Der Film „Blade Runner“ aus der Sicht der Technikphilosophie


Seminararbeit, 2012
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

Einleitung

Das Buch zum Film und dessen Botschaften

Inhalt und Schwerpunktsetzung des Films

Wesentliche Botschaften des Films
Dystopie – Los Angeles als überbevölkerter, multiethnischer Slum
Replikanten übertreffen den Menschen in fast allen Belangen
Umgekehrte Emotionalität – Replikanten gefühlvoller als Menschen
Implantierte Erinnerung – kann man seinen Erinnerungen noch trauen?
Mythen – Schöpfer und Geschöpf, Vatermord, Vergebung, Erlösung, Einhorn, Augen

Philosophische Fragen des Films
Identitätsverlust – wer ist Mensch, wer ist Replikant, wo liegt die Grenze?
Die Dichotomien Subjekt und Objekt, Kultur und Natur, Herr und Sklave
Körper, Geist und Bewusstsein aus der Retorte
Emotion und Empathie
Künstliche Erinnerung, Erfahrung und Wahrnehmung
Gender - Rollenbilder weiblicher und männlicher Replikanten
Ethische Fragen in „Blade Runner“

Blade Runner als Kultfilm

Schlussbemerkung

Literatur

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Der Film “Blade Runner” des englischen Regisseurs Ridley Scott, anfangs nicht gerade ein Publikumserfolg, hat sich im Laufe einiger Jahre zu einem viel diskutierten Kultfilm entwickelt, dessen Faszination man sich auch heute, 30 Jahre nach der Premiere, nur schwer entziehen kann. Die Gründe dafür dürften unter anderem in dem beklemmenden, dystopischen Zukunftsbild liegen, das Scott meisterhaft auf die Leinwand gebracht hat und das heute noch zu technikphilosophischen Betrachtungen herausfordert.

Die Grundidee des Filmdrehbuchs wurde dem Buch „Do Androids Dream of Electric Sheep“ von Philip K. Dick aus dem Jahr 1968 entnommen, das in melancholischen Grundtönen ein Szenario nach dem Dritten Weltkrieg zeichnet, in welchem die devastierte und strahlenverseuchte Erde weitgehend entvölkert ist, weil die Mehrzahl der Erdenbewohner bereits mit Unterstützung der Regierungen auf den Mars ausgewandert ist. Auf der Erde herrschen Chaos und Paranoia, die Strahlenbelastung, das beinahe vollständige Aussterben der Tierwelt und die Gefahr durch außer Kontrolle geratene Androiden machen das Leben für die verbliebenen Menschen zu einer Herausforderung, die nur mehr mit künstlichen Emotionsschüben aus futuristischen Empathiegeräten zu bewältigen ist.

Der Film Blade Runner greift aus der Romanvorlage das filmisch am eindrucksvollsten darzustellende Thema heraus, nämlich die im Roman nur vergleichsweise unspektakulär beschriebene Jagd des „blade runners“ Rick Deckard nach illegalen Replikanten und deren Ausschaltung nach teilweise lebensgefährlichen und spannend inszenierten Zweikämpfen.

Als Grundlage zum Verständnis des Filmstoffes beginnt die vorliegende Arbeit mit einer kurzen Darstellung der Buchvorlage und deren wesentlicher Aus sagen.

Dann werden der Inhalt des Films und dessen thematische Schwerpunkte kurz skizziert.

Damit die folgenden philosophischen Fragen auch für Leser verständlich werden, die den Film nicht kennen, werden zunächst noch die wesentlichen Botschaften des Films zusammengefasst und kurz kommentiert.

Das Hauptthema der Arbeit sind die im Film angeschnittenen philosophischen Fragen, die analysiert, kommentiert und mit Literaturzitaten unterlegt werden.

Zuletzt wird die Frage erörtert, was den Film zum Kultfilm gemacht hat, der heute noch Gesprächsthema ist und zum Nachdenken anregt.

Insgesamt soll die Arbeit somit einen Eindruck von diesem vielschichtigen Film und seinen geistigen Quellen vermitteln und die im Film angedeuteten philosophischen Fragestellungen aus der Perspektive der Technikphilosophie beleuchten.

Das Buch zum Film und dessen Botschaften

Das dem Drehbuch zugrunde liegende Buch, „Do Androids Dream of Electric Sheep“ von Philip K. Dick (1968) beginnt bezeichnenderweise mit einer Agenturmeldung aus dem Jahr 1966, die den Tod einer beinahe 200 Jahre alten Schildkröte des Königs der Pazifik-Insel Tonga zum Inhalt hat, die von den Inselbewohnern als einer ihrer Häuptlinge verehrt wurde. Damit ist das Hauptthema des Buches schon angedeutet: Es geht um den Wert des natürlichen Lebens auf einer vom dritten Weltkrieg devastierten Erde. Das Buch zeichnet ein dystopisches Szenario der Stadt San Francisco nach dem dritten Weltkrieg, wo in einer durch Strahlenbelastung zerstörten Umwelt die Menschen, die noch nicht das Angebot der Auswanderung auf den Mars angenommen haben, ihr Leben fristen. Die Auswanderung auf ferne Planeten steht nur den „regulars“ offen, also jenen Menschen, die nicht von strahlenbedingten Gendefekten betroffen sind und die Auswanderungstests bestanden haben.

Tiere sind beinahe ausgestorben und werden zu Liebhaberpreisen gehandelt, die für Durchschnittsmenschen unerschwinglich sind. Künstlich hergestellte Tiere sind zwar äußerlich kaum von den echten zu unterscheiden, können diese aber vor allem emotional nicht ersetzen. Gerade im Verschwimmen der Grenzen zwischen echten und nachgemachten Tieren zeigt sich der unermessliche Wert des „gewachsenen“ Lebens.

Um die Menschen zur Auswanderung auf den Mars zu bewegen und sie dort zu unterstützen, wurden ihnen künstliche Sklaven zur Verfügung gestellt, die echten Menschen nachgebildet wurden. Diese humanoiden Roboter, im Buch Androiden, im Film dann Replikanten genannt, wurden so weit entwickelt, dass sie nur mehr in ausgeklügelten Tests, deren Zuverlässigkeit noch dazu umstritten ist, von „echten“ Menschen unterscheidbar sind. Das einzige noch verbliebene Unterscheidungskriterium ist die bei den Replikanten kaum ausgeprägte Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen und Mitleid zu empfinden. Diese Grenze zwischen echten und industriell erzeugten Menschen wird jedoch mit jedem weiteren technologischen Entwicklungsschritt verwischt. Replikanten haben eigene Emotionen entwickelt und sind zu einer Gefahr für die Menschen geworden. Sie werden deshalb von der Polizei gejagt und „zurückgezogen“, wie ihre Tötung euphemistisch genannt wird.

Die auf der Erde verbliebenen Menschen werden aus dem einzigen noch funktionierenden Fernsehkanal ständig mit politischen und pseudoreligiösen Botschaften bearbeitet und verwenden die „empathy box“, um sich mit ihrem religiösen Führer zu verbinden. Ihre Stimmung beeinflussen sie durch die Wahl entsprechender Einstellungen an ihrer „Penfield box“, die ihr Aktivitätsniveau steuert.

Insgesamt entwickelt das Buch eine Zukunftsvision, mit der man sich nur ungern konfrontiert: Manipulierbare und von anonymen Autoritäten manipulierte Menschen in einer devastierten Welt, bedroht von außer Kontrolle geratenen menschenähnlichen Robotern. Die Umwelt ist zerstört und dem weiteren Verfall preisgegeben und die Grenzen zwischen Mensch und Natur verschwimmen. Nur mit Hilfe technischer Geräte, die in den Gefühlshaushalt eingreifen, lässt sich dieses Leben ertragen.

Inhalt und Schwerpunktsetzung des Films

Der Film Blade Runner beschreibt die – letzten Endes erfolgreiche - Jagd eines von der Polizei wieder zur Mitarbeit gezwungenen früheren Polizisten, Rick Deckart, nach sechs Replikanten, die verbotener­weise vom Mars auf die Erde zurückgekehrt sind. Um die Kunstmenschen überhaupt als solche zu erkennen, verwendet die Polizei einen standardisierten Test, der über die mittels Testgerät vergrößerten Augen­reaktionen bei der Beantwortung von Testfragen die Fähigkeit der Probanden zur Empathie feststellt. Replikanten sind nur mit geringer Empathie ausgestattet und dadurch also solche zu erkennen – das einzige Unterschei­dungsmerkmal, das die Polizei zur Verfügung hat. Replikanten, die als solche identifiziert werden, dürfen von der Polizei auf kurzem Wege getötet werden, weil ihre bloße Anwesenheit auf der Erde ein mit der Todesstrafe belegtes Verbrechen darstellt.

Die Handlung spielt im Los Angeles des Jahres 2019, also beim Erscheinen des Films 37 Jahre in die Zukunft versetzt. Nachdem ein als Replikant Verdächtigter während seines Tests die Frage nach guten Erinnerungen an seine Mutter nicht beantworten konnte und sich brutal einen Fluchtweg freigeschossen hatte, wurde Rick Deckart gezwungen, die Jagd nach den illegalen Replikanten zu übernehmen. Um sich vorzubereiten, fliegt er zur Tyrell Corporation, dem Hersteller der Replikanten, um ein neues Modell zu testen. Dr. Tyrell bittet ihn, zuerst einen Negativtest an seiner Mitarbeiterin, Rachael, durchzuführen. Nach einer ungewöhnlich hohen Zahl von Testfragen kann Deckart feststellen, dass sie eine Replikantin ist, ein neues Modell, das selbst nicht von seinem Replikant-Sein weiß.

Als Deckart abends nach Hause kommt, wartet Rachael vor seinem Appartement, aufgewühlt durch das Testergebnis. Sie zeigt Fotos, die sie als Kind mit ihrer Mutter zeigen, um zu belegen, dass sie keine Replikantin ist. Deckart beweist ihr aber, dass ihre Erinnerungen künstlich sind, indem er diese aus seinen Polizeiakten in allen intimen Details kennt, auch solchen, die Rachael nie mit irgendjemandem geteilt hat. Immerhin hat sie eine gewisse Zuneigung zu Deckart gefasst, denn sie rettet ihm das Leben, als er in einer Konfrontation mit dem Replikanten, der seinen Kollegen erschossen hatte, zu unterliegen droht. Obwohl Deckart den Auftrag erhält, auch sie zu töten, lässt er sich auf eine Liebesbeziehung mit ihr ein.

Der Anführer der Replikanten, Roy, verschafft sich Zutritt zu Dr. Tyrells Appartement, um ihm eine Verlängerung seines auf vier Jahre begrenzten Replikantenlebens abzuringen. Der „verlorene Sohn“ trifft seinen Schöpfer. Als dieser alle diskutierten Möglichkeiten der Lebensverlängerung als undurchführbar zurückweist, tötet ihn der Replikant mit seinen übermenschlichen Kräften – ein klassischer Vatermord.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Film „Blade Runner“ aus der Sicht der Technikphilosophie
Hochschule
Universität Wien  (Philosophie)
Veranstaltung
Science and Fiction
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V199497
ISBN (eBook)
9783656259817
ISBN (Buch)
9783656259916
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, Technikphilosophie, Blade Runner, Androide, Replikant, Scott, Dick, Do Androids Dream of Electric Sheep?
Arbeit zitieren
Karl-Heinz Mayer (Autor), 2012, Der Film „Blade Runner“ aus der Sicht der Technikphilosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199497

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