Das Thema der Integration wird zurzeit bundesweit lebhaft diskutiert:
„[…] im öffentlich-politischen Diskurs der Bundesrepublik ist Integration in den letzten Jahren ein thematischer Dauerbrenner geworden. Dabei stehen weniger Beispiele erfolgreicher Integration als vielmehr Probleme und gesellschaftlicher Herausforderungen im Mittelpunkt […].“ ( Schulte/Treichler 2010 : 8)
Die Behörden haben jahrelang behauptet, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei. Die Dimensionen der Zuwanderung wurden nicht als ein gesellschaftlicher Prozess betrachtet, sondern durchaus als vorläufig angesehen. Aufgrund der voraussichtlichen Abwanderung wurde es außer Acht gelassen, dass spezielle Integrationsmaßnahmen für diese Bevölkerungsgruppe explizit notwendig sind. Besonders mit den Ergebnissen aus PISA „Programme for International Student Assessment“ 2006 (vgl. http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Forschung/Integrationsreport/Schulbildung/schulbildung) lassen sich negative Rückschlüsse für die Integrationspolitik in Deutschland ziehen. Laut Schulleistungsstudie zeigten Kinder mit Migrationshintergrund in der zweiten und in der dritten Generation Defizite im Bildungsniveau. Außerdem wurde festgestellt, dass Kinder aus Zuwanderungsfamilien wegen den schwachen sozialen Verhältnissen oft nicht die gleichen Chancen im Bildungswesen haben wie ihre einheimischen Mitschüler. Diese Ergebnisse haben anschließend einen Anstoß dafür gegeben, dass es im deutschen Bildungssystem ein großer Verbesserungsbedarf besteht. Besonders im Primarbereich sind erhebliche Änderungen vorgesehen.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Migration
1.1.1 Migration: allgemeine Begriffsdefinition
1.1.2 Migrationsauslösende Ursachen
1.1.3 Rechtliche Migrationsformen der Zuwanderung in Deutschland
1.1.4 Migranten und Kinder mit Migrationshintergrund: allgemeine Begriffsdefinitionen
1.1.5 Lebenssituation von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland
1.2 Integrationstheoretisches Modell
1.2.1 Integration: allgemeine Begriffsdefinition
1.2.2 Integrationskonzept nach H. Esser:
1.2.2.1 Sozialintegration
1.2.2.2 Systemintegration
1.2.3 Sprache und Integration
1.3 Kindlicher Spracherwerb
1.3.1 Der kindliche Spracherwerb: allgemeine Begriffsdefinition
1.3.2 Vorbedingungen für kindlichen Spracherwerb
1.3.3 Die Entwicklungsphasen des kindlichen Spracherwerbs
1.4 Erstsprache und theoretische Grundannahmen zum Erstspracherwerb
1.4.1 Erstsprache: allgemeine Begriffsdefinition
1.4.2 Erstspracherwerbstheorien:
1.4.2.1 Behaviorismus
1.4.2.2 Nativismus
1.4.2.3 Kognitivismus
1.4.2.4 Interaktionismus
1.4.3. Resümee: Outside-in und Inside-out Theorien
1.5 Zweitsprache und theoretische Grundannahmen zum Zweitspracherwerb
1.5.1 Zweitsprache und Zweitspracherwerb: allgemeine Begriffsdefinitionen
1.5.2 Simultaner und sukzessiver Zweitspracherwerb
1.5.3 Einflussfaktoren auf den Zweitspracherwerb
1.5.4 Zweitspracherwerbstheorien:
1.5.4.1 Kontrastivhypothese und Identitätshypothese
1.5.4.2 Hypothese über die Annahme der getrennten Entwicklung
1.5.4.3 Interlanguage - Hypothese
1.5.4.4 Lernbarkeits/Lehrbarkeitshypothese
1.5.4.5 Schwellenhypothese und Interdependenzhypothese
1.6 Erst-, Zweit- und Fremdspracherwerb: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
1.6.1 Erstspracherwerb vs. Zweitspracherwerb
1.6.2 Zweitspracherwerb vs. Fremdspracherwerb
1.7 Bilingualismus-Mehrsprachigkeit
1.7.1 Bilingualismus-Mehrsprachigkeit: allgemeine Begriffsdefinition
1.7.2 Modelle einer bilingualen Erziehung
1.8 Pädagogische Maßnahmen zur besseren Integration von Kindern mit Migrationshintergrund an deutschen Grundschulen
1.8.1 Mehrsprachige Schulmodelle
1.8.2 Deutsch als Erst-, Zweit- und Fremdsprache unter schulischen Rahmenbedingungen
1.8.3 Prinzipien des DaZ-Unterrichts an der Grundschule
1.8.4 Die speziellen Fördermaßnahmen für Kinder mit Migrationshintergrund an staatlich-bayerischen Grundschulen
2.1 Untersuchungsdesign
2.2 Gütekriterien der quantitativen Befragung
2.3 Pretest
2.4 Fragebogenaufbau
2.5 Untersuchungsergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Disparitäten zwischen theoretischen Modellen der Integration und der Schulpraxis an bayerischen Grundschulen zu untersuchen, um zu bewerten, inwieweit staatliche Fördermaßnahmen tatsächlich zur Chancengleichheit von Kindern mit Migrationshintergrund beitragen.
- Wissenschaftliche Grundlagen der Migration und Integration.
- Theorien des kindlichen Erst- und Zweitspracherwerbs.
- Modelle bilingualer Erziehung und ihre Anwendung im deutschen Schulsystem.
- Empirische Analyse spezifischer bayerischer Förderprogramme für Migrantenkinder.
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Migrationsauslösende Ursachen
Patrick Laube nennt folgende wanderungsauslösende Ursachen:
1. Veränderung der natürlichen Umwelt: Patrick Laube zufolge müssen die Menschen aufgrund einer Veränderung der natürlichen Umwelt oft ihren traditionellen Lebensraum aufgeben:
„Die Veränderung der natürlichen Umwelt – seien es nun Eiszeiten, Dürreperioden oder Vulkanausbrüche – bewegten die Menschen immer wieder zum Verlassen ihrer angestammten Wohngebiete.“ (Patrick Laube 2009: 106)
2. Wirtschaftliche Beweggründe: Faktoren wie Hunger, Armut, Arbeits- und Perspektivenlosigkeit veranlassen viele Menschen heute zur Migration:
„Sehr viele Migranten werden von Wunsch getrieben, ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern. Dabei können neu erschlossene Räume mit besserem Ressourcenangebot zu einer Abwanderung verleiten.“ (Patrick Laube 2009: 106)
3. Migration ohne zwingende Gründe: häufig migrieren die Menschen, um einfach das fremde Land und seine Kultur kennenzulernen.
4. Soziale Verhältnisse: die zweithäufigste Ursache, die die Bewohner aus ihrer Heimat treibt, sind soziale Verhältnisse. Patrick Laube sieht die Überbevölkerung als Katalysator für Migration dieser Art:
„die Öffnung der Bevölkerungsschere führt auf dem beschränkten Siedlungsraum zu einem Bevölkerungsdruck, der meist nur durch Abwanderung verringert werden kann.“ (Patrick Laube 2009: 106)
5. Bewaffneter Konflikt: diese Migrationsursache ist traurige Realität. Leider müssen häufig viele Menschen aus ihren vom Krieg zerstörten Wohngebieten flüchten. Wie Patrick Laube schreibt:
„durch den Zerfall des Ostblocks und andere Staatsgebilde entbrannten aus vielen schwellenden Konflikten blutige Bürgerkriege. Verfolgung aus ethnischen oder religiösen Gründen führt zur Flucht oder Zwangsmigration.“ (Patrick Laube 2009: 106)
Die oben genannten wanderungsauslösenden Gründe lassen die Auswanderer in diverse Gruppen unterteilen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Migration: Erläutert Begriffe, Ursachen und rechtliche Formen der Zuwanderung sowie die Lebenssituation betroffener Kinder.
1.2 Integrationstheoretisches Modell: Analysiert Konzepte zur Sozial- und Systemintegration nach H. Esser und deren Bedeutung für den Spracherwerb.
1.3 Kindlicher Spracherwerb: Beschreibt die Grundlagen, Bedingungen und Entwicklungsphasen der Sprachentwicklung bei Kindern.
1.4 Erstsprache und theoretische Grundannahmen zum Erstspracherwerb: Erörtert klassische Theorien wie Behaviorismus und Nativismus in Bezug auf den Erstspracherwerb.
1.5 Zweitsprache und theoretische Grundannahmen zum Zweitspracherwerb: Untersucht verschiedene Zweitspracherwerbstheorien und Einflussfaktoren auf diesen Prozess.
1.6 Erst-, Zweit- und Fremdspracherwerb: Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Vergleicht die Erwerbsprozesse von Erst-, Zweit- und Fremdsprachen.
1.7 Bilingualismus-Mehrsprachigkeit: Definiert Mehrsprachigkeit und stellt Modelle bilingualer Erziehung vor.
1.8 Pädagogische Maßnahmen zur besseren Integration von Kindern mit Migrationshintergrund an deutschen Grundschulen: Beschreibt spezifische Fördermaßnahmen und Prinzipien des DaZ-Unterrichts an bayerischen Schulen.
2. Empirische Untersuchung: Dokumentiert das Untersuchungsdesign, die methodischen Kriterien und die Ergebnisse der Online-Befragung.
3. Diskussion und Interpretation der Befunde: Analysiert die gewonnenen Daten im Kontext der zuvor dargelegten Theorie.
Schlüsselwörter
Migration, Integration, Zweitspracherwerb, DaZ, Grundschule, bayerisches Bildungssystem, Mehrsprachigkeit, Interlanguage, Schwellenhypothese, Sprachförderung, interkulturelle Erziehung, Bildungschancen, Schulleistungen, Migrationshintergrund, Schulpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die pädagogischen Maßnahmen zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund an bayerischen Grundschulen und gleicht diese mit theoretischen Annahmen ab.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Migration, Integrationstheorien, kindlichen Spracherwerb, den Erwerb von Erst- und Zweitsprachen sowie schulpraktische Förderkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Disparitäten zwischen der pädagogischen Theorie und der tatsächlichen Schulpraxis in Bayern aufzudecken und die Wirksamkeit von Fördermaßnahmen zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte eine quantitative empirische Untersuchung mittels einer Online-Umfrage unter Grundschullehrern in verschiedenen bayerischen Landkreisen durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der theoretische Teil analysiert Spracherwerbsmodelle und Integrationskonzepte, während der empirische Teil die Wirksamkeit von Förderprogrammen wie Vorkursen oder Deutschförderklassen auswertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Migration, Zweitspracherwerb, DaZ, Interkulturelle Erziehung und Chancengleichheit im Bildungssystem.
Welche Rolle spielt der Lehrerberuf in der Analyse?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle von Lehrkräften mit Migrationshintergrund als Identifikationsfiguren und thematisiert die Notwendigkeit spezieller didaktischer Ausbildungen für den DaZ-Unterricht.
Welche Bedeutung haben die "Vorkurse Deutsch"?
Vorkurse Deutsch werden als eine wesentliche und weit verbreitete Fördermaßnahme an bayerischen Grundschulen identifiziert, die von den befragten Lehrkräften nahezu einstimmig bestätigt wurde.
Warum wird der Muttersprachliche Unterricht kritisch diskutiert?
Die Untersuchung zeigt, dass der muttersprachliche Unterricht in der Praxis oft mit Skepsis betrachtet wird, da er teilweise als störender Faktor für die Integration wahrgenommen wird.
Wie ist die psychosoziale Situation der betroffenen Kinder laut der Befragung einzuschätzen?
Die Mehrheit der befragten Lehrkräfte schätzt die psychosoziale und gesundheitliche Situation von Kindern mit Migrationshintergrund in Bayern als eher negativ oder problematisch ein.
- Citation du texte
- Olga U. (Auteur), 2012, Migrantenkinder und Chancengleichheit: Pädagogische Maßnahmen zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund im Primarbereich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200077