Der Mensch kann zu Ereignissen, Informationen und Sachverhalten, die in Texten nicht explizit erläutert werden, bestimmte Zusammenhänge und Vorstellungen abrufen, wie etwas zu sein oder abzulaufen hat. Die Erkenntnis, dass diese stereotypen Rahmen der Wissensadaption großen Teilen unseres Alltagsdenkens und -handelns zu Grunde liegen, führte zu den Rahmentheorien, kurzum den Frames.
In dieser Arbeit möchte ich mich eingehender mit der Idee der sogenannten Frames beschäftigen: Wie werden Frames in der Linguistik definiert, welche Frametheorien gibt es und wie finden diese Theorien ihre Anwendung im Gebrauch? Ist es auch möglich sich diese Theoriekonzepte in der Lexikologie zum Nutzen zu machen?
In der nachfolgen Untersuchung werden eingangs erst einmal Grundsätzliches zum Framebegriff vorgestellt und darüber hinaus kursierende Ideen zum Umgang sowie zur Bestimmung der Frames erläutert. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, inwiefern die Problematik der empirischen Belegung von Frametheorien bzw. von Theoriebildungen, die mit einem Framebegriff arbeiten, behoben werden kann. Denn wie sind Frames empirisch nachweisbar, da sie doch auf Welt- und Handlungswissen fußen, das individuell angeeignet wird und zudem auch noch kulturell abhängig ist? Demnach dürfte es theoretisch gar nicht möglich sein, universal anwendbare Framekonzepte zu entwerfen. Dennoch aber hat sich die Forschung bereits seit Mitte der siebziger Jahre wiederholt an Frametheorien versucht - sowohl in Bereichen der Linguistik, der Psychologie als auch der Künstlichen Intelligenz. Der Anspruch einen kompletten Abriss der Frameforschungsgeschichte darzustellen würde allerdings den Rahmen dieser Arbeit sprengen und daher beschränke diese sich auf die gegenwärtigen Debatten in der sprachwissenschaftlichen Forschung. Hierbei wird der Fokus insbesonders auf den Frametheorien und Anwendungskonzepten von Klaus-Peter Konerding sowie Alexander Ziem liegen, diese werden gegeneinander abgewogen und es wird versucht deren Plausibilität zu überprüfen.
Letztendlich soll noch der Nutzen von Frames für die Lexikologie betrachtet und abgeschätzt werden, ob jene in diesem Bereich der Linguistik überhaupt eine Erkenntnisgenerierung oder eine Hilfestellung mit sich bringen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Frametheorien
2.1 Allgemeine Definition von Frames
2.2 Die gegenwärtige Forschungsdiskussion
2.2.1 Die Theorie von Klaus-Peter Konerding
2.2.2 Die Theorie von Alexander Ziem
2.3 Der Nutzen von Frametheorien für die Lexikologie
3. Fazit und Ausblick
4. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Frametheorien im Bereich der Lexikologie. Dabei wird analysiert, wie Frames in der Linguistik definiert werden, welche theoretischen Ansätze existieren und inwiefern diese Konzepte zur Strukturierung von Wortschatz und Bedeutungsanalysen beitragen können.
- Definition und Grundlagen von Frames als Wissensrepräsentation
- Vergleichende Analyse der Frametheorien von Klaus-Peter Konerding und Alexander Ziem
- Empirische Anwendbarkeit von Frame-Konzepten in der Textlinguistik und Lexikologie
- Diskussion des Nutzens von Matrixframes und Minimalframes
- Herausforderungen bei der empirischen Belegung subjektiver Wissenskontexte
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Theorie von Klaus-Peter Konerding
Konerding stellt ein Programm vor, das Frames als stereotype Erinnerungsmuster klassifiziert und sich teils an Minsky orientiert. Demnach kann ein Leser einen Text nur verstehen, wenn er auf außertextliche Referenzen (Weltwissen) zurückgreifen kann. Dabei wird nicht nur ein Frame aktiviert, sondern es werden vielmehr speziellere Frames in übergeordnete, thematische Framestrukturen eingeordnet.
Ein Grundproblem liegt allerdings darin überhaupt vorab erst einmal festzustellen, was eigentlich unter dem Begriff Wissen zu verstehen ist, das in Modellen kulturspezifischen Weltwissens und Enzyklopädiemodellen Einzug findet. Konerding schlägt die Arbeitsdefinition vor, in der er Wissen als „Gesamtheit der Kenntnisse, die jemand hat und die in kulturellen Praktiken fundiert ist“ kategorisiert. Dabei kommt er zu der Erkenntnis, dass dieses individuenspezifische, verfügbare Wissen generell in Form von Frames unreflektiert zum Einsatz kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Frames als Wissensrahmen und Formulierung der Forschungsfrage nach deren Nutzen für die Lexikologie.
2.Frametheorien: Detaillierte Darstellung der Grundlagen, Definitionen und der aktuellen Forschungsdebatte im Bereich der Frametheorien.
2.1 Allgemeine Definition von Frames: Erläuterung der Entstehung des Framebegriffs und dessen Bedeutung als kognitive Wissensrepräsentation.
2.2 Die gegenwärtige Forschungsdiskussion: Überblick über die aktuellen theoretischen Strömungen und Ansätze innerhalb der linguistischen Frame-Forschung.
2.2.1 Die Theorie von Klaus-Peter Konerding: Vorstellung des Ansatzes von Konerding, der Frames als stereotype Erinnerungsmuster und Matrixframes betrachtet.
2.2.2 Die Theorie von Alexander Ziem: Analyse des praxisorientierten Modells von Ziem, das Frames in Slots, Filler und Default Values unterteilt.
2.3 Der Nutzen von Frametheorien für die Lexikologie: Kritische Prüfung, inwieweit die theoretischen Konzepte für lexikologische Analysen und Wortschatzstrukturierungen fruchtbar gemacht werden können.
3. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Ansätze und Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
4. Bibliographie: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Frametheorien, Lexikologie, Kognitive Linguistik, Weltwissen, Matrixframes, Semantik, Klaus-Peter Konerding, Alexander Ziem, Wissensrepräsentation, Prädikationsanalyse, Korpuslinguistik, Sprachwissenschaft, Referenz, Stereotypen, Bedeutungskonstitution
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz von Frametheorien als linguistisches Konzept und prüft kritisch, ob diese zur Strukturierung von Wortschatz und für die Lexikologie nutzbar gemacht werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Definition von Frames, die theoretischen Ansätze von Klaus-Peter Konerding und Alexander Ziem sowie die Anwendbarkeit dieser Theorien in der Lexikologie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Erkenntnisgewinn von Frametheorien für die Lexikologie abzuschätzen und zu klären, ob sie eine Hilfestellung bei der Strukturierung von Bedeutungen bieten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Untersuchung, die auf einem Literaturvergleich basiert und die Konzepte der Matrixframes sowie der Slot-Filler-Analyse diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen Definitionen von Frames, stellt die spezifischen Theorieansätze von Konerding und Ziem gegenüber und bewertet deren empirische Umsetzbarkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Frametheorien, Wissensrepräsentation, lexikalische Semantik, Matrixframes sowie die Konzepte von Slots und Fillern.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Konerding von dem von Ziem?
Konerding konzentriert sich stärker auf eine lexikologisch-lexikographische Orientierung und die Konstruktion von Matrixframes, während Ziem einen stärker praxisorientierten, korpuslinguistischen Zugang wählt.
Welche Schwierigkeiten sieht der Autor bei der Anwendung von Frametheorien?
Der Autor weist darauf hin, dass Frames auf individuell und kulturell geprägtem Weltwissen basieren, was eine allgemeingültige, empirische Kategorisierung methodisch erschwert.
- Arbeit zitieren
- Irene Chevalier (Autor:in), 2010, Frametheorien: Ein nützliches Konzept auch für die Lexikologie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199855