In dem Beitrag werden nach dem neuesten Stand der Forschungen der Schreibdidaktik die Besonderheiten das Textmusters "Berichten" diskutiert. Die Merkmale dieser Textsorte werden präzise definiert sowie die Unterkategorien Erfahrungsbericht, Sachstandsbericht und Erlebnisbericht erläutert. Der Beitrag erörtert anschließend am Beispiel einer Aufgabe aus der Lernstandserhebung NRW für das Fach Deutsch des Jahres 2011 Problematiken der Aufgabenstellung. Abschließend wird ein Vorschlag für ein Bewertungsraster begründet verworfen sowie auf der Basis dieser Kritik eine modifizierte Version erarbeitet, die für die konkrete Unterrichtspraxis einsetzbar ist.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Das Textmuster „Berichten“ im Unterricht der Sekundarstufe I
1.1 Die schülerorientierte Definition des „Berichtens“
1.2 Didaktische Hinweise für den Unterricht
2. Eine Schreibaufgabe und ihre Kritik
2.1 Die Aufgabenstellung
2.2 Der Stimulus
2.3 Die Hilfestellung
3. Eine Bewertungsskala und ihre Kritik
3.1 Die Bewertung der Dimension „Inhalt“ der vorgegebenen Bewertungsskala
3.2 Das Erstellen einer Bewertungsskala für die Dimension „Aufbau“
3.3 Die Entwicklung einer Bewertungsskala für die Textsorte „Nachricht“
4. Schlussbemerkung – Eine alternative Aufgabe zum Textmuster „Berichten“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die schreibdidaktische Gestaltung und Bewertung des Textmusters „Berichten“ im Unterricht der Sekundarstufe I, wobei insbesondere die Qualität von Schreibaufgaben und deren Bewertungsskalen kritisch hinterfragt werden.
- Merkmale und Definitionen des Textmusters „Berichten“
- Didaktische Ansätze zur Vermittlung von Berichtschreiben
- Kritische Analyse einer vorgegebenen Schreibaufgabe und deren Stimulus
- Entwicklung und Optimierung von Bewertungsskalen (Inhalt, Aufbau, Nachricht)
- Konzeption einer alternativen, lebensnahen Schreibaufgabe
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Aufgabenstellung
Mit dem Wort „Nachricht“ ist in der Aufgabenstellung ein Signalwort zur Textsorte enthalten, die Aufgabe grundsätzlich also situiert und ein Schreibziel gegeben. Zu bedenken ist, dass eine Nachricht wesentlich kürzer ist als ein Bericht und dass diese Textsorte die stärkste Tendenz zur Sachlichkeit aufweist. Damit die Aufgabenstellung Sinn macht, ist es entscheidend, dass im Unterricht zur Vorbereitung auf die Klassenarbeit erarbeitet wurde, dass das Ressort „Aus aller Welt“ der Ort für Unterhaltsames und für Skurrilitäten ist und dass Reporter immer ressortspezifisch schreiben. Problematisch ist, dass das Signalwort „Nachricht“ Sachlichkeit nahe legt, die vorliegende Nachricht aber gemäß dem Ressortprinzip unterhalten soll. Dies erfordert eindeutige vorhergehende Lernprozesse zur Unterscheidung von „hard news“ und „soft news“. Unklar bleibt auch, warum die Schülerinnen und Schüler nicht selbst in der Rolle des Reporters, sondern den Bericht lediglich „für den Reporter“ schreiben. Der Schreibanlass ist somit nicht transparent. Eventuell sollte man außerdem in die Aufgabenstellung noch eine Information zum Textmuster „Berichten“ integrieren, damit sich die Schülerinnen und Schüler daran erinnern, dass sie nicht erzählen, sondern berichten sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten beim Berichtschreiben in der Sekundarstufe I und skizziert den Aufbau der Untersuchung, die Grundlagen, Aufgabenkritik und Bewertungsfragen umfasst.
1. Das Textmuster „Berichten“ im Unterricht der Sekundarstufe I: Dieses Kapitel definiert das Berichten als informierendes Schreiben und leitet daraus didaktische Hinweise ab, die über rein formelhaftes Schreiben hinausgehen.
2. Eine Schreibaufgabe und ihre Kritik: Hier wird eine konkrete Schreibaufgabe samt Stimulus und Hilfestellungen einer fachdidaktischen Prüfung unterzogen, wobei Mängel in der Motivierung und Transparenz aufgezeigt werden.
3. Eine Bewertungsskala und ihre Kritik: Das Kapitel analysiert bestehende Bewertungsraster und schlägt verbesserte, nachvollziehbare Kriterien für Inhalt und Aufbau der Textsorte „Nachricht“ vor.
4. Schlussbemerkung – Eine alternative Aufgabe zum Textmuster „Berichten“: Zum Abschluss wird ein praxiserprobter, alternativer Entwurf für eine Schreibaufgabe vorgestellt, der lebensnahe Kontexte zur Motivationssteigerung nutzt.
Schlüsselwörter
Schreibdidaktik, Berichten, Nachricht, Schreibaufgabe, Bewertungsskala, Sekundarstufe I, Textmuster, informierendes Schreiben, Schreibkompetenz, Unfallbericht, Sachlichkeit, Aufgabenanalyse, W-Fragen, Adressatenorientierung, Lernstandserhebung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der schreibdidaktischen Herausforderung, Schülern das Textmuster „Berichten“ zu vermitteln und ihre Leistungen dabei fachgerecht zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Definition des Berichtens, die didaktische Aufbereitung für den Unterricht sowie die kritische Analyse von Schreibaufgaben und Bewertungsinstrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Qualität von Schreibaufgaben kritisch zu prüfen und verbesserte, transparentere Bewertungsraster für die Textsorte „Nachricht“ zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin nutzt eine fachdidaktische Analyse- und Evaluierungsmethode, bei der bestehendes Material an Erkenntnissen aus der aktuellen Schreibforschung gemessen wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung einer Aufgabenstellung, die Analyse bestehender Bewertungsskalen und die Erarbeitung eines neuen, detaillierten Bewertungsbogens.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schreibdidaktik, Textmuster, informierendes Schreiben, Bewertungsskala und Adressatenorientierung geprägt.
Warum hält die Autorin die untersuchte Beispielaufgabe für verbesserungswürdig?
Die Aufgabe sei für Jugendliche uninteressant, der Schreibanlass nicht transparent und die verlangten Bewertungskriterien seien teilweise widersprüchlich oder ungeeignet für die Textsorte „Nachricht“.
Welche Rolle spielt die „umgedrehte Pyramide“ in diesem Kontext?
Das Prinzip der umgedrehten Pyramide wird als strukturgebendes Merkmal für Nachrichten eingeführt, wobei die Autorin betont, dass Schüler dies beherrschen müssen, um Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.
Was schlägt die Autorin als Alternative zur klassischen Aufgabenstellung vor?
Als Alternative wird ein Unfallbericht-Szenario vorgeschlagen, das auf authentischen Zeugenaussagen und Skizzen basiert und somit lebensnah zur Selektion relevanter Informationen herausfordert.
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- Dr. Christiane Streubel (Author), 2010, Schreibdidaktik und das Textmuster „Berichten“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199333