Die Burg als Symbol

Heinrich IV. und seine Burgenpolitik im Harzraum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle der Burg in der mittelalterlichen Gesellschaft

3. Heinrich IV., seine Burgen in Sachsen und die Reaktion des sächsischen Adels
3.1 Die politischen Voraussetzungen für den Konflikt mit den Sachsen
3.2 Die Burgenpolitik Heinrichs IV. in Sachsen
3.3 Die sächsischen Freiheiten und ihre Reaktion auf die Burgenpolitik Heinrichs IV

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Burgenpolitik Heinrichs IV. im Harzraum und mit der Reaktion der Sachsen. Die zentrale These der Arbeit ist, dass Heinrich IV. die Symbolkraft seiner Burgen nutzte, um seine Macht im Harzraum zu festigen, während die sächsischen Großen versuchten, dies mit allen Mitteln zu unterbinden. Um sich dem Thema zu nähern, wird im ersten Kapitel die Rolle von Burgen in der mittelalterlichen Gesellschaft untersucht. Hierbei wird sich nicht direkt auf Heinrich bezogen, da sich die Symbolhaftigkeit von Burgen durch ganz Europa zieht. Allerdings wird dieses Thema nur sehr oberflächlich behandelt, da die Hausarbeit ansonsten zu umfangreich würde. Weiterführend empfehle ich hier Joachim Zeunes Monographie „Burgen, Symbole der Macht“ und Robert Liddiards Werk „Castles in Context“. Lange Zeit wurde nur der militärische Wert von Burgen betrachtet und völlig überschätzt. Diese beiden Werke betrachten Burgen aus einer symbolischen Perspektive, die der Realität näher kommt als die rein militärische Betrachtung. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Burgenpolitik Heinrichs und der Reaktion der Sachsen. Zunächst werden sehr kurz die Voraussetzungen für Heinrichs Politik geklärt, um darauf seinen Burgenbau zu erläutern. Hierbei wird immer wieder die Harzburg als Beispiel herangezogen, da sie die größte Burg Heinrichs im Harzraum und zugleich deren Zentrum war, was auch von den Zeitgenossen so wahrgenommen wurde. Danach werden die Reaktionen und die Sorgen der Sachsen dargestellt. Die politischen Vorgänge werden in Fabian Talkenbergs „Rebellion am Vorabend von Canossa“ und in Stefan Weinfurters „Canossa“ lebhaft dargestellt. Bei Talkenberg muss hervorgehoben werden, dass er sehr genau die Forschungslage wiedergibt. Weinfurter widmet dem Sachsenkrieg ein sehr informatives Kapitel. Auf die Harzburg und ihre Rolle geht Christian Frey in seinem Aufsatz „Burgen und symbolische Kommunikation - Werla und Harzburg“ ein. Diese wird aber auch in den anderen Werken nicht unterschlagen. Am Schluss wird ein Fazit gezogen. In meiner Darstellung beschränke ich mich auf die Ursachen für den Sachsenkrieg, wobei ich auf die bewaffnete Auseinandersetzung nicht eingehe, da dies zu weit führen würde. Als Hauptquellen gelten Brunos „Buch vom Sachsenkrieg“ und Lampert von Hersfelds „Annalen“. Beide Autoren sind Heinrich feindlich gesinnt, was in den Quellen deutlich wird, daher sind einige ihrer Aussagen mit Sicherheit Übertreibungen.

2. Die Rolle der Burg in der mittelalterlichen Gesellschaft

Oft wird der mittelalterlichen Burg primär eine militärische Rolle zugesprochen. Sie wird sogar als das militärische Symbol schlechthin angesehen. Zudem sollen sie Sperr- oder Kontrollfunktionen ausgeübt haben, um ein Gebiet weitgehend zu überwachen. Bei den meisten Burgen, vor allem bei Höhenburgen, traf dies nicht zu, denn es dauerte einfach viel zu lange bis die Besatzung der Fortifikation ins Tal gelangen konnten. Auch Wurf- und Schussmaschinen stellten für sich im Tal bewegende Ziele keine große Bedrohung da. Eine Burg war schlichtweg zu immobil um ein Gebiet effektiv kontrollieren zu können.1

Die Adeligen des Mittelalters brauchten einen Ort zum Leben, daher waren die meisten Burgen Residenzen. Diese „Wohnanlagen“ mussten einem gewissen Sicherheitsstandard entsprechen, weshalb viele Burgen einen Graben hatten oder in schwer zugänglichen Gebieten lagen. Zudem war der Bau einer Burg sehr teuer, besonders wenn sie aus Stein war, und erforderte ein gewisses Maß an Wohlstand.2 Eine Fortifikation hatte also auch den Zweck den Reichtum des Herrschers zur Schau zu stellen.

Nichtsdestotrotz wirken Burgen militärisch wirkungsvoll, besonders Bergfried, Türme und Torbauten beeindrucken den Betrachter. In der allgemeinen Vorstellung der Menschen gilt meist die Regel, je unzugänglicher oder größer eine Burg ist, desto uneinnehmbarer ist sie. Diese Annahme ist jedoch falsch. Unzugängliche Burgen konnten schnell zur Falle für ihre Besatzung werden. War die Befestigung von den Feinden umschlossen, konnten die Belagerten nur noch auf ihre Gegner reagieren, aber nicht mehr agieren. Riesenburgen hatten das Problem, dass sie durch ihre enorme Größe nur durch eine sehr große Besatzung zu verteidigen waren, meist waren die Mannschaften aber klein, was eine wirkungsvolle Verteidigung erschwerte.3

Betrachtet man die zeitgenössischen Schilderungen, wird die Stärke einer Burg meist über ihre Türme definiert. Der Turm oder ähnliches Gebäude gehörte zu einer Burg einfach dazu, an ihm wurden auch die Wappen befestigt, denn dem Betrachter fielen die Türme stets zuerst ins Auge. Er war also ein ganz wesentlicher Teil des Herrschaftsanspruchs. Seine Aufgabe wurde in vielen Burgen auch vom Bergfried übernommen, der mitunter das einzige Gebäude aus Buckelquadern war, das heißt dieses Bauwerk wurde aus höherwertigem Material errichtet als der Rest der Burg. Je höher und je hochwertiger das Baumaterial war, desto wertvoller war er als Statusobjekt. Turm und vor allem der Bergfried repräsentierten den Status und den Herrschaftsanspruch des Herrschers.4 In der Vergangenheit war dem Bergfried die Rolle als letzte Verteidigungslinie zugesprochen worden. Zeune stellt fest: „Er bot Schutz [...] Doch besonders wehrhaft war er nicht“5 Kam es während eines Angriffs dazu, dass sich die Verteidiger in den Bergfried zurückziehen mussten, war die Schlacht schon verloren. Dem fliehenden Verteidiger muss dieses Gebäude wie ein riesiger, steinerner Sarg vorgekommen sein. Sie wussten genau, dass es aus dem Bergfried kein Entkommen gab. Ähnliches gilt für den Wohnturm, auch er war ein Statussymbol mit begrenzter Verteidigungsfähigkeit. Der Torbau war ein ähnlich wichtiges Statussymbol, da er das Portal zur Burg darstellte. Betrat ein mittelalterlicher Mensch die Burganlage, sollte ihm gezeigt werden, wessen Gebäude er betrat und wie gering sein sozialer Rang im Vergleich zum Burgherren aussah.6 Auch der Burggraben war symbolisch aufgeladen, je breiter und tiefer er war, desto höher die Stellung des Besitzers, das Anlegen eines Grabens war oft mit dem sozialen Aufstieg einer Dynastie verbunden.7 Das Bauen einer großen Burg war zudem den führenden Adelsfamilien vorbehalten, kleine Adelsgeschlechter mussten sich darauf beschränken befestigte Herrenhäuser zu erbauen, da ihnen für den Bau einer Steinburg meist das nötige Geld fehlte.8

Die mittelalterliche Gesellschaft war sehr visuell und von Symbolen geprägt, daher war es wichtig, dass eine Burg wehrhaft aussah. Die nach Außen gewandte Front wurde dementsprechend gestaltet, das Innere der Burg wurde in der Regel weniger aufwändig gefertigt. Liddiard bezeichnet dies passend als „martial front“.9 Ein Beispiel hierfür sind die obligatorischen Schießscharten, die oftmals gar nicht zu ver- wenden waren oder nach außen ein deutlich größeres Schussfeld vortäuschten, als sie tatsächlich hatten. Es kam auch vor, dass vermeintliche Schießscharten nur als Luftund Lichtöffnungen dienten, was vor allem für Türme galt und so die Theorie vom wehrhaften Bergfried befeuerte.10 Stellt sich die Frage warum dieses so wehrhaft aussehende Gebäude einen geringeren Verteidigungswert hatte, als man meinen sollte. Hohe, dicke Mauern boten zwar Schutz, aber die Psyche von Belagerern und Belagerten spielte eine weitaus wichtigere Rolle, die psychische Verfassung der Kombattanten konnte über Sieg und Niederlage entscheiden. Besonders hervorheben kann man dies am Beispiel von Höhen- und Höhlenburgen, da diese als besonders uneinnehmbar galten und gelten. So ergaben sich die Verteidiger der Burg Grafenstein in Südtirol 1426 trotz gut gefüllter Nahrungslager, denn die Höhenlage gab den Verteidigern kein Gefühl von Sicherheit, sondern von Isolation. Ähnlich verhielt es sich mit Höhlenburgen, da hier der Effekt der Abschottung durch die Lage noch verstärkte. Den Verteidigern solcher Burgen kamen diese offenbar wie eine Mausefalle vor, war ein Ausfall nicht möglich, hatten die Belagerer fast schon gewonnen. Die Belagerten saßen in der Falle und stellten sich vor wie sie ausgehungert oder untergraben wurden. Gerade in Felsenburgen hörte die Besatzung das Klopfen und Hämmern der feindlichen Mineure, weshalb sie ständig das Einstürzen ihrer Höhle befürchten mussten.11 Die Burg war Ausdruck des Stolzes auf Wohlstand, soziale Stellung und politischer Macht eines Herrschers. Daher war in der symbolischen Gesellschaft des Mittelalters der Neid zwischen den adligen Herrschern groß und es war das Ziel eines kriegführenden Adeligen, die Burg des Feindes niederzureißen.12

Die Burg kann als multifunktionaler Komplex verstanden werden, der in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte. Sie war ein symbolisches Zeichen für Herrschaft und Wohlstand und ihr wurde eine Bedeutung zugemessen, die sich aus heutiger Perspektive nur schwer nachvollziehen lässt. Doch der Burgenbau war Regeln unterworfen, nicht jeder konnte eine Burg bauen wie er es wollte. Eine Königsburg musste imposanter sein, als die eines Grafen, sie war Ausdruck von gesellschaftlichem Rang, Wohlstand und adeligem Stolz.13

[...]


1 Vgl. Joachim Zeune: Burgen. Symbole der Macht. Ein neues Bild der mittelalterlichen Burg. Regensburg 1997. S 35.

2 Vgl. Robert Liddiard: Castles in Context. Power, Symbolism and Landscape, 1066 to 1500. Macclesfield 2005. S. 41.

3 Vgl. Zeune: Burgen. S. 43.

4 Vgl. ebd. S. 44.

5 Ebd.

6 Vgl. ebd. S.46f.

7 Vgl. Ebd. S. 51f.

8 Vgl. Charles L.H. Coulson: Castles in Medieval Society. Fortresses in England, France and Ireland in the Central Middle Ages. New York 2003. S. 162.

9 Vgl. Liddiard: Castles in Context. S. 127f.

10 Vgl. Zeune: Burgen. S. 51.

11 Vgl. ebd. S. 52-54.

12 Vgl. Coulson: Castles in Medieval Society. S. 161-163.

13 Vgl. ebd. S. 187.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Burg als Symbol
Untertitel
Heinrich IV. und seine Burgenpolitik im Harzraum
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V200416
ISBN (eBook)
9783656267096
ISBN (Buch)
9783656268253
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burg, Heinrich IV., Heinrich 4., Heinrich, Symbol, Burgen, Herrschaftssymbol, Herrschaft, Harzburg, Harz, Benno von Osnabrück, Sachsenkrieg
Arbeit zitieren
Stephan Budde (Autor), 2011, Die Burg als Symbol, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200416

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Burg als Symbol



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden