Die "innere Bühne" - Ein imaginatives Verfahren im Coaching


Examensarbeit, 2010

55 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „innere Bühne“ als imaginatives Verfahren
2.1 NLP
2.2 Repräsentationssysteme
2.2.1 Den eigenen Wahrnehmungstyp erkennen
2.3 Submodalitäten
2.3.1 Eigenes Erleben der Submodalitäten
2.3.2 Submodalitäten beim Coachee wahrnehmen
2.4 Zusammenfassung

3. Voraussetzungen um mit diesem Tool zu arbeiten
3.1 Voraussetzungen für den Coach
3.1.1 Fachwissen
3.1.2 Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften
3.1.3 Soziale und interkulturelle Kompetenzen
3.1.4 Methodenkompetenzen
3.1.5 Erfahrungswissen und Lernbereitschaft
3.1.6 Anerkennung als fachliche Autorität und Vertrauen
3.1.7 Besonderheit
3.2 Voraussetzung für den Coachee
3.2.1 Besonderheit
3.3 Zusammenfassung

4. Methodisches Vorgehen
4.1 Vorbereitung
4.2 Bühnenbau
4.2.1 Einrichtung der Bühne
4.2.2 Beschreibung der Bühne
4.2.3 Resonanz des Problembühnenbilds
4.2.4 Umbau der Bühne
4.2.5 Resonanz des umgebauten Bühnenbildes
4.2.7 Zukunft
4.3 Perspektivwechsel
4.3.1 Ich-assoziert
4.3.2 Du-assoziiert
4.3.3 Ich-dissoziiert
4.3.4 Metaebene
4.4 Die gute Fee
4.5 Submodalitätenveränderung
4.5.1 Zukunft – Zielbühnenbild
4.6 Ressourcen
4.7 Ziele entwickeln und stärken
4.8 Zusammenfassung

5. Vergleich der „innere Bühne“ mit dem mentalen Training aus dem Sportbereich und die Bedeutung der Spiegelneuronen
5.1 Mentales Training aus dem Sportbereich
5.2 Spiegelneuronen
5.3 Zusammenfassung

6. Wirkung - Effizienz – Grenzen von Coaching-Tools
6.1 Wirkung auf organisatorischer Ebene
6.2 Wirkung auf personeller Ebene
6.3 Effizienz
6.4 Deutro Lernen
6.5 Messinstrumente
6.6 Grenzen
6.7 Zusammenfassung

7. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unter Coaching versteht man eine individuelle Begleitung von Menschen in Veränderungsprozessen. Es ist eine lösungs- und ergebnisorientierte Beratung, welche die Selbstreflexion fördert und die Wahrnehmungsfähigkeit schärft. Im Coaching werden keine Lösungen vorgegeben, sondern es hilft bei der Klärung der zum Problem führenden Prozesse. Der Coach nimmt dem Coachee weder die Arbeit noch die Verantwortung ab, aber er begleitet und unterstützt den Coachee. Im Idealfall verhilft Coaching ein Problem und deren Ursachen zu erkennen, klare Ziele zu definieren und einen Zeitraum festzulegen, in dem diese Ziele umgesetzt werden können.

In der Coachingpraxis finden sehr viele unterschiedliche Coaching-Tools Anwendung. Es sind die „Werkzeuge“ mit denen ein Coach mit seinem Coachee arbeitet. Die Arbeit mit der „inneren Bühne“ ist eines dieser „Werkzeuge“, welches zum Coach selbst, zum Coachee und zum Thema, bzw. zur Aufgabenstellung passen sollte.

Ziel dieser Arbeit ist es, das methodische Vorgehen dieses Tool vorzustellen. Ebenso wird erläutert, wie Ressourcen erarbeitet und wie Ziele mit diesem Tool entwickelt und gestärkt werden. Desweiteren wird auch noch auf die Wirkung und Grenzen dieses „Werkzeugs“ hingewiesen. Diesem vorangestellt ist NLP als hauptsächlicher Methodenhintergrund der „inneren Bühne“, wobei vor allem auf unsere Repräsentationssysteme und die Submodalitäten eingegangen wird.

Um einen Brückenschlag zur aktuellen Forschung zu geben, wird in dieser Arbeit auch auf das mentale Training aus dem Sportbereich eingegangen.

Impulsgebend diese Arbeit zu schreiben war ein Text, welcher in einem Seminar in der Universität Bielefeld gelesen wurde. Es war ein Textauszug aus dem Buch von Heidrun Vössing „Die Kraft der inneren Bilder“. Unter anderem wird in diesem Werk die „innere Bühne“ vorgestellt und dies war Anreiz für mich diese Methode näher zu betrachten und ausführlich darzustellen. In unserer rationalen Welt wird der Phantasie nur wenig Bedeutung zugemessen, dabei ist mit Phantasie Vieles möglich. Fast spielerisch können Veränderungsprozesse initiiert werden und das imaginative Verfahren, der „inneren Bühne“ kann dem Ratsuchenden neue Wege aufzeigen, eine andere Sicht ermöglichen – einen Perspektivwechsel auf ein vermeintliches Problem.

2. Die „innere Bühne“ als imaginatives Verfahren

Die „innere Bühne“ ist ein Tool, welches hauptsächlich NLP als Methodenhintergrund hat und als Ziel Probleme oder Lösungswege des Coachees zu bearbeiten. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Wahrnehmung des Coachees gelegt. Durch verschiedene Übungsteile wird ein Perspektivwechsel geschaffen. Für den Coachee werden neu konstruierte Situationen erfahrbar und nahezu erlebbar. Dadurch ergibt sich für ihn nicht nur eine andere Sicht auf sein Problem, sondern es werden auch Handlungsalternativen sichtbar, so dass der Coachee konkrete Lösungsschritte planen kann.

2.1 NLP

Neurolinguistische Programmierung (kurz NLP) ist ein Verfahren, welches für die Psychotherapie entwickelt wurde und heute auch im Coaching angewandt wird. Die durch Veränderungsarbeit des NLP erzielten Ergebnisse wirken schnell und nachhaltig. Daher hat NLP einen besonderen Stellenwert im Coaching. NLP wurde Anfang der 1970er Jahre von Richard Bandler, einem Mathematikstudenten und späteren Psychologen und John Grinder einem Linguisten an der University of Santa Cruz entwickelt. Seit dieser Zeit wird NLP stetig weiterentwickelt und verbessert. NLP untersucht die Muster oder die »Programmierung«, die durch die Interaktion zwischen dem Gehirn (Neuro), der Sprache (Linguistik) und dem Körper kreiert werden. Die Gründer des NLP legten Wert darauf zu erklären, dass sie nur Modelle entwickelten und keine Theorien. Recht pragmatisch blieben sie bei ihrer Aussage und mit NLP zeigten sich schnelle und beobachtbare Erfolge. NLP-Konzepte beschreiben die Strukturen subjektiver Erfahrung und versuchen diese zu entschlüsseln. NLP beschreibt die Art und Weise, wie Menschen sich selbst und ihre Umwelt wahrnehmen und wie diese Informationen auf persönliche Weise weiterverarbeitet werden. Es beschreibt auch, dass sie auf diesen Grundlagen handeln, kommunizieren und lernen.

Aus der Beobachtung von Experten (Fritz Perls, Milton H. Erickson, Virginia Satir), die exzellente kommunikative Fähigkeiten aufwiesen, wurden Übungen und Methoden entwickelt. Die Übungen zielen darauf ab, effektives Verhalten produzieren zu können. Vor allem durch den Einsatz von Interventionen wird versucht das Erlebensspektrum zu erweitern und Verhalten zu optimieren.

Wer mit NLP arbeitet, akzeptiert die Grundannahmen, die verschiedenen "Glaubenssätze". Diese werden als wahr und gegeben angenommen und bilden damit die Basis der Veränderungsarbeit.

Thies Stahl (2000) hat diese Glaubenssätze zusammengefasst:

- Menschen reagieren auf ihre Abbildung der Realität, nicht auf die Realität selbst, denn ´Die Landkarte ist nicht das Gebiet!´.
- Geist und Körper sind Teile des gleichen kybernetischen Systems - sie beeinflussen sich gegenseitig.
- Die Bedeutung Deiner Kommunikation ist die Reaktion, die Du bekommst.
- "Widerstand" ist eine Aussage über den Therapeuten, nicht über den Klienten.
- So etwas wie "Fehler" oder "Versagen" gibt es nicht - es gibt nur Feedback (Rückmeldungen).
- Eine Vielfalt möglicher Verhaltensweisen ("requisite variety") ist wichtig, denn es wird dasjenige Element in einem System das kontrollierende Element sein, das über die meiste Flexibilität verfügt. Daher ist Wahlfreiheit besser als keine Wahlfreiheit.
- Menschen funktionieren perfekt. Keiner ist "nicht in Ordnung", "hat einen Defekt" oder "ist kaputt"!
- Menschen treffen immer die beste Wahl, die ihnen im jeweiligen Moment und mit dem jeweils vorhandenen Informationen möglich ist.
- Hinter jedem Verhalten gibt es eine positive Absicht.
- Jedes Verhalten ist nützlich. Es gibt jeweils zumindest einen Kontext, in dem jedes Verhalten nützlich ist.
- Wenn ein Mensch es lernen kann, etwas bestimmtes zu tun, können es prinzipiell alle.
- Menschen verfügen schon über alle Ressourcen (Fähigkeiten, innerlich und im Verhalten nach außen), die sie brauchen, um die von ihnen angestrebte Veränderungen zu erreichen!
- Als professioneller Kommunikator habe ich die Pflicht und Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich mein Kommunikationspartner (körperlich und geistig) in dem Zustand befindet, in dem er sein muss, damit er das, was ich von ihm verlange, auch tun kann.

(Stahl 2000, S.7ff)

Heute gilt NLP als bedeutsames Konzept für Kommunikation und Veränderung und ist besonders in Bereichen relevant, in denen Menschen mit Kommunikation zu tun haben.

2.2 Repräsentationssysteme

Das Wort Repräsentation hat seinen Ursprung im Lateinischen. Es leitet sich ab von repraesentatio und dies bedeutet Darstellung. Die Psychologie versteht unter Repräsentation, die Vergegenwärtigung von nicht unmittelbar Gegebenem in der Vorstellung (vgl. Brockhaus, 1992). Die Repräsentationssysteme, oder auch Wahrnehmungssysteme des Menschen bezeichnen die Art, wie wir die Informationen unserer Umwelt wahrnehmen, abspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder in Erinnerung rufen können. Im NLP werden grundsätzlich die analogen (sensorischen, nonverbalen) Repräsentationssysteme, von dem einen digitalen (sprachlichen, verbalen) Repräsentationssystem unterschieden. Unsere fünf analogen Repräsentationssysteme sind das Sehen (visuell=V), der Klang (auditiv=A), das Gefühl (kinästhetisch=K), der Geruch (olfaktorisch=O) und der Geschmack (gustatorisch=G). Die analogen Repräsentationssysteme werden mit VAKOG abgekürzt. Das digitale Repräsentationssystem ist unsere Sprache. Durch dieses Repräsentationssystem hat der Einzelne die Chance, seine eigenen Erfahrungen die er mit den analogen Repräsentationssystemen gesammelt hat zusammenzuführen und auszudrücken. Nachteil der digitalen Repräsentation (Sprache) ist, dass eine Erfahrung nie ein vollständiges Vorstellungsbild wiedergeben kann (vgl. Weerth 1992, S. 44ff).

Die Arbeit mit Repräsentationssysteme fußt auf zwei Annahmen: Zum Einen nehmen wir die Informationen der Umwelt mit unterschiedlichen Sinnen wahr und daraus konstruieren wir verschiedenste innere Bilder (Seh-, Hör-, Fühl- usw. Bilder). Zum Anderen stellen diese inneren Bilder die Grundlage des Bewusstseins dar. Diese inneren Bilder bilden den Zugang zu unserem, noch bewussten Wissen. Ötsch und Stahl (2003) schreiben: ‚Denken, bedeutet nach NLP, die Sinne innerlich nutzen’ (vgl. Ötsch/Stahl 2003, S.166).

2.2.1 Den eigenen Wahrnehmungstyp erkennen

Um als Coach mit verschiedenen Repräsentationssystemen arbeiten zu können, muss er sie bei sich selbst kennen. Um für sich herauszufinden, welches Repräsentationssystem bevorzugt wird, eignet sich die kurze Übung von Alexa Mohl (1994) recht gut:

„Denken Sie an Ihr Zähneputzen von heute Morgen! An was erinnern Sie sich spontan?

- Sehen Sie ein Bild, wie Sie im Bad stehen? Oder Ihr eigenes Bild im Spiegel?
- Hören Sie die Geräusche des Zähnebürstens oder des fließenden Wassers?
- Fühlen Sie die Zahnbürste im Mund oder Ihre Hand am Waschbecken oder der Apparatur?
- Kommt Ihnen eher der Geruch oder Geschmack der Zahnpasta“? (Mohl 1994,
- S.45f )

Schon bei dieser kleinen Übung wird schnell deutlich welches Repräsentationssystem bei uns, bei dieser Erinnerung dominiert. Wir erkennen schnell ob eher das visuelle System dominiert, weil wir uns vor allem im Spiegel sehen, oder das auditive System, da wir vor allem Töne und Geräusche in Erinnerung haben, oder das gustatorische oder olfaktorische System, indem wir uns an besondere Geschmäcker oder Gerüche erinnern.

2.3 Submodalitäten

Wenn wir der Welt des Coachees näher kommen möchten, ist es notwendig den ganzen Menschen zu betrachten. Hier ist es wichtig auf die Sprache, die Ausdrücke, die Körperhaltung, die Augenbewegungen und dergleichen zu achten. Detaillierte Auskunft über Befindlichkeiten eines Coachees liefert der Blick auf die Submodalitäten. Die Submodalitäten unterteilen unsere fünf analogen Repräsentationssysteme in Untereigenschaften. Beim kin-ästhetischen Eindruck wird nicht nur nach dem Temperaturempfinden, sondern z. B. auch zwischen kalt oder warm unterschieden. Das gleiche gilt auch für unsere anderen analogen Repräsentationssysteme und hier kann beim visuellen Eindruck z.B. nach hell oder dunkel, schwarz/weiß oder farbig, usw. gefragt werden. Ebenso wird beim auditiven Eindruck zwischen laut oder leise, beim gustatorischen Eindruck zwischen süß oder bitter und beim olfaktorischen nach beißendem oder aromatischen Geruch usw. unterschieden. Diese untergeordneten Bestandteile werden im NLP als „Submodalitäten“ bezeichnet.

Die Veränderungsarbeit im NLP basiert vor allem auf dem aktiven Erleben oder Wiedererleben einer Situation, welche die Submodalitäten einschließt. Denn die erlebten Situationen werden nicht alleine in Form von isolierten Bildern, oder Filmen abgespeichert. Diese Bilder oder Filme sind verbunden mit Gefühlen, Gerüchen, Geschmäckern und/oder Tönen. Dies wird sehr gut deutlich, wenn wir uns an den Besuch eines Weihnachtsmarktes erinnern. Wer sich solch einen Besuch wieder in Erinnerung ruft, wird sicher Bilder oder Szenen erinnern und vielleicht ist diese Erinnerung verbunden mit dem Geruch von gebrannten Mandeln, fröhlichen Kinderstimmen, das Gedränge und Geschiebe zwischen den Marktbuden.

Die meisten Submodalitäten können zwischen zwei Polen viele Ausprägungen annehmen, hierzu gehören z.B. Lautstärke, Helligkeit, Kontrast usw.. Eine nennenswerte Ausnahme bildet z. B. die Wahrnehmungsansicht assoziiert und dissoziiert. Hier ist es nur möglich eine der beiden Sichtweisen anzunehmen, assoziiert oder dissoziiert. Eine Sicht zwischen den beiden Polen ist nicht möglich.

Assoziert beschreibt im NLP einen Zustand der sowohl die Gegenwart, wie die Vergangenheit und die Zukunft betreffen kann. Assoziiert (latein. associare = verbinden) bedeutet, direkt in einer Erfahrung sein und somit durch die eigenen Augen sehen, mit den eigenen Ohren hören, mit dem eigenen Körper fühlen und mit dem eigenen Mund schmecken. Bei einer Erinnerung bedeutet assoziiert sein, dass man die betreffende Situation so erinnert, als ob man in dem erinnerten Ereignis jetzt drin ist und mit allen Sinnen beteiligt. Eine Person die assoziiert, erlebt eine Situation egal ob in der Vergangenheit, also erinnert, oder Gegenwart, bzw. Zukunft, also imaginiert als wäre sie real (vgl. Weerth 1992, S. 50f Ötsch/Stahl 2003, S.25).

Auch dissoziiert beschreibt einen Zustand der die Gegenwart, wie die Vergangenheit und die Zukunft betreffen kann, der im NLP gebräuchlich ist. Der Begriff Dissoziation leitet sich vom lateinischen disassociare trennen, scheiden ab und bezeichnet das Gegenteil von assoziiert. Wer ein Ereignis dissoziiert wahrnimmt, hat einen inneren Abstand zum Geschehen. Es wird ein Außenstandpunkt eingenommen. Personen die dissozieren sind wie Zuschauer, die emotional neutral auf sich selbst und das Geschehen blicken können. So wird das Ereignis kaum oder gar nicht gefühlsbetont erlebt (vgl. Weerth 1992, S. 50f).

2.3.1 Eigenes Erleben der Submodalitäten

Für die Arbeit mit Submodalitäten gilt das Gleiche wie bei der Arbeit mit den dominierenden Repräsentationssystemen. Um als Coach mit der Veränderung von Submodalitäten zu arbeiten, ist es zwingend notwendig diese zunächst genau zu explorieren. Die Exploration von Submodalitäten kann am besten durch eigenes Erleben erfolgen. So kann der Coach die Bedeutung der Submodalitäten am eigenen Beispiel erfahren und selbst sensibel für Veränderung werden.

Eine gute Übung zu Submodalitäten liefern Bandler und Mac Donald (2000). Bei dieser Übung kann der Coach nachspüren, wie die Veränderung von Submodalitäten wirkt.

Es wird in Zweiergruppen geübt. Bei dieser Übung soll sich die erste Person an ein früheres, angenehmes Ereignis erinnern. Dieses Ereignis soll aber der zweiten Person nicht mitgeteilt werden. Die zweite Person gibt jetzt der ersten Person Anweisungen, bestimmte Submodalitäten in dem erinnerten Ereignis zu verändern. Sehr wichtig ist es darauf zu achten, dass danach die veränderten Submodalitäten des erinnerten Ereignisses wieder in den Ausgangszustand gebracht werden. Nun soll die erste Person sehr langsam die Submodalitäten ihrer Erinnerung selbst verändern und genau darauf achten, welche Submodalitäten stark und welche schwach das erinnerte Ereignis verändern. Bei der Beobachtung der Veränderung ist ein besonderes Augenmerk auf solche Submodalitäten zu richten, die spontane Veränderungen in dieser Anordnung zur Folge haben. Bandler und Mac Donald (2000) sprechen hier von `kritischen Submodalitäten. Diese haben eine besondere Bedeutung bei Erinnerungen.[1] Während der gesamten Zeit werden von der zweiten Person genaue Notizen gemacht. Jetzt werden die Rollen getauscht, so dass jeder ein mal die Gelegenheit hatte die Submodalitäten eines positiven Ereignisses zu verändern. Beim nächsten Schritt soll die erste Person an eine unangenehme Begebenheit denken. An dieser Stelle sollten auf keinen Fall große Traumata erinnert werden. Genau wie im ersten Durchgang werden dann die Submodalitäten verändert. Diese Veränderungen werden sehr genau beobachtet, die Beobachtungen schriftlich festgehalten und analysiert. Der letzte Schritt ist der Vergleich bei der Veränderung der Submodalitäten. Welche Unterschiede sind bei der Veränderung der Submodalitäten des angenehmen und des unangenehmen Ereignisses aufgefallen? Worin genau liegen die Unterschiede? (vgl. Bandler/Will 2000, S. 23f).

2.3.2 Submodalitäten beim Coachee wahrnehmen

Wenn wir Hinweise dazu möchten, welche Submodalitäten beim Coachee zur Zeit dominieren gibt es dafür im Wesentlichen drei Möglichkeiten.

1. Das direkte Abfragen von Submodalitäten.
2. Auf Hinweise bei den Formulierungen des Coachees achten.
3. Nonverbale Hinweise des Coachees beobachten

1. Hier einige Beispiele für die Abfrage der Submodalitäten:

Visuell (Sehen)

Farbig / schwarz weiß Ist es farbig oder schwarz-weiß? Ist das ganze Farbspektrum vorhanden?

Helligkeit Sind die Farben intensiv oder verwaschen bzw. pastellfarben?

Bildschärfe Ist das Bild scharf oder unscharf?

Entfernung Wie weit ist das Bild weg?

Bewegung Ist es ein stillstehendes Bild bzw. ein Standbild? Wie schnell ist die Bewegung: schneller oder langsamer als normalerweise? Ist das Bild stabil? In welche Richtung bewegt es sich? Wie schnell bewegt es sich?

Assoziiert / dissoziiert Sehen Sie sich selbst oder sehen Sie die Ereignisse so, als ob Sie dort wären? Sehen Sie sich assoziiert, d.h. durch die eigenen Augen, oder dissoziiert, sich selbst betrachtend?

____________

auditiv (Hören)

Position Hören Sie es von innen oder von außen? Wo kommt die Stimme/das Geräusch her?

Tonlage/Tonhöhe Ist es in einer hohen oder in einer niedrigen Tonlage? Ist die Tonlage höher oder niedriger als normaler-weise?

Lautstärke Ist es laut oder leise?

Geschwindigkeit Ist es schnell oder langsam?

kinästhetisch (Empfindung)

Qualität Wie würden Sie die Körperempfindung beschreiben: prickelnd, warm, kalt, entspannt, gespannt, verkrampft, diffus?

Intensität Wie stark ist die Empfindung?

Position Wo spüren Sie die Empfindung in Ihrem Körper?

Bewegung Gibt es Bewegung in der Empfindung? Ist die Bewegung kontinuierlich oder kommt sie in Wellen?

olfaktorisch (Geruch)

Geruchsart Ist der Geruch aromatisch oder verbrannt. Ist er stinkend, oder stickig? Ist es ein beißender Geruch? Ist es ein ätherischer oder menthol-haltiger Geruch? usw.

Stärke der Geruchs Nehmen Sie den Geruch intensiv oder weniger intensiv wahr?

gustatorisch (Geschmack)

Geschmacksart Ist der Geschmack süß, oder sauer? Ist er salzig, bitter, oder umami?

Geschmacksintensität Nehmen Sie den Geschmack intensiv oder weniger intensiv wahr?

(vgl. Bandler/ Mac Donald 2000, S. 64ff)

2. Auf Hinweise bei den Formulierungen des Coachees achten

Sehr aufschlussreich für die besonders ausgeprägten Repräsentationssysteme und die damit verbundenen Submodalitäten des Coachees ist seine sprachliche Formulierung. Hier einige Beispiele für häufig verwendete Formulierungen:

visuell

Ich sehe rot.

Das ist schwarz - weiß Malerei.

So bekommt er einen Einblick.

Aus dieser Perspektive betrachtet

auditiv

Das klingt gut.

Dem kann ich nur zustimmen.

Dann hört sich die Sache ganz anders an.

Die erste Geige spielen

kinästhetisch

Das lässt mich kalt.

Ich brenne darauf.

Das liegt mir schwer im Magen.

Ich fühle mich unter Druck.

olfaktorisch

Ich kann dich gut riechen.

Es liegt was in der Luft.

gustatorisch

Jetzt bin ich sauer.

Da kommt mir die Galle hoch.

Eine dicke Lippe riskieren.

3. Nonverbale Hinweise

Die Sprache stellt nur einen ganz kleinen Teil unserer zwischenmenschlichen Kommunikation dar. Unsere Körpersprache, die Gestik und Mimik, Tonfall, Körperhaltung und die Art der Atmung sind wahre Spiegel der Repräsentationssysteme, die wir benutzen. Kupfermüller beschreibt, dass wir pro Sekunde 10 Mio. Bit von Körpersignalen an die Umwelt abgeben. Davon gehen 32 % vom Skelett, 26 % von den Händen, 23 % von den Sprechmuskeln und 19 % vom Gesicht aus (Kupfermüller Jahr zit. n. Ötsch/Stahl 2003, S. 91f). Um die dargebotenen Informationen wahrzu-nehmen, ist ein sehr genaues Beobachten des Coachees notwendig. Auch Dilts et al. (1994) schreiben darüber, dass für den genauen Beobachter sichtbar wird, welches Repräsentationssystem beim Coachee gerade dominiert (vgl. Dilts et al. 1994 S. 93).

Augenbewegungen

Gerade im NLP wird den Augenbewegungen eine besondere Bedeutung zugesprochen, denn die Bewegungen der Augen sind meist unbewusst, aber sie begleiten häufig die Denkprozesse und geben uns Hinweise, welches Repräsentationssystem zur Zeit vom Coachee bevorzugt genutzt wird - wie er seine „inneren Bilder“ konstruiert. Aber schon Weerth (1992) weist darauf hin, dass diese Behauptung bislang wissenschaftlich nicht belegt werden konnte (vgl. Weerth 1992, S. 77).

Hier eine Darstellung der Augenbewegungen nach Dilts et al. (1994) und wie sie zu deuten ist. Die Augenbewegungshinweise gelten für den Großteil der Rechtshänder. Bei Linkshändern ist die Deutung spiegelverkehrt zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Dilts et al. 1994

[...]


[1] Weerth (1992) schreibt, dass für viele Menschen die Entfernung eines inneren Bildes eine `kritische Submodalität´ darstellt. Je weiter ein inneres Bild weggeschoben würde, desto kleiner würde es werden und die damit verbundenen Geräusche, sowie die dazugehörigen Emotionen werden abgeschwächt (vgl. Weerth 1992, S. 53).

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Die "innere Bühne" - Ein imaginatives Verfahren im Coaching
Hochschule
Universität Bielefeld  (Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung)
Autor
Jahr
2010
Seiten
55
Katalognummer
V199171
ISBN (eBook)
9783656259688
ISBN (Buch)
9783656260257
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei der ihnen vorgelegten Arbeit handelt es sich um eine Abschlussarbeit.
Schlagworte
Coaching, Imagination
Arbeit zitieren
Christine Nissen (Autor), 2010, Die "innere Bühne" - Ein imaginatives Verfahren im Coaching, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199171

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