Eine Hausarbeit schreibt man in erster Linie, weil man es muss. Natürlich spielen auch andere Faktoren dabei eine Rolle, die einen dazu motivieren, eine solche Arbeit zu verfassen, aber der Zwang, und vor allem die Pflicht, spielen dennoch immer die ausschlaggebende Rolle. Wie gesagt, bei einer Hausarbeit ist das so. Wie so ein Zwang allerdings bei Gedichten und Romanen ein Grund sein kann, das Werk zu beginnen und zu vollenden, ist nicht annähernd so offensichtlich wie bei der o.g. Situation. In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit dieser Art von Zwang bei einem der interessantesten Schriftstellern des 19. und 20. Jahrhunderts - Rainer Maria Rilke.
Als Zwang ist jedoch bei Rilke nicht der Druck einer dritten Instanz zu sehen, sondern vielmehr er selbst. Durch eine sehr schwierige Kindheit und beispielhaft falsche Erziehungsmethode seiner Eltern, sowie eine absolut interessenkonträre Schullaufbahn geriet Rilke in den Zwang, sein inneres Trauma auf irgendeine Weise zu verarbeiten. Da Rilke schon immer ein äußerst kreativer und wortgewandter Mensch war, tat er dies natürlich durch Schrift und Sprache. Die Hintergründe für dieses Trauma, sowie eine möglichst genaue Skizze seiner Biographie und die verschiedenen „Stationen“ seines Lebens sind ebenfalls Thema meiner Arbeit.
Ich werde versuchen, in zwei voneinander getrennten Forschungsreihen, die Biographie Rilkes in Einklang mit seiner Arbeit zu bringen und anhand exemplarischer Texte und deren Analyse herauszufinden, wie der Schriftsteller seine Probleme anhand seiner Texte bewältigte und ob er dabei Erfolg hatte oder nicht.
Ferner möchte ich feststellen, welche Situationen in Rilkes Leben ihn so sehr geprägt haben, dass er wurde wie wir ihn kennen - Ein zurückgezogenes Genie mit gesellschaftlichen Problemen und teils schwer nachvollziehbaren Ansichten.
Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung
II. Biographischer Teil
1. Herkunft, Kindheit und Jugend Rilkes
2. Die Entwicklungsjahre
3. Die „Pariser Jahre“
4. München und die Schweiz
5. Krankheit und Tod Rilkes
III. Analytischer Teil
1. Analyse der Turnstunde unter besonderer Berücksichtigung der Biographie
2. Analyse weiterer Gedichte und Werke
a) Die ersten Gedichte
b) Im alten Hause (Larenopfer)
c) Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort (Mir zur Feier)
3. Gemeinsamkeiten der Analysen
IV. Fazit
V. Bibliographie
Häufig gestellte Fragen
Welches Kindheitstrauma verarbeitete Rainer Maria Rilke in seinen Werken?
Rilke litt unter einer schwierigen Erziehung (seine Mutter zog ihn zeitweise als Mädchen auf) und einer traumatischen Zeit in der Militär-Realschule, die er als extremen Zwang empfand.
Wie beeinflusste Rilkes Biographie seine Dichtung?
Seine Werke dienten ihm als Ventil zur Verarbeitung seiner inneren Isolation und der Ängste, die in seiner Jugend wurzelten. Schreiben war für ihn ein existenzieller Zwang.
Was analysiert die Arbeit in Bezug auf die Erzählung „Die Turnstunde“?
In „Die Turnstunde“ verarbeitet Rilke direkt seine negativen Erfahrungen an der Militärschule, insbesondere das Gefühl der Ohnmacht und den harten Drill.
Welche Bedeutung haben die „Pariser Jahre“ für Rilke?
In Paris entwickelte Rilke unter dem Einfluss von Rodin seinen neuen Stil (Dinggedichte) und fand neue Wege, seine innere Unruhe künstlerisch zu objektivieren.
War Rilke bei der Bewältigung seiner Probleme durch das Schreiben erfolgreich?
Die Arbeit untersucht, ob die literarische Produktion ihm dauerhafte Heilung verschaffte oder ob er zeit seines Lebens ein „zurückgezogenes Genie mit gesellschaftlichen Problemen“ blieb.
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- Anonym (Author), 2009, Rainer Maria Rilkes Biographie und die Verarbeitung des Kindheitstraumas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199266