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Ethnizität in der Diaspora

Einflüsse auf die ethnische Identität von Kurdinnen und Kurden in Deutschland

Title: Ethnizität in der Diaspora

Thesis (M.A.) , 2009 , 128 Pages , Grade: 1,35

Autor:in: Silke Stadler (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Zu Beginn der Masseneinwanderung von Kurdinnen und Kurden aus der Türkei nach Deutschland – als angeworbene Arbeitsmigranten – verfügten diese kaum über ein distinktives kurdisches Bewusstsein. Viele hatten das Stigma als „Bergtürken“, das ihnen in der Türkei vermittelt wurde, verinnerlicht. Bei anderen zeigten die jahrzehntelangen und bis heute andauernden Assimilationsbestrebungen des türkischen Staates Wirkung, so dass sie sich im Aufnahmeland Deutschland häufig selbst als Türken bezeichneten.

Aufgrund des mangelnden Bewusstseins und damit einhergehender geringer organisatorischer Aktivität in Europa konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht von einer kurdischen Diaspora sprechen, da diese sich vor allem durch ein gemeinschaftliches Streben nach einer anerkannten distinktiven Identität auszeichnet. Die ethnische Selbstwahrnehmung wandelte sich jedoch mit dem verstärkten Zuzug politischer Flüchtlinge, die sich bereits in ihrer Heimat stark für die kurdische Identität eingesetzt hatten. Die Arbeit von transnationalen Akteuren macht es seither möglich, die Vorstellung von einer geteilten Identität zu verbreiten, welche die Entstehung der kurdischen Diaspora markiert und unter anderem Forderungen nach Anerkennung dieser distinktiven Identität ermöglicht.

In der vorliegenden Arbeit zum Thema „Ethnizität in der Diaspora“ widme ich mich der Fragestellung, welche Faktoren auf die ethnische Identität von Kurdinnen und Kurden in Deutschland Einfluss nehmen, die ich im weiteren Verlauf als Diaspora-Gemeinschaft bezeichne. Damit konzipiere ich Diaspora als Sammelbegriff für die in den einzelnen (überwiegend europäischen) Immigrationsländern ansässigen kurdischen Gemeinschaften.

Um mich der Beantwortung dieser Fragestellung zu nähern, führte ich Gespräche mit sieben Kurden in Deutschland, die ich im ersten Kapitel dieser Arbeit anonymisiert vorstellen werde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I Methoden und Konzepte

1 Methoden und Datengrundlage

1.1 Vorgehensweise

1.2 Gesprächspartner

2 Identität und Ethnizität

2.1 In der Identitätskrise

2.1.1 Kritik am Konzept Identität

2.1.2 Die Lösung?

2.1.3 Ein wertvolles Konzept

2.2 Ethnizitätskriterien

2.2.1 Von objektiven Merkmalen zur Selbstzuschreibung

2.2.2 Zwischen Selbst- und Fremdzuschreibung

2.2.3 Ethnische Identität als Grenzziehungsprozess

3 Diaspora

3.1 Vom „boomenden" zum umstrittenen Konzept

3.2 Auf der Suche nach Kriterien

3.3 Klassifikationsversuche

3.4 Ethnizität und Diaspora

3.5 Entstehung der kurdischen Diaspora

II Einflussfaktoren auf die kurdische Ethnizität

1 Heimat und Herkunftsland

1.1 Das kurdische Siedlungsgebiet

1.2 Das Leben in einem repressiven Staat

1.2.1 Assimilationsbestrebungen der Türkischen Republik

1.2.2 Rolle des Militärs

1.2.3 Demokratische Aussichten?

1.3 Fremdwahrnehmung

1.4 Heimat-Orientierung und Rückkehrwunsch

1.5 Staatslosigkeit und Heimatlosigkeit

1.6 Gemeinschaft stiftende Symbole

1.7 Kurdischer Nationalismus

2 Migration und Aufnahmeland Deutschland

2.1 Kurdische Migration nach Deutschland

2.1.1 Diaspora-Kriterium der erzwungenen Migration

2.1.2 Migration vor 1960

2.1.3 Arbeitsmigration

2.1.4 Fluchtwanderung

2.1.5 Zusammensetzung der kurdischen Bevölkerung in Europa

2.1.6 Ängste und Unsicherheiten

2.2 Das Leben in der Aufnahmegesellschaft

2.2.1 Integration, Akkulturation, Assimilation

2.2.2 Struktureller Zugang zur deutschen Gesellschaft

2.2.3 Identifikatorischer Zugang zur deutschen Gesellschaft

2.2.4 Fremdwahrnehmung

2.2.5 Folgen der Fremdwahrnehmung: Diskriminierung und Konflikte

2.2.6 Effekte der Fremdwahrnehmung auf die Selbstwahrnehmung

2.2.7 Chancen und Vorteile des Lebens in Deutschland

2.2.8 Einsatz für Rechte und Anerkennung

3 Der transnationale Diaspora-Raum

3.1 Transnationalismus und Diaspora

3.2 Kurdische transnationale Netzwerke

3.3 Die vorgestellte kurdische Gemeinschaft

3.3.1 Die Erfindung der Gemeinschaft?

3.3.2 Ethnische Selbstdefinition: Wer gehört zur kurdischen Gemeinschaft?

3.3.3 Das „Kollektive Gedächtnis“

3.3.4 Beschwörung einer Schicksalsgemeinschaft

3.4 Kurdische transnationale Akteure

3.4.1 Organisationen und Parteien

3.4.2 Kurdische Medien

3.5 Fallstrick: Innerkurdische Konflikte

Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Faktoren die ethnische Identität von Kurdinnen und Kurden in Deutschland beeinflussen, wobei Diaspora als Sammelbegriff für die ansässigen kurdischen Gemeinschaften konzipiert wird.

  • Tripolare Beziehungsstruktur zwischen Herkunftsland, Aufnahmeland und Diaspora-Gemeinschaft
  • Einfluss von Fremdwahrnehmung, Diskriminierung und Integrationsprozessen in Deutschland
  • Die Rolle von transnationalen Akteuren und Medien bei der Konstruktion kurdischer Identität
  • Das Konzept der "vorgestellten Gemeinschaft" und "Schicksalsgemeinschaft" innerhalb der Diaspora
  • Die Bedeutung von Symbolen, Sprache und politischem Engagement für das Identitätsgefühl

Auszug aus dem Buch

1.2.2 Rolle des Militärs

In Fragen der Außenpolitik wie auch der nationalen Sicherheit spielt das türkische Militär nach wie vor eine große Rolle und besitzt immense Entscheidungsmacht. Die Armee sieht sich selbst als „Hüter“ des Einheitsstaates Türkei (Tezel 2000: 6). In dieser Funktion putschte sich das Militär in der Türkei in den Jahren 1960 und 1980 an die Macht, was sich jeweils verheerend auf ethnische und religiöse Minderheiten auswirkte und in großen Flüchtlingswellen mündete. So erzählt Rodi, dessen Familie ihn kurz vor dem Militärputsch 1980 nach Deutschland schickte:

„Die Familie hat das eigentlich beschlossen, ich wollte ja gar nicht nach Deutschland. Zum Glück war ich dann da, weil zwei, drei Monate später kam das Militär an die Macht und es wurden Hunderttausende verhaftet, x aufgehängt.“

Die verheerenden Zustände auch nach Ende der Militärregierung 1983 wurden von meinen Interviewpartnern bestätigt. Serxwebun schildert seine Erlebnisse in folgendem Gesprächsauszug:

S.S.: Wurde das bei euch viel kommuniziert oder hast du das durch deine eigenen Erfahrungen einfach beschlossen, dass du dich hauptsächlich über deine kurdische Identität definierst?

„Ja, also durch die Realität, die ich erlebt habe in Kurdistan an sich als Kind, war es mir bewusst, dass ich einen Unterschied zu den anderen Menschen habe. Und es ist halt sehr deutlich geworden, wenn das Militär ins Dorf kam und jedes Mal die ganzen Männer mitgenommen hat und ins Gefängnis gesteckt hat. Und dann, wenn sie zurückkamen, dass sie halbe Menschen waren, also total verprügelt, total gefoltert. Und diese Menschen waren an sich kaputt. Ja, und dadurch merkt man das schon, das nimmt einen auch mit und das erzieht einen auch. Die Realität.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der kurdischen Diaspora in Deutschland und skizziert die Fragestellung nach den Einflussfaktoren auf die ethnische Identität sowie die methodische Herangehensweise.

I Methoden und Konzepte: Dieser Teil legt die theoretischen Grundlagen durch die Definition und kritische Diskussion der Konzepte Identität, Ethnizität und Diaspora dar.

II Einflussfaktoren auf die kurdische Ethnizität: Dieser Abschnitt analysiert das Spannungsfeld zwischen Herkunftsland (Türkei), Aufnahmeland (Deutschland) und dem transnationalen Diaspora-Raum als treibende Kräfte für kurdische Identitätsprozesse.

Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Thesen zusammen und bewertet die Bedeutung der untersuchten Faktoren im Kontext der kurdischen Identität und Diaspora-Bildung.

Schlüsselwörter

Ethnizität, Identität, Diaspora, Kurden, Deutschland, Türkei, Transnationalismus, Assimilation, Integration, Migration, Minderheit, Nationalismus, Schicksalsgemeinschaft, Fremdwahrnehmung, Identifikationsprozesse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welche Faktoren die ethnische Identität von in Deutschland lebenden Kurdinnen und Kurden beeinflussen, und betrachtet sie dabei als Diaspora-Gemeinschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit beleuchtet die Rolle von Herkunftsland, Aufnahmeland sowie die Bedeutung transnationaler Netzwerke für die Konstruktion kurdischer Identität.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu verstehen, wie politische Repression, Migrationserfahrungen und die Lebenssituation in Deutschland die Selbstwahrnehmung und kollektive Identitätsbildung von Kurden prägen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Die Arbeit basiert auf einer Quellenkritik existierender Literatur sowie auf qualitativen, offenen Interviews mit sieben in Deutschland lebenden Kurden.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Konzepte (Identität, Ethnizität, Diaspora) und die Analyse von Einflussfaktoren, wie etwa die Rolle des Militärs, Diskriminierung und das Engagement kurdischer Vereine.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Ethnizität, Identität, Diaspora, Migration, Transnationalismus, Assimilation und der kurdische Nationalismus.

Wie bewerten die Gesprächspartner die Rolle der PKK?

Die Interviewpartner stehen kriegerischen Handlungen zwar oft kritisch gegenüber, betonen aber die Bedeutung der PKK als wichtigen Identitätsstifter und Kämpfer für kurdische Rechte.

Warum ist das Thema "Heimat" für die kurdische Diaspora so komplex?

Heimat ist für viele Kurden ein vager, emotionaler Begriff, der nicht zwangsläufig mit Rückkehrwünschen, sondern mit der emotionalen Verbundenheit zu einem zerstörten oder politisch schwierigen Gebiet verknüpft ist.

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Details

Title
Ethnizität in der Diaspora
Subtitle
Einflüsse auf die ethnische Identität von Kurdinnen und Kurden in Deutschland
College
LMU Munich  (Institut für Ethnologie)
Grade
1,35
Author
Silke Stadler (Author)
Publication Year
2009
Pages
128
Catalog Number
V200356
ISBN (eBook)
9783656323211
ISBN (Book)
9783656327882
Language
German
Tags
Kurden Diaspora Identität Ethnizität Ethnie Türkei Ethnologie kurdisch türkisch Migration
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Silke Stadler (Author), 2009, Ethnizität in der Diaspora, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200356
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