit der Kritik von Max Scheler konfrontiert.
- David Humes anthropologisches Konzept von Affekten und Gefühlen
- Die Funktion der Sympathie als moralischer und gesellschaftlicher Regulierungsfaktor
- Unterscheidung und Zusammenhänge zwischen Mitgefühl, Mitleid und Sympathie
- Max Schelers erkenntnistheoretische und ethische Kritik an der Sympathieethik
- Die Relevanz des Mitgefühls für das soziale Zusammenleben in der Gegenwart
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
David Hume vertrat die Meinung, dass unser menschliches Verhalten nicht durch die Vernunft, sondern durch Affekte und Gefühle gesteuert wird. Dabei sind diese Gefühle besonders stark, wenn sie sich auf die Person selber beziehen oder auf ihn Nahestehende. Diese Punkte müssen bei der Erarbeitung einer Ethik beachtet werden. In seinem Werk mit dem Titel: „Ein Traktat über die menschliche Natur“ stellt er ein anthropologisches Konzept auf. Nur durch eine empirische Untersuchung kann man die menschliche Selbstwahrnehmung erkennen: Man sollte sich auf Erfahrungen und Beobachtungen stützen.
Das „Traktat“ unterteilt sich in 3 Bücher, wobei Hume im „Vorwort zu Buch III“ betont, dass es für das Verständnis nicht nötig ist, die beiden vorangegangenen Bücher zu lesen. Aus diesem Grund werden ich auf Buch I und II nicht im Besonderen eingehen. In „Buch III: Über Moral“ beschäftig sich Hume mit Gefühlsregungen, da diese den Verstand neben den Affekte steuern. Diese Moralphilosophie basiert auf zwei Prinzipien der subjektiven Empfindungen: Selbstliebe und Sympathie. Die Sympathie verwendet Hume auch als ein Synonym für Mitgefühl und mit seinem Verständnis von diesem Gefühl will ich mich in der vorliegenden Hausarbeit auseinandersetzen. Hume sieht im Mitgefühl „die Quelle aller Wertschätzungen“ (S. 331) und allein diese Aussage bekräftig mich darin, dass man diesen, beim Lesen schnell übergangenen Begriff, etwas genau betrachten sollte.
Auf den ersten Blick erscheint es schwierig die Begriffe Selbstliebe und Mitgefühl miteinander in Beziehung zu setzen und man denkt, dass diese sich eigentlich gegenseitig negieren. Aber gegenseitiges Mitgefühl und Wohlwollen sind empirische Wahrnehmungen, die auf eigene Erfahrungen beruhen und mit einer gesunden Selbstliebe verbunden sind. Durch das Hineinfühlen in andere wird es dem Menschen auch ermöglicht, sich selbst zu erkennen. Aber das Mitgefühl sollte nicht in Altruismus enden. Diese Selbstlosigkeit trennt mich von meinen natürlichen Drang der Selbstbezogenheit und gibt dem andern das Gefühl von Nutzlosigkeit. Es würde auch Humes Auffassung widersprechen, dass Gefühle dann besonders stark sind, wenn sie sich auf die Person selber beziehen: Ich handle dann nicht mehr für mich selbst, sondern nur noch für andere.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Humes Konzept der Affektsteuerung und die zentrale Rolle der Sympathie als Quelle moralischer Wertschätzung.
2. Mitgefühl als Basis von moralischen Gefühlen: Analyse der gesellschaftlichen Funktion von Sympathie und der Differenzierung zwischen Mitgefühl, Mitleid und der Beziehung zu Fremden versus Nahestehenden.
3. Schelers Kritik an der Sympathieethik: Darstellung der philosophischen Einwände Schelers, insbesondere der Unterscheidung zwischen Gefühlsansteckung und echtem moralischen Verständnis.
4. Fazit: Die Sympathie als Voraussetzung für moralisches Handeln: Kritische Reflexion über die Anwendbarkeit der Sympathieethik im Kontext menschlicher Selbstbezogenheit und heutiger Entfremdungsprozesse.
Schlüsselwörter
David Hume, Mitgefühl, Sympathie, Moralphilosophie, Affekte, Max Scheler, Mitleid, Selbstliebe, Ethisches Handeln, Sozialethik, Moral Sense, Zwischenmenschliche Beziehungen, Empirische Untersuchung, Wertschätzung, Naturzustand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht David Humes Auffassung, dass nicht die Vernunft, sondern Affekte und Gefühle – insbesondere das Mitgefühl – die Grundlagen für unser moralisches Verhalten bilden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die psychologischen Grundlagen bei Hume, die Rolle der Sympathie für das gesellschaftliche Zusammenleben und die erkenntnistheoretische Kritik durch Max Scheler.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Funktion der Sympathie bei Hume zu erläutern und zu bewerten, ob sie eine tragfähige Basis für moralisches Handeln in einer von Selbstinteresse geprägten Welt darstellen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse philosophischer Primärtexte, insbesondere David Humes „Traktat über die menschliche Natur“, sowie die Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur zu Max Scheler.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Sympathie als gesellschaftlicher Vorteil wirkt, differenziert Mitleid von Mitgefühl und untersucht, wie der Grad der persönlichen Bekanntschaft die Intensität der moralischen Anteilnahme beeinflusst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sympathie, Mitgefühl, Hume, Scheler, Selbstliebe und moralische Gefühle bestimmt.
Warum unterscheidet Hume zwischen direkten und indirekten Affekten?
Hume unterscheidet diese, um zu verdeutlichen, wie menschliche Gefühle entstehen: Direkte Affekte entspringen unmittelbar aus Gut oder Übel, während indirekte Affekte komplexere, auf die Person bezogene psychologische Prozesse beinhalten.
Wie begründet Scheler seine Kritik an der Sympathieethik?
Scheler argumentiert, dass Mitgefühl oft nur ein Nachempfinden bereits erlebter Gefühle ist und somit keinen eigenständigen Erkenntniswert oder eine sittliche Handlung aus sich heraus begründen kann.
- Citation du texte
- Miriam Bauer (Auteur), 2006, Der Begriff des Mitgefühls bei Hume, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199012