Predigt zu einem alttestamentarischen Text

Jesaja 42, 1-9


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Ersteindruck

2. Kurze Exegese
a) Übersetzungsvergleich
b) Kontext
c) Textanalyse und Skopos

3. Systematisch – theologische Aspekte

4. Überlegungen zur Situation der Hörer

5. Homiletische Überlegungen
a) Intension/Ziel
b) Struktur und Aufbau der Predigt
c) Sprache der Predigt

6. Überlegungen zur liturgischen Gestaltung

7. Reflexion des Gottesdienstes

8. Predigt

9. Gottesdienstablauf

10. Literaturverzeichnis

11. Selbstständigkeitserklärung

12. Votum der Mentorin

1. Ersteindruck

Der Knecht Gottes das Licht der Welt

42 1 Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. 2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. 3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. 4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.

5 So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Odem gibt und den Geist denen, die auf ihr gehen: 6 Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, 7 dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.

8 Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen. 9 Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich's euch hören.[1]

Beim ersten Lesen ist mir vor allem aufgefallen, dass es sich um einen poetischen Text handelt, der ausdrucksstarke Bilder benutzt: z. B. das geknickte Rohr, den glimmenden Docht. Inhaltlich erschließt sich die Aussage des Textes nicht so ohne Weiteres: Wer spricht zu wem? Wer ist mit dem Knecht gemeint, und was genau ist seine Aufgabe? Welches Recht ist gemeint, und was genau bedeutet der Bund? Ab Vers 5 ist klar ersichtlich, dass es um den Gott Israels geht, den Schöpfergott, der seinen Knecht behütet, der der einzige Gott ist, allmächtig und allwissend. Das Jesajabuch steht im Zusammenhang mit dem babylonischen Exil. Viele Texte daraus werden zu Weihnachten gelesen. Das erste Gottesknechtlied ist in der Perikopenordnung[2] dem ersten Sonntag nach Epiphanias zugeordnet. In diesem Zusammenhang kenne ich die Deutung, dass Jesaja Leben und Sterben Jesu vorausgesagt habe, dass also das ganze Buch wie auch andere Teile des Ersten Testaments als prophetische Ankündigung des Messias Jesus zu verstehen sind. Demnach ist Jesus der Knecht. Aber diese Deutung ist eine speziell christliche Sicht.

Aus dieser Arbeit soll eine Predigt entstehen, die ihren Platz sowohl in der Gemeinde als auch in mir selbst haben soll.

2. Kurze Exegese

a) Übersetzungsvergleich

Ich vergleiche die Lutherbibel von 1984 (Luther), die Bücher der Kündung(BdK) nach der Übersetzung von Buber & Rosenzweig und die Elberfelder Bibel (Elberfelder).Als erstes fällt auf, das in der Übersetzung von Buber und Rosenzweig das Buch Jeschajahu (Jesaja v. Verf.) an einer anderen Stelle des Kanons steht. In den Büchern der Kündung sind die Propheten zusammen aufgeführt. Die Kanonisierung der Bibel zeigt, dass die Autoren unterschiedliche Wertungen vornahmen. Über die Hintergründe und historischen Gründe möchte ich hier nicht Stellung nehmen. Das Wort Knecht betont die Unterordnung, das hierarchische Verhältnis, Knechtschaft wird mit Rechtlosigkeit und Unterdrückung, vielleicht auch Leiden in Verbindung gebracht. Jedenfalls würden wir von heute aus sagen. Wir sind aber keine Knechte im umgangssprachlichen Gebrauch. Der Knecht wird anschließend als „Erwählter“ bezeichnet, ein Hinweis auf die Besonderheit des Verhältnisses. Der Unterschied zwischen „Geist“ (Luther und Elberfeld) und „Geisthauch“ (BdK[3] ) durchbricht die männliche Sprache: auch die von JHWH ausgehende Geistkraft kann weibliche Züge tragen – das Erste Testament verwendet an anderen Stellen auch weibliche Bilder für die göttliche Zuwendung zu den Menschen, z.B. JHWH als Gebärende.[4] Weniger auf eine männlich dominierte Vorstellungswelt bezogen ist auch der Ersatz von „Herr“ durch „Gott“. In Vers 5 sagt die Elberfelder „Lebenshauch“ anstatt „Geist“ oder „Geisthauch“ als Übersetzung des hebräischen Wortes ruach. Es bedeutet beides: Atem und Geistkraft. Geist und Leben oder Geist und Atem hängen zusammen, der Geist ist vom lebendigen Körper nicht zu trennen. Das Wort Seele (V1) bei Luther und in der Elberfelder ist eine Übersetzung des hebräischen Wortes nefesch, das auch die Bedeutung von Atem und Leben haben kann, außerdem Kehle und Person.[5]

In Vers 6, der auch vom Verhältnis Gott und Knecht spricht, steht bei Luther „ich halte dich bei der Hand und behüte dich“ – ein Bild, das an Eltern und Kind erinnert, ähnlich auch in der Elberfelder: “ich ergreife dich bei der Hand“, während bei Buber & Rosenzweig hier nichts der Gleichen aufgeführt ist. Wo Luther in Vers 1 und 6 von „Heiden“ spricht, steht in den BdK „Weltstämmen“ und in der Elberfelder „Nationen“. In Vers 4 heißt es bei Luther „bis er auf Erden das Recht aufrichte“, fast gleich lautend in der Elberfelder. Die BdK formulieren „führe er Recht hin“. Die erste Formulierung legt die Vorstellung nahe, dass das Recht vorher nicht da war, die zweite spricht nach meinem Verständnis von der richtigen Anwendung des Rechts.

[...]


[1] Lutherbibel

[2] Perikopenbuch.

[3] Eigene Abkürzung für Bücher der Kündung, Buber&Rosenzweig

[4] Vgl. Sals 218ff

[5] Hauk, Friedrich und Schwinge

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Details

Titel
Predigt zu einem alttestamentarischen Text
Untertitel
Jesaja 42, 1-9
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V200095
ISBN (eBook)
9783656271642
ISBN (Buch)
9783656272502
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
predigt, text, jesaja
Arbeit zitieren
Dr. Rex-Oliver Funke (Autor:in), 2012, Predigt zu einem alttestamentarischen Text, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200095

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