Jeder kennt Robin Hood und jeder hat sein eigenes Bild von ihm. Heutzutage hängt dies vor allem davon ab, welche Robin Hood-Filme man gesehen hat, von denen es unzählige gibt. Vor allem Hollywood war im vergangenen Jahrhundert sehr produktiv im Herstellen von Spielfilmen, die das Thema Robin Hood behandeln. Die Filme haben sich im Laufe der Zeit gewandelt, haben aber auch gewisse Grundmotive, die sie beibehalten haben. Die zahlreiche Wiederholung desselben Themas in unterschiedlicher Variation ist eine Grundbedingung eines Mythos.
Die Interessante Frage ist nun, was sich verändert hat und wieso? Waren es eher technische oder gesellschaftspolitische Gründe? Und wie kommt ein Mythos zustande, was trägt dazu bei und was nicht?
Diesen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Dabei wird vom Allgemeinen ausgegangen und im Spezifischen geendet. Zuerst kommt ein Überblick über die filmische Darstellung des Mittelalters, wobei auch die Frage der Authentizität berücksichtigt wird. Dann folgt ein Kapitel über die verschiedenen Phasen der amerikanischen Filmproduktion im 20. Jahrhundert, gefolgt von einer Übersicht über denn Mythos Robin Hood, der schon lange vor den ersten Spielfilmen begann. Schlussendlich wird auf drei beispielhafte Robin Hood-Verfilmungen genauer eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Darstellung des Mittelalters im Film
2.1. Themen und Symbole
2.2. Die Frage der Authentizität
3. Die Veränderung der amerikanischen Mittelalterdarstellung im Film während des 20. Jahrhunderts
3.1. Die Schwarzweiss-Phase
3.2. Der Production Code
3.3. Nach Kennedys Ermordung
4. Der Mythos Robin Hood
4.1. Der Mythos vor dem Film
4.2. Der Mythos im Film
5. Drei Beispiele von amerikanischen Robin Hood-Verfilmungen
5.1. Robin Hood (1922)
5.2. The Adventures of Robin Hood (1938)
5.3. Robin and Marian (1976)
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die filmische Transformation des Robin-Hood-Mythos im amerikanischen Kino des 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen und technischer Entwicklungen.
- Die filmische Konstruktion und Authentizität des Mittelalters
- Einfluss des Motion Picture Production Code auf die Heldenfigur
- Die sozio-politische Dekonstruktion von Mythen nach den 1960er Jahren
- Vergleichende Analyse spezifischer Robin-Hood-Adaptionen
- Die Rolle des Kinos als Medium der Mythenbildung
Auszug aus dem Buch
4.2. Der Mythos im Film
Da im Film Robin Hood erstmals ein Gesicht, einen Körper und dann im Tonfilm auch eine Stimme erhält, verändert sich die Arbeit am Mythos. Die von dem Schauspieler dargestellte Figur wird mythisiert. Robin Hood wir zum Action-Held, er wird mit allen Mitteln, die ein Film bieten kann, heroisiert, es entsteht eine ikonische Verdichtung. Dazu kommt, dass ein historisiertes Mittelalter als Agitationsfläche des Helden dargestellt werden muss, er ist ein Bestandteil dieses Bedeutungszusammenhangs. Zugleich herrscht eine Distanz zu dem historischen Rahmen, aus dieser die „mythische Aura“ entsteht, die ihn umgibt. „Eben diese Dialektik zwischen einerseits der Situierung der mythischen Gestalt als Individuum in einem historischen Szenario und andererseits der Distanzierung und Entfremdung der mythischen Gestalt zugunsten eines überhistorischen, typischen Charakters kennzeichnet die filmische Weiterarbeit am Mythos.“26
Während in einigen Filmen die Mythisierung der Figur thematisiert wird, indem die Entwicklung des Helden von einer Krisensituation zum Wandel zu Robin Hood-Figur durch eine mythische Transformation dargestellt wird, beginnen wiederum andere unmittelbar mit dem mythischen Robin Hood. Diese Filme sind für die Weiterarbeit am Mythos weit weniger bedeutend, weil sie die Metamorphose zur mythischen Gestalt nicht thematisieren, sondern nur den vorhandenen Mythos aufgreifen und in der Art einer Literaturverfilmung wiedergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema und Darlegung der Forschungsfrage bezüglich der Veränderung des Robin-Hood-Mythos durch technische und gesellschaftspolitische Faktoren.
2. Die Darstellung des Mittelalters im Film: Untersuchung der filmischen Mittelalterdarstellung als hybrides Genre und Diskussion über die Authentizitätswahrnehmung durch das Publikum.
3. Die Veränderung der amerikanischen Mittelalterdarstellung im Film während des 20. Jahrhunderts: Analyse der filmischen Entwicklung anhand der Phasen Schwarzweiß-Kino, Production-Code-Ära und der Zeit nach der Ermordung Kennedys.
4. Der Mythos Robin Hood: Betrachtung der historischen Entwicklung des Stoffs von der ersten literarischen Erwähnung bis hin zur Transformation zum Action-Helden im Film.
5. Drei Beispiele von amerikanischen Robin Hood-Verfilmungen: Detaillierte Fallstudien zu den Filmen Robin Hood (1922), The Adventures of Robin Hood (1938) und Robin and Marian (1976).
6. Schluss: Synthese der Ergebnisse, welche belegt, dass jede Variation des Stoffes, selbst die Dekonstruktion, einen aktiven Beitrag zur Verstärkung des Mythos leistet.
Schlüsselwörter
Robin Hood, Mythos, Mittelalterfilm, amerikanisches Kino, Production Code, Authentizität, Heldenfigur, Filmgeschichte, Transformation, Gesellschaftspolitik, Popkultur, Mediale Reflexivität, Ikonographie, Dekonstruktion, Literaturverfilmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Darstellung der Robin-Hood-Figur im US-Kino des 20. Jahrhunderts gewandelt hat und warum dieser Mythos trotz gesellschaftlicher Veränderungen so präsent bleibt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Mittelalterfilms, die Auswirkungen politischer Zensur (Production Code) und die fortwährende Transformation eines kulturellen Mythos durch das Medium Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, welche Faktoren – technisch, gesellschaftlich oder politisch – die filmische Gestaltung des Robin-Hood-Mythos beeinflussen und wie die Figur als Projektionsfläche für zeitgenössische Ideale dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen historisch-analytischen Ansatz, der die Entwicklung des Genres in Phasen unterteilt und diese mittels vergleichender Filmanalysen anhand ausgewählter Schlüsselwerke untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des filmischen Mittelalterbildes, die Einbettung der Filme in die amerikanische Zeitgeschichte sowie die detaillierte Analyse dreier prominenter Robin-Hood-Verfilmungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Motiv "Robin Hood" prägen Begriffe wie "Mythenbildung", "Authentizität", "Production Code" und "gesellschaftspolitische Transformation" die theoretische Ausrichtung der Arbeit.
Warum unterscheidet sich das Bild des Königs in "Robin and Marian" so stark von früheren Filmen?
Der Autor argumentiert, dass dieser Wandel direkt mit dem erschütterten Vertrauen der amerikanischen Gesellschaft in die Staatsführung während der 60er und 70er Jahre korrespondiert.
Welche Bedeutung hat die Dekonstruktion des Mythos?
Die Dekonstruktion, etwa in späteren Filmen, schwächt den Mythos laut Autor nicht ab, sondern verstärkt ihn, da der Zuschauer den ursprünglichen Mythos als Referenzrahmen voraussetzen muss, um die neue Interpretation verstehen zu können.
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- David Christen (Autor), 2011, Der Mythos Robin Hood im amerikanischen Film des 20. Jahrhunderts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199427