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Sprachwandel durch Chat-Kommunikation

Title: Sprachwandel durch Chat-Kommunikation

Term Paper , 2012 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Miriam Burkert (Author)

German Studies - Linguistics
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Die rasche Verbreitung des Internets hat nicht nur eine Fülle an neuen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und –verbreitung hervorgebracht, auch das Kommunikationsverhalten im Alltag hat sich durch eine veränderte Medienlandschaft gewandelt: Wo man früher noch telefoniert oder den anderen persönlich angesprochen hätte, schreibt man heute eine E-Mail oder SMS. Man pflegt alte und neue Bekanntschaften bei Facebook oder twittert noch schnell die aktuellsten Erlebnisse. Eine besondere Form der Online-Verständigung stellt dabei der Chat (engl. ›to chat‹ = plaudern, schwatzen) dar, der als eine der ersten interaktiven Kommunikationsformen im Internet in den 1980er Jahren entwickelt wurde (vgl. Schmidt 2000: 109). Chatten ermöglicht, ähnlich wie das Telefonieren, eine (nahezu) zeitgleiche, direkte und wechselseitige Interaktion zwischen zwei oder mehreren Chatpartnern. Das Gespräch erfolgt allerdings nicht sprechsprachlich, sondern schriftsprachlich, was die Neuartigkeit dieser Kommunikationsform ausmacht. Vor allem für die Sprachwissenschaft eröffnet eine schriftlich realisierte Form der Kommunikation ein breites Forschungsfeld: Handelt es sich bei den geschriebenen Gesprächen im Chat um eine neue Form der Schriftsprache, oder ist sie als eine neuartige Form der mündlichen Kommunikation zu sehen? Wie wirken sich technische Randbedingungen im Chat auf sprachliche Strukturen aus und wie unterscheiden sich sprachliche Besonderheiten der Chat-Kommunikation von mündlichen Gesprächen? Um in der vorliegenden Arbeit Antworten auf diese Fragen zu finden, soll der Chat zunächst in das System traditioneller Kommunikationsformen eingeordnet werden. Anschließend erfolgt ein kurzer Abriss über die Gesprächstheorie, die die Grundlage einer Analyse linguistischer Besonderheiten des Chats bildet. Im Anschluss an die Analyse soll neben einer Zusammenfassung wesentlicher Ergebnisse, die Frage geklärt werden, ob der Sprachgebrauch im Internet eine mögliche Rückkopplung auf den Sprachgebrauch außerhalb des Mediums bewirkt und sich längerfristig sogar ein Sprachwandel abzeichnen lässt. Anders als im Referat werde ich mich in dieser Arbeit nur auf die linguistische Perspektive konzentrieren und die didaktische Umsetzung im Deutschunterricht außer Acht lassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chatten zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit

3. Theorie der Gesprächsanalyse

4. Analyse der Chat-Kommunikation

4.1 Gesprächsorganisation

4.2 Syntax

4.3 Morphologie & Lexik

4.4 Prosodie

5. Zusammenfassung: Der Chat als mündliche Kommunikation

6. Ausblick: Sprachwandel durch chatten?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die linguistischen Besonderheiten der Chat-Kommunikation, um zu klären, ob sich diese trotz ihrer medial schriftlichen Realisierung als konzeptionell mündliche Textform einordnen lässt.

  • Verortung des Chats im Kontinuum zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit
  • Anwendung gesprächsanalytischer Methoden auf die Chat-Interaktion
  • Untersuchung syntaktischer, morphologischer und lexikalischer Merkmale
  • Analyse von Strategien zur Kompensation fehlender nonverbaler Signale
  • Diskussion über mögliche Auswirkungen auf den allgemeinen Sprachwandel

Auszug aus dem Buch

4.1 Gesprächsorganisation

Da im Chatraum kein Blickkontakt vorhanden ist, findet die Gesprächseröffnung meist in Form von Begrüßungssequenzen statt, um den Kontakt zu anderen Chat-Teilnehmern herzustellen. Hierbei lassen sich zwei Vorgehensweisen unterscheiden: Der Chat-Teilnehmer formuliert eine allgemeine Begrüßung, die sich an alle anwesenden Chatter richtet, oder er kombiniert eine Begrüßungspartikel, wie z. B. hi oder hallo mit einer Adressierung, wobei hier oft der adressierte Nickname oder eine Kurzform dessen vor die eigentliche Äußerung gestellt wird (vgl. Schmidt 2000: 116). Die Adressierung kann aber auch aus einem Pronomen oder einem Substantiv bestehen.

Runkehl et al. verweisen auf die Notwendigkeit der Begrüßungen: „In einen laufenden Chat sich neu einzuschalten, ist ohne eine Begrüßungssequenz nur dann möglich, wenn man bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Channel war oder die Chatter gut kennt“ (1998a: 93). Viele Teilnehmer betonen deshalb ausdrücklich ihr Kommunikationsgesuch in Form von Fragen wie wer will chatten? oder wer chattet mit mir? (vgl. Bader 2002: 45f.). Für die Gesprächseröffnung im Chat existieren ritualisierte Sprachhandlungen, die entsprechend zum mündlichen Dialog Gesprächsbereitschaft kommunizieren sollen. In der Face-to-Face-Kommunikation sind damit insbesondere nonverbale Signale, z. B. Blickkontakt und Hinwendung zum Kommunikationspartner verbunden. Die Verwendung nonverbaler Signale ist im Chat, einem textbasierten Medium, schwieriger zu realisieren. Aber auch hier existieren Formen eines nonverbalen Rückmeldeverhaltens, die über graphische Mittel ausgedrückt werden: Gesprächspartikel wie hmm oder aha ersetzen im Chat verbale und gestisch-mimische Signale (etwa ein Kopfnicken) und demonstrieren Aufmerksamkeit, Zustimmung oder Ablehnung (vgl. Bader 2002: 59).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die mediale Veränderung der Kommunikation durch das Internet ein und formuliert die Forschungsfrage, ob der Chat eine neue Form der Schrift- oder Mündlichkeit darstellt.

2. Chatten zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Das Kapitel erläutert das theoretische Modell von Koch/Oesterreicher zur Unterscheidung zwischen konzeptioneller und medialer Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit.

3. Theorie der Gesprächsanalyse: Hier werden die Kategorien der Gesprächsanalyse nach Henne/Rehbock vorgestellt, um die Strukturierung natürlicher Dialoge in Makro-, Meso- und Mikroebene zu erfassen.

4. Analyse der Chat-Kommunikation: Dieses Kapitel überträgt die erarbeiteten Kriterien auf die Chat-Kommunikation, wobei Organisation, Syntax, Wortbildung und Prosodie analysiert werden.

5. Zusammenfassung: Der Chat als mündliche Kommunikation: Es wird bilanziert, dass die Chat-Kommunikation Merkmale konzeptioneller Mündlichkeit aufweist, obwohl sie medial schriftlich gebunden ist.

6. Ausblick: Sprachwandel durch chatten?: Abschließend wird kritisch diskutiert, ob die mediale Medialisierung durch das Internet einen fundamentalen Sprachwandel außerhalb des Mediums bewirkt.

Schlüsselwörter

Chat-Kommunikation, Gesprächsanalyse, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, konzeptionelle Mündlichkeit, Sprachwandel, Gesprächsorganisation, Syntax, Akronyme, Onomatopoetika, Prosodie, Medialität, Internetkommunikation, Sprachregister

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie sich die menschliche Kommunikation durch das Medium Chat verändert hat und inwiefern diese neue Kommunikationsform linguistisch zwischen den Polen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit einzuordnen ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themenfelder umfassen die mediale Klassifizierung von Internet-Texten, die Übertragung klassischer gesprächsanalytischer Methoden auf digitale Interaktionen sowie die sprachlichen Besonderheiten wie Syntax, Wortwahl und nonverbale Ersatzstrategien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, dass es sich bei der Chat-Kommunikation trotz ihrer schriftlichen Form um einen konzeptionell mündlichen Texttyp handelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird die Methode der Gesprächsanalyse verwendet, um die Struktur von Chat-Interaktionen – etwa bei der Gesprächseröffnung oder beim Sprecherwechsel – mit den Merkmalen von Face-to-Face-Gesprächen zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden konkret die Gesprächsorganisation, syntaktische Besonderheiten (wie Ellipsen), die Morphologie und Lexik (Verwendung von Akronymen und Onomatopoetika) sowie der Ersatz prosodischer Merkmale durch graphische Mittel wie Majuskelschrift untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Chat-Kommunikation, konzeptionelle Mündlichkeit, Gesprächsanalyse, Sprachwandel und Medialität.

Wie kompensieren Chatter fehlende Mimik und Gestik?

Chatter nutzen vermehrt textbasierte Ausdrucksformen wie Akronyme (z.B. *lol*), Onomatopoetika (Lautmalerei wie *haha*) sowie graphische Mittel wie Majuskelschrift oder die Wiederholung von Buchstaben, um Emotionen und Interaktionen darzustellen.

Warum ist das Konzept des "Sprecherwechsels" im Chat relevant?

Obwohl im Chat kein direkter physischer Sprecherwechsel stattfindet, nutzen Teilnehmer spezifische Gliederungssignale und Partikel, um den Abschluss eines Beitrags zu markieren und den Informationsfluss für den Empfänger steuerbar zu machen.

Was lässt sich über den Einfluss auf den Sprachwandel sagen?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Chat zwar eine neue mediale Kommunikationsform etablieren konnte, ein genereller Sprachverfall oder ein radikaler Sprachwandel durch das Chatten jedoch nicht empirisch belegbar ist.

Inwiefern beeinflusst das Fehlen von Blickkontakt die Gesprächsstruktur?

Da kein Blickkontakt existiert, sind Teilnehmer gezwungen, Begrüßungen und Verabschiedungen explizit durch ritualisierte Sprachhandlungen oder gezielte Adressierungen zu leisten, um den sozialen Kontakt im Chatroom herzustellen.

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Details

Title
Sprachwandel durch Chat-Kommunikation
College
Bielefeld University
Course
Sprachwandel in der deutschen Umgangssprache
Grade
1,3
Author
Miriam Burkert (Author)
Publication Year
2012
Pages
25
Catalog Number
V200344
ISBN (eBook)
9783656266587
ISBN (Book)
9783656267867
Language
German
Tags
Sprachwandel Umgangssprache Chat Kommunikation Chatten Chatsprache Mündlichkeit Schriftlichkeit deutsche Sprache Syntax Morphologie Prosodie Lexik Gesprächsanalyse Sprachwissenschaft Linguistik Gesprächsorganisation Kommunikationsform online Kommunikationsbedingungen Semantik Sprachregister Jugendsprache Slang Sprachwandelprozesse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Miriam Burkert (Author), 2012, Sprachwandel durch Chat-Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200344
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