Um Kinder und Jugendliche angemessen und hilfreich fördern zu können ist es wichtig, dass eine vollständige und aussagekräftige Diagnose zu Grunde liegt. Im Rahmen medizinischer, therapeutischer, aber auch pädagogischer Diagnostik ist die Anamnese die erste Möglichkeit Informationen zum biografischen Hintergrund von Kindern und Jugendlichen zu sammeln.
Diese Hausarbeit ist im Wesentlichen in zwei Teile untergliedert. So wird im ersten Teil ein Abriss gegeben, was der Begriff der Anamnese beinhaltet, weshalb sie für pädagogische Belange von Bedeutung ist, was ein Anamnesebogen umfasst und wie sie durchgeführt werden kann. Im zweiten Teil wird skizziert, wie projektive Verfahren als Instrument der Anamnese eingesetzt werden. Der letzte Teil vertieft übersichtsartig das projektive Verfahren „Familie in Tieren“, wie es durchgeführt und ausgewertet wird. In einem letzten Punkt werden Stärken und Schwächen des Verfahrens bezogen auf den anamnetischen Einsatz dargestellt. Um die Seitenvorgabe der Hausarbeit nicht zu überschreiten, werden die Themen lediglich übersichtsartig angerissen.
In dieser Hausarbeit wird grundsätzlich die geschlechtsneutrale Schreibweise „_innen” verwendet. Diese hat die Funktion, dass nicht nur Frauen, sondern auch Menschen, die sich zwischen beziehungsweise außerhalb der Zweigeschlechtlichkeit zugehörig fühlen, bedacht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Begriff „Anamnese“
2.1 Die Anamnese und ihre Bedeutung für die pädagogische Arbeit
2.2 Das Verfassen eines Anamneseberichtes
2.3 Durchführung der Anamnese
3 Der Einsatz projektiver Verfahren als Anamnese-Instrumente
4 Die Familie in Tieren
4.1 Die Darstellung der Tiere synonym für Menschen
4.2 Die gestalterische Darstellung beim Testverfahren
4.3 Versuchsanordnungen und Deutung
4.3.1 Formale Deutung
4.3.2 Die inhaltliche Deutung
5 Stärken und Schwächen des Tests im anamnetischen Kontext
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Anamnese in der pädagogischen Diagnostik und beleuchtet den Einsatz projektiver Verfahren, insbesondere des Tests „Familie in Tieren“, als unterstützendes Instrument zur Erhebung biografischer Hintergründe und Familiendynamiken bei Kindern und Jugendlichen.
- Grundlagen und Durchführung der Anamnese in pädagogischen Kontexten
- Theoretischer Rahmen projektiver Verfahren
- Durchführung und Auswertung des Tests „Familie in Tieren“
- Analyse graphischer Merkmale in Kinderzeichnungen
- Kritische Reflexion der Stärken und Schwächen projektiver Diagnostik
Auszug aus dem Buch
4 Die Familie in Tieren
Dieses Verfahren entstand 1950 in der Praxis der Erziehungs- und Schulberatung und wurde dort weiterentwickelt. Anstoß für die Entwicklung war ein elfjähriger Junge. Nach Aussage der Eltern und Lehrer wurde er als „lahm, faul, interesselos, unkonzentriert und unproduktiv“ beschrieben. Es konnte trotz einer Anamnese mit der Mutter und der Durchführung verschiedener Tests keine Ursache für das Verhalten des Jungen festgestellt werden. Es war zu erkennen, dass der Junge Freude daran hatte, seine Familie in Tieren zu zeichnen und auch die Ursache für sein Verhalten konnte aufgedeckt werden. Es folgte eine siebenjährige Forschungsarbeit, in Folge dessen das Verfahren ab 1957 der Praxis als diagnostisches Mittel zugänglich gemacht wurde.
Grundlage des Testverfahrens ist die thematisch festgelegte projektive Zeichnung. „Das Kind wird aufgefordert, seine eigene Familie (und sich selbst) als Tiere zu zeichnen: „Du kennst doch Märchen, da werden oft Menschen in Tiere verwandelt und umgekehrt. Stelle Dir einmal vor, Deine Familie wäre eine Tierfamilie und zeichne Euch alle, natürlich auch Dich selbst, als Tiere. Nummeriere bitte die Reihenfolge nach der Du zeichnest und schreibe unter jedes Tier, wen es darstellen und was für ein Tier es sein soll. Es kommt nicht darauf an, dass Du besonders schön zeichnest, sondern nur darauf, was Du darstellen willst.“
Ziel ist es, dass sich Affekte und Emotionen lösen und zeichnerisch auf ein Blatt gebracht werden. Durch Deutung, welche als Tiefenschau funktioniert werden dann Rückschlüsse gezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Anamnese für die pädagogische Diagnostik und skizziert den Aufbau der Hausarbeit sowie die Verwendung der geschlechtsneutralen Schreibweise.
2 Der Begriff „Anamnese“: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Anamnese, beschreibt deren Stellenwert in pädagogischen Arbeitsfeldern und erläutert sowohl das Verfassen eines Berichts als auch die Durchführung des Gesprächs.
3 Der Einsatz projektiver Verfahren als Anamnese-Instrumente: Der Abschnitt führt in die theoretischen Grundlagen der Projektion ein und klassifiziert verschiedene projektive Verfahren für den diagnostischen Einsatz.
4 Die Familie in Tieren: Hier wird das spezifische Testverfahren detailliert vorgestellt, seine Entstehungsgeschichte beleuchtet und die Methodik der formalen sowie inhaltlichen Deutung der Zeichnungen erläutert.
5 Stärken und Schwächen des Tests im anamnetischen Kontext: Das Kapitel diskutiert den Nutzen des Tests für die Hypothesenbildung und den Beziehungsaufbau sowie die methodischen Grenzen bezüglich der wissenschaftlichen Gütekriterien.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Rolle der Anamnese als wichtigen diagnostischen Einstieg zusammen und bewertet den Test „Familie in Tieren“ als unterstützendes Instrument für die pädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Anamnese, Pädagogische Diagnostik, Familie in Tieren, Projektive Verfahren, Kinderzeichnung, Familiendynamik, Sonderpädagogik, Diagnostischer Prozess, Testverfahren, Psychodynamik, Erziehungsberatung, Hypothesenbildung, Förderplanung, Tiefenschau, Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung und Durchführung einer Anamnese bei Kindern und Jugendlichen in pädagogischen Kontexten und untersucht den speziellen Einsatz des projektiven Testverfahrens „Familie in Tieren“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die Grundlagen der pädagogischen Anamnese, die Einordnung projektiver Verfahren sowie die detaillierte Durchführung und Deutung des Tests „Familie in Tieren“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein projektives Verfahren als wertvolles, unterstützendes Instrument in der sonderpädagogischen Anamnese dienen kann, um Familiendynamiken besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse zur Anamnese und einer detaillierten Erläuterung der projektiven Testmethode nach Brem-Gräser.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Anamnese, die Klassifizierung projektiver Techniken und eine vertiefende Analyse der Anwendung und Auswertung des Verfahrens „Familie in Tieren“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Anamnese, pädagogische Diagnostik, projektive Verfahren, Familie in Tieren und Familiendynamik.
Was zeichnet das Verfahren „Familie in Tieren“ besonders aus?
Es ermöglicht Kindern, die Schwierigkeiten haben, ihre Gedanken verbal zu äußern, ihre Familiensituation zeichnerisch darzustellen und so unbewusste Dynamiken offen zu legen.
Kann der Test zur Persönlichkeitsbewertung genutzt werden?
Nein, die Autorin betont, dass der Test aufgrund mangelnder Standardisierung nicht zur alleinigen Persönlichkeitsbewertung geeignet ist und immer in weiterführende diagnostische Prozesse eingebettet werden muss.
- Quote paper
- Sozialarbeiterin B.A. Karin Susan Luther (Author), 2011, Das projektive Verfahren „Familie in Tieren“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200845