In den letzten 22 Jahren hat sich die Gedenkstättenlandschaft in der wiedervereinigten Bundesrepublik erheblich geändert. Heute stehen Gedenkstätten vor der wichtigen Aufgabe, die Menschen, besonders die jungen Menschen, in Deutschland für ihr Leben in der Demokratie zu erziehen und sie auch für die Gefährdungen der Demokratie zu sensibilisieren. Angesichts der historischen Erfahrung mit Diktaturen im 20. Jahrhundert muss der nachwachsenden Generation nachdrücklich vermittelt werden, dass die demokratische Gesellschaftsform nichts Selbstverständliches ist und das sie wichtig ist, um die Grundrechte des Einzelnen zu schützen und staatliches Unrecht zu verhindern. Dies versucht im schulischen Bereich vor allem der Unterricht zur politischen Bildung, aber auch in vielen anderen Fächern mit politischen Aspekten zu erreichen. Das vorliegende Portfolio ist eine Sammlung von Essays zum geschichtsdidaktischen Hauptseminar „Gedenkstätten und Schule – Orte des historischen Lernens oder der kollektiven Erinnerung“ dar und besteht aus sechs Essays sowie einer Bibliografie mit themenrelevanter Literatur.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Geschichtsdidaktik als Wissenschaft
3. Geschichtsbewusstsein vs. Geschichtskultur?
4. Memoria – Gedächtnis und Erinnerung
5. Gedenkstätten heute.
6. Gedenkstätten als außerschulische Lernorte im Geschichtsunterricht
7. Entwicklungstendenzen und Möglichkeiten von Gedenkstätten
8. Bibliografie zum Seminarthema
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Bedeutung von Gedenkstätten als Orte des historischen Lernens im Kontext der politischen Bildung und Geschichtsdidaktik zu analysieren und deren Rolle für die Demokratieerziehung in der wiedervereinigten Bundesrepublik zu beleuchten.
- Theoretische Grundlagen der Geschichtsdidaktik
- Differenzierung von Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur
- Psychologische und soziale Aspekte von Gedächtnis und Erinnerung
- Funktionen von Gedenkstätten als außerschulische Lernorte
- Entwicklung der Gedenkstättenlandschaft nach 1990
Auszug aus dem Buch
4. Memoria – Gedächtnis und Erinnerung
Nach Aleida Assmann gibt es im Deutschen gibt es zwei gleich geläufige Begriffe für das Bedeutungsfeld der memoria: Gedächtnis und Erinnerung. Bereits Hegel bezeichnete das Gedächtnis im negativen als „Schädelstätte des Geistes“ und die Erinnerung im Positiven als „Sichinnerlichmachen“. Dabei ist Gedächtnis ein Substantiv, dem kein Verb entspricht, während Erinnerung als Nomen Actionis auf ein Verb zurückgeht. Vereinfacht könnte auch gesagt werden: „Gedächtnis ist etwas, was man hat oder nicht hat“ und „Erinnerung ist etwas, was man tut oder nicht tut“. Beide Worte sind dabei so aufeinander bezogen, dass das eine nicht getan werden kann, ohne das andere zu haben. Gedächtnis ist damit die Grundvoraussetzung für Erinnerungen und die notwendige Bedingung ihrer Möglichkeit.
Das Gedächtnis, als etwas Virtuelles, entspricht einer Infrastruktur und hat eine organisch-körperliche Seite. Aristoteles lokalisierte es im Hinterstübchen von drei Gehirnkammern und moderne Neurobiologen setzen es in den Synapsen des neuronalen Netzwerkes an. Gedächtnis ist aber auch der gespeicherte Inhalt einer Erinnerung, der zum festen Bestandteil einer Person wird. In ihm überkreuzen sich das Gelernte, also der Erwerb allgemeinen Wissens und das Erinnerte, die persönlichen Erfahrungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor führt in die geänderte Gedenkstättenlandschaft Deutschlands ein und skizziert die Bedeutung dieser Orte für die Demokratieerziehung junger Menschen.
2. Geschichtsdidaktik als Wissenschaft: Dieses Kapitel verortet die Geschichtsdidaktik als interdisziplinäre Fachwissenschaft, die sich in Empirie, Theorie und Pragmatik gliedert.
3. Geschichtsbewusstsein vs. Geschichtskultur?: Es werden die theoretischen Konstrukte des individuellen Geschichtsbewusstseins und der kollektiven Geschichtskultur voneinander abgegrenzt.
4. Memoria – Gedächtnis und Erinnerung: Das Kapitel erläutert die terminologische Unterscheidung zwischen Gedächtnis als Infrastruktur und Erinnerung als aktiven Prozess.
5. Gedenkstätten heute.: Hier wird der Gedenkstättenbegriff im Kontext politischer Bildung und als Kristallisationspunkt des kollektiven Gedächtnisses untersucht.
6. Gedenkstätten als außerschulische Lernorte im Geschichtsunterricht: Das Kapitel diskutiert das Potenzial von Gedenkstätten als Lernorte für Realbegegnungen und deren methodische Einbindung in den Unterricht.
7. Entwicklungstendenzen und Möglichkeiten von Gedenkstätten: Es werden die Veränderungen der Gedenkstättenarbeit seit der Wiedervereinigung und die Herausforderungen für die Zukunft analysiert.
8. Bibliografie zum Seminarthema: Dieses Verzeichnis listet die verwendete Fachliteratur sowie Quellen für die in den Essays behandelten Themen auf.
Schlüsselwörter
Gedenkstätten, Geschichtsdidaktik, Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur, Erinnerungskultur, Gedächtnis, Erinnerung, außerschulische Lernorte, Demokratieerziehung, politische Bildung, historische Bildung, NS-Diktatur, SED-Diktatur, Kollektives Gedächtnis, Geschichtsunterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit ist eine Sammlung von Essays, die sich mit der Bedeutung und pädagogischen Nutzung von Gedenkstätten im Kontext der historischen Bildung in Deutschland beschäftigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die geschichtsdidaktische Theorie, die Funktion von Gedenkstätten, die Abgrenzung von Gedächtnis und Erinnerung sowie der Wandel der Erinnerungskultur nach der Wiedervereinigung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Reflexion und praktische Bestimmung der Rolle von Gedenkstätten für die Ausbildung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins und die Demokratieerziehung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auseinandersetzung mit fachdidaktischen Konzepten, um die Schnittstelle zwischen Schule und Gedenkstätte zu definieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Analysen zur Geschichtsdidaktik sowie spezifische Abhandlungen zur Gedenkstättenpädagogik und deren Entwicklung als Lernort.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gedenkstättenpädagogik, Erinnerungskultur, Geschichtsbewusstsein und außerschulisches historisches Lernen geprägt.
Wie unterscheidet der Autor Gedächtnis und Erinnerung?
Der Autor stützt sich auf Aleida Assmann und definiert das Gedächtnis als notwendige, virtuelle Infrastruktur, während Erinnerung als eine aktive, gegenwärtige Handlung verstanden wird.
Warum ist die Arbeit für Lehrkräfte relevant?
Sie bietet Lehrkräften theoretische Argumente und methodische Anknüpfungspunkte, um Gedenkstätten als effektive Lernorte für den Geschichtsunterricht zu nutzen und eine Verbindung zur politischen Bildung herzustellen.
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- Raik Dowedeit (Author), 2012, Gedenkstätten und Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199898