In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Doberan ein Ort mit gerade mal 80 Einwohnern. Kaum etwas erinnerte daran, dass hier nur ein paar Jahrhunderte zuvor einmal eines der größten und reichsten Klöster Norddeutschlands und gleichzeitig das älteste Kloster Mecklenburgs gestanden hatte. Bereits zu dieser Zeit existierte ein Großteil der Gebäude des ehemaligen Zisterzienserklosters nicht mehr. Nach der Säkularisierung im Jahr 1552 war es, wie es in der Reformationszeit vielerorts üblich, nach und nach zu Abbrüchen gekommen, um das Baumaterial andernorts wieder zu verwenden. Jedoch konnte durch das Eingreifen Herzog Ulrichs, dem Bruder Herzog Johann Albrechts, verhindert werden, dass das Kloster vollends als Steinbruch endete. Trotzdem war bereits zur Mitte des 18. Jahrhunderts von den Klausurgebäuden und der Abtei kaum noch etwas erhalten. Die Bedeutung des Klosters Doberan im Mittelalter zeigt sich aber auch daran, dass Ernst von Kirchberg dem Kloster vier Kapitel in seiner Mecklenburgischen Reimchronik, die als erste Landes- und Fürstenchronik Mecklenburgs anzusehen ist, widmet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Zisterzienserorden
3. Die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg
4. Das Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter
5. Das Kloster Doberan in der Mecklenburgischen Reimchronik des Ernst von Kirchberg
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
Anhang – Übersetzung Capitulum 117 der Mecklenburgischen Reimchronik des Ernst von Kirchberg
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung seiner Darstellung in der Mecklenburgischen Reimchronik des Ernst von Kirchberg, um sowohl die historische Entwicklung des Klosters als auch die Intention des Chronisten bei der Aufzeichnung dieser Ereignisse zu beleuchten.
- Geschichte und Ausbreitung des Zisterzienserordens
- Entstehung und Charakteristik der Mecklenburgischen Reimchronik
- Historische Entwicklung des Klosters Doberan im Mittelalter
- Analyse der Darstellung des Klosters in der Reimchronik
- Vergleich zwischen historischer Überlieferung und chronikalischer Legendenbildung
Auszug aus dem Buch
Capitulum 117
Recht als es sich gefugete sus, daz tod waz Pribislauus vnd ouch der bischof Berno waz von aldere krang also, daz her sich nicht virmochte oder zu keynre arbeyt tochte, den geloubin legeten czitlich sidder der Wentfulg eyn teyl dar nidder. Ich meyn daz vulg, daz vyant waz der geistlicheit vnd trug der haz. Dy apgode wolden sy eren, ouch wolden sy virseren den geloubin vnd dy Cristenheit. Sy worden alle gar bereit vnd quamen mit gewapinder hant ubir dy dyner godes irkant vnd tylgeten dy zu grunde zu der selbin stunde. Da worden von den phlagin Marien rittir irslagin alle gar uf eynen tag, daz waz, do man schriebens phlag in dem vierden idus nouembris vnd nach godes geburt gewis nuyn vnd sybenczig vnd eylfhundirt.
Wen nu diesir tad virwundirt, man mag dy geistlichin lude clagin wer ir czal will zu bevragin, ir blieben acht vnd sybinczig tod von der groszin martir nod, dy mit michelme schalle geyn hymele vuren alle. Vurbaz sys ane viengen, daz clostir sy durch giengen, waz gudes do dar ynne waz, daz nam emweg der Wende haz. Sy wusteden mit roublichir hant der brudre wonunge vnvirwand vnd machten yn dem nydes spil ir ubiltat doch ergir vil.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die historische Bedeutung des ehemaligen Klosters Doberan und erläutert das Ziel der Arbeit, die Geschichte des Klosters in Verbindung mit der Mecklenburgischen Reimchronik zu untersuchen.
2. Der Zisterzienserorden: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung und Verbreitung des Zisterzienserordens sowie dessen grundlegende Reformideale innerhalb des benediktinischen Mönchstums.
3. Die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg: Hier werden Entstehung, Gattung und Verfasser der Reimchronik sowie deren historische Funktion als fürstliche Repräsentationsschrift erörtert.
4. Das Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter: Das Kapitel zeichnet die Gründung, Zerstörung und Wiederbesiedlung des Klosters Doberan nach und beleuchtet dessen Rolle als landesfürstliche Grablege.
5. Das Kloster Doberan in der Mecklenburgischen Reimchronik des Ernst von Kirchberg: Diese Analyse setzt sich kritisch mit der Darstellung des Klosters in ausgewählten Kapiteln der Reimchronik und deren Absicht zur Herrschaftslegitimation auseinander.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Zisterzienser, Kloster Doberan, Mecklenburgische Reimchronik, Ernst von Kirchberg, Mittelalter, Landesgeschichte, Fürstenchronik, Ordensreform, Christianisierung, Stifter, Herrschaftslegitimation, Slawenchronik, Reliquienverehrung, Althof, Mecklenburg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Rolle des Zisterzienserklosters Doberan im Mittelalter und wie dieses spezifische Kloster in der Mecklenburgischen Reimchronik des Ernst von Kirchberg literarisch und historisch dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Geschichte des Zisterzienserordens, die Entstehung der Mecklenburgischen Reimchronik sowie die wechselvolle Geschichte des Klosters Doberan von seiner Gründung bis zur Säkularisation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Rolle des Klosters als Landesgrablege aufzuzeigen und zu untersuchen, inwiefern die Reimchronik als historische Quelle objektiv ist oder primär der Legitimation des mecklenburgischen Herrscherhauses diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode verwendet, die durch den Vergleich von chronikalischen Angaben mit anderer Forschungs- und Quellenlage zu den genannten Ereignissen arbeitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ordensgeschichte, die Analyse der Reimchronik als Werk sowie eine detaillierte historische Betrachtung des Klosters Doberan und dessen spezifische Erwähnung in ausgewählten Kapiteln der Chronik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Zisterzienser, Kloster Doberan, Mecklenburgische Reimchronik, Ernst von Kirchberg, Fürstenchronik und Herrschaftslegitimation.
Warum spielt die Person von Ernst von Kirchberg eine so zentrale Rolle?
Als Autor der ersten umfassenden Landeschronik Mecklenburgs ist er die Hauptquelle für die mittelalterliche Sichtweise auf die Geschichte des Landes und des Klosters, weshalb seine Intentionen kritisch hinterfragt werden müssen.
Wie unterscheidet sich die historische Realität von der Darstellung in der Chronik?
Der Autor passt historische Ereignisse teils der Intention seines Auftraggebers an, etwa bei der Neugründung des Klosters, bei der er den direkten Vorfahren Heinrich Borwin I. gegenüber anderen Stiftern hervorhebt.
Was ist das Besondere an dem im Anhang übersetzten Text?
Der Anhang enthält eine Übersetzung des Kapitels 117 der Reimchronik, welches die Zerstörung des Klosters durch Wenden im Jahr 1179 schildert und somit einen direkten Einblick in die mittelalterliche Geschichtsschreibung gibt.
Welche Bedeutung hatte das Kloster Doberan für die Landesherren?
Es diente als wichtigste landesfürstliche Grablege und war somit ein zentraler Ort für die Dynastiegeschichte der mecklenburgischen Fürsten.
- Citar trabajo
- Raik Dowedeit (Autor), 2012, Das Zisterzienserkloster Doberan und die Mecklenburgische Reimchronik des Ernst von Kirchberg, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199894