Der Computer hat sich inzwischen zu einem der wichtigsten Massenmedien entwickelt und ist bei Kindern und Jugendlichen omnipräsent. Angesichts dieser Entwicklung ist es selbstverständlich, dass der Computer auch Einzug in die Schule gefunden hat. In der Schule für Körperbehinderte, in der sich der Computer in den letzten Jahren zu einem multivalenten und lerneffektiven Hilfsmittel entwickelte, ergeben sich nach den Leitlinien zur schulischen Förderung für körperbehinderte Schüler zahlreiche neue Möglichkeiten, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Auch in anderen Schularten ist die Arbeit mit und am Computer in den Bildungsplan integriert. Beim Einsatz des Computers an der Schule für Körperbehinderte steht jedoch die Kompensation von Folgen bzw. Auswirkungen der Behinderung des einzelnen Schülers im Vordergrund, weil damit dem bewegungs- und gegebenenfalls spracheingeschränkten Kind mehr Kommunikations- und Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Zu Beginn der Arbeit werden zunächst zentrale Begriffe definiert und aufgezeigt, welche Auswirkungen eine Körperbehinderung auf verschiedene Entwicklungsbereiche (Sprache, Motorik, Kognition) haben kann. Im darauffolgenden Kapitel werden Möglichkeiten und Grenzen des Computers als Lehr- und Lernmittel für körperbehinderte Schüler erörtert. Außerdem werden einzelne Einsatzgebiete und die nötigen Rahmenbedingungen zur Förderung von körperbehinderten Schülern mit dem PC aufgezeigt. Ein weiterer Punkt ist ein Diskurs über die didaktisch-methodische Eignung und die Einsatzmöglichkeiten von Lernsoftware. Im Anschluss daran wird dargelegt, wie auch körperbehinderte Kinder und Jugendliche mithilfe von speziellen Adaptionen sowie der passenden Software den Computer effektiv bedienen können. Ein Interview mit einem körperbehinderten Schüler, der zum Thema „Alternative Computersteuerung“ aus eigener Erfahrung berichten kann, verdeutlicht diesen Teil meiner Arbeit. Die Bedeutung des Computers als besonders geeignetes Medium zur Förderung der Kommunikation im weiten Bereich der Unterstützten Kommunikation wird anschließend genauer thematisiert. In Kapitel 6.0 erfolgt eine detaillierte Beschreibung des praktischen Teils der Arbeit: Um die Möglichkeiten des Computers zur Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit körperbehinderter Schüler nicht nur theoretisch zu erörtern, entwickelte ich die Idee in Form des Brieffreundeportals postrohr weiter und erprobte diese Kommunikationsmöglichkeit auch in der Praxis.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Körperbehinderung und Kommunikation
2.1 Begriffsklärung
2.2 Auswirkung auf einzelne Entwicklungsbereiche
3.0 Computer als Lehr- und Lernmittel für körperbehinderte Kinder und Jugendliche
3.1 Entwicklungen in den einzelnen sonderpädagogischen Fachrichtungen
3.2 Einbeziehung in die didaktisch-methodische Planung des Unterrichts
3.3 Möglichkeiten und Grenzen
3.4 Einsatzgebiete
3.5 Rahmenbedingungen
3.6 Lernsoftware
4.0 Alternative Computersteuerung mit Hilfsmitteln
4.1 Adaptionen
4.2 Programme zur Kompensation einer Beeinträchtigung
4.3 Hilfsmitteleinführung und -versorgung
4.4 Interview mit Cedric
5.0 Computereinsatz im Bereich der Unterstützten Kommunikation
5.1 Einfache Kommunikationshilfen
5.2 Komplexe Kommunikationshilfen: Talker
5.3 Möglichkeiten und Grenzen des Talkereinsatzes
6.0 Brieffreundeportal postrohr.de
6.1 Kommunikation im Web
6.2 Konzeption und Zielsetzung des Projektes postrohr.de
6.3 Durchführung
6.4 Erste Erfahrungen mit postrohr und Erwartungen für die Zukunft
7.0 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz des Computers als unterstützendes Lehr-, Lern- und Kommunikationsmittel für Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderungen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie durch barrierefreie technische Lösungen und angepasste Didaktik die schulische Teilhabe, soziale Interaktion und die Autonomie der betroffenen Schüler gefördert werden können.
- Bedeutung der Kommunikation bei Körperbehinderung
- Technische Adaptionen und alternative Computersteuerung
- Einsatz von Lernsoftware und Kommunikationshilfen (Talker)
- Konzeption und Erprobung eines barrierefreien Webportals für soziale Kontakte
- Ergonomische und pädagogische Rahmenbedingungen für den Unterricht
Auszug aus dem Buch
4.4 Interview mit Cedric
Im Rahmen der vorliegenden wissenschaftlichen Hausarbeit führte ich ein Leitfadeninterview (vgl. Mayer 2009, 37) mit einem Schüler der Berufsvorbereitenden Einrichtung der Gustav-Heinemann-Schule in Pforzheim durch. Cedric (Name aus Gründen der Anonymisierung geändert) ist 18 Jahre alt, er ist im 12. Schulbesuchsjahr und wird nach dem Bildungsgang G unterrichtet. Laut seiner Akte hat er eine spastische Tetraparese, Dysarthrie und eine starke Sehbehinderung. Cedric kann sich verbalsprachlich zwar langsam aber gut ausdrücken. Seit in seiner Klasse der Computer eingesetzt wurde, zeigt er stets großes Interesse und arbeitet lange und ausdauernd daran. Regelmäßig wird das Hilfsprogramm SAW (siehe Kapitel 4.2) in der Einzelförderung an Cedrics Bedürfnisse angepasst. Mithilfe dieses Programmes kann er den PC ansteuern.. Er bedient den Computer mithilfe von zwei Tastern, die er mit seiner rechten Hand und seinem rechten Knie bedienen kann. So erstellt er Anwesenheitslisten (siehe Video im Anhang: Anwesenheitsliste ausfüllen), schreibt Emails (siehe Video im Anhang: Email schreiben) oder telefoniert über das Internet. Der Klassenlehrer arbeitet engagiert daran, das Medium Computer in der Klasse vertraut zu machen und seine Vorteile zu verdeutlichen. Auch andere Schüler der Klasse arbeiten regelmäßig am PC. Zu diesem Zweck wurden für jeden Schüler individuelle, auf die jeweiligen Fähigkeiten und Fertigkeiten abgestimmte Profile, angelegt. Die Oberflächen (Auswahlsets) wurden für jeden Schüler individuell gestaltet (Audio-Wiedergabe, Größe der Tasten und Komplexität der Menüs).
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Einführung in die Relevanz des Computers als Hilfsmittel für körperbehinderte Schüler im schulischen Kontext.
2.0 Körperbehinderung und Kommunikation: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Körperbehinderung sowie den Auswirkungen auf Sprache, Motorik und Kognition.
3.0 Computer als Lehr- und Lernmittel für körperbehinderte Kinder und Jugendliche: Darstellung der didaktischen Möglichkeiten, Grenzen und Einsatzbereiche des Computers im Unterricht.
4.0 Alternative Computersteuerung mit Hilfsmitteln: Untersuchung technischer Adaptionen und spezieller Programme zur Kompensation motorischer Beeinträchtigungen sowie ein Fallbeispiel durch ein Schülerinterview.
5.0 Computereinsatz im Bereich der Unterstützten Kommunikation: Analyse von Kommunikationshilfen, von einfachen Mitteln bis hin zu komplexen Sprachcomputern (Talkern).
6.0 Brieffreundeportal postrohr.de: Dokumentation der Entwicklung, Konzeption und Erprobung eines barrierefreien Internetportals zur sozialen Vernetzung von Schülern.
7.0 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale und Herausforderungen beim Einsatz von Computern als Werkzeug zur Inklusion und Teilhabe.
Schlüsselwörter
Körperbehinderung, Unterstützte Kommunikation, Talker, Computer als Hilfsmittel, Inklusion, Barrierefreiheit, sonderpädagogische Förderung, Softwareadaption, soziale Teilhabe, Schulentwicklung, assistive Technologie, Medienkompetenz, Kommunikation, Internetportal, Schülermotivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Computers als technisches Hilfsmittel für Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderungen, um ihre kommunikativen und schulischen Möglichkeiten zu verbessern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Auswirkungen von Körperbehinderungen auf die Entwicklung, die Anpassung von Computer-Hardware und -Software sowie die praktische Nutzung von Internetplattformen zur sozialen Inklusion.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch spezifische technische Hilfsmittel (Adaptionen, Talker) und geeignete didaktische Ansätze die Teilhabe behinderter Schüler am sozialen und schulischen Leben nachhaltig gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Arbeit, die durch ein praktisches Leitfadeninterview mit einem betroffenen Schüler und die exemplarische Entwicklung eines Webportals (postrohr.de) ergänzt wird.
Welche Schwerpunkte liegen auf dem Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil behandelt die technische Ansteuerung von Computern (Adaptionen), den Einsatz spezialisierter Lern- und Kommunikationssoftware sowie die Konzeption eines barrierefreien Portals für den E-Mail-Kontakt unter Schülern.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Körperbehinderung, Unterstützte Kommunikation, Computer als Hilfsmittel, Inklusion, Barrierefreiheit, Talker und digitale Teilhabe.
Welche Rolle spielt die individuelle Gestaltung der Benutzeroberfläche in der Arbeit?
Die Arbeit betont, dass Hard- und Software nicht standardisiert bleiben dürfen, sondern individuell an die spezifischen motorischen und kognitiven Fähigkeiten des jeweiligen Kindes angepasst werden müssen, um eine effektive Bedienung zu ermöglichen.
Was zeigt das Projekt postrohr.de konkret auf?
Es belegt, dass auch mit sehr eingeschränkten motorischen Fähigkeiten soziale Netzwerke über das Internet genutzt werden können, sofern die Webseiten konsequent nach Prinzipien der Barrierefreiheit gestaltet sind.
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- Michael Bianchi (Author), 2012, Kommunikative Kompetenz und Teilhabe: Der Computer als Hilfsmittel zur Erweiterung dieser Kompetenz bei Menschen mit Handicap, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200111