Das Heraion auf Samos


Seminararbeit, 2011

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Lage und mythologische Überlieferung

2. Forschungsgeschichte

3. Heiligtumsbeschreibung
3.1 „Heraion“ – Dorf
3.2 Hekatompedos I
3.3 Neubau im 7. Jh. v. Chr. (Hekatompedos II)
3.4 Rhoikos – Tempel
3.5 Polykrates – Tempel

4. Überblick über den Rhoikos – Tempel
4.1 Ionische Ordnung
4.2 Allgemeines zum Heiligtum
4.3 Aufbau

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

In der folgenden Arbeit, zum Thema „Das Heraion auf Samos“ im Zusammenhang mit dem Proseminar „Griechische Tempel“, möchte ich einen Überblick über die Entwicklungen des Temenos auf Samos vom mittleren 2. Jahrtausend v. Chr. bis in die byzantinische Zeit geben. Besonders werde ich dabei auf den Rhoikos – Tempel, dessen Aufbau und Architekten eingehen, der zu jener Zeit der erste Tempel seiner Art, also vorbildlos, war. Des Weiteren werde ich kurz auf die Forschungsgeschichte, sowie auf die ionische Ordnung, in welcher der Rhoikos – Tempel gebaut wurde, eingehen. Bilder sollen dabei Helfen das Thema anschaulicher zu gestalten.

1 Lage und mythologische Überlieferung

Die Insel Samos befindet sich im Ägäischen Meer, nahe der Küste Kleinasiens und gehört somit zu Ostionien. Auf der Insel findet man Berge, Ebenen, die aus Schwemmland bestehen, Hügelketten und natürlich Flüsse. Nahe dem Strand, ca. 7 km südwestlich[1][2][3] der späteren Stadt, trifft man auf das Heiligtum der Göttin Hera, von dem heute nur noch eine stehen gebliebene Säule und zahlreich am Boden liegendes Material erhalten ist.

Auch an der Stelle, an der man das Heraion antrifft, befindet sich eine Schwemmebene des Flusses Imbrasos. Der volkstümliche Name des Ortes lautete „Kolonna“, welchen er durch die eine, noch stehen gebliebene Säule des Heiligtums erhalten hatte. Neben dem Heraion von Argos, ist dies die berühmteste Kultstätte, in der man Hera verehrte und zeitweilen übertraf diese alle übrigen griechischen Heiligtümer des 6. Jh. v. Chr.[4]

Pausanias (Paus. VII 4,4) überlieferte, dass Hera am Ufer des Imbrasos unter einem Lygosbaum geboren sei[5], was nun auch erklärt, warum man diesen Baum als Kultbaum im Heiligtum verwendet hatte. Er beschreibt auch, dass die Argonauten ein Holzbild der Hera mit nach Samos gebracht hätten. Des Weiteren wird bei Athenaios (Athen. XV 672) gesagt, dass die Einwanderer, die in der großen Wanderungszeit auf Samos angekommen waren, eine absonderlich geformte Bohle in einer Flussniederung des Imbrasos gefunden hätten, welche von den Zweigen des Lygosstrauches umwickelt gewesen sei. Die Bewohner dachten, dass sie darin die Naturgöttin Hera erkannten. Wohlmöglich, dass die Einwanderer aus der Nähe von Argos waren und den Kult der Hera mit auf die Insel brachten.

2 Forschungsgeschichte

Als den ersten Ausgräber des Heraions von Samos bezeichnet man Josephe Pitton de Tournefort, welcher ein französischer Arzt und Botaniker war. Jener war im Auftrag Ludwig XIV. im 18. Jh. auf die Insel gekommen, während er auf einer Reise nach Anatolien war. Neben der noch stehenden Säule, sah er eine zweite, auf deren Basis noch eine Schafttrommel war, sowie auch noch einige weitere Basen. Noch dazu lies er ein Kapitell freilegen, bei dem er feststellte, dass es das einzige seiner Art war.[6][7]

Im 18. und 19. Jh. zeichneten und beschrieben Richard Pococke, Marie-Gabriel-Florent-Auguste Choiseul-Goffier und James Dallaway die vorgefundenen Reste des Baus[8], wobei die Beschreibung von Pococke stark von der Beschreibung von Tournefort abwich und bei Choiseul-Gouffier, als sie ankam, das ganze Gelände stark mit Gestrüpp zugewachsen war[9].

Paul Girard fand an der NO-Ecke des Tempels die archaische „Hera“, die sich heute im Louvre befindet (Inv. Nr. Ma 686).

1902/03 grub die Griechisch Archäologische Gesellschaft unter Panagiotis Kavvadias und Themistoklis Sophoulis am Heraion und gewannen erste Erkenntnisse über den „Rhoikos“-Tempel.

1910-1913 wurden unter Theodor Wiegand und Martin Schede im Auftrag der Berliner Museen Grabung durchgeführt, bei denen auch der Heratempel und die meisten anderen Bauten ans Licht kamen. Aber leider wurde deren Ausgrabung durch den ersten Weltkrieg unterbrochen.

Die Grabung nahm man erst 1925 unter der Leitung von Ernst Buschor im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts wieder auf, welche dann erneut durch den Ausbruch des zweiten Weltkriegs 1939 unterbrochen werden musste. 1951 konnte er diese aber fortführen[10]. Er fand auch die alten Altäre, die ältesten Tempel und den „Rhoikos“ – Tempel.

Nach dessen Tod, also ab 1963 bis 1975[11], setzte die Grabung mit Ernst Homann - Wedeking fort. Diesem folgten Helmut Kyrieleis, der das Grabungsareal nach Osten hin erweiterte und Hermann Kienast, der ab 1985 die Grabung leitete.

Hans Walter fand im Jahre 1963 östlich hinter dem früheren Altar in tieferen Schichten einen Baumstumpf. Es wurde zuerst geglaubt, dass dies Reste des Lygos Kultbaums seien. Da es aber einige Ungereimtheiten gab, stellte man Nachforschungen, die zum Ergebnis führten, dass der Baumstumpf von einem Wacholderbaum stammt und nicht vom Lygosbaum.[12]

3 Heiligtumsbeschreibung

3.1 Das „Heraion“ – Dorf

Im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. befand sich an der Stelle, wo später das Heiligtum anzutreffen war, das sogenannte „Heraion“-Dorf. Dieses Dorf umgab man mit einer Mauer. Die Häuser waren mit Feldsteinen und Lehmziegeln gemacht und waren mehr lang als breit. Vor einem Megaronhaus befand sich ein Wasserbecken mit Grundwasser darin, was aus Kieseln und Kalksteinen gemacht wurde. Daneben fand man einen mit Steinen gelegten Kreis und einen Halbkreis vor, auf dem noch ganze Krüge standen, als man den Ort ausgrub. Deswegen denkt man bei diesem Ort auch sofort an einen Kultplatz, an dem die Dorfleute eine Natur- und Fruchtbarkeitsgottheit verehrt haben. Dort wurde ab dem späteren 2. Jahrtausend am Lygosbaum die Göttin Hera verehrt und man umgab das Dorf mit einer noch breiteren Mauer als zuvor. Dort gab es auch einen Altar und einen offenen Schrein oder ein Schutzdach für das hölzerne Kultbild. Als Ende des 2. Jahrtausends ionische Griechen dort einwanderten, änderte sich lange Zeit nichts.[13][14][15][16]

[...]


[1] Vgl. H. Walter, Das griechische Heiligtum (1990) 13

[2] Vgl. G. Gruben, Griechische Tempel und Heiligtümer (2001) 348

[3] Vgl. H. Kyrieleis, Führer durch das Heraion von Samos (1981) 9

[4] Vgl. ebd. 9, 13

[5] Vgl. ebd. 10

[6] Vgl. H. Walter, Das griechische Heiligtum (1990) 203

[7] Vgl. O. Reuther, Der Heratempel von Samos (1957) 9

[8] Vgl. H. Kyrieleis, Führer durch das Heraion von Samos (1981) 55

[9] Vgl. O. Reuther, Der Heratempel von Samos (1957) 9

[10] Vgl. H. Kyrieleis, Führer durch das Heraion von Samos (1981) 57

[11] Vgl. ebd. 57

[12] E. Homann-Wedeking. AA 1964, 220ff. in: H. Kienast, Topographische Studien im Heraion von Samos. AA 1992 174

[13] Vgl. G. Gruben, Griechische Tempel und Heiligtümer (2001) 351ff.

[14] Vgl. H. Berve – G. Gruben, Tempel und Heiligtümer der Griechen (1978) 37ff.

[15] Vgl. H. Walter, Das griechische Heiligtum (1990) 17f.

[16] Vgl. H. Kyrieleis, Führer durch das Heraion von Samos (1981) 40f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Heraion auf Samos
Hochschule
Universität Salzburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V200673
ISBN (eBook)
9783656290155
ISBN (Buch)
9783656290797
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Samos, Heraion, Rhoikos-Tempel, Ionische Ordnung, Griechische Architektur
Arbeit zitieren
Jessica Schnugg (Autor), 2011, Das Heraion auf Samos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200673

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