Erzähle mir und ich vergesse.
Zeige mir und ich erinnere mich.
Lass mich tun und ich verstehe!
(Konfuzius)
Normalerweise findet Theater im Theater statt, gewöhnlich wird es passiv rezipiert und in der Regel wird das Schauspiel in einer bestimmten sozialen und kulturell gebildeten Schicht verortet. Doch Theater kann überall stattfinden, macht mehr Freude wenn man daran beteiligt ist und ist ein Medium für jedermann. Warum sollte es also nicht auch in der Schule stattfinden, wo Klassenzimmer viel Platz für Bühnen bieten, Jugendliche noch nicht nach sozialem Stand selektiert sind und eine Generation heranwächst, die Neuem interessiert entgegentritt und geradezu auf Anregung wartet?
Beim Theaterspielen erfahren Schauspieler und Zuschauer verschiedenste Gefühle und Assoziationen, Ängste müssen überwunden werden, Erfolg, Beifall und Stolz gelten als Ziel des Spielens und ein gemeinschaftliches Miteinander ist Voraussetzung für das Gelingen einer Aufführung. In jedem Fall ist Theater ein tiefgreifendes und berührendes Phänomen, welches mit Leib und Seele erfahren wird und damit bleibende Erinnerungen schafft. Gelerntes wird also dauerhaft gespeichert und ist durch die Intensität des im Schauspiel Erlebten jederzeit wieder abrufbar. Damit erfährt das Theater nicht nur einen pädagogischen Wert für den Zuschauer sondern ebenso für den Spielenden.
Die Institution Schule und das Theater gelten in der Gesellschaft vereint als Grundlage jeglicher kulturellen Bildung und müssen deshalb nach Meinung des Verfassers dieser Arbeit miteinander kombiniert werden. Denn kulturelle Bildung ist Ergebnis schulischer und außerschulischer Lernprozesse und nur auf erstere hat der Lehrende tatsächlich Einfluss.
Die Theaterpädagogik ist eine relativ junge Disziplin, viel zu wenig wird das Theater auf aktuelle Lehr- und Lernkontexte angewandt und Lehrende sind oft zu fokussiert auf stets wachsende curriculare Vorgaben, die es in immer weniger Zeit zu erfüllen gilt, als dass sie die Theaterpädagogik als wirkliche Chance ansehen würden, um Unterrichtsinhalte in den Köpfen der Lernenden zu festigen. Vor allem im Sprach- und Literaturunterricht können die spielerischen Strukturen des Theaters zum Vorteil genutzt werden.
Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, aus welchen Gründen das Theater in die Institution Schule integriert werden sollte, eine Einführung in die Disziplin der Theaterpädagogik geben und schließlich Möglichkeiten des Schauspiels im Literaturunterricht vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Appell für das Schultheater
3. Theaterpädagogik
4. Szenisches Spiel im Literaturunterricht
5. Das Klassenzimmer als Bühne
6. Romeo und Julia – Inszenierung der Balkonszene
7. Schlussbemerkung
8. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist Szenisches Spiel im Literaturunterricht?
Es ist eine theaterpädagogische Methode, bei der literarische Texte nicht nur gelesen, sondern körperlich und emotional durch Handeln und Darstellung erfahren werden.
Welchen pädagogischen Mehrwert bietet das Theaterspielen in der Schule?
Es fördert das tiefere Textverständnis, stärkt das Selbstbewusstsein, baut Ängste ab und verbessert die soziale Kompetenz durch gemeinschaftliches Handeln.
Wie kann das Klassenzimmer als Bühne genutzt werden?
Durch einfache Umgestaltung des Raumes können Spielzonen geschaffen werden, die es Schülern ermöglichen, in Rollen zu schlüpfen und Texte räumlich zu interpretieren.
Warum ist das „Tun“ für das Lernen so wichtig?
Frei nach Konfuzius führt aktives Handeln („Lass mich tun“) zu echtem Verständnis und einer dauerhaften Speicherung des Gelernten im Gedächtnis.
Wie lässt sich die Balkonszene aus Romeo und Julia inszenieren?
Die Arbeit zeigt auf, wie Schüler durch szenische Interpretation die Dynamik und Emotionen dieser klassischen Szene modern und greifbar erarbeiten können.
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- Pet Er (Author), 2012, Das Szenische Spiel als theaterpädagogische Chance für den Literaturunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199986