Das Szenische Spiel als theaterpädagogische Chance für den Literaturunterricht


Hausarbeit, 2012
13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Appell für das Schultheater

3. Theaterpädagogik

4. Szenisches Spiel im Literaturunterricht

5. Das Klassenzimmer als Bühne

6. Romeo und Julia – Inszenierung der Balkonszene

7. Schlussbemerkung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Erzähle mir und ich vergesse.
Zeige mir und ich erinnere mich.
Lass mich tun und ich verstehe!

(Konfuzius)

Normalerweise findet Theater im Theater statt, gewöhnlich wird es passiv rezipiert und in der Regel wird das Schauspiel in einer bestimmten sozialen und kulturell gebildeten Schicht verortet. Doch Theater kann überall stattfinden, macht mehr Freude wenn man daran beteiligt ist und ist ein Medium für jedermann. Warum sollte es also nicht auch in der Schule stattfinden, wo Klassenzimmer viel Platz für Bühnen bieten, Jugendliche noch nicht nach sozialem Stand selektiert sind und eine Generation heranwächst, die Neuem interessiert entgegentritt und geradezu auf Anregung wartet?

Beim Theaterspielen erfahren Schauspieler und Zuschauer verschiedenste Gefühle und Assoziationen, Ängste müssen überwunden werden, Erfolg, Beifall und Stolz gelten als Ziel des Spielens und ein gemeinschaftliches Miteinander ist Voraussetzung für das Gelingen einer Aufführung. In jedem Fall ist Theater ein tiefgreifendes und berührendes Phänomen, welches mit Leib und Seele erfahren wird und damit bleibende Erinnerungen schafft. Gelerntes wird also dauerhaft gespeichert und ist durch die Intensität des im Schauspiel Erlebten jederzeit wieder abrufbar. Damit erfährt das Theater nicht nur einen pädagogischen Wert für den Zuschauer sondern ebenso für den Spielenden.

Die Institution Schule und das Theater gelten in der Gesellschaft vereint als Grundlage jeglicher kulturellen Bildung und müssen deshalb nach Meinung des Verfassers dieser Arbeit miteinander kombiniert werden. Denn kulturelle Bildung ist Ergebnis schulischer und außerschulischer Lernprozesse und nur auf erstere hat der Lehrende tatsächlich Einfluss.

Die Theaterpädagogik ist eine relativ junge Disziplin, viel zu wenig wird das Theater auf aktuelle Lehr- und Lernkontexte angewandt und Lehrende sind oft zu fokussiert auf stets wachsende curriculare Vorgaben, die es in immer weniger Zeit zu erfüllen gilt, als dass sie die Theaterpädagogik als wirkliche Chance ansehen würden, um Unterrichtsinhalte in den Köpfen der Lernenden zu festigen. Vor allem im Sprach- und Literaturunterricht können die spielerischen Strukturen des Theaters zum Vorteil genutzt werden.

Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, aus welchen Gründen das Theater in die Institution Schule integriert werden sollte, eine Einführung in die Disziplin der Theaterpädagogik geben und schließlich Möglichkeiten des Schauspiels im Literaturunterricht vorstellen.

2. Appell für das Schultheater

Es gibt eine ganze Reihe von Schulprojekten und pädagogischen Konzepten, welche das Theaterspiel als Grundlage haben. Doch warum wird dem Schauspiel im Unterrichtsgeschehen ein solch elementarer Wert zugeschrieben?

Wie bereits angedeutet, ist das Theater in seiner Struktur ein Phänomen, welches niemals gänzlich passiv erlebt werden kann. Für Lernende bietet es die Möglichkeit, Unterrichtsinhalte auf vielfältigste Art zu gestalten und unterschiedlichste Interessen, Vorstellungen und Fähigkeiten zu nutzen, um Lernziele auf weitaus spannendere Art erreichen zu können als es im Frontalunterricht möglich ist. Dabei ist zu beachten, dass Theaterspielen fächerübergreifend funktionieren muss, da es vielfältiger Kenntnisse und Leistungen bedarf, um letztendlich ein ganzes Stück präsentieren zu können. Beispielsweise sind literarische Grundkenntnisse nötig, um einen Spieltext zu verfassen, aber künstlerische Begabung, um ein Bühnenbild zu entwerfen, technische Voraussetzungen, um Ton und Licht angemessen zu gestalten, oder gar akrobatische Talente, um Bewegungsabläufe darzustellen. Auch ethische Grundlagen im Miteinander auf der Bühne und bei der Vorbereitung eines Stücks dürfen nicht fehlen und so werden wertvolle Grundlagen sozialer Interaktion geübt. Teamarbeit, Kooperation und moralische Werte werden also ebenso vermittelt wie Durchhaltevermögen und Zielorientiertheit.

Speziell im Literaturunterricht bedeutet Theaterspielen entgegen trockener Interpretationen, welche durchaus als Grundlage für eine Verwirklichung des szenischen Spiels angesehen werden müssen, auch das realitätsnahe Erleben der Literatur, ermöglicht damit eine völlig andere Form der Auseinandersetzung mit dem Text und bietet ganzheitliche Lernprozesse.

Theaterspielen schult außerdem die Sensibilität für Literatur, indem Sprache sowohl geistig als auch physisch umgesetzt werden muss. Ein Lernprozess mit Körper und Seele, der Einklang von Wahrnehmen textueller Gegebenheiten und spielerischer Inszenierung, verspricht weitreichendere Erinnerungen an Lerninhalte als handlungsorientierte Modelle es jemals vermögen würden.

Das Geschehen im Klassenzimmer trifft beim Theaterspielen auf neue Strukturen, auf Abwechslung im Schulalltag und auf Abgrenzung vom normalen Unterricht. Schüler nehmen sich anders wahr, wenn sie zusammen an einem Projekt arbeiten, das individuelle Erleben und das Entdecken der Klassenkameraden gipfeln in einem Wert der Bindung und schweißen Mitschüler zusammen. Selbstbewusstsein wird gestärkt, indem Ängste abgebaut werden, persönlichen Schamgefühlen entgegengewirkt werden und damit Persönlichkeiten weiterentwickelt werden.

Theaterspielen ist nicht einfach und regt damit kognitive Prozesse und die Findung von Lösungsstrategien an, führt zu erweiterter Wahrnehmung verschiedenster Themen und verknüpft endlich wirklichkeitsnahe Themen der alltäglichen Jugendkultur mit der schulischen Literatur.

Und schließlich bedeutet auch das zur Schau stellen eines Theaterprojektes eine Prüfungssituation vor sich selbst, vor den Mitspielenden, vor dem Lehrer als Spielleiter und vor einem Publikum. Das vielfältige Feedback aus der Öffentlichkeit und aus den schulischen Strukturen bietet eine ebenso sinnvolle Leistungsrückmeldung wie die Notengebung selbst und motiviert zu weiteren Erfolgen.

3. Theaterpädagogik

Um die Bedeutung und Möglichkeiten der Theaterpädagogik herausarbeiten zu können, muss anfangs die Frage beantwortet werden, wie dieser Begriff eigentlich definiert wird. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht lässt sich der Begriff in die zwei Einzelworte Theater und Pädagogik zerlegen, woraus ersichtlich ist, dass die Theaterpädagogik einen erziehungswissenschaftlichen und einen ästhetischen Auftrag erfüllen soll.[1] Doch innerhalb dieses Kontextes gibt es viele Vorstellungen davon, was Theaterpädagogik eigentlich ist. Die einen umschreiben mit diesem Begriff professionellen Schauspielunterricht, die anderen die Anleitung von Laien mit dem Ziel ein Schauspiel auf die Beine zu stellen und wieder andere verstehen Theaterpädagogik als therapeutische Lösung für schulische Probleme. Häufig wird der Ausdruck allgemeiner verwendet, wenn davon gesprochen wird, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine kulturelle Grundlage für künftige Theaterbesuche zu schaffen. Diese verschiedenartige Auffassung des Terminus macht es unmöglich, „Theaterpädagogik einen Ort, Bestimmung und Zielsetzungen zuzuschreiben.“[2]

[...]


[1] Vgl.: Bidlo, Tanja: Theaterpädagogik. Einführung. Essen: Bidlo, 2006. S. 13.

[2] Ebd. S. 25f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Szenische Spiel als theaterpädagogische Chance für den Literaturunterricht
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V199986
ISBN (eBook)
9783656262879
ISBN (Buch)
9783656263630
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Szenisches Spiel, Theater, Theaterpädagogik, Schultheater, Literaturunterricht, Romeo und Julia, Theater im Klassenzimmer
Arbeit zitieren
Pet Er (Autor), 2012, Das Szenische Spiel als theaterpädagogische Chance für den Literaturunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199986

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