Der in Deutschland neu etablierte Pflegebachelor- Studiengang wird in seinen Formen vorgestellt und in Bezug auf die Professionalisierung der Pflege diskutiert. Für die Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung werden Lösungsansätze vorgeschlagen und angeregt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gestiegene und steigende Anforderungen an den Pflegeberuf
2.1 Der demografische Wandel
2.2 Wandel des Krankheits- und Todesursachenspektrums
2.3 Komplexität der pflegerischen Arbeit
2.4 Veränderung des Leistungsgeschehens im Pflegesektor
3. Professionalisierung und Akademisierung der Pflegeberufe
3.1 Professionalisierung der Pflege in Deutschland
3.2 Akademisierung der Pflege in Deutschland
4. Der duale Studiengang Pflege
4.1 Strukturelle Gegebenheiten
4.1.1 Die Ausbildungsstruktur in der Pflege
4.1.2 Folgen aus dem Bologna- Prozess für die Studienstruktur
4.1.3 Duale Studiengänge in Deutschland
4.2 Formen von grundständigen Pflegestudiengängen in Deutschland
4.2.1 Modell eines Studiengangs ohne pflegerische Berufszulassung
4.2.2 Integrierte Studiengänge
4.2.3 Verzahnte Studiengänge
4.3 Inhaltliche Ausrichtung und Zielvorgabe der Studiengänge
5. Schwierigkeiten in der Umsetzung des dualen Studiengangs Pflege
5.1 Zeitgestaltung und Belastung der Studierenden
5.2 Hierarchisierung und erwartetes Kompetenzprofil innerhalb der Praxiseinsätze
5.3 Zukünftige Tätigkeitsbereiche im Widerspruch zur Ausrichtung des Studiengangs
5.4 Übergang in das Studium nach Ende der Ausbildung
5.5 Sozialisation als Studierende
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung des dualen Studiengangs Pflege. Ziel ist es, die strukturellen Herausforderungen sowie Belastungen für die Studierenden aufzuzeigen und durch eine Analyse bestehender Ansätze Lösungswege zu formulieren, um die Akademisierung der Pflege nachhaltig in das deutsche Gesundheitssystem zu integrieren.
- Strukturelle Rahmenbedingungen der Pflegeausbildung und des dualen Studiums
- Einfluss des demografischen Wandels auf den Pflegeberuf
- Professionalisierung und Akademisierung als Antwort auf steigende Anforderungen
- Herausforderungen in der zeitlichen Belastung und Sozialisation der Studierenden
- Konfliktpotenziale in der praktischen Aufgabenverteilung und Hierarchisierung
Auszug aus dem Buch
5.1 Zeitgestaltung und Belastung der Studierenden
Die Zeitgestaltung und Belastung der Studierenden stellt nach Meinung des Verfassers insbesondere in den verzahnten Studiengängen eine deutliche Schwierigkeit dar. Die Studierenden gehen einer normalen Ausbildung im Vollzeitausbildungsverhältnis nach und leisten zusätzlich ein Studium, wenn auch durch die Anerkennung von Ausbildungsleitungen, zeitlich reduzierter Art (s. Kapitel 4.2.3) ab.
Dennoch sind Präsenzzeiten, Lerntreffen und Prüfungsvorbereitungszeiten im Rahmen des Studiums während der normalen Ausbildung eine Doppelbelastung.
In der Evaluation des Studiengangs Pflege dual, einem ausbildungsintegrierenden Bachelor- Angebot mit wechselnden Modulen an Berufsfachschule und Fachhochschule (Lüftl & Kerres, 2010, S. 1235), geben 88% der Studienanfänger an, sich in den Gedanken an diese Doppelbelastung verunsichert zu fühlen, 40% sind sich auch nicht sicher, ob sie über das nötige Durchhaltvermögen verfügen (Lüftl & Kerres, 2010, S. 1236).
Aber auch bei den integrativen Studiengängen mit vollständiger hochschulischer Ausbildung ist das Problem der zeitlichen Belastung ein wichtiges Thema. In einem nicht veröffentlichen Evaluationsbericht des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (s. Anhang) wird auch deutlich, dass nicht alle Studierende die zeitliche Organisation der Studiengänge auf ihre berufliche und familiäre Situation abgestimmt sehen. Jeweils ein Drittel der befragten Studierenden sahen die zeitliche Organisation des Studienprogramms als Präsenzstudium vor dem Hintergrund ihrer beruflichen und familiären Situation eher oder sehr ungünstig. Bei der Frage nach der zeitlichen Belastung durch das Studium wird in einer weiteren Evaluation (Studiengang Pflegewissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2011, S. 14) deutlich, dass eine Mehrheit nicht der Meinung ist, dass sich das Bachelor- Studium Pflege mit Arbeitszeiten und außerhochschulischen Aktivitäten vereinbaren lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit beleuchtet die Trends zur Einrichtung dualer Pflegestudiengänge und adressiert die damit verbundenen Risiken sowie Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung.
2. Gestiegene und steigende Anforderungen an den Pflegeberuf: Das Kapitel analysiert den demografischen Wandel und das veränderte Krankheitsbild, welche zu einer höheren Komplexität und neuen Anforderungen in der Pflege führen.
3. Professionalisierung und Akademisierung der Pflegeberufe: Hier werden die historischen Entwicklungen und die theoretischen Hintergründe der Professionalisierungs- und Akademisierungsbestrebungen in der deutschen Pflege dargestellt.
4. Der duale Studiengang Pflege: Dieses Kapitel erläutert die strukturellen Gegebenheiten, verschiedene Studienmodelle sowie die inhaltliche Ausrichtung des dualen Pflegestudiums.
5. Schwierigkeiten in der Umsetzung des dualen Studiengangs Pflege: Eine detaillierte Untersuchung der Herausforderungen, darunter zeitliche Doppelbelastung, Hierarchisierung im Praxiseinsatz und die wissenschaftliche Sozialisation der Studierenden.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer generalistischen Pflegeausbildung zusammen und formuliert Empfehlungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und Entgeltstrukturen für akademisierte Pflegekräfte.
Schlüsselwörter
Duale Studiengänge, Pflege, Akademisierung, Professionalisierung, Bologna-Prozess, demografischer Wandel, Pflegepraxis, Arbeitsbelastung, Berufszulassung, Kompetenzprofil, Pflegeausbildung, Gesundheitswesen, Studienstruktur, Pflegewissenschaft, Praxisanleitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Etablierung des dualen Studiengangs Pflege an deutschen Hochschulen und untersucht kritisch, welche Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung dieses neuen Ausbildungsweges auftreten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die steigenden Anforderungen an das Pflegepersonal, die Geschichte und Ziele der Akademisierung, die verschiedenen Modelle der Verzahnung von Studium und Beruf sowie die Herausforderungen im täglichen Arbeitsalltag der Studierenden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die bestehenden Schwierigkeiten und Konfliktfelder in der dualen Ausbildung zu identifizieren und auf Basis von Evaluationsstudien Lösungsansätze zu entwickeln, um das duale Studium dauerhaft und erfolgreich zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor führt eine umfassende Literaturanalyse durch und bezieht sich dabei auf bereits veröffentlichte Evaluationsstudien verschiedener Hochschulen, um die Situation der dual Studierenden empirisch zu untermauern.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Akademisierung die spezifischen Schwierigkeiten wie Doppelbelastung, unklare Aufgabenverteilung auf Stationen und die Herausforderung der wissenschaftlichen Sozialisation detailliert erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Akademisierung, Duales Studium, Pflegeberuf, Bologna-Prozess, Professionalisierung und Kompetenzprofil charakterisiert.
Wie gehen die Einrichtungen laut Autor mit den Studierenden in der Praxis um?
Die Praxiseinrichtungen haben oft hohe, teils unrealistische Erwartungen an die Kompetenzen der Studierenden, während es gleichzeitig an einer klaren Rollendefinition fehlt, was die Gefahr einer instrumentellen Nutzung der Studierenden zur Folge haben kann.
Welche Lösungsvorschläge macht der Verfasser für die Zukunft?
Der Autor plädiert für die Einführung einheitlicher Standards durch ein neues Pflegeberufegesetz, flexible Arbeitszeitmodelle, eine klare Differenzierung der Qualifikationsstufen und eine adäquate finanzielle Besserstellung von akademisierten Pflegekräften.
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- Marco van den Berg (Author), 2012, Der duale Studiengang Pflege: Auswirkungen auf die Akademisierung und Professionalisierung und Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200392