Franz Fühmann – eine Biographie im Hinblick auf die Titelgeschichte "Das Judenauto" aus der Prosasammlung "Das Judenauto"


Referat (Ausarbeitung), 2006

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Franz Fühmanns Leben
II. 1 Kindheit und Jugend ^Nationalsozialismus (1922-1945)
II. 2 Franz Fühmanns Schulzeit
II. 3 Sowjetische Kriegsgefangenschaft und Antifa-Lager (1945-1949)
II. 4 Fühmann als Sozialist in der DDR (1949-1984)

III. Fühmanns literarisches Werk
III. 1 Fühmanns Verdienste für die Literatur
III. 2 Der Begriff der "Wandlung" im Werk von Franz Fühmann
III. 3 Fühmann als Märchen- und Mythendichter
III. 4 Fühmann als Kinderbuch-Autor

IV. Die Prosasammlung Das Judenauto
IV. 1 Inhaltsangabe der Titelgeschichte Das Judenauto
IV. 2 Interpretation der Titelgeschichte Das Judenauto

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Franz Fühmann (15. Januar 1922 - 8. Juli 1984) war ein deutscher Schriftsteller. Er lebte und wirkte als Lyriker, Erzähler, (Nach)Dichter, Essayist und Kinderbuchautor in der DDR. „Im Schoß der Familie kaum jemals wirklich geborgen“[1], in seiner Jugend durch den Nationalsozialismus geprägt, wurde er nach dem Krieg Anhänger des Sozialismus, dem er aber zunehmend kritisch gegenüber stand und von dem er in seinen späteren Jahren bitter enttäuscht war. In dieser Arbeit werde ich mich mit Franz Fühmanns Biographie im Hinblick auf die Titelgeschichte aus der Prosasammlung Das Judenauto [2] beschäftigen. Dabei gehe ich wie folgt vor: im ersten Teil werde ich mich mit Fühmanns Leben auseinandersetzen. Im zweiten Abschnitt dieser Arbeit werde ich auf Fühmanns literarisches Werk eingehen. Zuerst werde ich hier seine Verdienste für die Literatur aufzeigen, anschließend auf den Begriff der Wandlung eingehen und schließlich Fühmanns als Mythen- und Märchendichter und Kinderbuchautor aufzeigen. Im letzten Abschnitt meiner Arbeit werde ich mich mit seiner Prosasammlung Das Judenauto beschäftigen. Dabei werde ich eine Inhaltsangabe der Titelgeschichte liefern und zuletzt die Titelgeschichte Das Judenauto aus der gleichnamigen Prosasammlung interpretieren.

II. Franz Fühmanns Leben

Ich gehöre einer Generation an, dieüber Auschwitz zum Sozialismus gekommen ist. Jahrgang 1922; rüde nationalistisch-faschistische Lebenssphäre (Sudetenland, Vater Begründer der Ortsgruppe der NSDAP in meinem Heimatdorf); Kindheit im „Deutschen Turnverein“ (HJ); „Wir wollen heim ins Reich“; nach der Okkupation SA, „Führer befiehl, wir folgen!“; Angst, zum Kriegseinsatz zu spät zu kommen; freiwillige Meldung nach dem Abitur 1941 RAD, Wehrmacht, Osten, Süden, Lazarett, Kapitulation, 5 Jahre Kriegsgefangenschaft[3].

Im Folgenden werde ich erst auf Franz Fühmanns Kindheit und Jugend im Sudetenland eingehen, anschließend auf seine Schulzeit, da der Ich-Erzähler in Das Judenauto auch noch zur Schule geht und ein enger biographischer Bezug ersehbar ist. Danach werde ich die sowjetische Kriegsgefangenschaft und das Antifa-Lager beschreiben, welches Fühmann prägte. Abschließend werde ich mich mit seinem Leben als Sozialist in der DDR beschäftigen.

II. 1 Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus (1922-1945)

Franz Fühmann wurde am 15. Januar 1922 in Rochlitz an der Iser im Riesengebirge als Sohn des Apothekers und Besitzers einer kleinen Fabrik pharmazeutischer Artikel Josef Rudolf Fühmann (17. April 1886 - 10. Juli 1945) und seiner Gattin Margarethe (3. September 1893 - 22. Februar 1982), geborene Gabriel, geboren. Im Werk von Franz Fühmann erschien sein Vater im „Bild eines politisch ehrgeizigen und sogar risikobereiten Nazis“[4]. Entgegen diesen Darstellungen ist es jedoch fraglich, welche politische Rolle der Vater in Rochlitz tatsächlich gespielt hat. Daher ist es unmöglich, „ein objektives Bild des politischen Menschen Josef Rudolf Fühmann zu rekonstruieren“[5]. In der Öffentlichkeit war er ein angesehener Mann, er galt „als ein "guter Deutscher", das heißt, dass er [...] deutsch-national gesinnt war, was aber nicht nationalsozialistisch bedeutet“[6]. Franz Fühmann wuchs gemeinsam mit seiner Schwester Grete, die 1924 geboren wurde, in einer Atmosphäre „von Kleinbürgertum und Faschismus“[7] auf. Die Ehe der Eltern lief nicht sehr gut, denn „während sich der sinnliche Mann mehr und mehr dem Trunk ergibt, hängt die Frau in hohem Grade vonübersinnlichen Vorstellungen ab“[8]. Während der Vater also ein geselliger und extrovertierter Mensch war, war Fühmanns Mutter ein sensibler und introvertierter Mensch. Dennoch hatte Franz Fühmann trotz der unterschiedlichen Gesinnung seiner Eltern eine schöne Kindheit, in der es ihm an nichts mangelte.

II.2 Franz Fühmanns Schulzeit

Als Fühmann fünf Jahre alt war, engagierten seine Eltern eine Hauslehrerin, denn er sollte „mit möglichst großem Vorsprung in die Schule eintreten“[9]. Dies schaffte jedoch eine starke Isolation und „Vereinzelung“[10]. Dennoch mangelte es ihm nie an Selbstbewusstsein. Jedoch war „seine Ausdrucksweise (...) mit keinem anderen Gleichaltrigen zu vergleichen“[11]. Er hatte nämlich einen „sehr reichen Wortschatz, so dass es (...) manchmal schwer fiel, seinen Gedankengängen zu folgen oder sie gar zu verstehen“[12]. Von 1928 bis 1932 besuchte Fühmann die Volksschule in Rochlitz und wurde dann ins Jesuitenkonvikt Kalksburg bei Wien aufgenommen. Dort erlebte er 1934 den Wiener Arbeiteraufstand „aus der Ferne“[13]. 1936 brach er aus dem Kloster aus und besuchte das Gymnasium zu Liberec (Reichenberg). Im gleichen Jahr trat er dem Deutschen Turnverein (Sudentendeutsche HJ) bei. 1938 nahm Fühmann am Turn- und Sportfest Breslau ("Wir wollen heim ins Reich") teil und trat in die Reiter-SA ein. Nach der "Heimkehr ins Reich" ging Fühmann „in Stiefeln und Braunhemd in die Schule, (...) fiel (...) durch, nicht wegen des Braunhemds, sondern weil [er] in fünf Fächern der Minimalkenntnisse ermangelte“[14]. Anschließend besuchte er das private Reform­Realgymnasium Hohenelbe (Vrchlabi), wo er 1941 ein Kriegsabitur bestand. Folgend wurde Fühmann „Rekrut, auch eine Schulzeit; dann, hinter Stacheldraht, in der Kriegsgefangenschaft, eine antifaschistische Schule“[15].

II.3 Sowjetische Kriegsgefangenschaft und Antifa-Lager (1945-1949)

Im Jahre 1941 trat Fühmann der Wehrmacht bei und war in verschiedenen Nachrichtenabteilungen in der besetzten Sowjetunion und in Griechenland im Einsatz. 1945, mit 23 Jahren geriet er in Kriegsgefangenschaft im sowjetischen Kriegsgefangenenlager im Urwald bei Neftegorsk/Kaukasus. Ein Jahr später wurde er zur Antifa-Zentral-Schule Noginsk bei Moskau kommandiert. Nach Beendigung des Kurses wurde er an Schulen in Noginsk, Rjasan und Ogre bei Riga als Assistent, Lehrer und Lehrgruppenleiterübernommen. In den Jahren seiner Kriegsgefangenschaft, war die Behandlung ihm gegenüber „immer einwandfrei und absolut korrekt“[16]. Seine politische Gesinnung wandelte sich in dieser Zeit grundlegend. „Moralisch erschüttert und marxistisch belehrt“[17], bekannte sich Fühmann zur Gegenkraft Hitlers, der UdSSR. Er begann den Sozialismus „selbstkritisch zu verehren, dem weithin gerühmten Stalin zu vertrauen undüberzeugt auf die Alternative des Sozialismus zu bauen“[18]. Bedingt durch die politische Umerziehung des Antifa-Lagers fühlte Fühmann „sich auf der besten Seite der Welt, der friedliebenden Sowjetunion, die, so sah er es, mit allen sich von Krieg und Unterdrückung befreienden Kräften im Bündnis stand“[19]. Für diese Gesellschaft war er „ständig bereit zum Kampf“[20].

II.4 Fühmann als Sozialist in der DDR(1949-1984)

1949 wurde Fühmann aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrte zurück nach Deutschland, in die DDR, wo er bis zu seinem Tod am 8. Juli 1984 in Märkisch Buchholz und Berlin-Ost lebte. Er trat in die NDPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) ein, eine der DDR-Blockparteien. 1952 wurde er Mitglied des Parteivorstandes der NDPD. Demnach half Fühmann mit „jugendlicher Begeisterung (...) beim Aufbau der Gesellschaft seiner Wahl, anfangs sogar als hauptberuflicher Politiker, immer aber als ein literarischer Schwerarbeiter, als ein besessener Schriftsteller“[21]. Seine Mitgliedschaft in der NDPD endete jedoch 1972 „durch brieflichen Antrag Fühmanns, ihn (...) zu streichen“[22]. 1950 heiratete er Ursula Böhm. Zwei Jahre später kam die gemeinsame Tochter Barbara zur Welt. 1950 wurden erste Abdrucke seiner Gedichte in Zeitungen veröffentlicht. Im Jahr 1960 erschien sein letztes Gedicht und er begann sich intensivsten Nachdichtungen zu widmen, mit denen er bereits 1951 begonnen hatte.

[...]


[1] Richter, H.: Franz Fühmann. Ein deutsches Dichterleben. Berlin & Weimar 1992, S. 11.

[2] Immer wenn der Titel eines von Fühmanns Werken erscheint, werde ich diesen kursiv hervorheben. Auch Zitate aus seiner Erzählung Das Judenauto werde ich kursiv schreiben.

[3] Fühmann, F.: Antwort auf eine Umfrage. In Horst Simon (Hg.): Zwischen Erzählen und Schweigen. Ein Buch des Erinnerns und Gedenkens, Franz Fühmann zum 65. Rostock, S. 7-11, hier S. 8.

[4] Richter 1992, S. 80.

[5] Richter 1992, S.81.

[6] Heinze, B.: Franz Fühmann. Eine Biographie in Bildern, Dokumenten und Briefen. Rostock 1998. S. 11, Änderung & Auslassung von B.H.

[7] Böttcher, K.: Fühmann, Franz. In Günter Albrecht, Kurt Böttcher, Herbert Greiner-Mai & Paul Günter

Krohn (Hg.): Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 1 / A-K. Leipzig 1974, S. 240-241, hier S. 240.

[8] Richter 1992, S. 84.

[9] Richter 1992, S. 86.

[10] Fühmann, F.: Den Katzenartigen wollten wir verbrennen. In Horst Simon (Hg.): Zwischen Erzählen und Schweigen. Ein Buch des Erinnerns und Gedenkens, Franz Fühmann zum 65. Rostock 1987, S. 13-23, hier S. 13.

[11] Heinze 1998, S. 18.

[12] Heinze 1998, S. 18.

[13] Heinze 1998, S. 9.

[14] Fühmann 1987, S. 13.

[15] Fühmann 1987, S. 13-14.

[16] Heinze 1998, S. 48.

[17] Richter 1992, S.11.

[18] Richter 1992, S.11.

[19] Loest, E.: Bruder Franz. Drei Vorlesungenüber Franz Fühmann gehalten an der Universität Paderborn im Jahre 1985. Paderborn 1986. S. 7.

[20] Heinze 1998, S. 42.

[21] Richter 1992, S. 12.

[22] Heinze 1998, S. 160.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Franz Fühmann – eine Biographie im Hinblick auf die Titelgeschichte "Das Judenauto" aus der Prosasammlung "Das Judenauto"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V199857
ISBN (eBook)
9783656263029
ISBN (Buch)
9783656263654
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fühmann, Wandlung
Arbeit zitieren
M.A. Anna Lietz (Autor), 2006, Franz Fühmann – eine Biographie im Hinblick auf die Titelgeschichte "Das Judenauto" aus der Prosasammlung "Das Judenauto", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199857

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