Die Totale Institution Gefängnis: Lebenswelten und Strategien der Bewältigung inhaftierter Frauen


Bachelorarbeit, 2012
57 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Frauenstrafvollzug – Empirische Daten und rechtliche Grundlagen

3. Das Gefängnis als totale Institution
3.1 Definition und Charakteristika totaler Institutionen
3.2 Der Strafvollzug als totale Institution

4. Die Lebenswelt der Inhaftierten
4.1 Biographische Einflüsse auf die Lebenswelt
4.2 „Die Welt der Insassen“
4.2.1 Identitätsverlust durch Aufhebung der Privatsphäre
4.2.2 Eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten in einer neuen Lebenswelt
4.3 Die Problemlagen der Insassinnen in der Lebenswelt Gefängnis
4.3.1 Gesundheitliche Problematiken
4.3.2 Psychosomatische Belastungen
4.3.3 Drogenmissbrauch und Abhängigkeit
4.3.4 Die Trennung von den Kindern

5. Die Bewältigungsstrategien der Inhaftierten
5.1 Anpassung an die institutionellen Vorgaben
5.2 Drogenkonsum als Bewältigungsstrategie
5.3 Das soziale Umfeld als Halt
5.4 Unterstützungsangebote von Seiten der Institution

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Meine erste Nacht im Staatsgefängnis. Es ist so unwirklich, als betrachte ich von außen das Leben einer anderen. Ich sitze wieder im Dunkeln, schaue aus dem Fenster eines Raums, der ein Aufenthaltsraum in einem College-Wohnheim sein könnte, wäre da nicht der Zaun, der Stacheldraht und der Wachposten oben auf dem Turm. […] Wie sehr ich mich auch bemühe, meine Situation zu akzeptieren, ich sterbe innerlich. Sieben Jahre hört sich an wie der Rest meines Lebens“ (Birkla 2003, S. 148, Hervorhebung im Original).

Begehen Menschen eine Straftat, so kann, je nach Schwere der Handlung, eine Gefängnisstrafe die Sanktion sein. In Deutschland ist die Anzahl inhaftierter Frauen im Verlauf der letzten Jahre von 1995 bis 2006[1] um 91,2 Prozent angestiegen (vgl. Zolondek 2008, S. 36). Geht man von einer konstanten Zunahme aus, so würde sich 2011 eine Steigung von 163,9 Prozent im Vergleich zu dem Jahr 1995 ergeben. Dieser starke Anstieg kann auf eine Zunahme der Kriminalitätshandlungen von Frauen hinweisenoder auch durch beispielsweise rechtliche Veränderungen (z.B. Verschärfung des Betäubungsmittelgesetztes) bedingt sein.

Eine Freiheitsstrafe bedeutet für die verurteilte Person, einen Teil ihres Lebens in einem System zu verbringen, in dem vorgeschriebene Regeln und Einschränkungen an der Tagesordnung sind.

Das zu Anfang aufgeführte Zitat vonNancy Birklaermöglicht einen Einblick indie subjektive Sichtweiseeiner Insassin bezüglich der speziellen Situation des Strafvollzuges. Die Delinquente verbüßt in Amerika eine Freiheitsstrafe mit dem Wissen, dass diese Institution für eine gewisse Dauer ihrneues Zuhause sein wird, das sie nicht auf ihren Wunsch hin verlassen kann.

Sie befindet sich hinter Gittern – in der Institution Gefängnis.

In dieser wissenschaftlichen Arbeit geht es um die Lebenssituation von Frauenin einem geschlossenen System und die problematischen Lebenslagen, mit denen sich die Insassinnen auseinandersetzen müssen.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich diese Arbeit mit folgender zentraler Fragestellung:

Welche Problemlagen inhaftierter Frauen kennzeichnen die Lebenswelt Gefängnis und mit welchen Strategien bewältigen die Insassinnen ihre prekären[2] Lebenslagen?

Die Fragestellung der Arbeit bezieht sich auf die These, dass sich inhaftierte Frauen in speziell zu betrachtenden Problemlagen befinden, die ihre Lebensqualität erheblich einschränken. Zur Beantwortung der Fragestellung und zum Überprüfen dieser These müssen bestimmte Grenzen gesetzt werden. So wird in der Arbeit hauptsächlich von Frauen im Allgemeinen gesprochen und daher ist stets die Gesamtheit aller weiblichen Inhaftierten, unabhängig von ihrem Alter, gemeint[3]. Eine Unterscheidung zwischen inhaftierten Männern und Frauen sowie die begangenen Straftaten der Frauen und die Rolle des Personals innerhalb der Gefängniswelt sind nur stellenweise zu finden, da diese für die Beantwortung der Fragestellung eher weniger relevant sind.

Im Rahmen der Erarbeitung der Thematik liegt der Fokus auf „totalen Institutionen“, Lebenswelt und Lebenslagen der Insassinnen sowie deren Strategien zur Bewältigung. Als Datengrundlage für diese Arbeit dienen Theorien und Erkenntnisse aus der Fachliteratur.

Zur Bearbeitung der Fragestellung wird nach folgender Methode vorgegangen:

Zunächst wird in den ersten beiden Kapiteln ein allgemeiner Einblick in die Thematik des (Frauen-)Strafvollzugs ermöglicht. Dabei fällt der Schwerpunkt auf die rechtlichen Grundlagen, aktuelle Statistiken und insbesondere auf die Erklärung des Begriffs „totale Institution“.Im Anschluss wird auf die Lebenswelt der Frauen eingegangen. Zuerst wird dabei der biographische Werdegang im Hinblick auf die Lebenslagendelinquenter Frauen betrachtet. Anschließend wird die soziologische Perspektive auf die Lebenswelt in totalen Institutionen veranschaulicht, um im nächsten Schritt explizit auf die Lebenslagen der Frauen im Gefängnis einzugehen. Nachdem die Lebens- und Problemlagen erörtert wurden, stellt sich die Frage, mit welchen Strategien Frauen ihre Situation bewältigen. Diese Thematik wird Gegenstand des fünften Kapitels der Arbeit. Im letzten Teil werden die Ergebnisse der Ausarbeitung zusammengetragen und im Hinblick auf die Fragestellung dieser Arbeit erörtert.

2. Der Frauenstrafvollzug – Empirische Daten und rechtliche Grundlagen

Zu einer allgemeinen Einführung in die Thematik werden zunächstaktuelle empirische Befunde und die rechtlichen Grundlagen bezüglich des Frauenstrafvollzugs im Allgemeinen vorgestellt.

Mit dem Begriff der Strafvollzugsanstalt ist eine Institution gemeint, in der straffällig gewordene (jugendliche) Männer und Frauen stationär untergebracht werden (vgl. Laubenthal 2011, S. 9). Der Strafvollzug als Arrestinstitution kommt u.a. bei einer Verurteilung zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe in Frage (vgl. ebd.).

Die folgende Tabelle bezieht sich, um einen allgemeinen Einblick zu ermöglichen, auf die Anzahl inhaftierter Frauen in Deutschland. Die Daten stammen aus einer Stichtagsuntersuchung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom 31. August 2011:

Abbildung 1: Inhaftierte Frauen in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach der Datenlage von Destatis 2011, S. 5 f.

In Deutschland waren insgesamt 78.762 Männer und Frauen im Jahr 2011 inhaftiert (vgl. Destatis 2011, S. 5). Auf Basis der Daten scheint es naheliegend, dass die Anzahl der inhaftierten Frauen mit 4502 Fällen (5,72 Prozent der Gefängnispopulation) im Vergleich zu der Quote der männlichen Insassen recht gering ist und somit die Gruppe der Insassinnen eher eine Minderheit im Strafvollzugssystem darstellt. Der größte Anteil der Gefängnisinsassinnen war in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen (1095 Insassinnen), Bayern (834) und Baden-Württemberg (463) untergebracht (vgl. ebd.). Zudem befand sich der überwiegende Teil der Insassinnen im geschlossenen Vollzug und wurde zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe verurteilt, bzw. war zum Zeitpunkt der Erhebung in einer Sicherheitsverwahrung untergebracht. Die Zahlen legen offen, dass knapp unter einem Viertel der Insassinnen zu einer Strafe von unter einem halben Jahr, jedoch der weitaus größere Teil zu über einem Jahr Haftstrafe verurteilt wurde. Das Durchschnittsalter inhaftierter Frauen lag im Jahr 2005 bei 33,3 Jahren (vgl. Dünkel et al. 2005, S. 7). Hinsichtlich begangener Straftaten von Frauen lässt sich festhalten, dass der überwiegende Teil aufgrund von Eigentumsdelikten (Diebstahl), Betrug und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt wurde (vgl. Fischer-Jehle 1991, S. 239; Höynck 2002, S. 1; Kestermann 2005, S. 23; Thomas 2004, S. 154, Zolondek 2008, S. 38). Gewaltstraftaten wie Mord oder Vergewaltigungen stellen bei Frauen eher eine Ausnahme dar.

Der Frauenstrafvollzug weist einige rechtliche Besonderheiten auf, die im Strafvollzugsgesetz (StVollzG) festgesetzt sind. Diese werden im Folgenden kurz aufgeführt:

- Das Trennungsprinzip: Frauen sollen getrennt von Männern in eigenen Frauenstrafvollzügen untergebracht werden (vgl. StVollzG, § 140, Abs. 2).
- Mutter-Kind-Einrichtungen sollen in den Anstalten vorhanden sein und es muss die Möglichkeit geben, nicht schulpflichtige Kinder mit in dem Gefängnis aufzunehmen (vgl. ebd., § 142; § 80; vgl. Kapitel 4.3.4).
- Im Falle einer Schwangerschaft hat die Insassin ein Anrecht auf regelmäßige gynäkologische Untersuchungen und Hebammenhilfe (vgl. ebd., § 76, Abs. 2).
- Zu der Entbindung sollen Inhaftierte in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses gebracht werden. Nur bei besonderen Bedingungen kann das Kind im Vollzug, in einer Entbindungsabteilung, zur Welt gebracht werden (vgl. ebd., § 76, Abs. 3).
- In der Geburtsurkunde des Kindes darf weder die Haftanstalt noch der Gefangenenstatus der Mutter vermerkt sein, da dies zu Stigmatisierungen führen kann (vgl. ebd., § 79).
- Die Gefangene hat das Recht, wenn ein Missbrauch der Lockerung ausgeschlossen werden kann, unter oder ohne Aufsicht eines Vollzugsbeamten einer Beschäftigung nachzugehen (vgl. ebd., § 11, Abs. 1, Nr. 1). Dieser Freigang wird auch als Frauenfreigang definiert, da Mütter die Gelegenheit erhalten, ihre Kinder und Familie außerhalb der Institution zu besuchen (vgl. Laubenthal 2011, S. 415).

Man kann deutlich erkennen, dass sich die Sonderregelungen für Frauen in Haft insbesondere auf Mutterschaft und Schwangerschaft beziehen. In der Praxis können diese Rechtsgrundlagen jedoch nicht immer umgesetzt werden. In Anbetracht der geringen Anzahl weiblicher Häftlinge, werden diese oftmals in gesonderten Abteilungen in Haftanstalten für Männer untergebracht,wodurch sich zahlreiche strukturelle Problematiken ergeben (vgl. ebd., S. 34; Keppler 2008, S.71). Deutschlandweit sind inhaftierte Frauen in insgesamt 45 Strafvollzugsanstalten untergebracht, von denenlediglich fünf Institutionen selbstständige Anstalten für Frauen sind[4] (vgl.Zolondek 2008, S. 36). Der Frauenstrafvollzug richtet sich nach den Strukturen der Männergefängnisse, was bedeutet, dass Sicherheitsvorkehrungen, Arbeitsgelegenheiten und Maßnahmen auf den Bedarf der Männer zugeschnitten sind (vgl. Keppler 2008, S. 71).Aus Kostengründen werden kaum Maßnahmen für weibliche Inhaftierte zur schulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie speziell auf die Problemlagen der Frauen gerichtete Therapien in den Gefängnissen angeboten (vgl. ebd.).In Anbetracht der Anzahl vorhandener Mutter-Kind-Einrichtungen in Deutschland lässt sich festhalten, dass diese mit sieben Einrichtungenals äußerst gering zu bezeichnen sind (vgl. Zolondek 2008, S. 36). Die Problematik, die sich dadurch ergibt, wird im Kapitel 4.3.4 dieser Arbeit noch näher betrachtet. Des Weiteren ist zu betonen, dass die Justizvollzugsanstalten (JVA) häufig überbelegt sind[5]. Durch die Raumnotsowie das überbelastete Personal und den Mangel an Möglichkeiten sich zurückzuziehen, sind Konflikte innerhalb des Systems vorprogrammiert (vgl. Thomas 2004, S. 156).

Man kann anhand dieser Daten deutlich erkennen, dass die Bedingungen für Frauen im Gefängnis keinesfalls ausreichend erfüllt werden können. Daher ist es von großer Wichtigkeit, auf diese strukturellen Problematiken einzugehen und auf die damit unmittelbar verbundene Lebenssituation der inhaftierten Frauen hinzuweisen.

Um die Lebenswelt Gefängnis darstellen und nachvollziehen zu können, stellt es sich im Vorfeld als sinnvoll dar, das System des Gefängnisses zu beleuchten. Diesbezüglich bietet sich eine soziologische Sichtweise auf eine spezifische Art von Organisationen an, die als „totale Institutionen“ bezeichnet werden und den Schwerpunkt des folgenden Kapitels bilden.

3. Das Gefängnis als totale Institution

Der Begriff der „totalen Institution“ ist unmittelbar mit dem amerikanischen Soziologen Erving Goffman verbunden. Goffman (1973) beschreibt in seinem Werk „Asyle.Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“die Herkunft des Begriffs, die Strukturen, die Merkmale und die Funktionalität totaler Institutionen. Der Soziologe erläutert zudem die Lebenssituationen der Insassenaus beispielsweise psychiatrischen Einrichtungen oder Gefängnissen. Der Titel der Originalausgabe lautet „Asylums. Essays on the Social Situation of Mental Patients and Other Inmates“und erschien im Jahr 1961, zwölf Jahre vor der deutschsprachigen Erstauflage. Goffman forschte von 1955 bis 1956 an dem St. Elizabeths Hospital in Washington D.C. mit dem Ziel, das soziale Milieu der Klinikinsassen aus der subjektiven Sichtweise der Klientel zu untersuchen (vgl. Goffman 1973, S. 7). Er begab sich dabei unmittelbar in das Feld der Insassen, um das subjektive Erleben und Empfinden der Personen wahrnehmen und begreifen zu können.Der Fokus Goffmans Publikation liegt auf der „Welt der Insassen, nicht auf der Welt des Personals“ (Goffman 1973, S. 11), wodurch sich diese Literatur, im Hinblick auf die Anschauung der Lebenswelten und Bewältigungsstrategien der Inhaftierten, als äußerst geeignet darstellt.

Im Folgenden wird,basierend auf Goffmans Theorie, der Frage nachgegangen, wann eine Einrichtung als eine totale Institution bezeichnet wird und welche Strukturen und Merkmale ein System aufweisen muss, um als „total“ klassifiziert zu werden. Die Betrachtung der Theorie ist notwendig, um das Gefängnissystem und dessen Bedeutung für die Inhaftierten im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher beleuchten zu können.

3.1 Definition und Charakteristikatotaler Institutionen

Goffman (1973) beschreibt in der Einleitung seines Werkes den Begriff dertotalen Institution folgendermaßen:

„Eine totale Institution läßt sich als Wohn- und Arbeitsstätte einer Vielzahl ähnlich gestellter Individuen definieren, die für längere Zeit von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten sind und miteinander ein abgeschlossenes, formal reglementiertes Leben führen“ (Goffman 1973, S. 11).

Das Leben in einer Gruppe „Gleichgesinnter“ innerhalb eines geschlossenen Systems, ausgeschlossen von demLeben innerhalb der Gesellschaft, ist somit der zentrale Aspekt einer totalen Institution. Die Menschen leben und wohnen nicht nur in der Institution, sondern sie arbeiten zudem an dem gleichen Ort, was darauf schließen lässt, dass es in totalen Institutionen keine Trennungen von „Beruflichem und Privatem“ gibt.

Zu der Herkunft der Bezeichnung „totale Institution“ lässt sich Folgendes festhalten: Der Begriff leitet sich von dem Ausdruck der „sozialen Institution“ ab, womit „Räume, Wohnungen, Gebäude oder Betriebe, in denen regelmäßig eine bestimmte Tätigkeit ausgeübt wird“ (Goffman 1973, S. 15) gemeint sind. Des Weiteren erwähnt Goffman, dass jeder Mensch einen Teil seiner Lebenszeit in einer Institution verbringt und somit diese Organisation zu einem Teil seiner alltäglichen Welt wird (vgl. ebd.). Dies bedeutet, beispielhaft dargestellt, dass ein Vereinsmitglied einen Teil seiner freien Zeit mit seinem Verein verbringt und diese Institution somit zu einem Teil seiner Alltagswelt wird. Goffman unterscheidetzwischen dieser Art der sozialen Institutionen und den totalen – im Sinne von allumfassenden Institutionen – in denen der Insasse nicht nur einen Bruchteil seines Alltags verbringt, sondern jeden einzelnen Tag unter den institutionellen Einschränkungen innerhalb dieser Institution lebenmuss (vgl. ebd.).Insassen totaler Institutionenbesitzen innerhalb des Systems nicht immer die Möglichkeit, nach ihren Bedürfnissen und Wünschen zu handeln und so können sie die Institution auch nicht immer auf eigenen Wunsch hin verlassen und wieder aufsuchen.

Nach außen hin sind totale Anstalten durch„verschlossene Tore, hohe Mauern, Stacheldraht, Felsen, Wasser, Wälder oder Moore“ (Goffman 1973, S. 16) gekennzeichnet, welche die Einschränkungen der Handlungsfähigkeiten und Freiheit der Insassen bildlichdarstellen.

Betrachtet man Goffmans Theorie in Bezug auf die Welt im Inneren einer totalen Institution, so lassen sich vier gemeinsame Charakteristika der Institutionen festhalten (vgl. Goffman 1973, S. 17): Zum einen findet das Leben eines Insassen immer an demselben Ort und unter der gleichen Autorität statt. Als zweites Merkmal ist die Gruppe der „Schicksalsgenossen“ (ebd.) zu nennen, welche zusammen innerhalb einer Gruppe die tägliche Arbeit verrichtet. Des Weiteren ist jeder Arbeitsschritt und jede Phase des Alltags im Detail geplant und vorgegeben. Die Arbeitsphasen gehen ineinander über und werden durch interne Regeln, auferlegt durch„Funktionäre“, vorgeschrieben. Als letztes Merkmal führt Goffman die Vereinigung der „verschiedenen erzwungenen Tätigkeiten“ (ebd., S. 16) zu einem rationalen Plan auf, welcher die Erreichung der offiziellen Zielsetzungen der Institution gewährleisten soll.

Man kann anhand der Aufzählung dieser Charakteristika deutlich erkennen, dass das Leben und der gesamte Tagesablauf der Insassen in einer totalen Institution geplant und vorgegeben sind. Die Insassen stehen unter der Kontrolle der Institution und müssen sich dem Plan der Leitung unterordnen: „Die Handhabung einer Reihe von menschlichen Bedürfnissen durch die bürokratische Organisation ganzer Gruppen von Menschen […] ist das zentrale Faktum totaler Institutionen“ (ebd., S. 18). Diese Ansicht fasst Robert Hettlage treffend zusammen: „Er [Goffman] versteht darunter eine geschlossene Welt, in der Kontrolle über Zeit und Raum der Insassen ausgeübt wird“ (Hettlage 2008, S. 255, Anmerkung des Verfassers). Die Kontrolle übernimmt das Personal, wodurch sich zwei Gruppierungen innerhalb einer totalen Institution herauskristallisieren. Die Insassen auf der einen Seite und auf der anderen Seite das Personal, der „Stab“ (vgl. Goffman 1973, S. 18). Kontrolle steht in einem Zusammenhang mit Zwang und Machtausübung (vgl. ebd., S. 21). Somit muss betont werden, dass totale Institutionen demnachauch von Zwang und Unterdrückung, bedingt durch ein hierarchisches Verhältnis in dem System, geprägt sind. Durch Macht, Zwang, Freiheitsentzug und Unterdrückung eines Individuums kann sich die Identität des Einzelnen verändern. Diesbezüglich schreibt Goffman über das Charakteristikum totaler Institutionen: „Sie sind die Treibhäuser, in denen unsere Gesellschaft versucht, den Charakter von Menschen zu verändern“ (Goffman 1973, S. 23). Diese Feststellung ist für den weiteren Verlauf dieser wissenschaftlichen Arbeit, insbesondere für die Betrachtung der Lebenswelt inhaftierter Frauen, äußerst bedeutsam und wird somit in dem vierten Kapitel dieser Arbeit näher betrachtet.

Zuletzt soll kurz noch ein Überblick über die verschiedenen Formen totaler Institutionen ermöglicht werden. Goffman unterscheidet zwischen fünf unterschiedlichen totalen Institutionsformen einer Gesellschaft, die nachfolgend kurz zusammengefasst werden (vgl. Goffman 1973, S. 16):

1. Anstalten für harmlose Menschen, die Fürsorge und Hilfe benötigen (z.B. Altersheime)
2. Einrichtungen für fürsorgebedürftige Menschen, die aber (unbeabsichtigt) zu einer Gefahr der Gesellschaft werden können (z.B. Psychiatrien, Tuberkulose-Sanatorien)
3. Institutionen, die dem Wohl und Schutz der Gemeinschaft dienen und nicht der Fürsorge der Insassen, welche der Gesellschaft absichtlich Schaden zufügen (z.B. Gefängnisse, Zuchthäuser)
4. Einrichtungen, in welchen Menschen aus erwerbstätigen Gründen zusammentreffen und somit in und mit der Gemeinschaft ein Arbeitsziel verfolgen (z.B. Kasernen, Schiffe, Internate)
5. Institutionen als Zufluchtsstätte und religiöse Ausbildungsorte (z.B. Abteien, Klöster)

Diese fünf verschiedenen Institutionsformen sind allesamt von Totalität und Kontrolle geprägt, jedoch sind die einzelnen Intentionen der Einrichtungen unterschiedlich, worauf in dem nachfolgenden Teil, mit einem differenzierten Blick auf die totale Institution Strafvollzug, näher eingegangen wird.

3.2 Der Strafvollzug als totale Institution

Betrachtet man nun den Strafvollzug, im Hinblick auf diese wissenschaftliche Arbeit, so ist es notwendig, die dritte Institutionsform nach Goffman (vgl. Kapitel 3.1) näher zu beleuchten. Im Allgemeinen kann man zunächst festhalten, dass für die Außenwelt das Gefängnis als totale Institution unbestritten erkennbar ist. Gefängnisse zeichnen sich(zweifelsfrei für die Gesellschaft ersichtlich) bezüglich ihrer Architektur und äußerlichen Gestaltung, durch hohe Mauern und Gitterstäbe vor den Fenstern aus. Interessant ist es jedoch, die innere Struktur und Zielsetzung des Gefängnisses zu beleuchten und mit der Art anderer totaler Institutionsformen zu vergleichen. Es ist an dieser Stelle zu betonen, dass laut Goffman (1973) die Kategorie Strafvollzug nicht primär auf das Wohl des inhaftierten Menschen und auf dessen fürsorgliche Unterstützung abzielt, sondern aufgrund der Notwendigkeit des Schutzes der Menschen in der Gesellschaft vor Straftätern existiert. Damit unterscheidet sich diese Institutionsform auffällig von den anderen vier Kategorien. Während bei den ersten beiden Gruppen, wie beispielsweise in Altersheimen oder Psychiatrien den hilfsbedürftigen Insassen geholfen werden soll und diese dementsprechende Unterstützungen erfahren, so steht bei Gefängnissen als totale Institution die Sicherheit und Unterstützung des Volkes im Vordergrund. Die Gesellschaft soll vor Menschen beschützt werden, die bewusst von den Regeln der Gesellschaft abweichendhandeln und somit eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Möller (1997)betont in diesem Zusammenhang: „Die Gefängnisse sind demnach für die in Freiheit Lebenden gedacht, sie haben die Funktion, auf Haft zu verweisen und mit ihr zu drohen. Sie halten eher die extramurale Bevölkerung zu normgetreuem Verhalten an, als daß sie für die Inhaftierten sinnvoll sind“ (Möller 1997, S. 29).

Die totale Institution ist demnach nicht primär für die Fürsorge des Insassen oder als Zufluchtsstätte zuständig, sondern sowohl die Sicherheit, als auch die Abschreckung des Volkessind als Zieledes Strafvollzugs zu bezeichnen. Betrachtet man an dieser Stelle den zweiten Paragraphen aus dem deutschen Strafvollzugsgesetz und vergleicht die Zielsetzung des Gesetzestextes mit der Theorie Goffmans (1973), so kann man zunächst einen deutlichen Zusammenhang erkennen:

„Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel). Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.“ (StVollzG, § 2)

Ferner wird dieser Gesetzestext folgendermaßen erweitert:„[…] Ihm soll geholfen werden, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern“ (StVollzG, § 129).

Vergleicht man die Beschreibung Goffmans (1973) zu dem Gefängnis als totale Institution mit dem in Deutschland gesetzlich festgelegtem Vollzugsziel, so kann man feststellen, dass diese beiden Ausführungen in dem Aspekt des Schutzes und der Sicherheit der Gesellschaft konform sind. Der Schutz der Allgemeinheit könnte somit als primäres Ziel des Strafvollzugs bezeichnet werden. Jedoch wird in dem Strafvollzugsgesetz die Resozialisierung, also die Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach der Haft, als weiteres Ziel hervorgehoben. Des Weiteren soll dem Insassen dabei „geholfen“ werden, was darauf zurückschließen lässt, dass der betroffenen Person Hilfsangebote gemacht werden müssen, um die Resozialisierung des Einzelnen zu erleichtern. Inwieweit Hilfsangeboteexistierenund auch von den Insassen genutzt werden, wird gegen Ende dieser Arbeit erörtert (vgl. Kapitel 5.4).

Man kann die Aufgaben und Zielsetzungen des Vollzugs noch weiter differenzieren, wie Möller (1997) anführt: „Die Institution Justizvollzugsanstalt (JVA) ist eingebettet in eine höhergeordnete Institution, die der Justiz. Diese hat die Aufgabe, kulturelle Werte und Verhaltensnormen zu schützen und ihre Befolgung zu gewährleisten“ (Möller 1997, S. 26). Möller ordnet die JVA der Justiz unter und demnachmüsste auch die Aufgaben- und Zielsetzung zwischen der Haftanstalt und der Justiz aufgeteilt werden. Nach dieser Annahme würde vermutlich die Justiz, ausgeführt von der Staatsanwaltschaft und dem zuständigen Gericht, die Gesellschaft vor einem Straftäter(durch dessen Verurteilung zur Freiheits-/Jugendstrafe) schützen. Das Gefängnis übernimmt daraufhin die Sicherheitsverwahrung und Kontrolle über den Delinquenten und ist darüber hinaus die Institution, in welcher anschließend die Resozialisierung stattfinden soll.

Der Strafvollzug ist für den Straftäter eine Institution, welcher er unfreiwillig beitritt: „Oft unvermittelt, werden die Störer aus ihrer täglichen Umwelt herausgerissen und in eine Institution verfrachtet“ (Hettlage 2008, S. 256). Unfreiwilligkeit steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit Zwang und dem Missachten der subjektiven Bedürfnisse und Entscheidungen. Das Resultat kann sich ineiner Gefährdung des Selbstbildes darstellen, worauf in dem Kapitel 4.2 näher eingegangen wird.Das Verbüßen einer Haftstrafe stellt somiteinenBruch in dem Lebender Insassen dar (vgl. Thomas 2004, S. 149).

In Anbetracht der Struktur und der Merkmale totaler Institutionen lässt sich festhalten, dass diese von der Außenwelt abgeschotteten Institutionen eine eigene, institutionell kontrollierte, vorgegebene und somit strukturierte Welt darstellen. Es entwickelt sich eine eigene Subkultur in diesen Institutionen, gewissermaßen eine Gemeinschaft der Insassen, die sich mit dem Eintritt in das totale System zugleich in einer neuen Lebenswelt zurechtfinden müssen. Da sich diese Arbeit mit dem Leben inhaftierter Frauen auseinandersetzt, ist es nun interessant, das (Er)leben von Frauen innerhalb der totalen Institution Strafvollzug zu betrachten. Wodurch sich die Lebenswelt delinquenter Frauen vor und während ihrer Haft kennzeichnet und in welchen Problemlagen sich die Betroffenen befinden, wird in dem nächsten Kapitel dieser Arbeit beschrieben und erörtert.

4. Die Lebenswelt der Inhaftierten

„Den Alltag in einem geschlossenen System zu verbringen, bedeutet unter anderem einen strikten und kontrollierten Tagesablauf, Kontaktarmut zu anderen Personen und eine extreme Einschlusssituation, bis zu 23 Stunden täglich“ (Hollenstein 2010, S. 69, Hervorhebung im Original)

Dieses Kapitel beinhaltet die Darstellung der Lebenswelten inhaftierter Frauen, sowohl vor ihrer Inhaftierung, als auch insbesondere unter dem Aspekt, dass sie sich in einer Institution befinden, in welcher ihre Handlungsfähigkeiten beschränkt sind und sie der totalen institutionellen Kontrolle unterlegen sind.Das Eingangszitat von Hollenstein (2010) weist bereits darauf hin, dass das Leben hinter Gittern von strengen Regeln und totalen Kontrollen bestimmt ist. Kontrollierte Tagesabläufe, die Trennung von der Familie und die umfassenden Einschränkungen der Insassinnen sind nicht nur die Merkmale totaler Institutionen, sondern stellen auch die Charakteristika der Lebenswelt Gefängnis dar. Bevor jedoch auf diese Lebenswelt präziser, bezogen auf die einzelnen Problemlagen, in denen sich inhaftierte Frauen befinden, eingegangen wird, bietet es sich im Vorfeld an, kurzden Begriff der Lebenswelt zu definieren, um die theoretische Grundlage in den Grundzügen zu verdeutlichen. Da eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Definition des Begriffs derLebenswelt zu umfangreich für diese Arbeit wäre, wird ausschließlich diephänomenologische[6] Definition von Alfred Schütz und Thomas Luckmann aus dem Jahr 1975[7] aufgeführt, welche als Einblick in die Thematik fungieren soll:

„Die Wissenschaften […] müssen mit einer Beschreibung der Grundstrukturen der vorwissenschaftlichen, für den – in der natürlichen Einstellung verharrenden – Menschen selbstverständlichen Wirklichkeit beginnen. Diese Wirklichkeit ist die alltägliche Lebenswelt. Sie ist der Wirklichkeitsbereich, an der der Mensch in unausweichlicher, regelmäßiger Wiederkehr teilnimmt. Die alltägliche Lebenswelt ist die Wirklichkeitsregion, in die der Mensch eingreifen und die er verändern kann […]“ (Schütz/Luckmann 1975, S. 23).

Die alltägliche Lebenswelt entsteht demnach durch die gegebenen Lebensbedingungen eines Menschen. In der alltäglichen Lebenswelt interagiert das Individuum mit anderen Personen, wodurch sich die spezifischen Handlungsmuster des Einzelnen etablieren, jedochdie individuellen Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen ebenso beschränkt werden können (vgl. Schütz/Luckmann 1975, S. 23). Ferner besteht die subjektive Lebenswelt aus einer Sammlung von Erfahrungen des Individuums. Diese Erfahrungen prägen die Sichtweise des Menschen und werden als „Wissensvorrat“ bezeichnet: „Jeder Schritt meiner Auslegung der Welt beruht jeweils auf einem Vorrat früherer Erfahrungen; sowohl meiner eigenen unmittelbaren Erfahrungen als auch solcher Erfahrungen, die mir von meinen Mitmenschen […] übermittelt wurden“ (ebd., S. 26). Diese Aussage weist darauf hin, dass die persönliche Biographie des Individuums eine wesentliche Rolle für die Lebenswelt des Menschen spielt. Die eigene Lebenswelt wird innerhalb der Gesellschaftmit der Lebenswelt anderer Mitmenschen, welche ein ähnliches Bewusstsein aufweisen, geteilt. Dadurch wird die subjektive Lebenswelt zu einer „intersubjektiven Wirklichkeit“ (ebd., S. 24). Denkt man beispielsweise an die Lebenswelt Gefängnis, so kann die Annahme entstehen, dass die Insassinnen zum großen Teil ähnliche Erfahrungendurch diestrukturierten Gegebenheiten der Institutionsammeln, vergleichbar handeln und sich somit in einer scheinbar identischen Lebenswelt befinden. Betrachtet man jedoch eine Ausführung von Schütz aus dem Jahr 1971, so muss darauf hingewiesen werden, dass sich die Lebenswelt des Einzelnen stets individuell erweitern und verändern kann und dies einerseits bedingt ist durch das individuell Erlebte und andererseits hervorgerufen werden kann durch die Erfahrungen, die in der Zukunft gesammelt werden können (vgl. Schütz 1971, S. 179 f., zit. nach Mollenhauer 1974, S. 34). Die gegenwärtige Welt des Individuums, basierend auf biographischen und aktuellen Erfahrungswerten, bezeichnet Schütz als „meine Welt“ (ebd.). Die Lebenswelt beinhaltet sogleich auch eine „offene Welt“, in welcher der Mensch neue Erfahrungen macht und sein Handlungsweisen und Denkmuster verändern oder intensivieren kann (vgl. ebd.). Die geteilte, ähnlich erscheinende Lebenswelt einer Gruppe ist daher stets von unterschiedlichen individuellen Einsichten und Perspektiven gekennzeichnet.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Lebenswelt ein Handlungsraum des Menschen ist, in welchem die subjektiv erlebten und alltäglichen Erfahrungen eine bedeutsame Rolle für das Handeln und Denken des Individuums spielen. Aufgrund der Handlungsmöglichkeiten und Denkweisen innerhalb des alltäglichen Lebens in der Gesellschaft entwickeln sich dann die spezifischen Lebenswelten des Einzelnen. Die bevorstehenden neuartigen Erfahrungen eines Individuums sind gleichermaßen ein Bestandteil der Lebenswelt und daher im Verlaufe dieser Arbeit näher zu betrachten. Der Übergang von einer biographisch geprägten und autonomen Lebenswelt in eine Welt, die sich als stark strukturiert und reglementiert auszeichnet, kann ein Spannungsfeld erzeugen, welches von den Betroffenen bewältigt werden muss.

Inwieweit sich dieses Spannungsfeld, das ausgelöst wird durch den Eintritt in die Institution Gefängnis, darstellt und wie dann die institutionelleSituation und die individuellen Problemlagen bewältigt werden können, wird in den folgenden Abschnitten und in dem fünften Kapitel verdeutlicht.

Zuvor ist jedoch ein Blick auf die Biographie und die Lebenswelt der Frauen vor dem Antritt der Haftstrafe sinnvoll, denn wie bereits betont sind die biographischen Erfahrungen für eine lebensweltliche Analyse ebenfalls zu betrachten.

4.1 Biographische Einflüsse auf die Lebenswelt

Der Lebenslauf inhaftierter Frauen weist bereits vor der Inhaftierung in einer Vielzahl von Fällen erhebliche Brüche und Problemlagen auf (vgl. Balis 2007, S. 320; Kestermann 2005, S. 24; Jansen 2007, S. 213 f.; Kawamura-Reindl 2003, S. 382; Luck 2009, S. 33; Thomas 2004, S. 18). Diesbezüglich sind Missbrauchserfahrungen, Formen der häuslichen Gewalt undDrogenabhängigkeitals schwierige Lebenslagen aufzuführen. Lebenslagen sind, vereinfacht gesagt, die äußeren Umstände oder die Rahmenbedingungen,in denen sich ein Mensch befindet:

„Als ‚Lebenslage‛ wird die Gesamtheit der äußeren Bedingungen bezeichnet, durch die das Leben von Personen oder Gruppen beeinflusst wird. Die Lebenslage bildet einerseits den Rahmen von Möglichkeiten, innerhalb dessen eine Person sich entwickeln kann, sie markiert deren Handlungsspielraum. Andererseits können Personen in gewissem Maße auch auf ihre Lebenslagen einwirken und diese gestalten […].“

(Engels 2008, S. 643).

[...]


[1] Anzahl der Insassinnen 1995: 1706 Anzahl 2006: 3262 (vgl. Zolondek 2008, S. 36).

[2] Mit prekären Lebenslagen sind die problematischen und unsicheren Lebensverhältnisse der Frauen gemeint.

[3] Ab 14 Jahren darf ein Mensch in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden (vgl. Strafgesetzbuch [StGB], § 19). In dieser Arbeit werden altersunabhängige genderspezifische Merkmale erarbeitet, daher wird mit dem Begriff „Frauen“ die Gesamtheit aller weiblichen Insassen bezeichnet.

[4] Die Anstalten befinden sich in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg), Berlin, Frankfurt a.M. (Hessen), Vechta (Niedersachsen) und in Willich in Nordrhein-Westfalen (vgl. Zolondek 2008, S. 36).

[5] 2004 hatte die JVA Vechta eine Aufnahmekapazität von 180 Plätzen, inhaftiert waren jedoch 200 Frauen, was eine deutliche Überbelegung darstellt (vgl. Thomas 2004, S. 156).

[6] Phänomenologie ist als Wissenschaft von dem Phänomen zu bezeichnen und beinhaltet die Annahme, dass die Welt, wie sie einem Menschen erscheint, die einzig wirkliche Welt ist (vgl. Zahavi 2007, S. 13 ff.)

[7] Der Begriff „Lebenswelt“ wurde erstmalig in der Phänomenologie von Edmund Husserl (1954) in dessen Manuskript „Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie“ geprägt. Alfred Schütz gründete sein Werk auf die Ausführungen Husserls und erweiterte die Theorie (vgl. Schütz/Luckmann 1975, S. 13).

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Die Totale Institution Gefängnis: Lebenswelten und Strategien der Bewältigung inhaftierter Frauen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
57
Katalognummer
V199488
ISBN (eBook)
9783656268475
ISBN (Buch)
9783656270799
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Totale Institution, Frauen im Gefängnis, Goffman, Lebenswelt Gefängnis
Arbeit zitieren
Christin Pietsch (Autor), 2012, Die Totale Institution Gefängnis: Lebenswelten und Strategien der Bewältigung inhaftierter Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199488

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