Der Beruf des Rock-/Popmusikers: Grundlagen, Sozialgeschichte und Genderaspekte


Essay, 2007

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Traumberuf Popmusiker?

Nicht erst seit dem großen Erfolg von Casting Shows wie „DSDS“ träumen viele Jugendliche von einer Karriere als Popmusiker. In den Starsimulationen werden aus Durchschnittstypen scheinbar im Handumdrehen Popstars. Doch die sorgfältig inszenierten Shows tragen auch dazu bei, dass die Unterscheidungsfähigkeit der Zuschauer, zwischen dem Image des Popstars und dem Beruf des Popmusikers auf die Probe gestellt wird. Ein Blick hinter die glitzernde Oberfläche, macht deutlich, dass der Beruf des Rock-/Popmusikers zwar weniger glamourös, dafür aber weitaus facettenreicher ist, als es der Mythos des gefeierten Rockstars suggeriert.

Job aktuell

(1) Tätigkeitsbeschreibung

Die gängigste Vorstellung von dem Beruf des/der Popmusiker(s)In ist die eines Sängers, eines Frontmanns oder einer Solokünstlerin. Sie sind die Akteure im Rampenlicht und genießen die größte Medienaufmerksamkeit. Jenseits der öffentlichen Wahrnehmung allerdings, hat der Beruf des Rock-/Popmusikers viele Gesichter. Der Songwriter beispielweise führt häufig ein Schattendasein, als Zuarbeiter von Künstlern und Produzenten. Anders als im Independent-Bereich, sind Songwriter und Performer im Mainstream-Chartpop oft nicht identisch. Das heißt der Beruf des Songwriters ist zumindest in dieser Domäne hochgradig professionalisiert.[i] Neben dem Schreiben von Songtexten, gehört häufig auch das Arrangieren und Produzieren von Popsongs zu dem Wirkungsbereich des Songwriters. Er sollte daher profunde Kenntnisse im Bereich Arrangiertechnik und Harmonielehre mitbringen und vor allem in der Lage sein Stimmungen, Ideen und musikalische Einflüsse zu Songs zu verarbeiten. Eingespielt werden Popsongs von Studio- und Livemusikern. Dabei handelt es sich meist um erfahrene Profimusiker, die ihr Instrument überdurchschnittlich gut beherrschen. Studiomusiker benötigen ein hohes Maß an Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit, wohingegen Live- bzw. Tourneemusiker vor allem in ihrer Rolle als Zuspieler für einen Künstler funktionieren müssen.[ii] Ausschlaggebend für den Erfolg der Protagonisten bzw. Stars der Rock-/Popmusik, sind neben dem rein musikalischen Können auch außermusikalische Fähigkeiten: Dazu gehören Performance- und Entertainerqualitäten ebenso wie ein professioneller Umgang mit den Medien. Eine Schlüsselqualifikation ist sicherlich die Fähigkeit zur Selbstvermarktung, zumal es durchaus eine Leistung ist, ein Image dauerhaft marktkonform zu verkörpern. Möchte man den unterschiedlichen Berufsgruppen und Ausformungen des Rock-/Popmusikers Rechnung tragen, ist eine einheitliche Definition des Betätigungsfelds kaum möglich. Im Allgemeinen lässt sich jedoch sagen, dass PopmusikerInnen mit der Produktion und/oder Aufführung von Popmusik beschäftigt sind.[iii] Je nach Popularität und kommerzieller Ausrichtung des Musikers, ist das Berufsfeld entweder arbeitsteilig organisiert (Musikindustrie) oder beschränkt sich auf die Arbeit von einzelnen, vielseitigen Personen (Independent- und Amateurbereich). So wäre es z.B. durchaus üblich, dass der Sänger einer Independent-Band zugleich als Songwriter und Produzent auftritt. Im weitesten Sinne können auch Musical SängerInnen oder professionelle Laien, wie Tanzband-Musiker dem Berufsbild zugeordnet werden.

(2) Ausbildungswege

Bedingt durch die Diversität der Tätigkeitsfelder eines Rock-/Popmusikers, folgt auch der Ausbildungsweg keinem standardisierten Muster. Im Gegenteil, kaum eine Künstlerbiographie gleicht der anderen. Ein wohl immer noch sehr verbreiteter Zugang ist die autodidaktische Aneignung von Gesangs- oder Instrumentalfertigkeiten. Durch den Kontakt zu anderen Musikern kann das Zusammenspiel als Band nach dem Learning-by-Doing-Prinzip entwickelt werden. Als Sprungbrett dienen dann oftmals Bandcontests, wie z.B. der „John Lennnon Talent Award“. Eine recht junger Trend, ist die Lancierung spezieller Studiengänge, in denen popmusikalisches Know-how praxisnah vermittelt werden soll. Entsprechende Studienangebote gibt es in Deutschland unter anderem in Hamburg, Berlin und Mannheim. Die Schaffung solcher Ausbildungsmöglichkeiten steht auch im Zeichen einer sukzessiven Professionalisierung der Pop-Berufsbilder. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung bereits zu Anfang der neunziger Jahre, als zunächst in Nordamerika spezielle Colleges und Akademien für ambitionierte Popmusiker eingerichtet wurden. Offensichtlich ist diese Maßnahme auch als Schulterschluß mit der Musikindustrie zu betrachten, die ihrerseits stark rationalisiert arbeitet und damit auf professionell ausgebildete Studiomusiker angewiesen ist.[iv] Anstelle von autodidaktisch heranreifenden Popmusikern, steigt mit den Ausbildungsmöglichkeiten also sicher auch die Zahl der handwerklich geschulten Profis. Einen scheinbar umweglosen Einstieg in den Beruf des Rock-/Popmusikers versprechen die inzwischen in vielen Ländern ausgestrahlten Casting-Shows. Von einem Ausbildungs weg kann hier eigentlich nicht die Rede sein, die Shows fungieren eher als Sprungbrett für Autodidakten. Längerfristige Karrieren haben die Casting-Formate bisher allerdings nur vereinzelnd hervorgebracht. Wie in jedem anderen Musikerberuf ist die frühzeitige Entdeckung und Förderung der Gesangs- und Spielfähigkeiten richtungsweisend für eine Karriere als Rock-/Popmusiker. So haben bekannte Künstler wie Madonna, Prince oder Justin Timberlake bereits im Kindesalter ihre ersten Bühnenerfahrungen gesammelt.

(3) Arbeitsmarkt / Verdienstmöglichkeiten

Ein freiberuflicher Tanz und Popmusiker, verdient nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in Deutschland durchschnittlich 720 Euro Brutto im Monat.[v] Diese desillusionierende Zahl revidiert einmal mehr den Mythos vom materiellen Wohlstand, der mit dem Beruf des Popmusikers assoziativ verbunden scheint. Anders als in einigen anderen Branchen, besteht am Popmusikmarkt kein direkter Zusammenhang zwischen der künstlerisch-kreativen Leistung und dem finanziellen Erfolg. Die Verdienstmöglichkeiten richten sich in der Regel nach dem Popularitätsgrad und der kommerziellen Ausrichtung eines Künstlers. Folglich kann das Einkommen zwar Extreme annehmen, die in Durchschnittsberufen kaum erreicht werden, dies ist jedoch gerade bei Freiberuflern nicht der Regelfall. Tatsächlich erleben freiberufliche Musiker, Songwriter und Producer häufig Patchwork-Karrieren und müssen sich mit vielen kleinen Jobs über Wasser halten. In diesem Fall gibt es weder geregelte Arbeitszeiten, noch ein regelmäßiges Einkommen. Die soziale Absicherung des Tanz- und Popmusikers (offizielle Berufsbezeichnung) wird in Deutschland von der Künstler Sozialkasse (KSK) getragen. Zudem setzten sich Gewerkschaften, wie die IG-Medien für die Interessen der Musiker ein, etwa für die Durchsetzung von Mindestgagen. In den vergangenen 5-10 Jahren hat sich die Situation am Arbeitsmarkt für Rock-/Popmusiker stark verändert. Bedingt durch die noch immer andauernde Regression der Tonträgerindustrie, haben sekundäre Verdienstwege wie das Merchandising und die Selbstvermarktung der Künstler an Bedeutung gewonnen. Hier bietet das Internet im Web 2.0 Zeitalter mit Musik-Netzwerken wie MySpace oder Videoportalen wie Youtube neue Verbreitungsmöglichkeiten. Überdies sind digitale Plattenfirmen (sogenannte Weblabels) allmählich auf dem Vormarsch, womit die Monopolstellung der Musikindustrie im Tonträgervertrieb zumindest partiell bröckelt. Für den Beruf des Rock-/Popmusikers erfordert der rasante medientechnologische Entwicklungskurs ein neues Selbstverständnis: Gefragt sind nicht mehr nur herausragende Musiker, sondern Universaltalente, die in der Lage sind sich selbst zu vermarkten.

[...]


[i] Vgl. Ziggenrücker / Wi>

[ii] Vgl. Schmidt-Joos / Kampmann /Graves / Halbscheffel (2008): Rock-Lexikon, S. 16.

[iii] Vgl. Schmidt-Joos / Kampmann /Graves / Halbscheffel (2008): Rock-Lexikon, S. 16.

[iv] Vgl. Schmidt-Joos / Kampmann /Graves / Halbscheffel (2008): Rock-Lexikon, S. 17ff.

[v] Vgl. http://www.miz.org/intern/uploads/statistik85.pdf, Abrufdatum: 21.07.2009

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Beruf des Rock-/Popmusikers: Grundlagen, Sozialgeschichte und Genderaspekte
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Musikerberufe
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V199756
ISBN (eBook)
9783656293743
Dateigröße
1097 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Manuskript wurde 2012 teilweise überarbeitet und aktualisiert.
Schlagworte
beruf, rock-/popmusikers, grundlagen, sozialgeschichte, genderaspekte
Arbeit zitieren
Jens Frieling (Autor), 2007, Der Beruf des Rock-/Popmusikers: Grundlagen, Sozialgeschichte und Genderaspekte , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199756

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