Beim erstmaligen Lesen der Perikope begegnet uns die überaus bekannte Erzählung von der großen Flut. Sintfluterzählungen gibt es in vielen Kulturen, die alle sehr ähnlich sind (z.B.
Gilgamesch-Epos, der viele Parallelen zur biblischen Erzählung besitzt). Schon beim ersten Durchlesen fallen in der biblischen Sintfluterzählung doppelte und zum Teil widersprüchliche Angaben auf. Am auffälligsten sind die widersprüchlichen Angaben über die Dauer der
Flut: 40 bzw. 150 Tage. Die Erklärung für diese merkwürdigen Doppelungen und Widersprüche ist das Vorliegen zweier Quellen, die zu einer Erzählung vereint wurden. Dazu werde ich im Verlauf der Arbeit zurückkommen. In der zu behandelnden Perikope geht es um das Ende der Flutgeschichte, genauer um das Zurückgehen des Wassers, das Handeln Noahs und vor allem um das Heilswirken Gottes. Es begegnen uns kräftige Bilder, die Eingang fanden in unsere Zeit. Vor allem die Taube mit dem Ölzweig ist in die Kunst eingegangen und ist oft Motiv in Kirchen, an Fenstern und Antependien. Ziel der Arbeit ist die Erstellung einer Predigt zu der Perikope, welche im Examensgottesdienst des KfU gehalten wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Ersteindruck
2. Kurze Exegese
a) Übersetzungsvergleich
b) Kontext
c) Textanalyse und Skopos
3. Systematisch – theologische Aspekte
4. Überlegungen zur Situation der Hörer
5. Homiletische Überlegungen
a) Intension/Ziel
b) Struktur und Aufbau der Predigt
c) Sprache der Predigt
6. Überlegungen zur liturgischen Gestaltung
7. Reflexion des Gottesdienstes
8. Predigt
9. Gottesdienstablauf
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dient der Vorbereitung und Reflexion eines Examensgottesdienstes mit einer Predigt über Genesis 8, 1–12. Ziel ist es, die komplexe Sintfluterzählung in einen verständlichen, theologisch fundierten Kontext zu setzen, der Gottes Barmherzigkeit und Treue zur Schöpfung in den Mittelpunkt stellt.
- Exegese der Sintfluterzählung (Gen 8, 1–12)
- Systematisch-theologische Einordnung des Gottesbildes im Alten Testament
- Homiletische Konzeption der Predigt für eine spezifische Gemeinde
- Liturgische Gestaltung und Reflexion des Gottesdienstablaufs
Auszug aus dem Buch
3. Systematisch – theologische Aspekte
Zunächst wird die Gerechtigkeit Noahs zur Verkommenheit der Welt in einen Kontrast gesetzt. Noah wandelt mit Gott, ist gerecht vor Gott (in der Beziehung mit Gott) und untadelig. Während die gesamte Welt (Schöpfung) um Noah herum verderbt und verloren scheint. Mit Gott wandeln heißt Leben, die Wege „allen Fleisches“ führen in den Tod. Die Welt füllt sich mit Gewalt. Das betrifft gleichermaßen menschliches und tierisches Verhalten, die Gewalt geht von „allem Fleische“ aus und widerspricht dem Schöpfungswillen aus Gen 1. Der Vernichtungsbeschluss aus 6,13b erscheint als Konsequenz, die Gott aus dem zieht, was er vor sich sieht. Aber, durch die Rettung Noahs und seiner Familie und den Tieren auf/in der Arche, steht nicht das Ende der alten, verdorbenen Welt im Zentrum des Geschehens, sondern die Verheißung eines Neuanfanges, die Erhaltung der Schöpfung. „Am Gipfelpunkt der Flut geschieht zugleich die Peripetie, die rettende Wende durch die Erinnerung Gottes, auch wenn festgehalten werden muss, dass die gesamte Schilderung des Vernichtungshandeln Gottes an der Welt parallelisiert wird durch die Aussage der Schonung und Bewahrung für die Bewohner der Arche“. Die Perspektive der Sintflut ist, dass Gott durch die Flutkatastrophe hindurch seine Schöpfung zu retten sucht. Die Überwindung der Schöpfungskrise erschafft die Welt, in der wir heute leben! Gott verpflichtet sich selbst, die Welt (Schöpfung) zu belassen, nie wieder eine Vernichtung zu planen. Mit der Konsequenz, dass Kompromisse nötig sind, die den Erfahrungshorizont der Menschheit einbeziehen. „Der große Schlussakkord der Sintflut ist die an keine Bedingungen gebundene Aufrichtung des Bundes mit der Schöpfung insgesamt (Noach, Tiere, Erde).“ Der Schöpfungssegen wird erneut zugesprochen, die Geschichte zwischen Gott und den Menschen und der Schöpfung ist nicht zu Ende.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ersteindruck: Vorstellung des Perikopentextes (Gen 8, 1–12) sowie erste Beobachtungen zu den Quellen und der Bedeutung der Flutgeschichte.
2. Kurze Exegese: Analyse der Übersetzungsvarianten, Einordnung in den Kontext der Urgeschichte sowie eine quellenkritische Textanalyse.
3. Systematisch – theologische Aspekte: Theologische Reflexion über Noahs Gerechtigkeit und das Gottesbild zwischen Gericht und Gnade.
4. Überlegungen zur Situation der Hörer: Beschreibung der konkreten Kirchengemeinde sowie der Erwartungen und Gewohnheiten der Gottesdienstbesucher.
5. Homiletische Überlegungen: Darlegung der Intention, der inhaltlichen Struktur und der sprachlichen Gestaltung der Predigt.
6. Überlegungen zur liturgischen Gestaltung: Erläuterung der liturgischen Abläufe im Einklang mit den gemeindlichen Traditionen.
7. Reflexion des Gottesdienstes: Kritische Nachbetrachtung des tatsächlichen Ablaufs des Examensgottesdienstes.
8. Predigt: Der vollständige Wortlaut der gehaltenen Predigt zum Thema Sintflut.
9. Gottesdienstablauf: Detaillierte tabellarische Übersicht des liturgischen Verlaufs des Examensgottesdienstes.
Schlüsselwörter
Sintflut, Noah, Genesis, Urgeschichte, Gnade, Schöpfung, Gottesbild, Theologie, Predigtvorbereitung, Exegese, Examensgottesdienst, Bund, Friedenstaube, Liturgie, Glaubensgehorsam
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert die Vorbereitung, Planung und Reflexion eines Examensgottesdienstes, bei dem eine Predigt über die biblische Erzählung der Sintflut (Gen 8, 1–12) gehalten wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die biblisch-exegetische Arbeit an der Perikope, die systematisch-theologische Auseinandersetzung mit dem Gottesbild sowie die homiletische und liturgische Praxis in der Gemeindearbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung einer theologisch fundierten Predigt für einen Examensgottesdienst, die den Text für die heutige Gemeinde erschließt und das Handeln Gottes als gnädig und lebensbejahend darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Methoden der historisch-kritischen Exegese, ein Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen sowie homiletische Grundsätze zur Predigtstrukturierung angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Exegese des Bibeltextes, eine theologische Einordnung, eine Situationsanalyse der Hörer, die homiletischen Überlegungen zur Predigt und die liturgische Vorbereitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sintflut, Noah, Gnade, Schöpfung, Gottesbild, Exegese, Predigtvorbereitung und Liturgie.
Warum bleibt Noah in der Erzählung laut der Textanalyse stumm?
Die Analyse verdeutlicht, dass Noah als frommer Mann handelt, der aus Glaubensgehorsam agiert; sein Schweigen unterstreicht, dass die Initiative und das Heilshandeln bei Gott liegen.
Wie wurde die Predigt an die Gegebenheiten der Gemeinde angepasst?
Durch die Verwendung kurzer, verständlicher Sätze und die Nacherzählung des Textes wurde versucht, die Gemeinde abzuholen, ohne den mythologischen Kern zu verlieren.
Welche Bedeutung kommt der Taube und dem Ölzweig zu?
In der Arbeit wird die Taube als Botenvogel interpretiert, der die neue Zuwendung Gottes und die Rettung sowie den Frieden symbolisiert.
Wie wurde die liturgische Gestaltung reflektiert?
Die Reflexion beleuchtet sowohl die persönliche Sicherheit durch das Singen der Liturgie als auch die notwendige Anpassung bei Stimmeinsätzen und der sprachlichen Artikulation.
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- Dr. Rex-Oliver Funke (Autor), 2012, Exegese und Predigt über Gen 8, 1 – 12, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200098