Der Begriff der Intuition in Rene Descartes "Regulae as directionem ingenii"


Hausarbeit, 2006

12 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Intuitionsbegriff bei Descartes
2.1. Descartes Definition des Intuitionsbegriff
2.1.1 Deduktion
2.2 Die Intuition von einfachsten Naturen
2.3 Das Verhältnis von Ordnung und Aufzählung zur Intuition
2.4 Ein Beispiel für Intuition

3. Fazit: Ist Erkenntnis transzendent?

4. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Descartes ist ein Vertreter des Methodengedankens, nicht Einzelerkenntnis sondern Prinzipienforschung stehen im Mittelpunkt. Er fordert ein Universalverfahren für jegliche Art der Erkenntnis und somit die Beschreibung von festen Regeln – Regeln zur Lenkung des Geistes. Nur so kann die Frage nach der Gewissheit von Wahrheit gestellt werden. Die menschliche Vernunft kann sich nur als einheitlich erweisen, wenn sie eine einheitliche Methode verfolgt. In den Regulae entwirft Descartes eine Methode um zu sicherer Erkenntnis in allen wissenschaftlichen Gegenstands-gebieten zu gelangen. Descartes begann sein erstes großes Werk „Regulae ad directionem ingenii“ 1619 und beendete es nach einigen eigenständigen Überarbeitungen wahrscheinlich 1628/29[1]. Nach Gäbe war die letzte Redaktion der Regulae im Herbst 1628[2]. Da Descartes sich vor Verwicklungen und Häresie-verdacht schützen wollte, wurde die Schrift erst 1701 publiziert. Dennoch blieben die Regeln unvollendet. Von den geplanten 36 Regeln stellte Descartes nur 21 auf, wobei die Regeln 19-21 nur aus der Überschrift bestehen und nicht ausformuliert wurden.

Die Schrift teilt sich in drei Hauptteile mit je 12 Regeln[3]:

1.Teil: Regel 1-12

Darstellung allgemeiner Prinzipien der Methode

2.Teil: Regel 13-24

wesentliche Beschreibung der Methode der Mathematik

3.Teil 25-36

wesentliche Beschreibung der Methode der empirischen Wissenschaft

Daraus ist erkennbar, dass nur der erste Teil vollständig ausgearbeitet wurde, der zweite Teil ist unvollständig und der letzte fehlt komplett. In den ersten vier Regeln ist eine allgemeine Einleitung erkennbar, wobei in Regel 2 das Ziel aller wissenschaftlichen Tätigkeit genannt: zuverlässige und evidente Erkenntnis (certa et indubitata cognitio)[4]. Die Überschreibung der vierten Regel fordert eine Methode (methodus) zur wissenschaftlichen Forschung[5] und zur Erkenntnis von Dingen gelangt der Mensch nur durch Intuition (intuitus oder intuitio) und Deduktion (deductio)[6].

Diese beiden Begriffe sind für das methodische Grundgerüst der cartesianischen Wissenschaft grundlegende Prinzipien.

Thema dieser Hausarbeit soll der Intuitionsbegriff bei Descartes sein, da die Intuition die Basis zum Erkennen der Wahrheit bildet. Mit der Intuition erkennt der Mensch zweifelsfrei und die Deduktion leitet aus diesem intuitiv Erkannten ab. So fordert Descartes, dass man nur aus den einfachsten Naturen ableiten soll und diese einfachen Naturen können durch die Intuition in ihrer Wahrheit verstanden werden. Schon Themistius sagte, dass durch die Intuition die einfachen Dinge erfasst werden und sie sich folglich nicht täuschen kann, da Fehlurteile erst durch Ableitungen entstehen[7]. Darum kann die Deduktion nicht als alleiniger Weg zur Wahrheit führen, sondern bedarf der Intuition als Basis. Intuition ist die Einsicht in das Unzusammenhängende und Einfache, daraus ergibt sich auch die Aufgabe der Wissenschaft: Analysieren eines Problems, so dass es in immer einfachere Teile zerlegbar wird. Am Ende dieser Analyse stehen simple, selbsteinleuchtende Wahrheiten, die intuitiv erkannt werden. Die Klarheit und Zerlegbarkeit werden nach Descartes zu Wahrheitskriterien.

So lässt sich folgende Basismethode ableiten:

1. intuitive Gewissheit
2. Zerlegung des Problems in kleinste, einfachste Teile
3. ordentliche und möglichst vollständige Gliederung

Ein Vorbild dafür sind mathematische Aussagen, da diese evident sind und von der Sinnlichkeit unberührt ins Bewusstsein treten. Darum gelten für Descartes auch die Arithmetik und Geometrie als Ideale unter den anderen Wissenschaften[8], da nur diese beiden auf zuverlässigen und unzweifelhaften Erkannten beruhen. Descartes will eine Methode mit ebenso zuverlässigen wie leicht zu befolgenden Regeln und wer sich an diese hält, kann nichts Falsches als wahr betrachten. Das cartesianische Streben nach einer allgemeinen Wissenschaft (mathesis universalis) kommt dementsprechend zum Ausdruck, der Mensch braucht bei dieser allgemeinen Methode keine untergliederten Wissenschaften mehr. Nach Descartes sind „alle Wissenschaften nichts anderes […] als die menschliche Weisheit, die immer ein und dieselbe bleibt, auf wie viele verschiedene Gegenstände sie auch angewendet sein mag“ (Reg, AT, I, 360, 7-9). Es gibt nur eine Erkenntnis und damit auch nur eine Wissenschaft. Zugleich sind alle Wissenschaften miteinander verbunden und bedürfen wechselseitiger Förderung. Dies zeigt sich auch in Descartes Forderung nach einem allgemeinen Ziel und nicht der Blick auf das Besondere.

2. Der Intuitionsbegriff bei Descartes

Im klassischen Latein besitzt das Verb intueor den terminologische Sinn von `ansehen´ oder `betrachten´, wobei das Substantiv intuitus zusätzlich noch eine Beurteilung meinen kann. Bei diesen Wortinhalten tritt immer das Auge mit in den Blickpunkt, da ich mit ihm sehe und betrachte. Dadurch bekommt die Intuition einen empirischen Aspekt beigemischt. Trotz der Vieldeutigkeit des Begriffes, gebraucht ihn Descartes nur für die Erkenntnis einsichtiger Wahrheiten[9]. Er versteht darunter nicht die ungeklärte Sinneswahrnehmung oder das täuschende Ergebnis der Einbildungskraft, sondern die absolut unbezweifelbare, klare und deutliche Vernunftserkenntnis. Nach König gibt es drei Grundmomente, die die Intuition auszeichnen[10]: Sie wäre

1. ein `Erfassen´ von Etwas,
2. ein Erfassen mit Etwas,
3. ein Erfassen der Sache selbst.

Auch hier zeigen sich Analogien zum empirischen Sehen, wobei aber nur bei der Intuition ein geistiges Erfassen stattfindet – wir erkennen die Selbstheit des Gesehenen[11]. Die empirische Anschauung ist nur ein leeres bezogen sein. Intuition wird zu einer Form des direkten Schlusses, ein spontanes logisches Denken. Wenn der Mensch eine Intuition hat, ist er von etwas erfasst und begreift diese Sache in ihrer Gesamtheit. Die intuitive Erkenntnis wird durch eine eigentümliche Anwesenheit des Erkennten charakterisiert, d.h. der Abstand zwischen Erkenntnis und Erkannten ist in der Intuition überwunden. Dadurch wird ihr zumeist ein besonderes Maß an Sicherheit zugesprochen (Evidenz).Im Gegensatz zur Wahrnehmung und zum Verstand ist die Intuition nicht an die sinnlich erfahrbaren Phänomene gebunden.

[...]


[1] Vgl. Röd, Regulae, in Lexikon der philosophischen Werke, S.618

[2] Vgl. Einleitung, in Descartes, Regulae, S. XXII

[3] Gliederung übernommen von Gäbe, Descartes´ Selbstkritik, S.12

[4] Vgl. Descartes, Regulae, AT, II, 362, 3

[5] Vgl. ebd. AT, IV, 371, 2

[6] Vgl. ebd. AT, III, 368, 13 In Regel 2 (AT, II, 365, 2) sagt Descartes, „daß wir auf doppelten Weg zur Erkenntnis der Dinge kommen, durch Erfahrung nämlich oder durch Deduktion.“ Er scheint hier das Wort Erfahrung (experientia) analog in der Bedeutung `Intuition´ zu verwenden.

[7] Vgl. Kobusch, in Historische Wörterbuch der Philosophie, S. 526

[8] Vgl. Descartes, Regulae, AT, II, 363, 19-22

[9] Vgl. Regenbogen, Wörterbuch, S. 325

[10] Vgl. König, Intuition, S. 3

[11] Vgl. ebd. S. 4

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Begriff der Intuition in Rene Descartes "Regulae as directionem ingenii"
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Descartes, Regeln zur Ausrichtung des Verstandes
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V199019
ISBN (eBook)
9783656254126
ISBN (Buch)
9783656255932
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
begriff, intuition, rene, descartes, regulae
Arbeit zitieren
Miriam Bauer (Autor), 2006, Der Begriff der Intuition in Rene Descartes "Regulae as directionem ingenii", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199019

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