Der Mythos Robin Hood im amerikanischen Film des 20. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2011
15 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Darstellung des Mittelalters im Film
2.1. Themen und Symbole
2.2. Die Frage der Authentizitat

3. Die Veranderung der amerikanischen Mittelalterdarstellung im Film wahrend des 20. Jahrhunderts
3.1. Die Schwarzweiss-Phase
3.2. Der Production Code
3.3. Nach Kennedys Ermordung

4. Der Mythos Robin Hood
4.1. Der Mythos vor dem Film
4.2. Der Mythos im Film

5. Drei Beispiele von amerikanischen Robin Hood-Verfilmungen
5.1. Robin Hood (1922)
5.2. The Adventures of Robin Hood (1938)
5.3. Robin and Marian (1976)

6. Schluss

Bibliographie

Filmographie

1. Einleitung

Jeder kennt Robin Hood und jeder hat sein eigenes Bild von ihm. Heutzutage hangt dies vor allem davon ab, welche Robin Hood-Filme man gesehen hat, von denen es unzahlige gibt. Vor allem Hollywood war im vergangenen Jahrhundert sehr produktiv im Herstellen von Spielfilmen, die das Thema Robin Hood behandeln. Die Filme haben sich im Laufe der Zeit gewandelt, haben aber auch gewisse Grundmotive, die sie beibehalten haben. Die zahlreiche Wiederholung desselben Themas in unterschiedlicher Variation ist eine Grundbedingung eines Mythos.

Die Interessante Frage ist nun, was sich verandert hat und wieso? Waren es eher technische oder gesellschaftspolitische Grunde? Und wie kommt ein Mythos zustande, was tragt dazu bei und was nicht?

Diesen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Dabei wird vom Allgemeinen ausgegangen und im Spezifischen geendet. Zuerst kommt ein Uberblick uber die filmische Darstellung des Mittelalters, wobei auch die Frage der Authentizitat berucksichtigt wird. Dann folgt ein Kapitel uber die verschiedenen Phasen der amerikanischen Filmproduktion im 20. Jahrhundert, gefolgt von einer Ubersicht uber denn Mythos Robin Hood, der schon lange vor den ersten Spielfilmen begann. Schlussendlich wird auf drei beispielhafte Robin Hood-Verfilmungen genauer eingegangen.

2. Die Darstellung des Mittelalters im Film

Der Mittelalterfilm ist kein eigenes filmisches Genre.1 Es werden darin mittelalterliche Themen in den vorhandenen Gattungen des Films, wie zum Beispiel dem Abenteuerfilm, Kostumfilm, Western oder der Komodie, behandelt. Der Film folgt dabei den Mustern und Gesetzen der jeweiligen Gattung und nicht der Epoche, in der er spielt. Dabei sind Mittelalterfilme oft Hybride aus verschiedenen Filmgattungen. Oft spielen auch Fantasyfilme in dem Mittelalter nachempfundenen Welten.

Die Mittelalterfilme stehen im grosseren Zusammenhang eines Mittelalterbooms, der sich auch in Mittelalterfesten, Ritterspielen, Ausstellungen, Musikvorfuhrungen, Gesellschafts- und Rollenspielen zeigt.2

2.1. Themen und Symbole

Das Mittelalter wird in den Filmen als Ubergangszeit dargestellt, als Kindheitsphase der gegenwartigen Zivilisation. Dabei reprasentierten die Mittelalterdarstellungen im Film nicht nur die Kindheit der abendlandischen Gesellschaften und Nationen, sondern auch von Individuen.3 Es geht um Themen wie den Zwang zur Zivilisierung und den Wiederstand dagegen, Selbstfindung, Initiationsriten, und den Kampf um Gerechtigkeit und Frieden. Im Gegensatz zu Antikenfilmen, in denen meist das romische Weltreich die Grundlage bildet, wird in Mittelalterfilmen viel starker der Bezug zur Gegenwart hergestellt, indem eine Kontinuitat hergestellt wird, aber auch durch die Darstellung der vorzivilisierten Zustande, die wir uberwunden haben. So sind auch national unterschiedliche Mittelalterbilder und -mythen entstanden. Herausragendes Beispiel ist Frankreich mit seinen unzahligen Jeanne d‘Arc-Verfilmungen. Es ist ein Zwischenspiel von Kontinuitaten und Gegensatzen, Distanz und Nahe. Die Hauptfigur in den Filmen ist oft schon naher an der zivilisierten Gesellschaft, weshalb sie auch unsere Sympathie hat.4 Das Mittelalter bietet eine Projektionsflache fur sehr gegensatzliche Darstellungen und ist nicht einheitlich zu verstehen. Es gibt das dunkle und das helle Mittelalterbild, je nach dem, was mit der Darstellung erreicht werden will.

Fur die filmische Darstellung des Mittelalters wird auf eine bescheidene Anzahl von Ikonogrammen zuruckgegriffen. Das Schwert, die Rustung und die Architekturform „Zinne“ stehen dabei im Vordergrund.5 Dazu kommt der romanische Rundbogen, der fur das dunkle Mittelalter steht, wahrend der gotisch Spitzbogen fur das spatere, helle Mittelalters verwendet wird. Der semiotische Zeichensatz zur Darstellung von Mittelalter hat sich im Laufe der Filmgeschichte reduziert. Analog dazu haben sich auch die Themen und Motive der Mittelalterfilme reduziert. Beides geschah durch das unzahlige Wiederaufgreifen der gleichen Themen wie zum Beispiel Robin Hood, die Arthusritter oder Jeanne d‘Arc. Durch diese Remake-Industrie sind filmimmanente Diskurse entstanden. Der Film Robin and Marian funktioniert zum Beispiel als Weiterfuhrung der aus alteren Robin Hood-Filmen bekannten Geschichte.

Viele von Historikern als wichtig fur das Mittelalter erklarte Themen werden in den Filmen nur am Rande abgehandelt, wie die Entstehung von stadtischen Gesellschaften oder der aufkommende Handel. Die Stadt, die anfanglich in Mittelalterfilmen prasent war, wurde durch die Burg, die Kathedrale oder das Kloster verdrangt.6 Ebenso werden viele fur das Mittelalter wichtige Personen in den Filmen nicht ins Zentrum gestellt. Karl der Grosse ist im Film weit weniger vertreten als historisch nicht genau zu verortende Figuren wie Robin Hood. Wie in diesem Fall sind es oft literarische Stoffe, die schon eine langere Tradition haben, welche im Film wiederaufgenommen werden.

2.2. Die Frage der Authentizitat

Historiker neigen dazu, Mittelalterfilme wegen Ungenauigkeiten zu kritisieren. Dabei muss man berucksichtigen, dass die Filmemacher zu jedem Detail der Ausstattung ihrer mittelalterlichen Welt Stellung nehmen mussen, was geradezu zu Ungenauigkeiten fuhren muss. Oft ist vieles nicht genau rekonstruierbar, so dass man einfach kritisieren kann, dass es nicht so wie im Film gewesen ist, aber wie es wirklich war, weiss niemand genau. Dazu kommt, dass eine historisch genaue Rekonstruktion noch keinen guten Spielfilm macht. Das Mittelalter bietet so auch eine gewisse Freiheit fur die Filmemacher, da nicht alles genau bekannt ist uber diese Epoche. So kann man mit der Figur Robin Hood machen was man will, weil es keine genauen historischen Quellen gibt, trotzdem wird die Figur immer in einen historischen Kontext gestellt.

Wenn ein Mittelalterfilm sich Muhe gibt, bei der Ausstattung und den historischen Ereignissen genau zu sein, so bleibt seine Authentizitat dennoch eingeschrankt. Dies fangt an bei der Sprache, die ja in den allermeisten Filmen eine moderne ist, und geht weiter uber den Korper der Schauspieler, sein Habitus, seine Mimik und Gestik bis zu den Gefuhlen, die sich nicht so einfach rekonstruieren lassen. Das Gleiche gilt fur die Umwelt der mittelalterlichen Menschen.7 Die Ausstattung, die Schauspieler und die behandelten Themen werden trotz allen Bemuhungen immer etwas Gegenwartiges an sich haben. Zum Beispiel wird fur die in vielen Mittelalterfilmen vorkommenden komodiantischen Einschube immer zeitgenossischer Humor verwendet.

Der Film als modernes Darstellungsmittel verkorpert die fundamentale Differenz zu dem Dargestellten.8 Die meisten Filme versuchen dies zu uberbrucken, indem sie den Zuschauer in die Handlung und die mittelalterliche Welt hineinziehen. Es besteht ein Kontrakt mit dem Zuschauer, sich auf diese Illusion einzulassen, weil der Film sonst nicht funktioniert. Dabei gibt es unterschiedliche Ansatze. Wahrend der Monumentalfilm diese Distanz verschwinden lassen will, kann sie im Autorenfilm durchaus auch thematisiert werden.

Damit ein Mittelalterfilm fur das Publikum als authentisch wahrgenommen wird, muss er die Erwartungen des Publikums betreffend, wie das Mittelalter war, erfullen. Es mussen die richtigen Bezuge hergestellt werden, dabei mussen diese nicht der gezeigten Epoche entsprechen. Das Mittelalterbild der Zuschauer wurde von den vorhergehenden Filmen gepragt, also orientieren sich die Erwartungen an dem. Wenn ein Element genug oft in verschiedenen Filmen wiederholt wird, wird es von den Zuschauern als authentisch wahrgenommen. So ist zum Beispiel der Schwertkampf in neueren Mittelalterfilmen meistens an die fernostliche Kampfkunst angelehnt. Dies hat sich durch die vielen Fantasy-Filme etabliert und wird nun als authentisch fur das europaische Mittelalter wahrgenommen.9 Auch beeinflusst die fortschreitende Darstellungstechnik das Mittelalterbild. So kann man feststellen, dass die Armeen in den Mittelalterlichen Schlachten immer grosser werden.

Wichtige Authentizitatssignale fur das Mittelalter sind Gewalt und Dreck.10 Die Darstellung von extremer Gewalt wird vom modernen Zuschauer dem Mittelalter zugeordnet. Dabei geht es um eine rohe, unzivilisierte Gewalt, die sich zum Beispiel von der Antike unterscheidet. Der Dreck im Mittelalterfilm ist erst in den 60er Jahren aufgekommen. Vorher waren sowohl die Darsteller wie auch die Kulissen immer sauber. Ab dann hat sich der Dreck zu einer Bedingung einer realistischen Mittelalterdarstellung gewandelt. Die Hauptdarsteller werden von dieser Regel jedoch oft ausgenommen, weil sie ja schon aussehen mussen. Die ubrigen Darsteller sind oft nicht nur dreckig, sondern auch krank und hasslich.

Mit verschiedenen erzahltechnischen Mitteln versuchen die Filmemacher die Authentizitatsillusion ihrer Filme aufrecht zu erhalten. Beliebt ist das Verwenden von Erzahlerfiguren, die das Geschehene als selbst erlebt darstellen. Auch wird oft Bezug auf historische Ereignisse oder Personen genommen. Sehr oft kommt am Anfang des Films ein Text, der die historische Situation erklart. Das Verwenden von geschriebenen Texten wie Briefe und Urkunden unterstreicht auch die historische Dimension des Films.

Da die Zuschauer meistens nicht genau uber die behandelte Epoche bescheid wissen, kommt es dazu, dass sie ihre Lucken mit den Informationen aus dem Film fullen, obwohl diese historisch nicht verburgt, nicht vorhanden oder auch schlicht falsch sind. Somit konnen fiktive Filmgeschichten in den Kopfen der Zuschauer zur historischen Realitat werden.

3. Die Veranderung der amerikanischen Mittelalterdarstellung im Film wahrend des 20. Jahrhunderts

Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben sich die Schwerpunkte in der Darstellung von Mittelalter im amerikanischen Film immer wieder verandert. Dies hatte zum einen technische Grunde, wie der Ubergang von Schwarzweiss- zu Farbfilm oder die Einfuhrung des Cinemascope-Formats, war aber auch stark gepragt durch politische Ereignisse und kulturelle Normen. Man kann drei grobe Phasen ausmachen: Die Zeit der Schwarzweiss-Filme, die Geltungszeit des Production Codes und die Phase nach Kennedys Ermordung 1963.11

[...]


1 Vgl. Rockelein, S. 41.

2 Vgl. Kiening, S. 3.

3 Vgl. Rockelein, S. 53.

4 Vgl. Scharff, S. 82.

5 Vgl. Rockelein, S. 57.

6 Vgl. Ebd., S. 57f.

7 Vgl. Rockelein, S. 61.

8 Vgl. Kiening, S. 69.

9 Vgl. Scharff, S.70.

10 Vgl. Ebd., S. 73ff.

11 Vgl. Gentry, S. 276ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Mythos Robin Hood im amerikanischen Film des 20. Jahrhunderts
Hochschule
Universität Basel
Note
gut
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V199427
ISBN (eBook)
9783656256533
ISBN (Buch)
9783656257189
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Robin Hood, Mittelalter im Film
Arbeit zitieren
David Christen (Autor), 2011, Der Mythos Robin Hood im amerikanischen Film des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199427

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