Evaluationsforschung in allgemeinbildenden Schulen

Möglichkeiten und Grenzen


Hausarbeit, 2012

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Evaluationsforschung im Überblick
2.1 Begriffsannäherung - Was ist Evaluation?
2.2 Formen von Evaluation

3 Möglichkeiten und Grenzen von Evaluationsforschung im allgemeinen Schulsystem
3.1 Überforderung des Schulsystem
3.2 Kontrolle der Lehrer u. Anregung des pädagogischen Diskurses in Schulen
3.3 Die Meinung der Lehrer
3.4 Methodischer Zugang - das „wie“ in Evaluation
3.5 Auftragsforschung und Normen

4 Resümee

5 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während meiner Schulzeit am Gymnasium, wurde ich Zeuge eines, wie ich finde, eigentümlichen Ereignisses. Unsere Schule wurde von staatlicher Seite durch EVIT evaluiert. EVIT ist das Evaluationsinstrument des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein und das Akronym für externe Evaluation im Team. (vgl. EVIT) Das skurrile an der Situation war vornehmlich die Reaktion der Lehrer. Sie reichte vom passiven Widerstand gegen die Beobachtung des eigenen Unterrichts durch die Evaluatoren bis zur vollständiger Kooperation und nie dagewesener Motivation der Lehrkraft.

Mir fiel bereits damals auf, wie unglaublich kontrovers das Thema Evaluation in einer Schule aufgenommen wird. Es fiel vor allem dadurch auf, weil sich die Lehrer nicht einig waren.

Dies wirft zwei Fragestellungen auf, die ich in dieser Arbeit behandeln möchte. Einerseits, was sind die Grenzen und die Möglichkeiten, die eine Evaluation einer Schule bietet, und andererseits, inwiefern ist das teilweise extreme Verhalten der Lehrer rational erklärbar bzw. ist es nur ein Ausdruck von emotionaler Befindlichkeit gewesen.

Ich werde mich im Verlauf dieser Arbeit in einem ersten Schritt der Evaluation als solcher nähern und versuchen Verfahren und Begriffe zu klären, um dann in einem zweiten Schritt wesentliche Aspekte der Evaluation in Schulen zu besprechen. Abschließend möchte ich die Fragen in einem Resümee beantworten.

2. Evaluationsforschung im Überblick

2.1 Begriffsannäherung - Was ist Evaluation?

Der Begriff Evaluation wird in der pädagogischen Fachwelt immer häufiger, nahezu inflationär, verwendet. Er ist jedoch ein inhaltlich wenig fixierter und sehr dehnbarer Begriff. (Wottawa/Thierau 1998, S. 13) Beispielsweise meint der Begriff Evaluation einerseits die Durchführung eines Beurteilungsprozesses, genauso wie dessen Ergebnis. (Stockmann 2007, S. 25; Gollwitzer 2009, S. 6) Daher möchte ich diesen zunächst einmal näher bestimmen.

Das Wort Evaluation stammt vom lateinischen Wort „valor“ für Wert und dem Präfix „ex“, was so viel wie „aus“ bedeutet, ab. Zusammengefasst kann man es also mit „auswerten“, „einen Wert aus etwas ziehen“ oder auch „bewerten“übersetzen. Folglich ist Evaluation die Bewertung eines Objekts anhand bestimmter Kriterien. (vgl. Stockmann 2007, S. 25)

Es ist dabei zu beachten, dass die Evaluation nicht nur das reine Bewerten beinhaltet sondern mit ihrem Handeln immer eine Intention und zudem einen Auftraggeber birgt. (Stockmann 2007, S. 25; Bortz/Döring 2006 S. 98)

Die Kernfrage der Evaluation ist: „Was wird von wem anhand welcher Kriterien wie evaluiert?“ (vgl. Stockmann 2007, S. 39; Dörfler 2007, S. 108) Erweitert man dies noch um eine Frage nach der Intention, also ein „wozu“, hat man eine Leitfrage, mit der man sich der Evaluation weiter nähern kann.

Beginnen wir zunächst mit dem Evaluationsobjekt, also der Frage nach dem „was“. Wottawa und Thierau (1998, S. 61) kategorisieren die Evaluationsobjekte wie folgt :

- Personen: Bspw. die Bewertung eines Lehrers durch seine Kollegen und seinen Vorgesetzten.
- Umweltfaktoren: Wie wirkt sich Straßenlärm auf den Unterricht aus?
- Produkte: Erfüllen Schulbücher den geforderten Nutzen in der Unterrichtsgestaltung?
- Techniken/Methoden: Ist ein Unterrichtssetting zielführend?
- Zielvorgaben: Sind die gesetzten Ziele mit den gegebenen Mitteln erreichbar?
- Projekte/Programme: die Evaluation eines Konzepts von Klassen mit heterogener Altersverteilung
- Systeme/Strukturen: Vergleich von privaten undöffentlichen Schulen
- Forschung: Gutachtenüber Forschungsanträge oder die zusammenfassende Bewertung der erreichten Ergebnisse Das Evaluationsobjekt kann also sehr vielfältig sein. Im Grunde genommen kann man alles evaluieren. (Stockmann 2007, S. 26)

Der Zweck dieses Prozesses lässt sich mit den folgenden allgemeinen Funktionen darstellen:

- Erkenntnisfunktion: Durch Evaluation wird versucht, Erkenntnisseüber die (Wechsel-)Wirkung von Interventionen bzw. des Evaluationsobjekts zu sammeln.
- Optimierungsfunktion: Wo liegen Stärken und Schwächen des Evaluationsobjekts und lassen sie sich ausbauen bzw. beseitigen?
- Kontrollfunktion: Wird ein definiertes Ziel erreicht? Wie effizient und wie effektiv sieht die Umsetzung aus?
- Entscheidungsfunktion: Soll eine Intervention gefördert werden oder nicht? Wenn ja, welche und mit welchen Mitteln?
- Legitimationsfunktion: Durch Transparenz und Offenheit soll eine Intervention nach außen hin Legitimiert werden. Über die Verwendung von Geldern Dritter insb.öffentlicher Gelder wird so Rechenschaft abgelegt.

(vgl. Bortz/Döring 2006, S97)

Bisher haben wir Evaluation als ein zielgerichtetes Bewerten verstanden. Es ist jedoch ebenfalls wichtig, auf den methodischen Zugang, das „wie“, und den Evaluator, das „von wem“ aus der Leitfrage, einzugehen und die Qualitätsmerkmale von Evaluation anzumerken, um dadurch Evaluation vom alltäglichen Beurteilen abzugrenzen.

Eine gute Evaluation bezieht sich immer auf ein klar definiertes Evaluationsobjekt. Der Evaluator ist ein ausgewiesener Experte bzw. eine besonders befähigte Person des entsprechenden Fachgebiets. Die Person sollte exakt arbeiten und sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Außerdem werden die Evaluationskriterien dem Sachverhalt angepasst, sind präzise formuliert und transparent. Die Informationsgewinnung orientiert sich an objektiven empirischen Verfahren und die Informationsbewertung ist systematisch und vergleichend. Die Durchführung der Evaluation ist durch Respekt gegenüber dem Evaluierten und seinen Persönlichkeitsrechten gekennzeichnet, integer und fair. Das Ergebnis sollte offen, der Maßstab der Evaluation realistisch und der Abschlussbericht verständlich sein. (Stockmann 2007, S. 27; Bortz/Döring 2006, S. 104-105; Artelt 2007, S. 136)

Die Unschärfe des Begriffs Evaluation im Bezug auf die Gütekriterien, hat dazu geführt, dass sich für eine (sozial-)wissenschaftlich gestützte Evaluation das Suffix „-forschung“, also Evaluationsforschung, etabliert hat.

Diese Definition ist jedoch keineswegs voll anerkannt. (Wottawa/Thierau 1998, S. 14) So findet sich bei Stockmann (2007, S. 27) auch die Unterteilung in „Alltagsevaluation“ und „professionelle Evaluation“. Der Prozess einer Evaluationsforschung kann auch Evaluation genannt werden. (Gollwitzer/Jäger 2009, S.6)

Evaluation ist also ein, wie auch immer gestaltetes, Verfahren, bei dem Evaluatoren Evaluationsobjekte anhand spezifischer Kriterien intentional bewerten. Das entstandene Ergebnis ist jedoch nur unter Einhaltung wissenschaftlicher Verfahrensabläufe valide.

Weil das „anhand welcher Kriterien“ und das „wie“ Potential für Kritik an der Evaluationsforschung beinhaltet, möchte ich darauf im dritten Teil der Arbeit eingehen.

2.2 Formen von Evaluation

Für einige gängige Formen von Evaluation, die durch die Variation von Evaluator bzw. Zweck auftreten, gibt es spezifische Termini. Diese möchte ich kurz vorstellen:

Man unterscheidet interne und externe, Selbst- sowie Fremd-, und summative sowie formative Evaluation.

Eine interne Evaluation ist eine Evaluation, die durch Personen der auftraggebenden Organisation durchgeführt wird, bei einer externen Evaluation sind die Evaluatoren fremd.

Durch die Begriffe Selbst- und Fremdevaluation können interne und externe Evaluation weiter differenziert werden. Selbstevaluation liegt dann vor, wenn die Verantwortungüber die zu evaluierenden Daten bei der evaluierten Organisation liegt. Muss diese Hoheit aber an eine andere Stelle, beispielsweise die Schulaufsicht, abgegeben werden, so liegt eine Fremdevaluation vor. (Dörfler 2007, S. 110) Der Zweck einer Evaluation ist formativ, wenn die Absicht der Evaluation eine Verbesserung und Weiterentwicklung des Evaluationsobjekts vorsieht. Eine summative Evaluation hingegen bedeutet eine, an die Kontrolle des jeweiligen Objektes angeschlossene, Bilanzierung des Erfolges. Eine Mischform aus summativer und formativer Evaluation ist grundsätzlich möglich. (Dörfler 2007, ebd.)

3 Möglichkeiten und Grenzen von Evaluationsforschung im allgemeinen Schulsystem

3.1 Überforderung des Schulsystem

Bildung hat eine besonders große gesellschaftliche Tragweite und personelle Verantwortung gegenüber den Schülern, die irgendeine Form von Dienstaufsicht notwendig werden lässt. (Ruhloff 2004, S. 4) Da die bisherige Form einer staatlichen Schulinspektion nicht wirklich ernst genommen und unterwandert wird sowieüberlastet ist, ist es sinnvoll, neue Wege in der Schulaufsicht zu gehen. (Hölzl 2001, S. 104; Dörfler 2007 S. 102-103)

Die momentane Struktur des Schulmanagements, also Schule als eine untere Verwaltungsbehörde zu gestalten, stammt aus dem obrigkeitsstaatlichem 19. Jahrhundert, der Zeit Otto v. Bismarcks. Galt diese Gestaltung damals noch als wegweisend, ist sie heute jedoch anachronistisch. Der PISA-Schock zwingt die Politik nicht nur die Schule anders zu gestalten, auch die Kontrolle und Weiterentwicklung muss verbessert werden. Der Paradigmenwechsel von einer income- zu einer outcomeorientierten Schule, gibt der Schule mehr Freiheit aber auch Eigenverantwortung und gilt heute als maßgeblich. (Dörfler, S.13-14)

Ein reines Vertrauen auf die Professionalität der Lehrkräfte ist nicht zielführend, viel eher entsteht der Eindruck, dass diese bisher ihren gesellschaftlichen Status, auf Kosten ihres eigentlichen Auftrages, bequem zementiert haben. (Dörfler 2007, S. 103; Pfadenhauer/Brosziewski 2008, S. 91)

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Evaluationsforschung in allgemeinbildenden Schulen
Untertitel
Möglichkeiten und Grenzen
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V199759
ISBN (eBook)
9783656631507
ISBN (Buch)
9783656631460
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Evaluation
Arbeit zitieren
Lennart Sieg (Autor:in), 2012, Evaluationsforschung in allgemeinbildenden Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199759

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