Die Mobilität der Söldnerheere während der Dreißigjährigen Krieges und die Folgen dieser Mobilität


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik
2.1. Äußere Quellenkritik
2.1.1. Der Autor der Quelle
2.1.2. Entstehungsdatum und Entstehungsort der Quelle
2.1.3. Der Adressat der Quelle
2.1.4. Zweck und Funktion der Quelle
2.1.5. Kategorie der Quelle
2.1.6. Überlieferungsart der Quelle
2.2. Innere Quellenkritik
2.2.1. Quellensyntax
2.2.2. Quellensemantik- und Ikonographie
2.2.3. Quellenpragmatik
2.2.4. Interpretation der Quelle bezüglich der eigenen Fragestellung

3. Schluss

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Dreißigjährige Krieg wurde vor über 300 Jahren in Münster[1] und Osnabrück mit dem Westfälischen Frieden für beendet erklärt, und trotzdem spüren wir seine Folgen bis heute. Nicht nur weil er die deutsche Kleinstaaterei mit Fürstentümern, Herzogtümern und Königreichen für viele weitere Jahre zementierte und Europa theologisch trennte, sondern auch weil er das Sinnbild für den ersten entfesselten europäischen Großkonflikts ist. Ein Krieg, der sich mehr und mehr verselbstständigte und sich kaum noch stoppen ließ. Auch die flächendeckende Verwüstung und das Vorgehen der Söldnerheere waren neu. Zwar lebten schon früher Söldnerheere aus dem besetzten Land, im Dreißigjährigen Krieg nahm diese Praxis aber völlig neue Maßstäbe an und wurde zur Kriegstaktik. Wallensteins berühmte Aussage „Der Krieg ernährt den Krieg“ fasst dieses Vorgehen kurz und bündig zusammen. Der Dreißigjährige Krieg war aber auch eine Zäsur in der Kriegsführung, war er doch das letzte Aufbäumen der großen Söldnerheere. Später gingen Staaten dazu über, eigene Berufsheere aufzustellen und stellten die Praxis ein, im Kriegsfall fremde Söldner unterschiedlichster Herkunft, Konfession und Motivation anzuwerben.

Mitten in diesem dreißig Jahre andauernden Inferno auf deutschem Boden schrieb der langjährige Söldner Peter Hagendorf sein Tagebuch und macht es uns heute möglich nicht nur die Gedankenwelt der Adligen, hohen Offiziere und Generälen während des Krieges zu verstehen, sondern auch die des einfachen Söldners. Sein Tagebuch, welches erst Mitte der 80er Jahre[2], also etwa 330 Jahre später,in der Preußischen Staatsbibliothek Berlin gefunden wurde, vermittelt uns ein völlig anderes Bild des Krieges, ein hautnahes,weniger pathetisches und relativ ideologiefreies.

Dieses Tagebuchist für diese Hausarbeit die Hauptquelle und die einzige realitätsnahe Schilderung des Lebens eines Söldners während des Dreißigjährigen Krieges[3]. Anhand dieser Quelle will ich herausfinden, welche Folgen die ständige Mobilität für die Söldner hatte und wie das Leben des einfachen Fußvolks war. Was waren die sozialen, psychologischen und persönlichen Folgen für die Söldner, die über dreißig Jahre vonOrt zu Ort zogen, um zu töten, getötet zu werden, um für das eigene Überleben oder für persönliche Vorteile zu kämpfen?

2. Quellenkritik

2.1. Äußere Quellenkritik

2.1.1. Der Autor der Quelle

Als das Tagebuch des Söldners Mitte der 80er in der Preußischen Staatsbibliothek Berlin von Jan Peters entdeckt wurde, wusste man nicht, wie der Autor hieß, denn seinen Namen hat er damals nirgendwo niedergeschrieben[4]. Einzig durch die Namen der Frau und der Kinder ließen sich Rückschlüsse auf den Namen des Söldners ziehen und über diese wurde auch sein Name ermittelt. Durch einen Eintrag im Kirchenbuch in Pappenheim[5], in dem das Taufdatum seiner Tochter vermerkt wurde, konnte sein Name ermittelt werden: Peter Hagendorf.

Sein Tagebuch, welches seine Erlebnisse von 1625 bis 1649[6] dokumentiert, stellt bis heute einen einzigartigen Einblick in das Leben der einfachen Söldner während und nach dem Dreißigjährigen Krieg dar.

In seinem Tagebuch erkennt man schnell, dass Peter Hagendorf schon lange mit dem Krieg vertraut war, ließ er sich doch schon vor dem Kriegin Italien anwerben. Nach dem Krieg kehrte er 1649 auch dorthin zurück, da sein Beruf in Deutschland nicht mehr gefragt war.

Über seine soziale Herkunft ist wenig bis nichts bekannt und in seinem Tagebuch wird nichts dazu erwähnt. Das häufige Erwähnen von Mühlen[7] auf seinen Reisen könnte auf ein besonderes Interesse an diesen Gebäuden hinweisen. Eventuell war er Müller oder war der Sohn eines Müllers. Die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können lässt auf eine Herkunft aus der mittleren bis oberen Bevölkerungsschicht schließen. Die meisten einfachen Söldner kamen aus den unteren Schichten (Bauern, Handwerker, Arbeitslose, teils Kriminelle) und waren dazu selten in der Lage.

2.1.2. Entstehungsdatum und Entstehungsort der Quelle

Das Tagebuch dokumentiert einen Zeitraum von vierundzwanzig Jahren und besteht aus den Notizen, die Peter Hagendorf auf seinen Reisen als Söldner durch Italien, Frankreich und Deutschland aufgeschrieben hat. Nach dem Krieg fasste er diese auf Papier zusammen und vereinte sie zu einem einzigen Text. Da das Tagebuch um 1649 endet, müssen wir davon ausgehen dass er diese Arbeit um 1647kurz vor Kriegsende und 1649[8], kurz bevor er mit seiner Familie erneut Richtung Italien aufbrach[9], betrieben hat. Die Arbeit bestand darin, die im Laufe der Jahre angesammelten Notizen zu sammeln, chronologisch zu ordnen, auf Papier niederzuschreiben und als Buch zu binden.

2.1.3. Der Adressat der Quelle

Da die Quelle als Tagebuch verfasst wurde und daher privater Natur ist, hat sie keinen Adressaten. Ein Tagebuch wird in der Regel nicht verfasst damit andere es lesen und dient als Sammlung persönlicher Erinnerungen um das Erlebte festzuhalten und chronologisch zu ordnen. Ein Leser wird in der Regel nicht vorgesehen, wird auch nicht angesprochen.

Man muss aber auch zwischen unserem modernen Verständnis des Tagebuchs und dem damaligen unterscheiden. Heute verstehen wir unter einem Tagebuch eine Textform, welche eine Person verfasst, um eigene Gedanken, Gefühle und Erlebnisse für sich selbst festzuhalten. Diese Form ist allerdings relativ neu und entstand erst im Laufe des 18. Jhd.[10]

Während der Frühen Neuzeit sah das Tagebuch etwas anders aus. Diese entwickelten sich aus den sog. Chroniken, weshalb man sie auch als „Privatchroniken“ bezeichnen könnte. Der Hauptunterschied bestand darin, dass Tagebücher damals deutlich informativer und weniger persönlich geschrieben wurden[11], wobei dieser Aspekt sich nach und nach ausbildete. Zudem wurden Tagebücher innerhalb der Familie weitergereicht[12]. So könnte Hagendorf sein Tagebuch an seinen Sohn weitergereicht haben, und dieser evtl. an seinen. Das Tagebuch sollte so auch als familiäres Nachschlagewerk dienen. Sie waren damals deutlich funktionaler als unsere modernen Tagebücher.

2.1.4. Zweck und Funktion der Quelle

Bei der Quelle handelt es sich um ein Tagebuch, welches, wie bereits erwähnt, dem chronologischen Sammeln und Ordnen der Gedanken und Erlebnissen des Autors dient. Dieser schreibt diese mit dem Ziel nieder, diese nochmals reflektieren zu können, damals auch mit dem Ziel nachkommende Familienmitglieder zu informieren[13]. Ein Tagebuch hat meistens einen subjektiven Sinn für den Autor und wird hauptsächlich für ihn oder sie selbst geschrieben, allerdings wurden damals auch vertraute Menschen als Leser berücksichtigt.

2.1.5. Kategorie der Quelle

Die Quelle könnte man in beide Kategorien, also Überrest[14] oder Tradition[15], einsortieren, je nachdem wie man sie interpretiert. Als Tagebuch lässt sich die Quelle klar als Überrestklassifizieren, also als eine Quelle, welche nicht dazu geschaffen wurde, nachkommenden Generationen Informationen zu überliefern. Tagebücher sind privater Natur und haben nicht die Aufgabe, anders als Memoiren, spätere Leser zu informieren und anzusprechen.

Da das Tagebuch aber auch als Reisebericht geschrieben wurde, und Peter Hagendorf uns eventuell doch seine persönliche Geschichte überliefern wollte, könnte man es auch als Tradition einordnen, also eine Quelle welche mit der Absicht erstellt wurde, Informationen zu übermitteln. Reiseberichte oder Memoiren wären Beispiele für Quellentypen der Tradition, welche sich inhaltlich mit dem Tagebuch decken würden.

Im Sinne der Fragestellung (siehe Seite 3f.) und der Erkenntnis, dass Tagebücher damals auch als Nachschlagewerk[16] für die Familie geschrieben wurden, ist Hagendorfs Tagebuch dem Quellentyp der Tradition zuzuordnen. Ein modernes Tagebuch ab dem 18. Jhd. würde man dagegen als Überrest klassifizieren.

[...]


[1] Bedürftig, Friedmann: Der Dreißigjährige Krieg. Ein Lexikon. Seite 184-188.

[2] Strempel, Johannes: Handwerker des Todes. In: GEO Epoche (2008), Nr. 29. Seite 99

[3] Von Müller, Marco: Das Leben eines Söldners im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Magisterarbeit. Freie Universität Berlin 2005. Seite 3.

[4] Von Müller, Marco: Ein Söldnerleben. Seite 4.

[5] Ebd.

[6] Strempel, Johannes: Handwerker des Todes. In: GEO Epoche (2008), Nr. 29. Seite 109

[7] Von Müller, Marco: Ein Söldnerleben. Seite 10.

[8] Von Müller, Marco: Ein Söldnerleben. Seite 3.

[9] Strempel, Johannes: Handwerker des Todes. In: GEO Epoche (2008), Nr. 29. Seite 109.

[10] Spies, Britta: Zur Geschichte des Tagebuchs, in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe. URL: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/mein_18_November/geschichte/ (Stand: 04.05.12)

[11] Ebd.

[12] Spies, Britta: Zur Geschichte des Tagebuchs, in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe. URL: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/mein_18_November/geschichte/ (Stand: 04.05.12)

[13] Ebd.

[14] Von Brandt, Ahasver: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die historischen Hilfswissenschaften. Bd. 17. Stuttgart 2007. Seite 52f.

[15] Ebd.

[16] Spies, Britta: Zur Geschichte des Tagebuchs, in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe. URL: http://www.lwl.org/LWL/Kultur/mein_18_November/geschichte/ (Stand: 04.05.12)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Mobilität der Söldnerheere während der Dreißigjährigen Krieges und die Folgen dieser Mobilität
Hochschule
Universität Paderborn  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Reisen in der Frühen Neuzeit
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V200599
ISBN (eBook)
9783656594352
ISBN (Buch)
9783656594277
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dreißigjähriger Krieg, Söldner
Arbeit zitieren
Romolus Remus (Autor), 2012, Die Mobilität der Söldnerheere während der Dreißigjährigen Krieges und die Folgen dieser Mobilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200599

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