Informationen stellen die Grundlage unseres Wissens dar. Die heutige Technik bietet viele Möglichkeiten, sich hilfreiche Informationen zu beschaffen. Medien wie Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen, aber auch das Internet gelten nach wie vor als die wichtigsten Informationsquellen. Hinter den täglichen Berichten stehen Journalisten, die Themen selektieren, aufarbeiten und veröffentlichen. Journalisten arbeiten jedoch nicht nur in eigener Regie und recherchieren selbst, sondern bekommen oft Vorschläge oder sogar schon vorgefertigte Artikel geliefert – von Öffentlichkeitsarbeitern.
Journalisten und PR-Leute sund in ihren Arbeitsfeldern, durch Ausbildung, Interessenperspektiven, Handlungspraxis und Kontakte zur Öffentlichkeit oder zu den Kunden unterschiedlich sozialisiert und so auf jeweils typische Handlungsmuster der Informationsvermittlung hin ausgerichtet sind.
Zu untersuchen ist, wie angesichts dieser unterschiedlichen Vorbedingungen, die in den beiden Berufsfeldern Handelnden ihren beruflichen Alltag meistern, welche Hürden ihnen im Weg stehen, als auch ihre gegenseitige berufliche Einschätzung und welche sozialen Konsequenzen sich aus einer Überlagerung der beiden Berufe ergeben. Es geht darum, herauszufinden, in wie weit beide Berufe sich aufeinander einstellen, die Vorgaben des jeweils anderen Systems übernehmen und sich daran anpassen.
Trifft es zu, dass Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit sich gegen-seitig bedingen wie Bentele et all. es im Intereffikationsmodell beschreiben und wie wirkt sich das auf die Gesellschaft aus?
Dazu werden in einer empirischen Erhebung gewisse Punkte des Intereffikationsmodells operationalisiert und in einem Fragebogen bei PR-Praktikern und Journalisten abgefragt. Die Ergebnisse geben dann Aufschluss über den tatsächlichen Zusammenhang der beiden Medienberufe.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Theoretischer Ansatz
3.1. Das Verhältnis von PR und Journalismus aus theoretischer Perspektive
3.1.1. Quasi wissenschaftliche Ansätze
3.1.2. Die Determinierungshypothese
3.1.3. Systemtheoretische Ansätze
3.1.4. Weitere theoretische Ansätze
3.2. Intereffikationsmodell
3.3. Induktions- und Adaptionsleistungen im Intereffikationsmodell
3.3.1. Definitionen: Induktionen und Adaptionen
3.3.2. Die drei Dimensionen: Sachlich, zeitlich und psychisch‐sozial
3.3.3. Induktionen in den drei Dimensionen
3.3.4. Adaptionen in den drei Dimensionen
3.4. Forschungsstand zum Intereffikationsmodell
3.5. Diskussion über das Intereffikationsmodell
3.6. Was bedeutet eine Überlagerung der beiden Medienberufe für die Gesellschaft?
3.7. Erkenntnisinteresse
4. Empirische Untersuchung
4.1. Methodendiskussion
4.2. Grundgesamtheiten und Pretest
4.3. Operationalisierung
4.4. Fragebogen
4.4.1. Soziodemographische Daten
4.4.2. Zeitaufwand im Berufsalltag
4.4.3. Restriktionen
4.4.4. Bedeutung der PR bzw. Medien für die eigene Zielerreichung
4.4.5. Abhängigkeiten
4.4.6. Umgehung der Induktions- und Adaptionsleistungen
4.5. Ergebnisse der Befragungen
4.5.1. Soziodemographische Daten
4.5.2. Zeitaufwand im Berufsalltag
4.5.4. Bedeutung der PR bzw. Medien für die eigene Zielerreichung
4.5.6. Umgehung der Induktions- und Adaptionsleistungen
4.6. Auswertung der Ergebnisse
4.7. Prüfung der forschungsleitenden Fragen
5. Diskussion/Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Verhältnis zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit (PR) auf Basis des Intereffikationsmodells, um zu klären, wie diese Systeme miteinander interagieren, einander beeinflussen und welche Auswirkungen diese wechselseitige Abhängigkeit auf die Gesellschaft hat.
- Handlungstheoretische Analyse der Berufsbeziehungen von Journalisten und PR-Praktikern.
- Empirische Untersuchung von Induktions- und Adaptionsleistungen in den Dimensionen Zeit, Sache und sozial-psychologische Aspekte.
- Evaluation des Einflusses von PR auf journalistische Selektions- und Entscheidungsprozesse.
- Kritische Diskussion über Machtverhältnisse und die schwindende Trennbarkeit von journalistischer Berichterstattung und PR-Botschaften.
- Analyse ökonomischer Faktoren (Koppelgeschäfte) auf die journalistische Unabhängigkeit.
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Die Determinierungshypothese
Die ersten Studien im deutschsprachigen Raum zum Verhältnis von Public Relations und Journalismus führte Barbara Baerns in den Jahren 1979 und 1985 durch. Sie untersuchte dabei den PR-Input und dessen Aufnahme durch die Medien zur Landespolitik in Nordrhein-Westfalen. Sie ermittelte eine Übernahmequote des PR-Materials in die Presseberichten von durchschnittlich 62 Prozent und wies damit einen starken Einfluss der PR auf den Journalismus nach. Sie kam zu dem Ergebnis, dass unter bestimmten Umständen das Aufgreifen von Presseinformationen die Eigenrecherche von Journalisten überlagert. Eigenrecherche konnte, wenn überhaupt, nur noch als Zusatz oder im Nachhinein nachgewiesen werden. Da sie einen vorherrschenden Zugriff auf PR-Materialien feststellen konnte, schlussfolgerte sie, dass die eigentliche journalistische Leistung nicht im Recherchieren und Thematisieren liege, sondern in „schneller Verarbeitung durch Schreiben oder Produzieren, durch Auswählen und Redigieren“ (Baerns 1985: 89). Ebenso fand Baerns Belege, dass die Öffentlichkeitsarbeit nicht nur die Themen, sondern auch das Timing von Berichterstattungen kontrollieren. Nach Pressemitteilungen und –konferenzen fand eine unmittelbare Veröffentlichung statt, egal, ob den Quellen ein hoher oder niedriger Nachrichtenwert zugeordnet werden konnte (ebenda: 98).
Abgeleitet aus ihren Ergebnissen hat Baerns die These, dass Public Relations die Themen und das Timing der journalistischen Berichterstattung kontrollieren (vgl. Baerns 1985: 197). Für sie stehen sich Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit als „zwei syntaktisch gleichartige, semantisch nicht äquivalente Informationssysteme“ und somit nicht als Partner, sondern als Gegner gegenüber (ebenda: 16). Die beiden Systeme lassen sich aufgrund ihrer Zielsetzung unterscheiden: Öffentlichkeitsarbeit steht für Selbstdarstellung von Partikularinteressen, Journalismus für Fremddarstellung als „Funktion des Gemeininteresses und des allgemeinen Wissens“ (Baerns 1987: 149). Das Verhältnis von Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus beschreibt Baerns anhand eines lückenlosen Zusammenhangs des Einflusses, der sich zwischen den beiden Polen „hoher journalistischer Einfluss“ und „hoher PR-Einfluss“ bewegt. Dabei bedeutet ein Wachstum des Einflusses auf der einen Seite eine Reduktion auf der anderen (vgl. Baerns 1985: 17).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dankesworte an die Unterstützer und Teilnehmer der empirischen Erhebung.
2. Einleitung: Hinführung zum Thema und Darlegung der Problematik der zunehmenden Vermischung von journalistischer Berichterstattung und Öffentlichkeitsarbeit.
3. Theoretischer Ansatz: Überblick über existierende Modelle (Determinierung, Systemtheorie) und Begründung der Wahl des Intereffikationsmodells als Basis der Untersuchung.
4. Empirische Untersuchung: Detaillierte Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, Operationalisierung und Analyse der Befragung von Journalisten und PR-Praktikern.
5. Diskussion/Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der wechselseitigen Abhängigkeit für die Gesellschaft sowie zukünftige Prognosen.
Schlüsselwörter
Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit, PR, Intereffikationsmodell, Determinierungshypothese, Induktion, Adaption, Medienberufe, Massenmedien, Meinungsbildung, Nachrichtenwert, Koppelgeschäfte, Medienethik, Systemtheorie, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das wechselseitige Verhältnis und die Einflussnahme zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit (PR) mithilfe des Intereffikationsmodells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Induktions- und Adaptionsprozesse zwischen den beiden Systemen, die Frage nach journalistischer Unabhängigkeit und die soziologische Bedeutung ihrer Verflechtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es herauszufinden, wie Journalisten und PR-Praktiker in ihrem Alltag miteinander verknüpft sind, inwieweit sie sich gegenseitig steuern oder beeinflussen und welche Auswirkungen das auf die Gesellschaft hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Untersuchung in Form einer standardisierten Online-Befragung von 155 Journalisten und 155 PR-Praktikern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der theoretischen Herleitung des Intereffikationsmodells werden die empirischen Ergebnisse der Befragung hinsichtlich Zeitaufwand, Restriktionen, gegenseitiger Beeinflussung und Abhängigkeiten ausgewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit, Intereffikationsmodell, Induktion, Adaption, Medienethik und Koppelgeschäfte.
Welche Rolle spielen ökonomische Aspekte in der Arbeit?
Ein besonderer Fokus liegt auf sogenannten „Koppelgeschäften“, also der Verknüpfung von Anzeigenkäufen mit der Erwartung redaktioneller Berichterstattung, und deren Einfluss auf die journalistische Integrität.
Wie bewerten die beiden Berufsgruppen ihre gegenseitige Abhängigkeit?
Die Mehrheit beider Gruppen sieht eine hohe wechselseitige Abhängigkeit, wobei Journalisten oft betonen, auf Recherche-Informationen angewiesen zu sein, während PR-Leute ihre PR-Arbeit als notwendig für das Funktionieren von Medien in einer komplexen Gesellschaft erachten.
- Citation du texte
- Catrin Knußmann (Auteur), 2011, Das spannungsvolle Verhältnis von Journalismus und PR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199378