Die Arbeit befasst sich mit der feuelletonistischen Auseinandersetzung mit Karl Corinos Artikel "Stephan Hermlin hat seinen Lebensmythos erlogen. Dichtung in eigener Sache", der am 04.10.1996 in der ZEIT veröffentlicht wurde. In diesem wirft Corino Hermlin vor, er habe durch in seinem stets als Autobiographie deklarierten Werk "Abendlicht" falsche Angaben getätigt und somit seine Vita gefälscht. Die Arbeit fasst zunächst die Debatte zusammen, um sie in einem nächsten Schritt literaturwissenschaftlich auszuwerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung des Streitgesprächs
2. Literaturwissenschaftliche Evaluation
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert die feuilletonistische Debatte, die durch Karl Corinos Enthüllungen über Stephan Hermlins Lebensmythos im Jahr 1996 ausgelöst wurde, und untersucht die literaturwissenschaftliche Relevanz der aufgeworfenen Fragen zum Verhältnis von Autobiographie und Fiktion.
- Politische Dimension der Debatte und die Rollenverteilung zwischen Ost- und West-Kritikern
- Die literarische Einordnung von Hermlins Werk "Abendlicht"
- Moralische Bewertung des Autors versus ästhetische Bewertung des Werkes
- Diskussion über Gattungsfragen und den Wahrheitsgehalt von Literatur
- Evaluation der Kritikfähigkeit und der Rolle der Literaturwissenschaft
Auszug aus dem Buch
Zusammenfassung des Streitgesprächs
Die Debattierenden spalteten sich in zwei Lager – eines, das Corinos Meinung vertrat und ein anderes, das es nicht tat und also den Literaten Hermlin unterstützte. Hierbei definierten sich die Befürworter der einen oder anderen Meinung nach der eigenen, auch politischen, Vergangenheit: Der Großteil derjenigen, die Hermlin beistanden, waren bezeichnenderweise Menschen, die in der ehemaligen DDR gelebt hatten, die Corino-Unterstützer kamen aus dem Westen. Es kam von Anfang an zu dieser Trennung, weshalb auch die Diskussion als solche größtenteils politisch geführt wurde. Auch der Verfasser des Zeit-Artikels war verantwortlich für das Entstehen einer politischen Ebene, denn in seinem Beitrag betonte er bereits in der Überschrift allein durch die Bezeichnung Hermlins als DDR-Schriftsteller die geographische Herkunft und die damit scheinbar auch einhergehende politische Verortung des Autors.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zusammenfassung des Streitgesprächs: Dieses Kapitel skizziert die zweigeteilte Rezeption der Corino-Enthüllungen, wobei die politische Konfrontation zwischen ostdeutschen Verteidigern und westdeutschen Kritikern Hermlins im Vordergrund steht.
2. Literaturwissenschaftliche Evaluation: Hier wird der Disput kritisch reflektiert, indem die Argumente der verschiedenen Lager bewertet und die verpassten Chancen einer tiefergehenden literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Gattungsfragen wie Autobiographie und Autofiktion hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Stephan Hermlin, Karl Corino, Abendlicht, DDR-Literatur, Autobiographie, Fiktion, Literaturkritik, Feuilleton, Lebensmythos, Literaturwissenschaft, politische Debatte, Moral, Wahrheit, Gattungsfrage, Autofiktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die heftige literarische und politische Debatte, die im Jahr 1996 durch Enthüllungen über Unwahrheiten in der Biographie des Schriftstellers Stephan Hermlin ausgelöst wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Vermischung von politischer Gesinnung und literarischer Kritik, die Gattungsproblematik von "Abendlicht" sowie das ethische Spannungsfeld zwischen der Person des Autors und seinem Werk.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Dokumentation des Disputs sowie eine literaturwissenschaftliche Evaluation der Frage, ob die nachgewiesenen Fälschungen die Qualität und den Stellenwert von Hermlins literarischem Schaffen beeinträchtigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer kommentierten Presse-Schau und einer vergleichenden Auswertung zeitgenössischer feuilletonistischer Artikel, ergänzt durch eine literaturwissenschaftliche Einschätzung der Argumentationsmuster.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Streitgesprächs zwischen den verschiedenen Lagern sowie eine evaluierende Analyse, die aufzeigt, wie die Debatte sowohl politische Ressentiments als auch literaturtheoretische Defizite offenbart hat.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die wichtigsten Schlagworte sind Hermlin, Corino, Abendlicht, Autobiographie, Fiktion, DDR-Literatur und die moralische Bewertung von Autorschaft.
Wie unterscheidet sich der Fall Hermlin von dem des Politikers zu Guttenberg?
Der Autor argumentiert, dass im Gegensatz zur politischen Integrität eines Amtsträgers, die bei Guttenberg in Frage stand, bei Hermlin die Trennung zwischen moralischem Fehlverhalten und der ästhetischen Qualität der Literatur hätte differenzierter diskutiert werden müssen.
Warum spielt die DDR-Vergangenheit der Kritiker eine Rolle?
Die Arbeit stellt fest, dass die politische Verortung der Kritiker – ostdeutsche Identifikation mit Hermlin versus westdeutsche Kritik an der Systemnähe – die literarische Debatte massiv überlagert und somit politisiert hat.
Welche Rolle spielt der Gattungsbegriff "Autobiographie" in der Debatte?
Da Hermlin sein Werk nicht explizit als Autobiographie deklarierte, aber eine solche Lesart durch Klappentexte und Interviews förderte, stellt die Arbeit fest, dass die fehlende wissenschaftliche Klärung dieses Begriffs im Disput eine ungenutzte Chance für die Literaturwissenschaft darstellte.
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- B.A. Julia Hans (Author), 2012, Stephan Hermlin im Visier des Feuilletons, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200293