Der Justizmord an Francisco Ferrer Guardia


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Francisco Ferrer, la Escuela Moderna und was das Establishment daran stört

3. Die Tragische Woche

4. Der Ferrer Prozess

5. Die Konsequenzen der Tragischen Woche und des Ferrer Prozesses

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Justizmord an Francisco Ferrer Guardia im Jahr 1909. Die zentrale These der Hausarbeit ist, dass die Hinrichtung von Francisco Ferrer ein Justizmord und Revanche für Ferrers libertäre Escuela Moderna war. Zunächst wird daher das Leben Francisco Ferrers betrachtet, da seine Escuela Moderna damit eng verknüpft ist, dies wird in einem Kapitel behandelt. Letztendlich wichtig für Ferrers Leben war auch die Reaktion der Kirche und der konservativen Regierung auf seine Tätigkeit als Pädagoge. Im darauffolgenden Kapitel wird die Tragische Woche behandelt, da diese Anlass für die Hinrichtung Ferrers war. Es werden kurz die Hintergründe und der Verlauf dieser dargestellt. Joan Connelly Ullman hat in ihrer Publikation über die Tragische Woche Hintergründe und den Verlauf der Tragischen Woche sehr detailliert dargestellt. So detailliert kann dies hier nicht beschrieben werden, da ansonsten der Rahmen der Hausarbeit überschritten werden würde. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Ferrer Prozess. Es wird dargestellt wie die Ankläger und Gutachter falsch aussagen und Zeugen, die Ferrer entlasten könnten, nicht angehört werden. Im vorletzten Kapitel geht es um die Konsequenzen, welche der Ferrer Prozess und die Tragische Woche für die spanische Politik hatten. Wegen des Umfangs einer detaillierten Beschreibung, wird auch dieser Teil kurz gehalten sein. Letztlich folgt ein Fazit. Einen guten Überblick über die spanische Geschichte von der Reconquista bis heute liefert Walther L. Bernecker in seinem Werk „Spanische Geschichte“. Murray Bookchin hat ein sehr gutes Buch über den spanischen Anarchismus zwischen 1868 und 1936 verfasst, hier wird u.a. die Tragische Woche und die Escuela Moderna gut beschrieben. Zu guter Letzt muss noch einmal Ullmans „The Tragic Week“ erwähnt werden, welches als Standardwerk für die Tragische Woche und ihre Vor- und Nachgeschichte betrachtet werden kann.

2. Francisco Ferrer, la Escuela Moderna und was das Establishment daran stört

Francisco Ferrer Guardia wurde am 10. Januar 1859 in Allela, einem Dorf bei Barcelona, als Sohn eines streng katholischen Bauern geboren. Bis zu seinem 10. Lebensjahr besuchte er die örtliche Schule.1 Mit fünfzehn Jahren wurde Ferrer nach Barcelona geschickt um dort in einer Firma als Buchhalter zu arbeiten. Sein Arbeitgeber, ein Anhänger des Antiklerikalismus, hatte großen Einfluss auf ihn.2 In Barcelona kommt Ferrer zum ersten Mal mit liberalen und sozialistischen Ideen in Kontakt. Im Jahre 1883 trat er den Freimaurern bei. Seine Tätigkeit als Streckenkontrolleur bei der Bahn nutzte er, um als Fluchthelfer und Kurier an der französischen Grenze tätig zu sein.3 Hier half er vor allem Anarchisten über die Grenze nach Frankreich zu fliehen.4 1886 muss er ins französische Exil fliehen, da er an Aufständen und Revolten in Spanien teilnahm. In Paris begann er sich für pädagogische Fragen zu interessieren und arbeitete für den spanischen Republikaner Manuel Ruiz Zorilla, sowie als Privatlehrer für den Spanischunterricht.5 Eine seiner Schülerinnen war Ernestine Meunié, eine bekennende, wohlhabende Katholikin. Ferrer stellte fest, dass für sie Religion und Moral identisch seien. Desweiteren verachtete sie Revolutionäre. Ihre Ansichten verheimlichte sie nie vor Ferrer, sondern verlieh ihnen Ausdruck, woraufhin Ferrer die Gelegenheit nutzte, um sie auf ihre Fehlerhaftigkeit hinzuweisen. Laut eigenen Aussagen konnte Ferrer sie jedoch überzeugen, dass seine Weltanschauung die richtige sei.6 Ab diesem Zeitpunkt gehen die Überlieferungen über Ferrers Verhältnis zu Meunié auseinander. Der General-Auditeur der 4. Region, Ramón Pastor, schrieb in seinem Gutachten anlässlich des Prozesses gegen Ferrer 1909: Ferrer habe Meunié belogen. Er schrieb, Ferrer habe Meunié überzeugt ein Asyl für Kranke und Invaliden zu gründen. Nur deshalb hinterließ sie ihm, laut Pastor, eine beträchtliche Summe Geld. Außerdem habe sie den Glauben an Gott nie verloren und sei daher keine richtige Anarchistin gewesen.7 Ferrer selbst schreibt, Meunié sei vollkommen von seiner Idee einer rationalen und wissenschaftlichen Erziehung überzeugt gewesen und habe ihm daher die finanziellen Mittel zur Gründung der Escuela Moderna hinterlassen. Anschuldigungen wie die Pastors bezeichnete er als Lüge.8 Ferrer schrieb, dass es „ihr Mangel an Logik war […] und ihre schwache Beweisführung, die sie zusammenbrechen [ließ] unter dem Gewicht meiner Beweisgründe“.9 So waren also die einzigen Überstimmungen, dass er Geld von Meunié erbte, mit dem er am 8. September 1901 in Barcelona die erste Escuela Moderna eröffnete.

Ferrer wollte eine Schule gründen, deren Curriculum auf den Naturwissenschaften gründete und in der religiöse Dogmen und einseitige politische Neigungen keinen Platz hatten.10 Sein Ziel waren Menschen, die völlig frei denken und handeln sollten. Im Gegensatz zu den kirchlichen Schulen sollte auf körperliche Züchtigung verzichtet werden. Weiterhin wurden alle Schüler zur Einschulung einer ärztlichen Untersuchung unterzogen, wie dies auch heute noch der Fall ist.11 Generell legte Ferrer größten Wert auf Hygiene und legte auch dar was er von dieser in den kirchlichen Schulen hielt. „Hinsichtlich der Hygiene werden wir in Spanien von den widerwärtigsten Ideen der katholischen Kirche beherrscht“12. „Schmutz war eine Tradition ihrer Welt“13 schrieb er über die Kinder, die seine Schule besuchen sollten. Ergo wurden folgende Hygieneregeln festgelegt: Ein guter sanitärer Zustand des Schulgebäudes, Verhütung übertragbarer Krankheiten durch ärztliche Untersuchungen und Isolierung des kränkelnden Kindes, regelmäßige ärztliche Untersuchungen, ein an die geistige Ausbildung angepasster Sportunterricht, regelmäßige Vorträge über Hygiene und die Führung eines Tagebuchs, indem die Schüler alle Entwicklungen und Krankheiten, an denen sie erkrankten, aufführten.14 Die Escuela Moderna hatte viele Gemeinsamkeiten mit heutigen staatlichen Schulen. Man darf aber nicht vergessen, dass Ferrer sich selbst als philosophischer Anarchist, als „acrata“, bezeichnete.15 Also wollte er, dass die junge Generation sein Weltbild annimmt, so wie es Ernestine Meunié tat.

Zunächst wurden 30 Schüler, 12 Mädchen und 18 Jungen, aufgenommen. Es sollten nicht mehr sein, da man die Schüler und die neue Lehrmethode genau beobachten musste. Ferrer wusste, dass die Kritiker der Escuela Moderna jede Möglichkeit nutzen würden, um die gemeinsame Erziehung beider Geschlechter, die damals in Spanien unüblich war, zu kritisieren.16 Entgegen seines Ziels, alle in der Gesellschaft vertretenen Klassen zu bilden, konnten sich die Arbeiter, aufgrund des hohen Schulgelds, den Besuch der Schule nicht leisten. Im Gegensatz zu seiner Tochter, die der Schule vorwarf Standesdünkel zu fördern, sagten Ferres Unterstützer, die Arbeiterklasse sei zu sehr in Klassenkämpfe verwickelt, so dass sie nicht direkt unterrichtet werden könnten. Stattdessen sollten die an der Escuela Moderna ausgebildeten Mittelständler die Arbeiterschaft im Falle einer Revolution freiwillig anführen.17 1902 gründete Ferrer einen Schulbuchverlag, indem vor allem die Schulbücher für die Escuela Moderna oder assoziierte Schulen publiziert wurden. Einige von ihnen schrieb Ferrer selbst.18 Dieser verlegte nicht nur Schulbücher, sondern auch Propagandawerke aus seiner Feder, die für wenig Geld an die Bevölkerung verkauft wurden. Hierdurch besserte er sein Kapital auf. Ferrers Hauptanliegen galt jedoch der Verbreitung seiner propagandistischen Schriften, sodass er diese auch an die verschenkte, die sich seine Werke nicht leisten konnten.

1906 besuchten 1000 Schüler 34 moderne Schulen in Katalonien. Dazu kommen einige von seinen Publikationen beeinflusste Schulen in Valencia und in großen Städten Andalusiens. Viele dieser assoziierten Schulen waren nicht mehr als ein spärlich möblierter Raum in gewissen politischen Zentren. Die Schüler wurden dort oftmals von Laien unterrichtet. Trotzdem waren diese „Hinterhofschulen“ erfolgreich, da die Arbeiterklasse nach Bildung dürstete. Am 12. April 1906 hatten Ferrer und die rationale Schulbildung den Höhepunkt erreicht. An diesem Tag führte 1700 Schüler auf einer Demonstration für säkulare Bildung an.19

[...]


1 Vgl. Klemm, Ulrich: Francisco Ferrer. Ein libertärer Schulreformer im Kontext der Bildungsgeschichte, Berlin/Hamburg, 2004, S.12.

2 Bookchin, Murray: The Spanish Anarchists. The Heroic Years 1868-1936, New York 1977, S.129.

3 Vgl. Klemm: Francisco Ferrer, S.12.

4 Vgl. Ullman, Joan Connely: The Tragic Week. A Study of Anticlericalism in Spain, 1875-1912, Cambridge, Massachusetts 1968, S. 95.

5 Vgl. Klemm: Francisco Ferrer, S.12.

6 Vgl. Ferrer, Francisco: Revolutionäre Schule, Berlin 1970, S. 13.

7 Vgl. Pastor, Ramón: Gutachten des General-Auditeurs der 4. Region. In: Urteil gegen Francisco Ferrer Guardia durch das ordnungsmäßig zusammengesetzte Kriegsgericht in Barcelona, Berlin 1909, S. 49.

8 Vgl. Ferrer: Revolutionäre Schule, S. 14.

9 Ebd, S.15.

10 Vgl. Bookchin: The Spanish Anarchists, S. 130.

11 Vgl. Ferrer: Die revolutionäre Schule, S. 18.

12 Ferrer: Revolutionäre Schule, S. 31.

13 Ebd. S.31.

14 Vgl. ebd. S. 34f.

15 Vgl. Ullman: The Tragic Week, S. 95.

16 Vgl. Ferrer: Revolutionäre Schule, S.22.

17 Vgl. Ullman: The Tragic Week, S. 97.

18 Vgl. Klemm: Francisco Ferrer, S. 13.

19 Vgl. Ullman: The Tragic Week, S. 98.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Justizmord an Francisco Ferrer Guardia
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V200419
ISBN (eBook)
9783656265467
ISBN (Buch)
9783656265726
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Francisco Ferrer Guardia, Ferrer, Escuela Moderna, Spanien, Tragische Woche, Anarchismus, Anarchosyndikalismus, Spanische Kirche, Kirche, Alfonso, Francisco Ferrer
Arbeit zitieren
Stephan Budde (Autor), 2010, Der Justizmord an Francisco Ferrer Guardia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200419

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