„Alles drängt und stürzt dem Ende entgegen, in Endes Zeichen steht die Welt, - steht darin wenigstens für uns Deutsche, deren tausendjährige Geschichte, widerlegt, ad absurdum geführt, als unselig verfehlt, als Irrweg erwiesen durch dieses Ergebnis, ins Nichts, in die Verzweiflung, in einen Bankerott ohne Beispiel, in eine von donnernden Flammen umtanzte Höllenfahrt mündet.“ -
Dieses Zitat aus Thomas Manns Doktor Faustus steht stellvertretend für die bearbeitete Thematik in dieser Arbeit, die sich mit der Zeitkritik im Werk und den Ansichten des Autors vergleichend auseinandersetzt. Die Aussagen der Erzählerfigur Serenus Zeitblom, die im Doktor Faustus Ansichten über die in Deutschland herrschenden Zustände zur Zeit des NS-Regimes und der Entstehung des Werks auf kunstvolle Weise wiedergibt, sollen hier mit den persönlichen Eindrücken und der Biographie des Autors Thomas Mann verglichen werden. Dabei spielt vor allem die Entstehungszeit des Doktor Faustus, also die Zeit des zweiten Weltkriegs, die Motivation Thomas Manns zur Verarbeitung der Geschehnisse, seine Rolle als Deutscher, sowohl privat als auch öffentlich, und die Anmerkungen der Erzählerfigur Serenus im Buch Doktor Faustus eine zentrale Rolle. Im Anschluss soll versucht werden, historische Parallelen zwischen den Ereignissen des Romans und dem Verlauf der deutschen Geschichte zu finden und diese anhand einiger Eckpunkte zu skizzieren. Ziel der Arbeit ist es, zu sehen, ob Thomas Mann durch die Erzählerfigur Serenus Zeitblom tatsächliche Meinungen und Ansichten mit dem Leser teilt, oder ob Serenus mit seinen Ausführungen lediglich fiktive Standpunkte vertritt. Im ersten Kapitel wird es im Anschluss an die Einleitung um die Entstehungszeit des Doktor Faustus gehen, welche einen Einblick in die Zeit vermitteln soll, in der Thomas Mann an dem Roman des Doktor Faustus gearbeitet hat und welche historischen und persönlichen Faktoren auf ihn gewirkt haben könnten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Zur Entstehung des Doktor Faustus
1. Entstehungszeit und historische Ereignisse
2. Motivation des Autors und mögliche Beweggründe
III. Thomas Mann und Serenus Zeitblom während der Nazi-Diktatur
1. Thomas Manns Rolle als Deutscher
2. Anmerkungen und Ansichten Serenus Zeitbloms zum NS-Regime
IV. Historische Parallelen zwischen Roman und deutscher Geschichte
V. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend die Zeitkritik im Roman "Doktor Faustus" von Thomas Mann sowie die Ansichten des Autors selbst. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Erzählerfigur Serenus Zeitblom im Kontext der historischen Ereignisse der NS-Zeit und der Entstehungsgeschichte des Romans, um zu ergründen, inwieweit Zeitbloms Äußerungen als Ausdruck der Meinung des Autors zu verstehen sind.
- Die Entstehungsgeschichte von Thomas Manns "Doktor Faustus" unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs.
- Biografische Hintergründe und die politische Haltung Thomas Manns gegenüber dem NS-Regime.
- Die Funktion und die spezifischen zeitkritischen Ansichten der Erzählerfigur Serenus Zeitblom.
- Historische Parallelen zwischen dem Schicksal der Romanfiguren und der deutschen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
1. Entstehungszeit und historische Ereignisse
Der Roman Doktor Faustus ist im Zeitraum 23. Mai 1943 bis 29. Januar 1947 entstanden, wobei das Jahr 1946 von einer längeren Pause aufgrund einer schweren Erkrankung Thomas Manns geprägt war. In einem Brief vom 10. Juli 1944 an Ludwig Lewisohn erwähnt Mann, dass „Doktor Faustus“ einer seiner letzten Romane werden soll und als eine Art Lebensbeichte angesehen werden kann.2
Die Niederschrift des Romans fiel damals in die Endphase des zweiten Weltkriegs und die Zerstörung Deutschlands, zudem Mann eine ganz besondere Beziehung hatte, jedoch anders als der Erzähler Serenus Zeitblom zu dieser Zeit selbst nicht im Land war, sondern die Ereignisse aus dem entfernten Kalifornien mitverfolgte.
Dem Beginn am Doktor Faustus war am 18. Februar 1943 die berühmte Rede von Reichspropagandaminister Josef Goebbels vorausgegangen, der das deutsche Volk zum totalen Krieg aufgefordert hatte. Im selben Jahr zeichnete sich jedoch eine Tendenz der deutschen Niederlage ab, da der italienische Diktator Benito Mussolini, enger Verbündeter Hitlers, abgesetzt wurde, die Stadt Tripolis an die Alliierten aufgegeben werden musste, die amerikanischen Bombardements auf deutsche Städte begannen und die Frankfurter Zeitung aufgrund eines Artikels über den verärgerten Adolf Hitler die Veröffentlichung einstellen musste. Kultureller Lichtblick war die Erstaufführung des guten Menschen von Sezuan in Zürich, auch wenn Thomas Mann stets davon überzeugt war, dass die Deutschen im Krieg und in der frühen Nachkriegszeit keine Ressourcen für den Konsum von kulturellem Gut übrig haben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die vergleichende Analyse der Zeitkritik zwischen dem Autor Thomas Mann und seiner Erzählerfigur Serenus Zeitblom im Roman "Doktor Faustus" ein.
II. Zur Entstehung des Doktor Faustus: Das Kapitel beleuchtet die historischen Begleitumstände der Romanentstehung während des Zweiten Weltkriegs und untersucht die biografischen Beweggründe Thomas Manns.
III. Thomas Mann und Serenus Zeitblom während der Nazi-Diktatur: Hier wird die politische Rolle Thomas Manns in der Zeit des Exils den Ansichten der Erzählerfigur Serenus Zeitblom gegenübergestellt, die als Beobachter im NS-Deutschland agiert.
IV. Historische Parallelen zwischen Roman und deutscher Geschichte: Der Autor analysiert hier gezielt die Entsprechungen zwischen den Ereignissen der Romanhandlung und dem realen Verlauf der deutschen Geschichte.
V. Schlusswort: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass trotz inhaltlicher Übereinstimmungen zwischen Autor und Erzähler eine bewusste Distanz durch die unterschiedliche persönliche Situation gewahrt bleibt.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Doktor Faustus, Serenus Zeitblom, Zeitkritik, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Literaturwissenschaft, Exilliteratur, deutsche Geschichte, Adrian Leverkühn, Kulturkritik, Kollektivschuld, Romananalyse, NS-Regime, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der Romanhandlung von Thomas Manns "Doktor Faustus" und den tatsächlichen historischen Geschehnissen während des Zweiten Weltkriegs und des NS-Regimes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Erzählerfigur Serenus Zeitblom als zeitkritische Instanz, die Biografie Thomas Manns im Exil sowie die Parallelen zwischen der Romanbiografie von Adrian Leverkühn und der deutschen Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob Serenus Zeitblom lediglich fiktive Ansichten vertritt oder ob seine Aussagen direkte Meinungsäußerungen des Autors Thomas Mann darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der Textstellen aus dem Roman in einen direkten Vergleich mit der Biografie des Autors und historischen Ereignissen der Entstehungszeit gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehungsgeschichte des Werks, der Gegenüberstellung von Thomas Manns Rolle als Exilant und Zeitbloms Rolle als Daheimgebliebener sowie der Aufzeigung historischer Parallelen im Roman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Thomas Mann, Doktor Faustus, Zeitkritik, Nationalsozialismus und Kollektivschuld definieren.
Warum spielt die Rolle der Erzählerfigur Serenus Zeitblom eine so zentrale Rolle?
Da Zeitblom als Beobachter innerhalb des NS-Deutschland schreibt, bietet er dem Leser einen direkten, wenn auch fiktionalisierten Blick auf die Zustände im nationalsozialistischen Deutschland.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Kollektivschuld?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass auch in seinem eigenen Ermessen eine Kollektivschuld für einen Großteil der Bevölkerung in Betracht gezogen werden muss, da Hitler ohne massive Unterstützung aus dem Volk nicht hätte agieren können.
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- Anonym (Autor:in), 2011, Serenus Zeitbloms und Thomas Manns Zeitkritik: Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199267