Kommunikationscontrolling. Entwicklung, Techniken und Implementierung


Fachbuch, 2012

168 Seiten


Leseprobe

0. Kommunikation & Controlling - Begrifflichkeiten

Die Kombination von Kommunikation & Controlling versetzt natürlich im ersten Moment jeden, der sich als „Kommunikator“ versteht, in eine Schockstarre, da klassischerweise Welten zwischen ihm & dem Controlling bestehen. Controlling ist jedoch auch & gerade in mittelständischen Unternehmen hochetabliert, allgegenwärtig und als „Koordination der Führung“ per se mit allem befasst – also warum auch nicht mit der UnternehmensKommunikation?

Eine Speerspitze von beherzten Wissenschaftlern & Controllern versucht seit einigen Jahren das Thema KommunikationsControlling zu entwickeln und in die Fläche zu tragen. Die mit recht hohem Aufmerksamkeitswerten – nicht zuletzt aufgrund der kribbelnden Wortkombination - betrachteten Begrifflichkeiten & Konzepte sind in den vorangegangenen Kapiteln bereits ausführlich beschrieben. Hier sei lediglich ergänzt, dass die wissenschaftlichen Abgrenzungen, die der notwendigen sorgfältigen Einjustierung in das dann allgemein verwendete Begriffsgebäude dienen, im Mittelstand wieder stark vereinfacht werden müssen. Die sezierten Einzelfunktionen, die als solche ein Spannungsfeld zwischen Machen & Reflexion erzeugen sollen, werden aufgrund notwendiger Effizienz sowie durch das Tagesgeschäft häufig als Nebenfunktion kumuliert oder als Zusammenfassung mehrerer Funktionen in einer Person wahrgenommen.

Die eigentliche Funktion des Controllings als Alter Ego zur ausführenden Funktion bleibt deshalb häufig nur Illusion. In der Regel kann man deshalb in der mittelständischen Praxis nicht KommunikationsManagement & KommunikationsControlling dividieren[i]. Evaluation – als „rückblickende, mitlaufende oder vorausschauende Kontrolle von PR-Maßnahmen“ oder einzelner konkreter KommunikationsMassnahmen wird teils der Managementfunktion teils als Teilaspekt des KommunikationsControllings gesehen[ii].

Es sei mir hier erlaubt, die Themenstellung aus Sicht des mittelständischen Unternehmens – mit den entsprechenden Eigenheiten – grundsätzlich in Form von 6 „Thesen“[iii] zu entwickeln.

1. (Basis)THESE: Kommunikation = conditio sine qua non

Kommunikation kann zweifelsfrei als das zentrale unternehmerische Wesenselement bezeichnet werden – die Nervenstränge eines sonst völlig gelähmten Körpers. Ein Unternehmen ohne Kommunikation ist nicht vorstellbar bzw. kann gar nicht als solches existent sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insbesondere gilt dies für jede Art von Führung oder ManagementProzessen UnternehmensFührung im Sinn der wesensnotwendigen Zielkoordination geht nur durch Kommunikation. Ebenso wird in allen Modellen von der wesensbestimmenden Existenz eines Zielsystems – auch für die Kommunikation - als Voraussetzung unternehmerischen Handelns ausgegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Damit bietet Kommunikation überhaupt erst die Möglichkeit zur Wertschöpfung und ist unbestritten selbst auch wertschöpfend.

Das gilt natürlich für die Kommunikation nach innen wie nach außen.

2. THESE: Kommunikation & Wertschöpfung verhalten sich nicht proportional zueinander

Ziele & Strategien an sich haben keinen Wert, wenn sie nicht empfängerorientiert kommuniziert werden – ja sie haben sogar dann noch keinen großen Wert, wenn sie nicht mit den Schlüsselkräften im Wege der Kommunikation / Diskussion gemeinsam erarbeitet werden.

Erst wenn aus „Bekommunizierten“ Beteiligte im Managementprozess werden, die selbst handelnd Verantwortung übernehmen wird eine Meta- & unmittelbare Wertschöpfung erbracht.

Es kommunizieren immer Menschen – mittelbar oder unmittelbar & Menschen kommunizieren bekanntlich immer[iv] - verbal oder nonverbal. Wird also nicht TopDown & vice versa innerhalb des ManagementProzesses kommuniziert, wird automatisch versucht, dieses empfundene Defizit durch vorwiegend horizontale – damit nicht notwendigerweise immer zielkoordinierende (effektive) Kommunikation zu ersetzen. Es müssen sich entsprechend im betriebswirtschaftlichen Sinn ex definitione ineffektive & ineffiziente Kommunikationsstrukturen ausbilden.

Es sei denn, wir haben es mit dem (leider) Sonderfall eines Pionierunternehmens zu tun, in dem noch das comming out, die Bewährungsprobe bevorsteht, alle intuitiv an einem Strang ziehen und noch kein Reviergehabe notwendig ist, um Erfolg zu haben. Übrigens gilt es als die höchste Kunst eines Unternehmensführers, die hochflexiblen und gleichzeitig hocheffektiven & -effizienten Strukturen eines Pionierunternehmens (wieder) herzustellen. Eine solche Unternehmensstruktur ist in der Regel auch quasi automatisch durch die effektivste Form der Kommunikation gekennzeichnet, die sich weitgehend auf den Inhalt konzentriert und wenig durch machtsichernde Influenzen moduliert wird[v].

Bei Befragungen im Rahmen von Beratungsprojekten in Unternehmen hört man auf die Frage nach dem größten wahrgenommenen Problem immer an erster Stelle die vielsagende Aussage: „Hier mangelt es an Kommunikation“/ „Ich werde nicht richtig informiert“/ „Mir sagt ja keiner was“/ …. Hier blitzt deutlich das Untergebenen-/Opfer-Gefühl heraus. Kommunikation als Machtfaktor / „Herrschaftswissen“ also als unterlassen empfundene Kommunikation, als Speerspitze des kleinen Macchiavelli. ‚Bekommuniziert’ zu werden wird als legitimer ‚Anspruch’ an das Management/ Unternehmen begriffen.

Im Management hört sich das ganz anders an: „Wie oft sollen wir das denn noch erklären“ / „Man könnte ja auch mal nachfragen“ /“ Da hört wieder keiner zu“ / „Wir machen schon so viele Meetings, dass man gar nicht mehr zum Arbeiten kommt“….

[...]


[i] So wie z.B. Pfannenberg/Zerfass 2005 KommunikationsControlling als Metapart zur Unternehmenskommunikation

[ii] A. Zerfass: Unternehmenskommunikation 2007

[iii] „THESE“ ist hier nicht immer als neues wissenschaftliches Postulat zu sehen sondern kann auch zitierter Teil vorhandener Erkenntnisse im Rahmen der hier entwickelten Stellungnahme sein

[iv] Paul Wazlawick: Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien; Bern 2011

[v] Inhalts- & Beziehungsaspekt nach Paul Wazlawick ebenda

Ende der Leseprobe aus 168 Seiten

Details

Titel
Kommunikationscontrolling. Entwicklung, Techniken und Implementierung
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Autoren
Jahr
2012
Seiten
168
Katalognummer
V199590
ISBN (eBook)
9783656288909
ISBN (Buch)
9783656290391
Dateigröße
4154 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunikationscontrolling, entwicklung, techniken, implementierung
Arbeit zitieren
Dieter Neumann (Autor:in)Wolfgang Reineke (Autor:in), 2012, Kommunikationscontrolling. Entwicklung, Techniken und Implementierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199590

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