Einleitend ist zunächst einmal zu erläutern, was überhaupt unter Kompensationsstrategien zu verstehen ist.
Kompensationsstrategien sind ein Mittel, um die Lücke zu füllen zwischen der Sprachfertigkeit, die ein Sprecher hat und dem, was er ausdrücken möchte. Der Grad seines Erfolgs hinsichtlich der Benutzung von Kompensationsstrategien gibt Auskunft über seine kommunikative Kompetenz. Folglich ist die kommunikative Kompetenz umso besser, je mehr die gesendete Nachricht dem beabsichtigten Sinn des Sprechers entspricht bzw. sich annähert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Reduktionsmittel
2.1 Formale Reduktion
2.2 Funktionale oder semantische Reduktion
3. Produktive Mittel
3.1 Kompensationsmittel, die auf der Erstsprache basieren
3.2 Mittel, die auf der Zweitsprache basieren
3.3 Paralinguistische Mittel
3.4 Kooperative Mittel
3.5 Allgemeine Vereinfachung
3.6 Wörtliche Übersetzung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kompensationsstrategien, die zweisprachige Jugendliche in Situationen anwenden, in denen ihre linguistischen Fähigkeiten zur präzisen Artikulation nicht ausreichen. Dabei wird analysiert, wie diese Sprecher Sprachdefizite durch verschiedene Strategien ausgleichen, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten.
- Definition und Funktion von Kompensationsstrategien
- Klassifizierung in Reduktions- und produktive Mittel
- Einfluss von soziokulturellen Faktoren auf die kommunikative Kompetenz
- Analyse sprachwissenschaftlicher Phänomene wie Interlanguage
- Empirische Beispiele durch spanisch-deutsche Sprachdaten
Auszug aus dem Buch
Reduktionsmittel
Hierzu zählt man erstens die formale Reduktion, die sich auf die Vereinfachung der Phonetik, Morphologie, Syntax oder Lexik bezieht. So ist es beispielsweise bei der syntaktischen Vereinfachung so, dass Formen vernachlässigt werden können oder durch alternative Regeln ersetzt werden, die Sprecher zum Beispiel die passive Form nicht verwenden und anstelle dieser die aktive Form benutzen. Die lexikalische Vereinfachung besteht darin, dass man bestimmte Themen vermeidet oder Alternativlösungen wie die Paraphrase verwendet.
Belegen kann man die formale Reduktion damit, dass die im Interview befragten Personen bezüglich der Frage, ob sie mehr auf deutsch gesagt hätten als auf spanisch folgendes antworteten: "Spanisch spreche ich schon+aber mehr das einfach Spanisch+ich hätte das auf bestimmt auf deutsch anders erklärt oder anders erzählt als auf spanisch (...) ich distanziere mich davon (von allem Spanischen) + weil ich mich eben nicht so entfalten kann+wie ich mich auf deutsch entfalte". Dies zeigt, dass die befragten Personen bestimmte Themen vermieden oder ihre Aussagen vereinfacht haben aufgrund der mangelnden linguistischen Fähigkeit.
Zweitens muss man die funktionale oder semantische Reduktion nennen. Hierbei reduziert man die Kommunikationsabsichten, lässt sie aber nicht ganz fallen. Man unterscheidet sie in drei Subkategorien: die Taktik, einige Themen zu vermeiden ("topic avoidance"), die Nachricht aufzugeben ("message abandonment") oder den Sinn auszuwechseln ("meaning replacement"), dass heißt, der Sprecher wechselt nicht das Thema, sondern hält seine Aussagen allgemeiner, da ihm die spezifischen Ausdrücke fehlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Kompensationsstrategien und stellt den Zusammenhang zur kommunikativen Kompetenz von Immigranten der zweiten Generation dar.
2. Reduktionsmittel: Hier werden Strategien behandelt, die darauf abzielen, Komplexität zu verringern, indem entweder die Sprache formal vereinfacht oder die kommunikative Absicht eingeschränkt wird.
3. Produktive Mittel: Dieses Kapitel klassifiziert aktive Strategien wie Sprachwechsel, semantische Annäherung, paralinguistische Hilfsmittel sowie allgemeine Vereinfachungen, die zur Problemlösung in der Zweitsprache dienen.
Schlüsselwörter
Kompensationsstrategien, kommunikative Kompetenz, Interlanguage, Zweitspracherwerb, Reduktionsmittel, produktive Mittel, formale Reduktion, semantische Reduktion, Sprachwechsel, paralinguistische Mittel, Diglossie, Soziolinguistik, Sprachdefizite, Spracherwerbsprozess, Sprachdidaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Strategien, die zweisprachige Sprecher nutzen, um sprachliche Lücken bei der Verwendung ihrer Zweitsprache (hier Spanisch/Deutsch) zu überbrücken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Analyse von Reduktionsstrategien (Vermeidung) und produktiven Strategien (Ersatzmittel), eingebettet in soziolinguistische Kontexte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Mechanismen zu geben, die zweisprachige Jugendliche einsetzen, um trotz mangelnder Sprachkenntnisse erfolgreich zu kommunizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive linguistische Analyse, die auf Interviews mit jungen Immigranten basiert, um konkrete Sprachbeispiele und Strategien zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale und funktionale Reduktion sowie in produktive Mittel, die nach ihrem Bezug auf Erst- oder Zweitsprache kategorisiert sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kompensationsstrategien, Interlanguage, kommunikative Kompetenz, Reduktionsmittel und produktive Mittel sind die tragenden Begriffe der Arbeit.
Was ist der Unterschied zwischen "achievement" und "avoidance" Strategien?
"Achievement strategies" versuchen das Problem aktiv durch Umschreibungen oder Wortschöpfungen zu lösen, während "avoidance strategies" das Problem durch Themenvermeidung umgehen.
Warum spielt die Erstsprache eine Rolle bei den Kompensationsstrategien?
Die Erstsprache dient oft als Ressource, etwa durch Sprachwechsel (Code-Switching) oder als Basis für Lehnübersetzungen, wenn Begriffe in der Zielsprache fehlen.
- Quote paper
- Christina Müller (Author), 2008, "Kompensationsstrategien zum Ausgleich linguistischer Defizite bei zweisprachigen Sprechern- Überblick über die dabei verwendeten Strategien und spanische Beispiele“., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199052